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Neue Wege in den Körper: Single Port Surgery bietet Vorteile – aber nur von Fall zu Fall

Hamburg (idw) – Die Single Port Surgery – Operationen im Körper über einen einzigen Zugang – macht große Fortschritte. Damit entwickeln sich Operationen am menschlichen Körper noch weiter hin zu maximaler Schonung des Patienten, nachdem sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten das minimal invasive Operieren mit Laparoskopen bereits erfolgreich etabliert hat. Allerdings gilt es, Vor- und Nachteile der Single Port Surgery klar zu benennen und abzuwägen. Das betonen Harburger Chirurgen in der aktuellen Ausgabe der Ärztezeitschrift medtropole.

Der Haupterfolg der minimal invasiven OP-Techniken liegt in der rascheren Erholung nach dem Eingriff. Die Single Port Surgery reduziert die Zahl der Zugänge in den Körper nun auf nur mehr einen. Gleichzeitig gilt es jedoch, Vor- und Nachteile gegenüber der klassischen, offenen oder laparoskopischen Operation im Einzelfall genau abzuwägen. Vorstellbare Nachteile können für Patienten gravierend sein, berichten Prof. Dr. Friedrich Kallinowski und Axel Mahn aus der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Asklepios Klinik Harburg in der medtropole. So sei heute klar, dass die Entfernung der Gallenblase via Laparoskop in der Fläche weniger Narbenbrüche, aber mehr Verletzungen der Gallenwege gebracht habe, wenn in komplizierten Fällen nicht frühzeitig auf bewährte Verfahren umgestiegen worden sei.

Vor- und Nachteile der neuen Verfahren

Auch für die Single Port Surgery zeigen sich laut medtropole Vor- und Nachteile deutlich. So benötigen auch erfahrene laparoskopische Operateure eine gewisse Zeit, um sich an die notwendigen Arbeitsschritte zu gewöhnen. Nicht jedem gelinge es, ohne eine gewisse Lernzeit beidhändig und mit gekreuzten Instrumenten zu arbeiten, so die Autoren. Bei einem Eingriff etwa an der Gallenblase seien daher längere Operationszeiten als bei einer konventionell laparoskopischen Operation einzukalkulieren. Dies, so das Fachblatt, führe zu höheren Kosten für die Krankenhäuser und längerer Narkosedauer für die Patienten. Die seien ihrerseits nach einer Schweizer Umfrage jedoch zu 97 Prozent bereit, eine Erhöhung der Komplikationsrate auf drei Prozent hinzunehmen, wenn dafür die Operation ohne Narben durchgeführt werden kann und das Ziehen von Fäden und das Entfernen von Klammern entfallen.

Die neuen Techniken der Single Port Surgery lassen sich in drei Gruppen einordnen: Narbenfreies Operieren über natürliche Körperöffnungen (NOTES), Operationen über einen bis zu 30 Millimeter großen Einschnitt am Nabel (SILS, LESS) und eine Kombination beider Techniken. Dabei ist das ausschließliche Operieren über natürliche Körperöffnungen wie Magen, Darm oder Vagina mit den größten Risiken behaftet. Operationen über den Bauchnabel oder eine Kombination beider Verfahren erweisen sich nach den Erfahrungen der jüngsten Zeit als effektiv und risikoarm für die Patienten.

Höhere Kosten, aber kürzere Liegezeit

Da inzwischen viele Patienten das Krankenhaus nach schonenden offenen Operationen in der Regel am siebten Tag auch nach größeren Eingriffen wieder verlassen können, kommen die weiter entwickelten Operationstechniken der Single Port Surgery derzeit nur in bestimmten Fällen zum Einsatz. Dies hat auch mit den höheren Kosten zu tun. Denn der rasanten technischen Entwicklung moderner Laparoskopie und Endoskopie steht bekanntermaßen der deutliche Kostendruck im Gesundheitswesen gegenüber. Das teure Einweginstrumentarium für eine entsprechende Operation bei der Single Port Surgery lässt sich nur schwer durch die Verkürzung der Liegezeit aufwiegen.

Ausblick in die Zukunft

Ausgewählte Patienten profitieren aber bereits jetzt von den modernen Techniken und freuen sich über kosmetisch möglichst unauffällige Narben. Das gemeinsame Interesse der Fachwelt und der Industrie wird die Entwicklung neuer Instrumente weiter vorantreiben. Beispiele sind winkelbare Optiken, geknickte Instrumente, innovative Seilzüge und Bewegungstechniken, robotergestützte Operationstechniken, gelartige Zugangssysteme und vieles andere mehr. Patienten entscheiden sich vor allem für einen solchen Eingriff, wenn sie von dessen Vorteilen überzeugt sind. Allerdings ermöglichen die konventionell ausgeführten laparoskopischen Eingriffe bereits sehr gute kosmetische Ergebnisse.

(Pressemeldung der Asklepios Kliniken auf idw-online.de)

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