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Studie. Foto: philippedela. Lizenz: CC0

Schmerzmittel und Krebsrisiko – Zusammenhänge trotz valider Studienergebnisse ungeklärt

Seit Jahren gibt es immer wieder neue Berichte, dass Aspirin (Acetylsalicylsäure, ASS), das Krebsrisiko senken kann. Da drängt sich der Gedanke auf, dass das Schmerzmittel ASS für jedermann zur Vorsorge geeignet sein könnte. Ist dem aber wirklich so? Ist was dran, an diesen Meldungen?

ASS und primärer Leberkrebs

Die Ergebnisse einer Studie, die von Forschern des Massachusetts General Hospital (MGH) durchgeführt wurde, stützen die Ergebnisse früherer Studien, die darauf hinweisen, dass die regelmäßige Einnahme von ASS das Risiko der Entstehung von primärem Leberkrebs – auch hepatozelluläres Karzinom (HCC) genannt – reduzieren kann. Die Forscher analysierten Daten aus zwei langfristigen epidemiologischen Studien. Ihr Ergebnis: Eine regelmäßige Aspirin-Einnahme von zwei oder mehr 325mg-Tabletten pro Woche für fünf Jahre oder länger führt zu einem deutlich geringeren Risiko für die Entwicklung von HCC. Die regelmäßige Einnahme von ASS war in Abhängigkeit von der Dosierung (Anzahl der Tabletten je Woche) mit einem um bis zu 51 Prozent verminderten HCC-Risiko verbunden. Die schützende Wirkung nahm im Verhältnis zur Dosissteigerung zu. Die größte Schutzwirkung wurde bei fünf und mehr 325mg-Tabletten pro Woche erreicht.

Wie weit ein durch ASS verursachtes erhöhtes Blutungsrisiko sich gleichzeitig negativ auswirken könnte, wurde nicht untersucht.

ASS und das Ovarialkarzinom

Eine neue Studie, an der das Moffitt Cancer Center beteiligt war, ergab andererseits, dass langzeitliche tägliche Einnahmen von 325mg ASS bei Frauen das Risiko für die Entwicklung eines Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs) erhöhen können. Eine tägliche Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (100mg) senkte demgegenüber das Risiko für das Auftreten eines Ovarialkarzinoms. Die Untersuchung ergab auch, dass Frauen, die lange Zeit über nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAIDs) wie Ibuprofen oder Naproxen verfügten, ein höheres Risiko für die Entwicklung von Eierstockkrebs hatten.

ASS und Darmkrebs

Schon seit längerem ist bekannt, dass ASS unter bestimmten Voraussetzungen die Entstehung von Darmkrebs verhindern und die Überlebensrate von Darmkrebspatienten verbessern kann. Letzteres allerdings nur, wenn der Tumor das Oberflächenprotein PD-L1 (Programmed cell death 1 ligand 1, Synonym: CD274) in nur geringem Maß exprimiert. Bei ASS-Nutzern, deren Tumor das Oberflächenprotein in hohem Maße exprimierte, ergaben sich keine Vorteile aus der ASS-Nutzung.

ASS und Hautkrebs

Eine aktuelle Northwestern Medicine-Studie ergab: Männer, die täglich einmal Aspirin einnehmen, haben ein fast doppelt so hohes Risiko an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, wie Männer, die kein Aspirin einnehmen. Frauen zeigten in dieser Studie kein erhöhtes Risiko.

Risiken und Nebenwirkungen

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass die Zusammenhänge in Bezug auf die verschiedenen Krebserkrankungen längst nicht ausreichend geklärt sind. Ein Vorteil ergibt sich nicht immer aus der Einnahme von ASS. Die Auswirkungen einer langfristigen ASS-Einnahme können in Abhängigkeit von genetischen Tumorgegebenheiten und auch in Abhängigkeit von der ASS-Dosierung durchaus auch von Nachteil sein.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft weist zudem darauf hin, dass ASS bei regelmäßiger Einnahme Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüre verursachen kann. Angesichts des bekannten Blutungsrisikos wird derzeit nicht zur Einnahme von ASS geraten. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) sei zusätzliche Vorsicht geboten, da Acetylsalicylsäure schubauslösend wirken kann.


Wenn du auf irgendeiner „schlauen“ Website gelesen hast, dass du Aspirin nehmen solltest, weil dir das bei deinem Krebs helfen kann, glaube das nicht, ohne mit deinem Arzt zu sprechen. Selbstmedikation kann dir gegebenenfalls schaden!


Quellenangaben:
» Pressemitteilung des Moffitt Cancer Center (Link aufgerufen am 07.10.2018)
» Pressemitteilung des Massachusetts General Hospital (Link aufgerufen am 07.10.2018)
» Marla Paul, Northwestern University: „Daily aspirin linked to double melanoma risk in men“ (Link aufgerufen am 07.10.2018)
» Journal of Clinical Oncology: „Aspirin Use and Colorectal Cancer Survival According to Tumor CD274 (Programmed Cell Death 1 Ligand 1) Expression Status“ (Link aufgerufen am 07.10.2018)
» darmkrebs.de: „Chemoprävention?“ (Link aufgerufen am 07.10.2018)

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