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Autor Thema: Was bedeuten die Buchstaben und Zahlen des Krebsbefundes (TNM)?  (Gelesen 69584 mal)

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Offline busymouse

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TNM - Die Tumorklassifikation
Was bedeuten die Buchstaben und Zahlen des Krebsbefundes?

Die TNM-Klassifikation (auch: TNM-System engl.: TNM-staging) ist eine Facettenklassifikation aus der Medizin und bezeichnet eine Stadieneinteilung von malignen Tumoren (Krebserkrankungen).

Sie wurde von P. Denoix (Frankreich) in den Jahren 1943-1952 entwickelt und wird seit 1950 von der Union internationale contre le cancer (UICC) weitergeführt. Die Klassifikation hat sich in vielen Ländern durchgesetzt und wird unter anderem in der Krebsregistrierung eingesetzt. Sie basiert auf statistischen Untersuchungen, die zum Beispiel nachweisen, dass sich ab einer bestimmten Größe eines Tumors die Prognose der Erkrankung verschlechtert. Die Einstufung einer Tumorerkrankung in die einzelnen Kategorien des TNM-Systems erlaubt daher prognostische Aussagen und bestimmt häufig auch die weitere Therapie. Im Folgenden die Erklärungen der Kürzel vor dem Hintergrund zweier verschiedener Krebserkrankungen (Brust- und Darmkrebs) um die Gemeinsamkeiten für unterschiedliche Krebserkrankungen deutlich zu machen:

TNM ist eine Abkürzung für

  • T= Tumor, Beschreibung von Ausdehnung und Verhalten des Primärtumors
  • N= Nodus = Lymphknoten, Fehlen bzw. Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
  • M= Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen

T (Tumor) bezeichnet die Ausdehnung des Primärtumors:

T0: keine Anzeichen eines Primärtumors (scheint widersinnig, kann aber sein, wenn der Tumor vor Operation z. B. mit Chemotherapie behandelt wurde) oder der primäre Tumor unbekannt ist (CUPS, cancer of unknown primary).

Tis (Tumor in situ)/Ta: Tumore, die noch nicht infiltriert haben. Ihre Prognose ist im allgemeinen günstig. Ta gibt es nur bei bestimmten Organen (Nierenbecken und Harnleiter, Harnblase, Harnröhre, Penis). Dort können Ta-Tumoren mit einer besseren Prognose als Tis Tumoren verbunden sein.

T1, 2, 3 oder 4: zunehmende Größe des Primärtumors oder Befall weiterer Gewebe.

z. B. für Brustkrebs:
  • T1 : größte Tumorausdehnung höchstens 2 cm
  • T2: größte Tumorausdehnung mehr als 2 cm, aber höchstens 5 cm
  • T3: größte Tumorausdehnung mehr als 5 cm
  • T4: Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf die Brustwand oder Haut
       
z. B. für Darmkrebs:
  • T1: Der Tumor beschränkt sich auf auf die Darmschleimhaut
  • T2: Zusätzlich zur Schleimhaut ist auch die Muskulatur der Darmwand befallen
  • T3: Der Tumor ist in alle Schichten der Darmwand eingewachsen
  • T4: Der Tumor vom Darm sich in benachbartes Gewebe oder benachbarte Organe ausgebreitet.

TX: keine Aussage über den Primärtumor möglich.

N (Nodus) beschreibt das Vorhandensein bzw. das Fehlen von regionären Lymphknotenmetastasen:

  • N0: keine Anzeichen für Lymphknotenbefall.
  • N1, 2 oder 3: zunehmender Lymphknotenbefall. Einteilung z. B. nach ipsi- oder kontralateralem Befall und Beweglichkeit, sowie Lokalisation in Relation zum Primärtumor. Bei Darmkrebs:
    N1 = Ein bis drei Lymphknoten in der Umgebung des Tumors sind von Krebszellen befallen
    N2 = Vier oder mehr Lymphknoten der näheren Umgebung sind von Krebszellen befallen
  • NX: keine Aussagen über Lymphknotenbefall möglich.

Da die Entdeckung von Lymphknotenbefall davon abhängt, wie intensiv nach dem Befall gesucht wird, muss in der Regel je nach Organsystem eine Mindestzahl von Lymphknoten (z. B. 12 beim Dickdarmkrebs) untersucht worden sein, um mit ausreichender Sicherheit sagen zu können, dass kein Befall in der entsprechenden Region vorliegt. Häufig wird die Angabe wie viele Lymphknoten von wieviel untersuchten Lymphknoten befallen waren, der N-Kategorie hinten angefügt, z. B. N0 (0/13).

Zunehmend gibt es Tumoren (z. B. Mammakarzinom), bei denen es als ausreichend angesehen wird, nur den so genannten Schildwächterlymphknoten (Sentinel Lymph Node) zu untersuchen. Das ist der erste Lymphknoten (manchmal auch mehr als einer), der die Lymphe aus dem Gebiet des Tumors aufnimmt. Finden sich in ihm keine Metastasen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in den „nachgeschalteten“ Lymphknoten Metastasen zu finden, sehr gering. Umgekehrt müssen die nachgeschalteten Lymphknoten genau untersucht werden, wenn der Schildwächter befallen ist. Wurde dieses Verfahren angewendet, wird die pN-Kategorie durch (sn) gekennzeichnet, also z. B. pN0(sn)=histologisch keine Lymphknotenmetastasen, pN1(sn)=Befall des (der) Schildwächterlymphknoten.

M (Metastasen) M bezeichnet das Vorhandensein bzw. das Fehlen von hämatogenen Fernmetastasen:

In der Regel ist die Klassifikation nur nach einem Staging möglich.

  • M0: keine Anzeichen für Fernmetastasen.
  • M1: Fernmetastasen vorhanden.
  • MX: keine Aussage über Fernmetastasen möglich.

Zusätzlich kann die Lokalisation der Metastasen angegeben werden und dadurch die Lage der Tumormetastase spezifiziert werden. Dabei stehen die aus dem Englische abgeleiteten Abkürzungen PUL für Lunge, OSS für Knochen, HEP für Leber, BRA für Gehirn, LYM für Lymphknoten, MAR für Knochenmark, PLE für Pleura, PER für Peritoneum (Bauchfell), ADR für Nebenniere, SKI für Haut und OTH für andere Lokalisationen. Als Beispiele seien hier angeführt:

  • M1OSS: Knochenmetastasen
  • M1PUL: Lungenmetastasen

C-Faktor

Die Zuverlässlichkeit der Befundsicherung kann zusätzlich mit dem Deskriptor "C" (engl.: certainty) hinter der jeweiligen TNM-Kategorie angegeben werden. Sie zeigt die Zuverlässigkeit der Diagnose an:

  • C1: Allgemeine Untersuchungsmethoden, wie klinischer Untersuchungsbefund, Standard-Röntgenaufnahme etc.
  • C2: Spezielle Untersuchungsmethoden, wie ERCP, Computertomografie etc.
  • C3: Ergebnisse der chirurgischen Exploration, Zytologien oder Biopsien.
  • C4: Erkenntnisse nach chirurgischem Eingriff und histopathologischer Untersuchung. Gleichbedeutend mit der pTNM-Klassifikation.
  • C5: Erkenntnisse nach Autopsie einschließlich histopathologischer Untersuchung.

Klinische und pathologische Klassifikation

c-Symbol
Wird die Bestimmung des Stadiums (Staging) durch klinische Untersuchungen und kleinere Eingriffe ermittelt (entsprechend in etwa C1 - C3, siehe oben), so spricht man von einem klinischem TNM (auch cTNM für c=clinical). Da dieses TNM in der Regel auch vor der Therapie bestimmt wird, wird es auch als prätherapeutisch bezeichnet.

p-Symbol
Ein Staging, bei dem die aus einem chirurgischen Eingriff und aus histopathologischen Untersuchungen gewonnen Erkenntnisse einfließen, wird als pTNM (pathologische Klassifikation, postoperative histopathologische Klassifikation) bezeichnet. Es entspricht im wesentlichen dem C-Faktor 4. In der TNM-Formel wird der jeweiligen Kategorie ein p vorangestellt, z. B. pT1pN0M0 für kleinen Primärtumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.

Ausnahmsweise ist ein großer chirurgischer Eingriff für die Bestimmung des pTNM nicht erforderlich. Beispiel: wenn durch eine kleine Untersuchung, z. B. eine Biopsie des Magens im Rahmen einer Magenspiegelung, festgestellt werden kann, dass ein großer Dickdarmkrebs in den Magen durchgebrochen ist, dann ist die Kategorie pT4 sicher bestimmt, ohne dass der Dickdarmkrebs entfernt wurde.

u-Symbol
Manchmal ist es üblich, ein uTNM (u für Ultraschall) anzugeben, wenn die Tumoreindringtiefe in die Wand der Speiseröhre, des Magens oder des Enddarms und eine evtl. Ausbreitung in benachbarten Lymphknoten mit Hilfe einer Endosonographie bestimmt wurde, z. B. uT2uN0. Dies entspricht der Zuverlässigkeitsklasse C2. Diese Notation wird aber durch das aktuelle Regelwerk nicht beschrieben und ist allenfalls eine Sonderform der klinischen Klassifikation.

a-Symbol
Wenn ein Tumor erst bei einer Autopsie klassifiziert wird, wird der TNM-Formel ein a-Symbol vorangestellt, z. B. aT1N1M0 am Magen heißt, daß der Tumor die Muskelschichten des Magens noch nicht erfaßt hat, 1-6 regionäre Lymphknoten befallen hat, aber keine Fernmetastasen existieren.

y-Symbol
Wenn ein Tumor klinisch relativ groß ist, z. B. ein Mammakarzinom (Brustkrebs) der Größe T2 (2-5 cm), wird manchmal der eigentlichen Operation eine sog. neoadjuvante Chemotherapie oder Strahlentherapie vorgeschaltet, damit das Organ, in diesem Fall die Brust, weitgehend erhalten werden kann. Bei der eigentlich pathologischen Untersuchung nach der Operation finden sich dann evtl. keine oder nur noch kleine Tumorreste. Es wäre falsch, solche pTNM-Befunde statistisch gleich zu behandeln wie Fälle, bei denen keine Vorbehandlung stattgefunden hat. Deswegen werden solchen Klassifikation ein y-Symbol vorangestellt, z. B. ypT0N0M0 (kein Tumor mehr bei der Operation gefunden).

r-Symbol
Wenn ein Tumor nach zunächst erfolgreicher Therapie auftritt, spricht man von einem Rezidiv, welches wiederum klinisch oder pathologisch klassifiziert werden kann. Auch solche Klassifizierungen dürfen nicht mit der primären klinischen oder pathologischen Klassifikation verwechselt werden und erhalten daher eine r-Symbol vorangestellt, z. B. rpT2pN1M0.

R (Residualgrenzen) kennzeichenen, ob ein Tumor "im Gesunden" operiert wurde oder nur Teile des Tumors entfernt worden sind.

  • R0: Kein Tumor im Organismus mehr nachweisbar (Operation ins Gesunde)
  • R1: Mikroskopischer Residualtumor an den Schnitträndern
  • R2: Makroskopisch Tumor oder Metastasen belassen

G (Grading) macht eine Aussage über die Malignität des Tumors

  • G1: Die Tumorzellen sind gut differenziert, das heißt, dass das Tumorgewebe dem Ursprungsgewebe noch relativ ähnlich ist
  • G2: Die Tumorzellen sind nicht mehr gut differenziert, was bedeutet, dass sie dem Ursprungsgewebe weniger ähnlich sind.
  • G3: Die Tumorzellen haben ihr Aussehen im Vergleich zum Ursprungsgewebe sehr stark verändert, sind schlecht differenziert.
  • G4: Die Tumorzellen sind undifferenziert, das Ursprungsgewebe ist nur noch über ultrastrukturelle oder immunhistochemische Untersuchungsmethoden differenzierbar.
   
    
Weitere Kategorien und Zusatzangaben

Es gibt weitere Kategorien und Zusatzangaben, die von z. T. entscheidenden Wichtigkeit bei der Tumorklassifikation sind:

  • L0: keine Lymphgefässinfiltration
  • L1: Invasion in Lymphgefäße (oder Tumorzellemboli in Lymphgefäßen, ein Kontakt zur Gefäßwand ist für die Diagnose nicht erforderlich)

  • V0: keine mikroskopische Veneninvasion
  • V1: mikroskopische Veneninvasion
  • V2: makroskopische Veneninvasion

Serumtumormarker (werden nur bei bösartigen Hodentumoren erfasst)
  • S0: normal
  • S1-3: wenigstens ein Marker erhöht
  • SX nicht verfügbar oder nicht untersucht

Da es theoretisch sehr viele Kombinationen von T, N und M gibt (manchmal existieren auch Unterkategorien, z. B. T1a), die dann statistisch nicht mehr sinnvoll verwertbar sind, werden abhängig vom Tumortyp Kombinationen zu so genannten (UICC-)Stadien zusammengefasst. Damit lassen sich alle entscheidenden Merkmale der Tumorklassifikation berücksichtigen und mit einer Wichtung versehen. So werden zum Beispiel alle Fälle, bei denen Fernmetastasen diagnostiziert wurden (M1), unabhängig vom Stadium des Primärtumors und des Lymphknotenbefalls dem UICC-Stadium IV zugeordnet.

Stadieneinteilung nach UICC


Quelle: wikipedia

Weitere Fragen werden hier beantwortet:

« Letzte Änderung: 30. Mai 2009, 09:42:48 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)