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Studierende lernen Selbsthilfe besser kennen

In einer Kooperationsveranstaltung der Selbsthilfeakademie NRW und der Hochschule für Gesundheit in Bochum (hsg Bochum) waren Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich und Studierende aus dem vierten Semester eingeladen, einen ganzen Tag lang in den Dialog zu treten. „Unsere Studierenden konnten sich mit den Selbsthilfe-Aktiven austauschen und erfahren, inwieweit die Kompetenzen der Selbsthilfe ein Gewinn für den späteren Umgang mit Patient*innen sind“, erklärte Prof. Dr. Sandra Bachmann vom Department für Pflegewissenschaft der hsg Bochum, die die Veranstaltung ‚Selbsthilfe trifft Hochschule‘ mitorganisiert hatte. „Diese Begegnung und dieser Austausch sind wertvoll im Hinblick auf eine klientenorientierte Beratung und Schulung durch die zukünftigen akademisch qualifizierten Pflegekräfte“, ergänzte sie.

Ziel, den Selbsthilfeeinrichtungen Verbindungen ins Versorgungssystem zu ebnen

„Als Selbsthilfeakademie wollen wir den Gedanken der Selbsthilfe den Studierenden und Auszubildenden im Gesundheitsbereich näher bringen“, erklärte Bernd Hoeber, Bildungsreferent Selbsthilfeakademie NRW, der die Veranstaltung am 12. Juni 2018 in Bochum mitorganisiert hatte. Er fügte hinzu: „Es ist etwas anderes, ob man einmal einfach nur etwas von einer Selbsthilfegruppe gehört hat oder ob man Kontakt zu Vertreter*innen dieser Gruppen hatte. Deshalb haben wir Selbsthilfegruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen eingeladen – vor Ort sind beispielsweise vertreten seltene und chronische Krankheiten sowie Suchtkrankheiten – so dass sich die Studierenden der Hochschule ein ganz konkretes Bild von den Selbsthilfeeinrichtungen machen können. Die Veranstaltung hat das Ziel, den Selbsthilfeeinrichtungen Verbindungen ins Versorgungssystem zu ebnen. Wir wollen Brücken bauen, um die Selbsthilfe besser im Gesundheitssystem zu vernetzen.“

Laura Brinkhorst, die im vierten Semester ‚Pflege‘ an der hsg Bochum studiert, resümiert am Nachmittag: „Es war für mich interessant, heute den Fokus auf die Angehörigen zu legen und nicht nur auf die Patient*innen. Ich habe viel darüber erfahren, welche Hilfs- und Informationsangebote man über die Selbsthilfegruppe erhalten kann – auch als Fachkraft.“

In einem World Café fand der Austausch zwischen den Vertreter/innen der Selbsthilfe und den Studierenden und Professor/innen der hsg Bochum statt. Außerdem gab es inhaltlichen Input durch Vorträge. Gemeinsam gestalteten die Teilnehmer/innen verschiedene Poster, in denen Informationen über die Selbsthilfegruppen und Krankheiten gesammelt wurden. Die Liste der Selbsthilfegruppen, die an diesem Dienstag im Atrium der hsg Bochum dabei waren, wurde lang: Auf dem Poster waren unter anderem Parkinson, Morbus Bechterew, Aphasie, Borderline und Migräne zu lesen.

„Der Mensch stand im Vordergrund und nicht der ‚Kranke‘ oder ‚das Personal‘“

Klaus-Peter Karger war an die hsg Bochum gekommen, um über das Thema ‚Apnoe‘, also Atemstillstand, zu sprechen. Er beschäftigt sich seit zwanzig Jahren damit und hatte selbst unter solchen „Atemausschaltungen in den Tiefschlaf-Phasen“ zu leiden, als „das Krankheitsbild in der Öffentlichkeit noch nicht so bekannt war“, wie er sich heute erinnert. Bis heute ist der 79-Jährige in der Arbeitsgemeinschaft ‚Schlafapnoe / Chronische Schlafstörungen‘ aktiv und möchte andere Menschen über diese chronische Schlafstörung und ihre Risiken aufklären.

„Uns ist es wichtig, zu zeigen, dass der Kontakt Patient/in und Pflegefachkraft keine Einbahnstraße ist, sondern dass ich auch als Pflegefachkraft etwas von Patient/innen beziehungsweise der Selbsthilfe lernen kann. Es ist eine gute Ergänzung des Gesundheitssystems, wenn die Patient*innen eigene Strategien entwickeln, um mit ihrer Erkrankung umgehen zu können“, sagte Bernd Hoeber.

„Das Symposium wurde von allen Beteiligten durchweg positiv angenommen und vielfach der Wunsch geäußert, diese Veranstaltung öfter und auch regelmäßig stattfinden zu lassen“, so Jens Riede, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Department für Pflegewissenschaft und Mitorganisator des Symposiums. So lautete auch ein Feedback eines Teilnehmenden: „Der Mensch stand im Vordergrund und nicht der ‚Kranke‘ oder ‚das Personal‘“.

(pi Hochschule für Gesundheit, Bochum 14.06.2018)

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