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  • Paralympics 2008: 06. September 2008 - 17. September 2008

Autor Thema: Paralympische Spiele ab 2008  (Gelesen 25658 mal)

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Offline busymouse

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Paralympische Spiele ab 2008
« am: 25. August 2008, 23:17:13 »
Paralympische Spiele 2008

Die 13. Sommer-Paralympics werden offiziell vom 6. bis 17. September 2008 in der chinesischen Hauptstadt Peking ausgetragen. Die Paralympics sind die Olympischen Spiele für Menschen mit körperlicher Behinderung. In diesem Jahr werden wie auch schon bei den Paralympics 2004 Menschen mit geistiger Behinderung nicht zugelassen, weil die spanische Basketballmannschaft im Jahr 2000 in Sydney mit mehrheitlich nicht körperlich behinderten Sportlern die Goldmedaille errungen hatte.

19 Wettkampfstätten, davon 17 in Peking, eine in Hong Kong und eine in Qingdao wurden für die Sommer-Paralympics 2008 ausgewählt. Es werden etwa 4.000 Athleten aus 145 Ländern erwartet, darunter 170 Athleten und Athletinnen aus Deutschland.

Das Motto der Paralympics in Peking lautet: "One World, One Dream".

Sportarten

Während der Sommer-Paralympics 2008 in Peking werden Wettbewerbe in 20 Sportarten ausgetragen: Boccia, Bogenschießen, Fußball (5er Teams), Fußball (7er Teams), Goalball, Judo, Leichtathletik, Powerlifting (Bankdrücken), Radfahren, Reiten, Rollstuhl-Basketball, Rollstuhl-Fechten, Rollstuhl-Rugby, Rollstuhl-Tennis, Rudern (zum ersten Mal dabei), Schießen, Schwimmen, Segeln, Sitzvolleyball und Tischtennis.

Klassifizierung

Eine Klassifizierung im Behindertensport ist notwendig, um sicherzustellen, dass sich die Athleten gerecht miteinander vergleichen. Dabei werden die Art der Behinderung und ihre Auswirkung auf die Ausübung einer jeweiligen Sportart berücksichtigt. Die Klassifizierung ist die Grundlage für faire Wettkämpfe, da sich ähnliche Behinderungen auf die funktionellen Fähigkeiten und Voraussetzungen der Sportler hinsichtlich einer Sportart unterschiedlich auswirken. In den 20 Sportarten in Peking werden die Behindertensportler in fünf Oberklassen an den Wettkämpfen teilnehmen. Die fünf Oberklassen werden in Abhängigkeit von Art und Schwere des Handycaps weitergehend in bis zu neun Unterklassen unterteilt.

Die 5 Oberklassen

  • Amputierte (Athleten, denen mindestens ein Hauptgelenk in einem Glied fehlt.)
  • Zerebralparese (Athleten, die an einer Beeinträchtigung des Bewegungsablaufes und der Haltung leiden, bedingt durch Schädigungen eines oder mehrerer Steuerzentren im Gehirn.)
  • Sehbehinderte (Athleten, die in unterschiedlichem Maße sehbehindert sind bis hin zu völliger Blindheit.)
  • Rollstuhlsport (Sportler, die zur Ausübung ihres Sports einen Rollstuhl benutzen.)
  • Les Autres („Die Anderen, alle Übrigen“ - Dieser Begriff umschreibt Athleten mit unterschiedlichen Behinderungen, die den Bewegungsapparat betreffen, die aber in keine der anderen vier Behinderungsklassen eingeordnet werden können wie beispielsweise Menschen mit Versteifungen oder Kleinwüchsige.)


Weblinks und Berichterstattung

Paralympics bei ZDF und ARD
Ob in den Digitalkanälen oder im Hauptprogramm: Das ERSTE und das ZDF berichten im täglichen Wechsel. In langen Live-Sendungen und Zusammenfassungen wird umfassend über die Paralympics informiert.
>>> Zeit- und Sendeplan auf ZDF.de

Radio4Handicap vor Ort
Radio4Handicap berichtet direkt vor Ort von den Paralympics 2008 in Peking. Die Berichterstattung im Programm des ehrenamtlich betriebenen Senders gibt es täglich in drei Sprachen: das Hauptprogramm in Deutsch und die Tages-Zusammenfassungen in Englisch und Chinesisch. Die Ausstrahlung erfolgt via Internet weltweit und wird durch entsprechende iederholungsfrequenzen 24 Stunden täglich abrufbar sein. Zum Team vor Ort gehören erstmalig auch 3 Paralympische SportlerInnen, die in diesem Jahr nicht aktiv an den Spielen teilnehmen: Bianca Vogel (Reiten), Daniela Rossek (Rollstuhlfechten) und Klaus Kulla (Leichtathletik).
>>> www.radio4handicaps.eu

Offizielle Website der Sommer-Paralympics 2008 in Peking
>>> en.paralympic.beijing2008.cn (engl.)

Paralympics und Doping
"Auch für behinderte Sportler ist die Versuchung groß, zu unerlaubten Mitteln zu greifen", kann man auf den Seiten der ARD lesen. Seit 1983 gibt es Dopingtests im Behindertensport und in der Folge auch gesperrte Sportler....
>>> ARD.de - Paralympics und Doping
________________________________

Quelle: diverse Seiten auf Wikipedia
« Letzte Änderung: 26. August 2008, 00:21:03 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #1 am: 27. August 2008, 02:23:26 »
Zur Orientierung habe ich Euch mal alle Schadensklassen der Leichtathletik der IPC
(Internationales Paralympics Comitee)  aufgelistet.
Der "Nicht-Profi" der Handicap-Leichtathletik kann so leichter nachvollziehen, was die Sportlerin bzw. der Sportler für Handicaps haben.

Startklassen  (Früher Schadensklassen genannt)

               
IPC         alt                Nach medizinischen Aspekten   T = Track (Bahn) F= Field (Feld)

                       IBSA = International Blind Sports Association
                        lBSA - Sehgeschädigte {T/F1X}
T/F 11   B 1 Blind   
Keine Wahrnehmungen von Licht in beiden Augen bis zur  Wahrnehmung von Licht, jedoch unfähig, auf jeder Entfernung und aus jeder Richtung die Form einer Hand zu erkennen.

T/F 12   B 2 Hochgradig sehbehindert 
Sehrest von maximal 2/60 (3,3 %) und/oder eingeschränktes Gesichtsfeld von maximal 5 Grad.

T/F 13   B 3 Sehbehindert    
Sehrest von maximal 6/60 (10%) und/oder eingeschränktes Gesichtsfeld zwischen 5 und maximal 20 Grad.


      INAS-FID = International Association for Person with Intellectual Disability                
      INAS-FID = Geistig Behinderte - Lernbehinderte (T/F2X)

T/F 20   GB    Geistige Behinderung gemäß nationaler Vorgabe.
T/F 21   LB     Lernbehindert gemäß nationaler Vorgabe.
 

 

CP-ISRA = Cerebral Palsy-International Sports and Recreation Association     
CP-ISRA - Cerebrale Bewegungsgestörte (T/F3X)

T/F 32     CP2  Quadri- / Tetraplegie 
Benötigt elektrischen Rollstuhl zur Fortbewegung; fast keine Rumpfbewegung möglich.
 
T/F 33     CP3 Quadriplegie
Statische Rumpfbewegungen möglich; Dynamisch nicht.

T/F 34     CP4 Diplegie
Selbstständiger Rollstuhlfahrer mit der Fähigkeit zu stehen; Dynamische Rumpfbewegung möglich.

T/F 35     CP5 leichte Diplegie
Meist Hilfsmittel beim Gehen oder begrenzt gehfähig; keine Hilfsmittel beim Stehen. Arme normal funktionsfähig.

T/F 36     CP6 Schwierigkeiten beim Steuern von Bewegungen.

T/F 37     CP7 Hemiplegie
Schwierigkeiten beim Steuern von Bewegungen auf einer Körperseite.

T/F 38     CP8 Minimale Diplegie, Hemiplegie oder Athetose
Freies Laufen und Springen; geringe Beeinträchtigung der Koordination. Zumeist nur eine Extremität betroffen.
 
   

ISOD = International Organisation of Sports for Disabled  
ISOD = Amputierte I Les Autres (T/F4X)

F 40                Kleinwüchsige

T/F 42      A 2  Oberschenkelverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte.

T/F 44      A 3  Doppelunterschenkelverlust, Unterschenkel- und Vorfußverlust Doppelvorfußverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte. Unterschenkelverlust, Knieversteifung (keine Bewegungsmöglichkeit), Vorfußverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte.

T/F 46       A 4 Doppeloberarmverlust, Oberarm- und Unterarmverlust, Doppelunterarmverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte. Oberarmverlust, Unterarmverlust und diesen Einschränkungen Gleichgestellte.

T/F 48    AB    Allgemeine Behinderung ab einem Grad der Behinderung von 25%.
(kein Start International möglich - deutsche - nationale - Schadensklasse)
Anmerkung: Die Klasse T/F48 gehört zu den stehenden Klassen. Demnach sind Unterarmstützen oder die Benutzung von Rollstühlen beim Wettkampf nicht ertaubt.


ISMWSF - International Stake Manderville Wheelchair Sports Fedaration
ISMWSF - Rollstuhlfahrer - Fahrdisziplinen (T5X)

T 51         T1    Tetraplegiker mit schlechter Arm- und Schulterfunktion
 
T 52         T2    Tetraplegiker mit guter Arm- und Schulterfunktion 

T 53         T3    Paraplegiker mit schlechter Rumpffunktion

T 54         T4    Paraplegiker mit guter Rumpffunktion 
 
 
ISMWSF - Rollstuhlfahrer - Wurfdisziplinen (F5X)

F51    =    F1    Tetraplegiker (Schädigung Halswirbelsäule) mit schlechter Arm- und Schulterfunktion. Keine Sitzbalance.

F52    =    F2    Tetraplegiker mit guter Arm- und Schulterfunktion, aber reduzierter Fingerfunktion, Lähmung der Rumpf- und Beinmuskulatur. Geringe Sitzbalance.

F53    =    F3    Tetraplegiker mit guter Arm-, Schulter- und Fingerfunktion, Lähmung der Rumpf- und Beinmuskulatur. Geringe Sitzbalance.

F54    -    F4    Paraplegiker (Schädigung obere Brustwirbelsäule) mit normaler Funktion der oberen Gliedmassen. Schlechte Sitzbalance.

F55    =    F5    Paraplegiker (Schädigung untere Brustwirbelsäule) mit fast normaler Rumpffunktion/Sitzbalance.

F 56    =    F6    Paraplegiker (Schädigung Lendenwirbelsäule) mit schlechter Beinfunktion.

F57    =    F7    Paraplegiker (Schädigung Steißbeinregion) mit guter Beinfunktion.

F 58   =    F8    Beidseitig Ober- oder Unterschenkelamputierte oder diesen Einschränkungen Gleichgestellte mit stark reduzierter Funktion der unteren Gliedmassen.
« Letzte Änderung: 11. September 2008, 18:11:57 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #2 am: 27. August 2008, 14:55:36 »
Hi, liebe Sportinteressierte!

Das sind Hinweise auf die Seite von Thomas Ulbricht. Thomas ist hochgradig Sehbehindert.
Der gebürtige ALTMÄRKER wohnt, arbeitet und trainiert in BERLIN und startet national für den PSC Berlin. (Paralympics Sportclub)
Seine PEKING-Norm errreichte er dieses Jahr in Frankreich und wird als deutscher Medaillenkandidat
bei den PARALYMPICS gehandelt.
Ich habe heute mit Thomas Ulbrichts Mutter gesprochen. Sie hat nicht dagegen, dass ich die Adresse der Internetseite ihres Sohnes bei uns einstelle.

Thomas ist gerade noch im Bundesleistungszentrum in KIENBAUM - östlich von Berlin- um sich den letzten Schliff für PEKING zu holen.

Er fliegt am 29.08.2008 los. Ein wenig Aklimatisierung ist wohl vonnöten.
Er startet dort in 5-Kampf, in der Staffel, im Weitsprung und im Sperrwurf.
In den beiden erstgenannten Disziplinen möchte er schon was reißen. Im 5-Kampf ist er bereits Weltmeister der Sehbehinderten. Die deutsche Staffel setzt sich nur aus Sportlern des PSC BERLIN zusammen, so dass dort ja ein gewisses Zusammenspiel trainiert werden konnte.
Es soll nämlich nicht wie in ATHEN 2004 eine Disqualifikation erfolgen.

Auf Thomas Seite stellt Mutter Ulbricht direkt im "Vogelnest - Stadion" alle aktuellen Ergebnisse während des Wettkampfverlaufes ins Netz, so dass der Wettkampf "original" verfolgt werden kann.   
 
www.thomasulbricht.de

Das ist die Seite von Lars Lippek. Auch er ist gebürtiger ALTMÄRKER.
Er trainiert und absolviert seine IP-Lehre in HALLE/Sa. und startet national für den SV Halle. 
Er ist Nachwuchssportler und bereitet sich auf die kommenden PARALYMPICS LONDON 2012 vor.
Lars ist Vollblind.
Er verpasste die deutsche Qualinorm für dieses Jahr in PEKING um 0,3 Sekunden.
Der Nichtbehinderte deutsche Starter lief "Welten" hinterher...,aber er durfte starten.

Vielleicht, weil er in Peking noch nicht dabei ist, hat er seine Seite noch nicht ganz fertig.
Aber es stehen schon ein paar tolle Sachen drin.....
Falls Ihr ein paar Bilder von Lars sehen möchtet, könntet ihr auch auf unserer Seite (links unter Bilder - Ralles Album)  einige anschauen.

www.blinde-schiffe.de/lars/

Anmerkung:
Ein Nichtbehinderten deutscher OLYMPIASIEGER bekommt als "Prämie" vom deutschen Innenministerium
(für Sport zuständig) 15.000 EURO.
Der PARALYMPIS-SIEGER bekommt vom Innnenminister (Rollstuhlfahrer Wolfgang Schäuble) eine "Prämie" von 3.000 EURO.

Auch die Ausstattung der Sportler ist unterschiedlich. z.B. bekam Thomas, als Leichtathlet, nur eine "halbvolle" Tasche, das er vom DBS (Deutscher Behindertensportverband) ausgestattet wurde.
Ein Freund von ihm ist Ruderer. Auch er startet bei den PARALYMPIS.
Er wurde vom Ruderverband ausgestattet.
Er bekam wie auch alle anderen nichtbehinderten Ruderer eine "volle" Tasche...

Soviel zur Gleichberechtigung.
« Letzte Änderung: 11. Juni 2012, 09:27:16 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #3 am: 05. September 2008, 19:06:44 »
unter: www.paralympic.de

findet ihr sehr viele Sachen über den Behindertensport.
Aber auch die ganz alltäglichen Tipps und Hilfen, welche sportliche Menschen,
aber erst Recht weniger sportliche Menschen, benötigen könnten.

also dann man los, den inneren Schweinehund besiegen.
viel Erfolg und Spaß bei jeder sportlichen Aktivität
wünscht Euch RalleGA

WOCHENENDHINWEIS:
Neben der Eröffnung der PARALYMPICS PEKING 2008 finden auch andere sportliche Aktivitäten statt.


morgen 06.08.2009 finden in TANGERMÜNDE /Elbe (Sachsen-Anhalt) die ersten
DEUTSCHEN-BOOTS-MEISTERSCHAFTEN für Menschen mit Handicap statt.
Ich habe mich auch angemeldet - in der Meldung habe ich gewünscht,
dass ich einen Platz im "Siegerbott" zugelost haben möchte.
Ich bin mal auf die Verlosung gespannt.

Mehr unter: www.drachenboot-fuer-behinderte.de

In der Nacht gehts dann für mich von der Elbe gen Westen in die VW-Stadt WOLFSBURG.
Am Sonntag um 10 Uhr fällt der Startschuss zum diesjährigen WOLFSBURG-Marathon.
In der Folge fallen noch Startschüsse für den Halbmarathon, 10 km - und Bambini-Lauf (1 km), wobei ich bei den 2 letztgenannten Läufen als freiwilliger Helfer den Schlussläufer mache und den Sonntag dann gemächlich ausjoggen werde.
mehr unter: www.wolfsburg-marathon.de
 
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #4 am: 09. September 2008, 16:28:40 »
Sprint in ein neues Leben

PARALYMPICS:

 Heinrich Popow lernte durch den Sport besser mit seinem Handicap umzugehen.

Die Geschichte mit dem neunjährigen Jungen sei schon komisch gewesen, gibt Heinrich Popow zu: "Ein Arzt hatte mich gebeten, ihn zu treffen." Eigentlich ist das Routine für den 25-Jährigen, der oft als Mutmacher zu jungen Beinamputierten gerufen wird.
Doch nun diese Reise in die eigene Vergangenheit: Der Junge war in derselben Klinik wie er damals operiert worden -
im gleichen Alter und wegen der gleichen Krebserkrankung.
"Da ist alles wieder hochgekommen. Einen Moment lang habe ich mich in ihm wiedererkannt", erinnert sich Popow.
Doch das sonderbare Gefühl machte bald tiefer Zufriedenheit Platz:
"Mit einem Mal habe ich gemerkt, wie gut alles bei mir gelaufen ist."
 
Schlüsselerlebnis mit Europameister

Die Frage, was dem jungen Computerfachmann nach der Amputation geholfen hat, ist schnell beantwortet. Klar, das sei der Sport gewesen, sagt Popow.
Über die Leichtathletik habe er gelernt, seine Behinderung zu akzeptieren und sich Ziele zu setzen. Die schwerste Hürde war damit genommen. "Wenn du im Sport mit deiner Behinderung klarkommst, ist der Alltag mit Prothese Pillepalle.
Das ist dann überhaupt kein Problem mehr."
Popow kann sich an sein Schlüsselerlebnis kurz nach der Amputation in der Bonner Universitätsklinik noch genau erinnern:
Arno Becker besuchte damals den Neunjährigen im Krankenzimmer.
"Er war Europameister im Bahnradfahren und zeigte mir, wie er mit Prothese Sport treibt", erzählt Popow. "Er war der Einzige, der mir wirklich helfen konnte. Sein Beispiel hat mich motiviert."

Und wie: Wenn vom 6. bis 17. September in Peking die Paralympics stattfinden, die Olympischen Spiele für Menschen mit körperlicher Behinderung, ist Popow für Deutschland am Start - wie 169 weitere Athleten.
Am 100Meter-Lauf nimmt er teil, vielleicht tritt er auch im Weitsprung an. "Eine Medaille zu gewinnen wäre schon toll. Aber das wollen andere ja auch", sagt er und lacht.
"Dafür müsste ich die 100 Meter allerdings in 12,5 Sekunden laufen, und das wird schwer."
Aber es ist nicht unmöglich. Seit er im Jahr 2001 zu Bayer 04 Leverkusen wechselte und mit dem Leistungssport anfing, hat er sich ständig verbessert. Über seine frühere Bestzeit von 15,8 Sekunden lächelt er heute.
Bei den offenen niederländischen Meisterschaften lief Popow kürzlich 12,9 Sekunden.
Großen Anteil an dem Leistungssprung hat der Trainer Karl-Heinz Düe. Er gründete 1992 eine Trainingsgruppe, die aus Sportlern mit und ohne Behinderung besteht. "Anfangs war ich ein wenig unsicher. Aber das Konzept ist voll aufgegangen", sagt Düe.
Popow ist das beste Beispiel: Bei den letzten Paralympics in Athen gewann er drei Bronzemedaillen, im 100- und 200¬Meter-Lauf sowie im Weitsprung.
Um das zu erreichen, lebt der junge Mann wie ein Profi. Morgens um sieben verlässt er seine Kölner Wohnung und fährt nach Leverkusen zum Arbeiten und Trainieren. Angestellt ist der Computerspezialist bei der Fußball GmbH des Vereins Bayer Leverkusen.
Sein Wochenpensum: 30 Stunden Arbeit und sechs Trainingseinheiten.
Ob mit oder ohne Behinderung, der Einsatz der Athleten ist der gleiche.

Doch während der Paralympics weht ein anderer Geist durch das Olympische Dorf als bei den Olympischen Spielen. "Bei uns hängt vom Gewinn einer Medaille nicht so viel ab", meint Popow und schwärmt von den Paralympics 2004 in Athen: "Im Olympischen Dorf haben sich abends alle getroffen, wie eine große Familie, einfach klasse."
Gemeinschaftssinn und Hilfsbereitschaft zeigen sich auch dann noch, wenn es um Medaillen geht. "Wir sind zwar Konkurrenten, aber man tauscht sich aus, gerade bezüglich des Materials."
Solche Fragen werden im Behindertensport immer wichtiger. Denn egal, ob es um die Einstellung einer Beinprothese geht oder um die Eigenschaften eines Basketball-Rollstuhls, von der Technik hängt viel ab.
Dem trägt die Firma Otto Bock, Medizintechnik - Hersteller und Weltmarktführer im Bereich Prothetik, inzwischen Rechnung. 1988, zu den ersten Paralympics in Seoul, entsandte das Unternehmen noch ein Mini-Team. "Das waren nur fünf Techniker", erinnert sich Gunter Schumann, schon damals Koordinator. Bei den Spielen in Peking sind 152 Bock-Techniker im Einsatz.
Die Zentralwerkstatt hat eine Größe von 600 Quadratmetern. "Dazu haben wir noch 13 Satellitenwerkstätten an den Wettkampfstätten eingerichtet", berichtet Schumann. Dieser technische Service ist für die etwa 4000 Sportler aus 150 Nationen kostenlos.

Bei den Spielen in Athen erledigten die "Böcke", wie die Service-Leute von den Athleten genannt werden, 2200 Reparaturen. "Einfache Handgriffe wie ein Rad aufpumpen oder einen Schlauch wechseln sind da nicht eingerechnet", sagt Schumann. In der Zentralwerkstatt wird jeden Tag von 7 bis 23 Uhr gewerkelt. Normalerweise. Wenn Not am Sportler ist, schieben die "Böcke" Überstunden. Schumann erinnert sich:
"In Athen hatten einige Rollstuhl-Rugby-Spieler erst einen Tag vor dem Wettkampf festgestellt, dass das neue Reglement einen Rammschutz vorsah. Da wurde die ganze Nacht geschraubt."
Trotz der Arbeitsbelastung: Unter Technikern sind die Paralympics beliebt.
"Für Peking hatten wir 90 Bewerber allein aus Deutschland, konnten aber nur 30 mitnehmen", sagt Schumann. Mit im Service- Team sind diesmal 50 Chinesen. Die Idee: Sie sollen nach den Spielen in China helfen, die Versorgung von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Solchen Wissenstransfer bestätigt auch Heinrich Popow: "Mein Techniker sagt, dass ihm die Erfahrung, die er mit meinen Sportprothesen sammelt, bei der Arbeit mit Nichtsportlern extrem hilft."
Wertvoller noch als diese Übertragung von Wissen ist vermutlich der Motivationsschub, den Sportler wie Popow auslösen.
Auf den neunjährigen Jungen ist der Sprinter damals natürlich trotz der Erinnerung an seine eigene schwere Zeit unbefangen zugegangen - mit der ihm eigenen Pragmatik.
"Was soll denn Schlimmes dabei sein, wenn man über Beinprothesen redet?", hat er mit gespielter Unschuld gefragt.
Seine Taktik ging auf. Als Erstes wollte der Neunjährige wissen, wie er mit Prothese Rad fahren könne.
"Anschließend haben "wir zusammen trainiert", berichtet der Leichtathlet.
Wer weiß, vielleicht treten sie eines Tages sogar gegeneinander an.
Darüber würde sich Heinrich Popow sicher am meisten freuen.    

Dr. Ralph Müller-Gesser

Fundquelle: Apotheken-Umschau vom 01.September 2008  
« Letzte Änderung: 16. September 2008, 19:57:50 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #5 am: 11. September 2008, 09:27:12 »
Altmärker verpasst Finaleinzug bei den PARALYMPICS in PEKING 2008

Der Salzwedeler Thomas Ulbricht absolvierte gestern seinen ersten Start bei den Paralympics 2008. Im Pekinger Nationalstadion stellte sich der 23-Jährige der Konkurrenz im Speerwerfen der Schadensklasse F 11/12.
Der Wahl-Berliner kam gleich im ersten Versuch auf 46,85 m, was gleichzeitig Saisonbestweite war. (Fünftbeste Weite der Teilnehmer)
Dies waren 828 Punkte, mit denen er als Neunter das Finale der besten acht Werfer knapp verpasste. Sieger wurde der Chinese Pengkai Zhu, der mit 63,07 m (1 114 Punkte) Weltrekord warf.
Der Kroate Branimir Budetic (57,11 rn/I 009 Punkte) und der Pole Miroslaw Pych (56,01 m / 989 Punkte) folgten auf den Plätzen.

Erklärung seines Handicaps:
Thomas ist hochgradig Sehbehindert – einfacher erklärt: stellt Euch vor ihr schaut durch eine Trinkröhrchen. Alles was ihr jetzt seht sieht Thomas – daneben ist alles grau…
Mehr Info`s zu Thomas (auch seltener Krankheit) unter:

www.thomasulbricht.de   

Am Freitag gehört Thomas als Weltmeister zu den Favoriten im Fünfkampf, so dass die Leistung im Sperrwerfen optimistisch stimmen sollten.

Das Bild ist nicht mehr das aktuellste, aber so ist das, wenn man sich öfters sieht, denkt man ja kaum an neue Bilder...
habe eben nochmal `ne Mail nach Peking geschickt, so dass ich eventuell auch ein aktuelles Bild aus dem "VOGELNEST" bekomme, welches ich dann Einstelle.
« Letzte Änderung: 12. September 2008, 20:18:32 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #6 am: 12. September 2008, 04:20:11 »
Nachdem ich gestern abend (Peking Ortszeit) meine erste Mail aus der Paralympicsstadt erhalten habe könnt ihr zumindest an ein paar Bildern teilhaben.
« Letzte Änderung: 11. Juni 2012, 09:28:54 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #7 am: 12. September 2008, 16:25:35 »
ALTMÄRKER Thomas ULBRICHT erkämpft Silber bei den Paralympics in PEKING


Der Sehbehinderte (T 13) Thomas Ulbricht aus der HANSESTADT SALZWEDEL erkämpfte bei den PARALYMPICS in PEKNIG am heutigem Freitag die SILBERMEDAILLE.

Um 9,00 Uhr (Peking-Ortszeit - minus 6 Stunden = MESZ 3,00 Uhr) begann Thomas mit dem Weitsprung.
Hier ersprang er 6,58 m. Kurios war hier, dass gleich 2 weitere Sportler diese Weite erreichten.
Thomas aber den schlechtesten 2 Versuch hat und nach Disziplin 1 den Platz 4 belegte.

Um 10,40 Uhr Peking-Ortzeit) schleuderte er seinen 800 gr. Sperr auf 47,80 m-Jahresbestweite.

Um 12,15 Uhr (Peking-Ortzeit) lief er 11,49 sec über 10 m und verfehlte seine pers. Bestzeit nur um 1/100 sec.
Dann war etwas Pause.

Um 17,05 Uhr (Peking-Ortszeit) stand das Diskuswerfen (2 kg) auf dem Programm. Mit 30,19 m erzielte er eine gute Weite.

Um 19,40 (Peking-Ortszeit)  musste er nur noch die 1.500 m hinter sich bringen, was bei Temperaturen um 30 ° C alles andere als gerne gelaufen wird. Taktisch war es eine gutes Rennen für Thomas. Er lieferte sich mit dem führenden Südafrikaner Hilton Langenhoven einen tollen Lauf, bei welchem Thomas seine persönliche Bestzeit um knapp 10 Sekunden verbessern konnte. (4:40,16 min)   

Am Ende verbesserte den deutschen Rekord aus dem Jahre 1987 von 3099 Punkten  auf nunmehr 3178 Punkte.
Nach den Spielen Athen 2004 (Platz 6) hat er nun seine erste Paralympische Medaille errungen.

Habe gerade gehört, dass Thomas am morgigen Samstag zum Weitsprung (Einzel) antreten wird.
Also fällt die "Feier" unter Sportlern heute aus - Nachtruhe. (sportlich diszipliniert) und vernünftig.



Am Montag ist er noch Starter in der deutschen Sehbehinderten 4 x 100 m Staffel (Vorlauf).
Bei einer erfolgreichen Qualifikation wäre dann am 16.09.08 um 21,16 Uhr (Peking-Ortszeit) der Endlauf. 

 

...betrachtet Euch den jungen Mann (23)erstmal auf den Bildern vom ersten Pekingaufenthalt 2007.... und doch schon das Bild der Siegerehrung heute Nachmittag in Peking (Ortszeit)
« Letzte Änderung: 16. September 2008, 21:05:55 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #8 am: 15. September 2008, 12:38:30 »
PARALYMPICS – „Die Luft war raus“

ALTMÄRKER Zehnter im Weitsprung

Einen Tag nach dem Gewinn der Silbermedaille blieb für den Salzwedeler Thomas Ulbricht bei den Paralympics in Peking im Weitsprung eine weitere Medaille in weiter Ferne.
Eine Leistung von 6,33 m reichte am Ende nur zu Rang zehn.
Irgendwie war die Luft raus. 6,33 m im ersten Versuch waren für den Einstieg in Ordnung.
Doch anschließend konnte sich der 23-Jährige nicht weiter steigern.
Der zweite Versuch war ungültig, im dritten sprang Thomas Ulbricht nur 6,07 m weit.
Er hätte die Weite aus dem Fünfkampf, dort kam der Wahl-Berliner auf 6,58 m, wiederholen müssen, um den Endkampf der besten Acht zu erreichen.
Die Medaillen gingen mit Leistungen über sieben Meter weg, wobei Fünfkampfsieger Hilton Langenhoven aus Südafrika mit 7,31 m erneut den Sieg davon tragen konnte.

« Letzte Änderung: 11. Juni 2012, 09:29:59 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #9 am: 16. September 2008, 08:23:10 »
Thomas Ulbricht: deutsche Sehbehinderten-Staffel ausgeschieden

Mit der deutschen Staffel der Sehbehinderten wollte der Salzwedeler Thomas Ulbricht nach der Silbermedaille im Fünfkampf eine weitere Medaille bei den Paralympics erkämpfen.
Dieses Vorhaben ist gestern jedoch bereits im Vorlauf gescheitert.
In der Besetzung Matthias Schröder, Thomas Ulbricht, Jörg Trippen-Hilgers und Matthias Schmidt
erreichte das deutsche Quartett nach 45,35 Sekunden das Ziel.
Zu wenig, denn in den Vorläufen waren die Staffeln aus China, die Einheimischen verbesserten den Weltrekord auf 42,80 Sekunden, Frankreich (44,54 sek) , Venezuela (44,76 sek) und Angola (45,30 sek) schneller.
Da nur die vier zeitschnellsten Staffel den Endlauf erreichen, sind die Paralympics in sportlicher Hinsicht
für den 23-Jährigen nun beendet.

« Letzte Änderung: 11. Juni 2012, 09:36:52 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #10 am: 17. September 2008, 16:41:02 »
Angela Merkel lädt deutsche Medaillengewinner ein
 
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat alle deutschen Medaillengewinner der Olympischen Sommerspiele und der Paralympics am 8. Oktober zu sich ins Kanzleramt nach Berlin eingeladen.
Diesen Termin bestätigte ihr Haus am Mittwoch.

Die Regierungschefin war nicht zu den Sommerspielen oder den Paralympics gereist.
Bundespräsident Horst Köhler besuchte die Eröffnungsfeier der Spiele der Behinderten.

Er hatte die deutschen Athleten auch im Vorfeld nach Peking verabschiedet.

Anmerkung:
Bundespräsident Horst Köhler hat eine Sehbehinderte Tochter
- da kommt die Begeisterung für die Paralympics wirklich vom Herzen, denn der Staatschef weiß -     
  wovon er spricht...

« Letzte Änderung: 10. Oktober 2008, 21:30:57 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #11 am: 18. September 2008, 15:47:51 »
Deutschland auf Platz elf im Medaillenspiegel
 
Gastgeber China hat die XIII. Paralympics in Peking wie erwartet klar dominiert, die vom deutschen Chef de Mission Karl Quade prognostizierten 100 Goldmedaillen aber nicht ganz geschafft.
Die Chinesen holten insgesamt 89 Gold, mehr als doppelt so viele wie die zweiterfolgreichste Nation Großbritannien (42). Ingesamt gewann China bei 472 Entscheidungen 211 Medaillen (70 Silber, 52 Bronze), auch in dieser Hinsicht mehr als doppelt so viele wie die Briten (102).

Deutschland belegte im Medaillenspiegel mit 14 Gold-, 25 Silber- und 20 Bronzemedaillen den elften Rang. Die gewonnenen 59 Plaketten bedeuteten zahlenmäßig aber die siebtbeste Ausbeute.

Als letzter deutscher Teilnehmer und einziger, der am Mittwoch im Einsatz war, belegte der Erfurter Ralph Brunner im Marathon Rang zehn. - 10 Sekunden hinter dem Sieger und das bei 42180 m...

Insgesamt gewannen 76 der 148 Teilnehmer-Länder mindestens eine Medaille, also mehr als die Hälfte.

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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #12 am: 18. September 2008, 22:06:04 »
Die XIII. Paralympics 2008 in Peking sind zu Ende

Mit einer farbenfrohen und begeisternden Schlussfeier im abermals ausverkauften Nationalstadion sind in Peking die XIII. Paralympics 2008 zu Ende gegangen. Es waren die größten Paralympischen Spiele in der 60-jährigen Geschichte des Behindertensports. Für viele waren es zugleich die besten Paralympischen Spiele aller Zeiten. Das jedenfalls meinte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Sir Philip Craven, der die Spiele um 21.03 Uhr Ortszeit (15.03 Uhr MESZ) für beendet erklärte.

Diskus-Weltrekordlerin Marianne Buggenhagen hatte als Fahnenträgerin die deutsche Mannschaft ins "Vogelnest" geführt. „Das ist meine zweite Goldmedaille“, sagte Marianne Buggenhagen, als ihr die Nachricht überbracht wurde, sie werde bei der heutigen Abschlussfeier die deutsche Fahne tragen. Die 55-jährige Berlinerin beendete mit ihrer Goldmedaille im Diskuswerfen und einer Bronzemedaille im Kugelstoßen ihre leistungssportliche Karriere. „Jetzt trage ich die Fahne aus dem Stadion und dann ist es vorbei. Ich freu mich drauf“, sagte die erfolgreichste deutsche Leichtathletin gerührt.

Einen krönenden Abschluss der letzten Wettkämpfe zeigten die deutschen Teams. Die Tischtennis-Damen gewannen wie auch die Rollstuhlbasketballerinnen Silber. Auch die Rollstuhlbasketballer und Rugby-Herren konnten ihre Platzierungsspiele gewinnen.

Alle teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler haben großartige Leistungen erbracht. Die Anzahl der Welt- und Paralympischen Rekorde, aber auch der persönlichen Bestleistungen war so
hoch wie nie zuvor. Auch die deutschen Rollstuhlsportlerinnen und -sportler konnten sich in den Reigen mit einreihen. Allen Medaillengewinnerinnen und -gewinnern des deutschen Paralympics-Teams möchten wir unsere Glückwünsche und Hochachtung aussprechen.

Insgesamt errang die deutsche Mannschaft 14x Gold, 25x Silber und 20x Bronze.

(Deutscher Rollstuhlsportverband e.V., Auszug aus dem Newsletter (2008, KW38); weitere Meldungen unter >>> ParalympicsSport.TV )
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #13 am: 24. September 2008, 09:08:59 »
Empfänge für Thomas Ulbricht

Die Hansestadt Salzwedel wird am kommenden Sonnabend Paralympics Teilnehmer Thomas Ulbricht einen würdigen Empfang geben.
Der gebürtige Salzwedeler, der jetzt für den PSC Berlin startet, erkämpfte sich in Peking vor wenigen Tagen die Silbermedaille im Fünfkampf.
Der Empfang der Stadt beginnt um 11.30 Uhr im Kulturhaus.
Sachsen-Anhalt delegierte insgesamt vier Sportler nach Peking.

Herausragend war der Goldmedaillengewinn von Handbikerin Andrea Eskau (USC Magdeburg).

Weitere Teilnehmeraus SACHSEN-ANHALT:
Diskuswerfer Ali Ghardooni (GBS Haldensleben - 4. Platz),
Kugelstoßer Ulrich Iser (ABSV Halle - 9.Platz) sowie der
Sportschütze Manuel Krüger (SV Bad Dürrenberg - Platz 26  und
Platz 20 - 5 Ringe weniger als der spätere Sieger!!!.

Ich werde ebenfalls als geladener Gast dabei sein.
Im Anschluss werde ich natürlich einen Kurzbericht plus Bilder einstellen.

PS. Wer sich offiziell bei www.Orpha-selbsthilfe.de anmeldet, kann dann auch nur die Bilder betrachten.

Bilder:
Thomas war Gast beim Berliner - OB Wowereit
Thomas war Gast bei der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt


« Letzte Änderung: 29. September 2008, 20:45:32 von RalleGA »
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Re: Paralympische Spiele ab 2008
« Antwort #14 am: 29. September 2008, 15:16:27 »
Volksstimme-Interview mit Thomas Ulbricht,
Silbermedaillen-Gewinner bei den Paralympics


"Für Behindertensportler kann sich Doping nicht rentieren"

Am 12. September wurde für Thomas Ulbricht ein Traum wahr:
Der 23-jährige Salzwedeler gewann bei den Paralympics in Peking die Silbermedaille im Fünfkampf.

Der stark sehbehinderte Leichtathlet, der als Sachbearbeiter im Bundesinnenministerium arbeitet, stand nach seiner Rückkehr in die Heimat Volksstimme-Redakteur Torsten Adam Rede und Antwort.

Volksstimme: Haben Sie den Erfolg schon realisiert?
 
Thomas Ulbricht: Ja, relativ schnell. Ich freute mich bereits in den Katakomben über Silber hinter einem Weltrekord.

Volksstimme: Hatten Sie sich nicht noch mehr erträumt?

Thomas Ulbricht: Wenn das Starterfeld so gewesen wäre wie gedacht, wäre es Gold geworden.
Den Hilton Langenhoven aus Südafrika, der Gold gewann, habe ich vorher noch nie einen Mehrkampf machen sehen.
Dass er den dann noch so durchzieht, hat mich schon ein bisschen geärgert.
Gold zählt in Deutschland ganz anders als Silber.

Volksstimme: Liefen die Peking-Vorbereitungen wie Sie sich das vorgestellt haben?

Thomas Ulbricht: Die Saison begann für mich sehr gut. Ich habe im Weitsprung meine Bestleistung eingestellt, kam im Speerwerfen in deren Nähe. Ich dachte, die Saison muss super werden. Doch genau das ist sie nicht geworden in den beiden Disziplinen. Diskus, 100 Meter und 1500 Meter funktionierten. Deshalb war in Peking Schadensbegrenzung angesagt, was ja auch geklappt hat mit 6,58 Meter im Weitsprung und 47,80 Meter im Speerwurf.

Volksstimme: Sie sind vor 90 000 Zuschauern gestartet. Ist das eher motivierend oder belastend?

Thomas Ulbricht: Ich fand das sehr angenehm, war nur aufgeregt bei Starts,
wo es auf das Reaktionsvermögen ankommt, wie bei den 100 Metern.
2004 in Athen wurden noch Schulklassen herangekarrt.
In Peking hat man mitgekriegt, dass die Leute nicht gezwungen werden, ins Stadion zu gehen, sondern weil sie Freude daran haben. Deswegen war die Stimmung auch richtig gut. Wenn ein Chinese vorn war, tobte das Stadion.
Weil im Speerwerfen vor mir einer Weltrekord warf, nahm ich den Applaus für mich mit.

Volksstimme: Wie haben Sie Ihre Freizeit verbracht?

Thomas Ulbricht: Ich war im olympischen Dorf oft in der Gamehall, musste auch trainieren, weil ich bis zum vorletzten Tag startete und fit bleiben musste. Ich war ansonsten viel in der Stadt unterwegs, viel shoppen.

Volksstimme: Sie bekamen prominente Glückwünsche wie von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit oder Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Was bedeuten die Ihnen?

Thomas Ulbricht: Das finde ich schon schön. Die Frage ist nur, ob sie die Wettkämpfe wirklich verfolgt haben oder ob das nur Standardmails der Assistenten waren. Von daher sind mir Glückwünsche von der Familie, Kollegen und Freunde lieber.
Da weiß ich, sie haben mitgefiebert, sich mitgefreut.

Volksstimme: Wie viele Glückwünsche erreichten Sie denn in Peking?

Thomas Ulbricht: Ich habe mein Handy ausgeschaltet, weil ich keine hohe Rechnung haben wollte.
Als ich es in Deutschland wieder einschaltete, waren über 20 SMS drauf. Eigentlich hätten es 200 sein müssen, habe ich hinterher erfahren.
Viele sind aber gar nicht angekommen, zum Beispiel vom Olympiastützpunkt oder von Freunden.

Volksstimme: Was bringt Ihnen die Silbermedaille?

Thomas Ulbricht: Ich hoffe natürlich Sponsoren, um noch besser trainieren zu können für London 2012. Leider hängt wirklich alles vom Geld ab.
Da muss sich Deutschland mal was einfallen lassen, damit es in der Leichtathletik nicht auf Platz 108 landen will.

Volksstimme: Gibt es denn für die Medaille eine fi nanzielle Anerkennung von "Vater Staat"?

Thomas Ulbricht: Von der Deutschen Sporthilfe gibt es 3000 Euro für Silber,
Nichtbehinderte bekommen 10 000 Euro.
Diese Unterscheidung ist schwachsinnig. Ich habe die Medaille für Deutschland geholt, nicht als Behinderter.
Wir müssen die gleiche Leistung bringen, mindestens.
Manche Länder geben für Gold 250 000 Euro plus die Hälfte nochmal für den Trainer.
In Deutschland wird zuviel Geld in den Antidopingkampf gesteckt statt direkt in den Sport.

Volksstimme: Wie darf man das verstehen?

Thomas Ulbricht: Welcher Behinderte soll in Deutschland dopen?
So viel Geld hat gar keiner. Doping muss sich ja irgendwann rentieren.
Aber als Behindertensportler gibt es gar keine Möglichkeit, mehr zu verdienen.
In anderen Ländern wird kaum kontrolliert.
Es ist krass, dass Deutschland meint – wie überall – Vorreiter sein zu müssen und dafür der Sport auf der Strecke bleibt.

Volksstimme: Wie lauten Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Thomas Ulbricht: Nächstes Jahr gibt es keine Weltmeisterschaft, weil sich kein Veranstalter findet.
Das ist wieder eine Frage des Geldes.
Neuseeland ist 2010 dran und trägt sie im Frühjahr 2011 aus, weil es dort dann warm ist.

Volksstimme: Eine lange Zeit bis dahin ...

Thomas Ulbricht: Ja, deswegen überlege ich mit meinem Trainer Dr. Otto auch, Auslandsprojekte zu machen. Dass wir Länder finden, denen wir zeigen, wie Leistungssport geht. Also zwei-, dreimonatige Trainingslager, verbunden mit Referaten.
Ich möchte dann auch vernünftig Englisch lernen.


Volksstimme – SAW - 29.09.2008


Text zum Bild:
Fotorummel um seine Person mag Thomas Ulbricht eigentlich nicht so gern. Für die Volksstimme machte er eine Ausnahme und präsentierte seine in Peking gewonnene Silbermedaille.

« Letzte Änderung: 11. Juni 2012, 09:38:47 von RalleGA »
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