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DNS. Bild: qimono. Lizenz: CC0

Spinale Muskelatrophie: Flunarizin, neuer Wirkstoffkandidat für die spinale Muskelatrophie

Ein Forscherteam des INSERM (französisches Institut für medizinische Forschung – UMR 1124) und der Universitäten Paris-Descartes und Paris-Diderot haben an einem Mausmodell herausgefunden, dass ein bereits zur Behandlung von Migräne und Epilepsie eingesetztes Medikament – Flunarizin – einen molekularen Defekt reparieren kann, der mit der schweren und unheilbaren Spinalen Muskelatrophie (SMA) in Verbindung steht.


Die am Tier durchgeführten Versuche erwiesen sich als sehr vielversprechend und verbesserten den Gesundheitszustand erheblich. In einem nächsten Schritt soll die Wirksamkeit am Menschen getestet werden.

Die Spinale Muskelatrophie ist eine relativ häufig auftretende, genetisch bedingte neuromuskuläre „Seltene Erkrankung“. Ungefähr eines von 10 000 Neugeborenen ist betroffen und ungefähr eine von 40 Personen ist Träger des „Gen-Defektes“. Unter dem Begriff „Spinale Muskelatrophien“ (SMA) wird eine Gruppe von Krankheiten zusammengefasst, denen ein fortschreitender Untergang von motorischen Nervenzellen v.a. im Rückenmark (spinal) gemeinsam ist. Damit können die Impulse vom Gehirn nicht mehr an die angeschlossenen Muskeln weitergeleitet werden, woraus Muskelschwund (Muskelatrophie), Lähmungen (Paresen) und verminderte Muskelspannung (Muskelhypotonie) resultieren. Meist treten die ersten Symptome nach der Geburt (Unvermögen den Kopf zu halten) oder im Kleinkindalter (unfähig zu laufen) auf, und nur in seltenen Fällen in der Adoleszenz, wo sie sich durch starke Muskelstörungen äußern.

Aufgrund eines Gen-Defektes wird ein bestimmtes Protein, das SMN-Protein, nicht in genügender Menge produziert. Dadurch erkranken die Motoneuronen (Nervenzellen), die normalerweise Impulse an die Muskeln weiterleiten. Ein fast identisches Gen (SMN2) übernimmt die Funktion, produziert jedoch mehrheitlich verkürzte, funktionsuntüchtige SMN-Proteine.

Bei gesunden Menschen wird das SMN-Protein von membranlosen Körperchen im Zellkern – den Cajal Bodies (CBs) – angezogen. Dort werden kleine nicht-kodierende RNA-Moleküle gebildet, die in die Ausbildung der Boten-RNA, den Vorläufern der Proteine, eingebunden sind. Bei SMA gelangen die verkürzten SMN-Proteine nicht bis in die Cajal Bodies, wodurch letztere nur unzureichend funktionieren und die Produktion von kleinen nicht-kodierenden RNA verzögert wird. Dadurch entstehen zahlreiche „unreife“ Boten-RNA und somit anormale und defekte Proteine.

Zur Wiederherstellung dieses Mechanismus bei SMA-Patienten testeten die Forscher in vitro therapeutische Moleküle an Zellen, die Patienten mit einer schweren Form der SMA entnommen wurden. Ziel war es, ein oder mehrere Moleküle zu finden, die die SMN-Proteine zu den Cajal Bodies transportieren, damit diese ihre Funktionsfähigkeit zurückgewinnen.

Allein das Molekül Flunarizin zeigte bei einer Vielzahl von Zellen verschiedenster Patienten Wirkung. In einem zweiten Schritt wurden kranke Mäuse ab ihrer Geburt mit dem Molekül behandelt (1 Spritze pro Tag ins Rückenmark). Die Lebenserwartung stieg daraufhin um durchschnittlich 40 % und die Analyse der Motoneuronen und Muskeln ergab, dass sie bei den behandelten Mäusen deutlich länger funktionstüchtig sind. Das Molekül besitzt demzufolge eine neuroprotektive Wirkung und ermöglicht eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit kleiner nicht-kodierender RNA, die in den Cajal Bodies zur Reifung der Boten-RNA produziert werden.

(pi Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland, 26.03.2018. Original-pi: https://presse.inserm.fr/la-flunarizine-nouveau-candidat-medicament-dans-le-traitement-de-lamyotrophie-spinale/30701/ )

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