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Kinderpalliativmedizin am Universitätsklinikum der LMU

Prof. Dr. Monika Führer möchte mit einer Kinderpalliativstation die Versorgung von schwerstkranken Kindern und Jugendlichen verbessern

München (idw) – In Deutschland leben etwa 23.000 Kinder und Jugendliche mit unheilbaren, zum Tode führenden Krankheiten. Jährlich sterben ca. 5000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an einer solchen Erkrankung, allein in Bayern über 700. Für sterbende Kinder und ihre Familien fehlte jedoch bis vor wenigen Jahren ein palliativmedizinisches Betreuungskonzept, welches insbesondere dem größten Wunsch betroffener Kinder Rechnung trägt: möglichst viel Zeit zu Hause bei ihren Eltern und Geschwistern verbringen zu können. An der Ludwig-Maximilians-Universität übernimmt zum 1. Januar 2009 Prof. Dr. Monika Führer die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftungsprofessur für Kinderpalliativmedizin.

Diese Professur wurde als erste ihrer Art in Europa gestiftet und erlaubt eine weitere Intensivierung der Aktivitäten im Bereich Krankenversorgung, Forschung und Lehre sowie Fortbildung. „Unser erste Aufgabe ist die Krankenversorgung, aber ein weiteres Ziel ist eine stabile akademische Verankerung des Fachs Kinderpalliativmedizin als Voraussetzung für die Akzeptanz dieser Disziplin im Bereich der Kinderheilkunde“, erklärt Prof. Dr. Führer. „Außerdem kümmern wir uns um die Fortbildung der niedergelassenen Kinderärzte.“ Die Professur wird von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung finanziert, die LMU und die Stiftung kommen gemeinsam für die Ausstattung mit einem wissenschaftlichem Mitarbeiter und das Sekretariat auf.

Die Geschichte der Kinderpalliativmedizin am Klinikum ist noch jung: Seit April 2003 gibt es als gemeinsames Projekt des Dr. von Haunerschen Kinderspitals und des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin (IZP) am Klinikum der Universität München den Arbeitskreis Pädiatrische Palliativmedizin. „Wir wollen Familien in dieser existentiellen Krise so unterstützen, dass ihr Wunsch nach möglichst viel ungestörter und selbstbestimmter gemeinsamer Zeit bei größtmöglicher Sicherheit für das kranke Kind erfüllt wird“, erklärt Prof. Dr. Führer. „Der Arbeitskreis ist seit seiner Gründung multiprofessionell und interdisziplinär ausgerichtet und stellt die wichtigste Plattform für die Vernetzung aller in München und Umgebung in der Kinderpalliativbetreuung Tätigen dar.“ In den Sitzungen wurden in offener Diskussion die Hindernisse und Unsicherheiten auf dem Weg zu einer besseren Palliativbetreuung von Kindern identifiziert. Der aus England stammende Begriff eines „Hospiz ohne Mauern“ wurde schließlich aufgegriffen und unter dem Akronym HOMe zu einem Konzept für die koordinierte, multiprofessionelle Palliativbetreuung schwerstkranker Kinder und ihrer Familien entwickelt. Leitgedanke von HOMe ist es, die palliativmedizinische Betreuung zu den Kindern und ihren Familien zu bringen.

Von Anfang an ging es bei HOMe aber nicht nur um Krankenversorgung, sondern auch um die Initiierung von Forschungsprojekten, u.a. über psychosoziale und spirituelle Aspekte, Therapiezielfindung und Entscheidungen am Lebensende. Es bestehen dabei nationale sowie internationale Kooperationen (u.a. mit der Harvard University, Boston).

Die LMU hat im Wintersemester 2003/2004 ein neues medizinisches Curriculum (MeCuM) eingeführt. Dabei wurde zum ersten Mal in Deutschland die Palliativmedizin als Pflichtlehr- und Prüfungsfach ins Medizinstudium integriert. An dem erstmals im Wintersemester 2007/08 vom Lehrstuhl für Palliativmedizin (Prof. Dr. Gian Domenico Borasio) eingeführten innovativen Wahlpflichtseminar „Leben im Angesicht des Todes“ übernehmen die Mitarbeiter von HOMe die Betreuung der Studenten, die eine Familie mit einem Kind in der Palliativphase besuchen. Das Lehrangebot Kinderpalliativmedizin wird durch die Berufung von Prof. Dr. Monika Führer weiter ausgebaut.

Der größte Wunsch der neuen Stiftungsprofessorin ist die Errichtung einer Kinderpalliativstation am Klinikum der Universität München. „Bisher lagen schwerstkranke Kinder häufig auf einer Intensivstation, das war belastend für die kleinen Patienten, ihre Familien und auch das Team auf den Stationen“, so Führer. Der Klinikumsvorstand unterstützt das Vorhaben und der Planungsausschuss für die Hochschulklinika hat dem Projekt bereits zugestimmt, allerdings muss die Station mit acht Betten erst noch gebaut werden. „Ich hoffe, dass wir Ende 2010 eröffnen können“, sagt Führer.

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