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Autor Thema: Krebs - Fragen, Antworten, Tipps, Hilfe zur Selbsthilfe, Symptome bei Krebs  (Gelesen 130185 mal)

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Offline RalleGA

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Die Ernährungs-Docs


Wieder vital werden nach Brustkrebs-Therapie


Folge 12
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Wohldosierter Sport beugt Krebs vor

– Prävention -

Mehr als 40% aller Krebsfälle wären vermeidbar, wenn wir ein paar einfache Regeln beachten würden.


In absteigender Reihenfolge können die folgenden sieben Verhaltensweisen dazu beitragen, das Risiko,
an Krebs zu erkranken, zu verringern:
•   1. nicht rauchen
•   2. gesundes Gewicht halten
•   3. sich vor Sonne schützen
•   4. wenig Alkohol trinken
•   5. ballaststoffreich essen
•   6. wenig Fleisch essen
•   7. körperlich aktiv sein
Aber Vorsicht, es gibt Zusammenhänge zwischen den einzelnen Bereichen und man darf nicht meinen,
dass körperliche Aktivität am wenigsten wichtig sei.
„Das Geheimnis des Erfolgs ist, anzufangen“, meinte Mark Twain und wir können diesen Satz 1:1 auf den Sport übertragen.
Ein Überangebot an Nahrung, bei gleichzeitiger Reduzierung körperlicher Anstrengungen, führt zu einem Ungleichgewicht zwischen zugeführter Energiemenge und Energieverbrauch.
Das Ergebnis ist ein Mangel an körperlicher Bewegung wie auch ein träger Stoffwechsel.

Infolgedessen werden Organtätigkeiten nur unzureichend gefordert und somit nachhaltig negativ beeinflusst,
wodurch fehlerhafte Zellteilungen bis hin zur Entstehung von Tumorzellen begünstigt sind.
Regelmäßiges, wohldosiertes Sporttreiben kurbelt wesentliche Erhaltungs- und Anpassungsprozesse
im Herz-Kreislauf-System, bei Stoffwechselaktivitäten, aber auch für Muskeln und Knochen an.

Darüber hinaus wirkt die „Heilkraft von Bewegung“, stärker als lange Zeit angenommen, umfänglich positiv auf unsere Psyche und Gehirnaktivitäten ein. Ferner lassen sich Symptome akuter oder gar chronischer Schmerzen bzw. Begleiterkrankungen spürbar lindern.   

Bei einer Krebserkrankung hemmt z.B. die verstärkte Durchblutung durch körperliche Aktivität das Überleben und das Wachstum von Krebszellen. All diese Faktoren verbessern die Lebensqualität – sowohl im Rahmen der Vorbeugung von (Krebs)-Erkrankungen als auch im direkten Verlauf einer (Krebs-)Erkrankung oder gar mit Blick auf das Rückfallrisiko einer Erkrankung.

Es überrascht nicht, dass körperlich aktive Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, ein normales Gewicht zu haben.
Das Problem ist, dass das Statistische Bundesamt festgestellt hat, dass 2017 mehr als 50% aller Erwachsenen übergewichtig waren. Übergewicht ist definiert als ein Body Mass Index (BMI) über 25.
Wer einen BMI von mehr als 30 hat, ist adipös.
Der BMI berechnet sich aus Körpergewicht geteilt durch Körpergröße im Quadrat.

Ein gesundes Gewicht reduziert das Risiko von 13 Krebsarten.
Diese sind Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterkrebs, Speiseröhrenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nierenkrebs, Leberkrebs,
Magen-Speiseröhren-Übergang-Krebs, Gallenblasenkrebs, Eierstockkrebs, Schilddrüsenkrebs, Myelom (ein Blutkrebs) und
Meningeom (ein Hirntumor). Darunter sind Brustkrebs und Darmkrebs und damit zwei der wichtigsten Krebstypen.

Aber auch drei der tödlichsten Krebsarten sind darunter, nämlich Krebs der Bauchspeicheldrüse, der Speiseröhre und der Gallenblase.
Die Verbindung zwischen Übergewicht und der Ernährung ist sehr eng.

Verarbeitetes Fleisch, wie Wurst, gepökeltes Fleisch oder Räucherwaren, enthält nicht nur Fett,
sondern es ist auch ein Faktor, der für Darmkrebs verantwortlich ist.
Umgekehrt kann ballaststoffreiche Kost vor Darmkrebs schützen, weil sie die Stuhlpassage beschleunigt und auch insgesamt zu mehr Stuhlgang führt. Eine gesunde Ernährung besteht zur Hälfte aus Obst und Gemüse, zu einem Viertel aus Hähnchen, Fisch, Bohnen und Eiern sowie zu einem weiteren Viertel aus Kartoffeln, Naturreis, Brot und Nudeln.

Im Zusammenhang mit Nahrung ist auch der Alkohol zu nennen.
Ein Gramm Alkohol hat einen Nährwert, der nur knapp unterhalb eines Gramms Fett liegt,
erhöht also das Körpergewicht, aber das alleine ist nicht das einzige Problem am Alkohol.
Denn er ist der Auslöser von sieben Krebstypen.
Es ist nicht sehr bekannt, dass Alkohol Darmkrebs und Brustkrebs verursachen kann. Darüber hinaus ist Alkohol auch für Kopf-Hals-Tumoren, für Speiseröhrenkrebs, für Kehlkopfkrebs und für Leberkrebs verantwortlich.

Aufenthalt in der Sonne vermeiden

Dass Rauchen nicht gesund ist, ist bei jedem Blick auf eine Zigarettenschachtel zu erkennen.
Aber hätten Sie es gewusst?
Rauchen ist nicht nur für Lungenkrebs verantwortlich, sondern es kann auch 14 weitere Krebsarten verursachen!

In der Reihenfolge von Kopf bis Fuß gehören dazu Nasen-und Nasennebenhöhlenkarzinome, Tumoren der Mundhöhle, Rachentumoren, Kehlkopfkrebs, Magenkrebs, Leberkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Nierenkrebs, Darmkrebs, Blasenkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Eierstockkrebs und Leukämien.
Es ist wichtig zu wissen, dass Alkohol die Wirkung von Rauchen auf die Krebsauslösung verstärkt.
Das ist zum Beispiel für den Hals-Nasen-Ohren-Bereich bekannt.

Hautkrebs ist der häufigste bösartige Tumor des Menschen.

Für den größten Teil der unterschiedlichen Arten von Hautkrebs spielt in der Entstehung maßgeblich Sonnenlicht (UV-Strahlung) eine große Rolle. Deswegen ist ein vernünftiger Umgang mit dem Sonnenlicht wichtig.
Hervorzuheben sind hier insbesondere Kinder.
Ihre Haut ist besonders empfindlich für Sonnenlicht.
Es kommt schnell zu Sonnenbränden und es können Schäden verursacht werden, die später zu Hautkrebs führen.
Hierbei gilt insbesondere, dass unbedingt vermieden werden sollte, dass Kinder dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden.
Hilfreich ist zudem eine adäquate Kleidung, hierbei sollte auch immer an eine Kopfbedeckung gedacht werden.
Bei der Verwendung von Sonnencremes sollte darauf geachtet werden, Produkte speziell für die Baby- und Kinderhaut zu verwenden.

Auch im Erwachsenenalter ist ein „gesunder“ Umgang mit dem Sonnenlicht wichtig, um Hautkrebs zu vermeiden.
Auch hier sollte besonderen Wert auf die Vermeidung von Sonneneinstrahlung gelegt werden.
Vermeiden Sie einen längeren Aufenthalt im Sonnenlicht zur Mittagszeit.
Sonnenbaden ist tabu.

Sogenannte Risikopatienten, zum Beispiel heller Hauttyp, familiäre Belastung, Patienten nach Hautkrebs, müssen einen besonderen Schutz anwenden. Textilien wirken dabei am besten.
Gesicht und Hände sollten mit Sonnencreme geschützt werden, die einen hohen Lichtschutz hat.
Dabei sollten Sie dick auftragen, um den angegebenen Schutzfaktor zu erreichen.

* Dr. Thomas Brunner ist Klinikdirektor der Universitätsklinik für Strahlentherapie Magdeburg,
* Dr. Mareike Alter ist Oberärztin an der Universitäts-Hautklinik in Magdeburg und André Napiontek ist Sportwissenschaftler und Vorstand
   im Verein für Gesundheit, Bewegung und Sport an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg e. V.


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Oktober 2019

« Letzte Änderung: 15. Januar 2020, 10:38:00 von RalleGA »
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Buchtipp:

HEILUNG auf Widerruf 
Teil 1
Autorin: Petra-Alexander Buhl - Überleben mit und nach Krebs -
KLETT-GOTTA 326 Seiten, ISBN: 978-3-608-96373-1, 17 Euro.   

Heilung auf WiderrufTeil 1
Sie wollte nie ein Buch über Krebs schreiben.
Den Erlebnissen anderer Erkrankter hatte sie nichts hinzuzufügen.
Dann aber beschäftigte sich Petra-Alexandra Buhl näher mit Resilienz.

Damit bezeichnet man wissenschaftlich die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. 
Buhl möchte herausfinden, wie andere Menschen ihr Leben nach einer Krebserkrankung neu organisieren.
Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass es keine Glückssache ist, den Krebs zu überleben.
Um die Erkrankung zu bewältigen und zu verarbeiten, ist es wichtig, persönliches Befinden und medizinische Befunde zu entkoppeln.

Der Krebs und der Tod - beide brauchen ein starkes Gegenüber:
den selbstbewussten Patienten, der seine Situation weder schlecht- noch schönredet,
sondern sich ihr stellt.

Das Buch von Petra-Alexandra Buhl soll Patientinnen und Angehörige gleichermaßen unterstützen,
während und vor allem nach einer Krebserkrankung.

Fundquelle: Auszug – Sozialverband Deutschland (SOVD)  Nr.: 1 – 2020
« Letzte Änderung: 23. Mai 2020, 14:44:06 von RalleGA »
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Buchtipp:
"Heilung auf Widerruf"
  Teil 2

Petra-Alexandra Buhl überlebte den Krebs und will anderen Erkrankten Mut machen
Nach "vorbei" beginnt das Überleben        

Vor dreißig Jahren überstand Petra-Alexandra Buhl eine schwere Krebserkrankung.
In ihrem Buch "Heilung auf Widerruf" schildert sie sowohl ihre eigenen Erfahrungen als auch die anderer Langzeitüberlebender.
Mit der SOVO-Zeitung sprach die Autorin darüber, warum "vorbei" nicht vorbei ist und welche Auswirkungen eine Krebsdiagnose haben kann. Sie rät dazu, das eigene Leben nicht komplett der Krankheit unterzuordnen und sich vor allem nicht von der Angst lähmen zu Lassen.

Sie haben den Krebs überlebt. Schließt man mit so einer Erkrankung jemals ganz ab?
Das entscheidet jeder für sich selbst, ob man sagt: Ich hatte Krebs oder: „Ich bin Krebspatient".
Das ist eine Frage von Selbstdefinition und wie ich die Krankheit verarbeitet habe.
Ich würde mich z.B. selbst auch nicht als Patientin bezeichnen und möchte auch gar nicht auf diese Diagnose reduziert werden.
Das ist immerhin 30 Jahre her.

Ihnen geht es also um das Leben nach der Diagnose Krebs?
Ich wollte eben gerade nicht das akute Leiden schildern; mein Buch ist tatsächlich das erste Sachbuch über das Langzeitüberleben nach Krebs im deutschsprachigen Raum. Ich habe mich Immer gefragt, warum niemand über das Überleben schreibt.

Und warum ist das so?

Es gibt sehr viele Überlebende, für die sich aber kaum jemand interessiert.
Diese Menschen bekommen zwar häufig zu hören, der Krebs sei überwunden und das Leben gehe weiter,
in weiten Teilen werden sie aber noch immer von ihrer Krankheit bestimmt.
Das hängt natürlich von den jeweiligen Beschädigungen ab.
Ich selbst z.B. konnte studieren und bin weder kognitiv noch körperlich eingeschränkt.
Damit gehöre ich allerdings eher zu den Ausnahmen.
Es gibt eine sehr große Gruppe, etwa die Überlebenden von Kinderkrebs, denen es sehr schlecht geht.
Die haben massive Therapien im Kleinkindalter erlebt, die sie stark geschädigt haben.
Vielen fällt es sehr schwer, einen Schulabschluss zu machen, eine Lehre zu absolvieren oder überhaupt Arbeit zu finden.
Deren Leid wird im Privaten getragen, von ihren Familien.

Aber gerade die Erfahrungen anderer Überlebender müssten doch eine große Motivation für akut Erkrankte sein? 
Das hat mich ja dazu bewogen, mein Buch zu schreiben.
Wer eine Krebsdiagnose bekommt, fällt oft in ein Loch und denkt: „Oh Gott, jetzt ist alles vorbei!"
Aber das ist es eben nicht!
Es ist wichtig, dass die, die überlebt haben, sich zeigen und sagen:
Ich lebe jetzt schon 20 oder 30 Jahre mit dieser Krankheit und habe ein gutes Leben.
Und es geht weiter!"

Von derart Mut machenden Berichten liest man doch aber insgesamt zu selten, oder?
Viele Überlebende wollen nicht darüber sprechen, weil sie den Krebs als stigmatisierend empfinden.
Und das kann ich nachvollziehen. Ich habe zunächst auch nicht offen darüber geredet.
Sonst wäre ich wohl auch niemals Redaktionsleiterin geworden.
Es wird einem nämlich sehr schnell nichts mehr zugetraut und man hätte infrage gestellt,
ob ich überhaupt belastbar und leistungsfähig bin.

Haben die Menschen, mit denen Sie gesprochen haben, ähnliche Erfahrungen gemacht?

Also es beschreiben ganz viele, dass sie am Arbeitsplatz hinterher diskriminiert wurden, entweder subtil oder auch ganz offen.
Man wird dann nicht mehr befördert, Aufgabenbereiche werden eingeschränkt oder man wird gleich komplett auf eine andere Stelle versetzt.

Steckt dahinter vielleicht auch Unsicherheit oder eine übertriebene Fürsorge?

Ich würde es eher als eine Entsolidarisierung bezeichnen. Fehlzeiten aufgrund einer Krebserkrankung führen in der Regel dazu,
dass die übrigen Beschäftigten zusätzlich belastet werden und mehr arbeiten müssen.
Das weiß der oder die Erkrankte natürlich auch. Rückkehrer strengen sich daher meist wahnsinnig an, um das „Versäumte" wieder aufzuholen.
Dabei kommen sie jedoch schnell an ihre Grenzen, weil ihre Kraft eben noch nicht reicht.

Und wie könnte man an diesem Problem etwas ändern?

Arbeitgeber müssten einfach flexibler sein, und die Arbeit müsste insgesamt anders verteilt und organisiert werden.
Ich finde den Umgang mit chronisch kranken Menschen in Deutschland extrem uninspiriert.
Man zahlt anscheinend lieber eine Behindertenabgabe, als dass man etwas an der Organisation der Arbeit selbst ändert.
Das ist doch einfallslos.

Hat das mit der "Kultur der Überlebenden" zu tun, die Sie in Ihrem Buch erwähnen?

Damit wollte ich ausdrücken, wie wichtig ich es finde, dass die Überlebenden ihr Schweigen brechen,
um so auch politische Veränderungen wie etwa eine bessere Langzeitversorgung zu erreichen.
Denn die Langzeitfolgen von Therapien tauchen erst nach 20 oder gar 30 Jahren auf Und da ist die Nachsorge bisher Leider sehr schlecht. 

Wie äußert sich das?
Nachdem es den Betroffenen Lange Zeit gut ging, kommt plötzlich ein Knick.
Probleme treten oftmals im Bereich Herz-Kreis-Lauf auf, etwa an den Herzklappen, weil Bestrahlungen hier zu Verkalkungen führen.
Dieser Zusammenhang wird von den Krankenkassen jedoch häufig geleugnet und entsprechende Schädigungen werden schlicht auf den individuellen Lebensstil oder das Alter zurückgeführt.

Hat sich die Behandlung von Krebs in den letzten Jahrzehnten verbessert?

In Einzelfällen bekommen Menschen sicherlich eine sehr gute Betreuung.
Das ist aber Leider noch immer nicht die Mehrheit. Darüber etwa, wie man mit einer solchen Erkrankung umgeht,
wird bis heute mit den Betroffenen kaum gesprochen.
Man erklärt ihnen meist die Diagnose oder die Behandlung, aber es fehlt eine psychische Unterstützung.
Als Supervisorin im Gesundheitswesen erlebe ich regelhaft Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte, die absolut am Anschlag sind.
Denn da geht es vorwiegend um Geld. Und bezahlt wird nicht das Gespräch, bezahlt wird nicht die Unterstützung der Patientinnen und Patienten, sondern bezahlt werden Fallpauschalen.

Ist das nicht für alle Seiten wahnsinnig unbefriedigend?
Patienten sagen immer wieder: "Die Ärzte hören nicht zu und nehmen sich keine Zeit.
Die interessieren sich für meine Organe, aber nicht für mich.
Die überfahren mich mit Informationen, die sie mir nicht erklären, oder setzen sich über mich hinweg."
Das erleben Patienten in Deutschland jeden Tag.
Und da muss politisch etwas verändert werden: weg von den Fallpauschalen, hin zu einer Medizin für Menschen.
Ein Hausarzt etwa bekommt für jeden Patienten sieben Minuten bezahlt.
In dieser Zeit kann ich aber nicht hinreichend über Schwierigkeiten mit meinem Überleben sprechen.

Was raten Sie Betroffenen, die ja alle einmal Langzeltüberlebende werden wollen?

Das Wichtigste ist Information, etwa im Austausch mit anderen Erkrankten.
Hier bekommt man oftmals Tipps, wie man seinen Körper schützt oder wie man sich mental stabilisiert.
Es ist auch wichtig, klar zu sein und selber Entscheidungen zu treffen.
Häufig gibt es Alternativen, die man in dieser akuten Primärtherapie oft gar nicht begreift.
Menschen schlittern dann in eine Standardbehandlung, die sie vielleicht gar nicht brauchen.
Im Regelfall landet man aber erst einmal in dieser Mühle und macht halt das, was die Ärzte sagen.
Ich stelle es mir schwierig vor, gegenüber diesem medizinischen Apparat selbstbewusst aufzutreten,
schließlich hat man ja auch Angst.
Was Sie sagen, ist ja der zentrale Punkt:
Lasse ich mich von dieser Angst lähmen oder kann ich der Angstspirale etwas entgegensetzen?

Man sollte gerade in der akuten Situation aktiv Freude erschaffen und sehen, dass es nicht nur diese Krankheit in meinem Leben gibt,
sondern auch andere Dinge, die mir guttun.

Wer steht denn nach einer Diagnose als Ansprechpartner*in zur Verfügung?
Gibt es da eine Anlaufstelle?
Im Krankenhaus gibt es den sozialen Dienst, manchmal heißt das auch Brückenpflege.
Da geht es meist um Hilfe bei formalen Dingen, die man mit dem Arbeitgeber oder mit der Krankenkasse regeln muss:
Dann sollte man schauen, ob es eine Krebsberatungsstelle oder eine Psychoonkologie gibt, die einem weiterhilft.
Auch die Frage nach einer Reha stellt sich natürlich.
Eine Krebserkrankung ist eine lebenserschütternde Krise, wo ich plötzlich ganz viel leisten und ganz viele Informationen einholen muss. Deswegen sollte man sich möglichst seine Inseln von Normalität erhalten und dadurch stabile Verhältnisse schaffen.

Fundquelle: Auszug – Sozialverband Deutschland (SOVD)  Nr.: 1-2020

« Letzte Änderung: 23. Mai 2020, 14:43:23 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.