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Autor Thema: Buchtippps - Hilfen für Handicap`s + Ein Jahr Hölle (Lebensbericht)  (Gelesen 6480 mal)

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Finanzielle Hilfen für Menschen mit Behinderung

Bernd Röger (2008)
Walhalla Fachverlag Regensburg
 - ISBN 978-3-8029-7411-3 -

In Deutschland leben rund 6,7 Millionen Menschen mit Behinderung. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung sind das immerhin 8,2 Prozent. Oftmals wissen die Betroffenen jedoch nicht, welche Möglichkeiten finanzieller Hilfe es gibt, wann ihnen diese zustehen und wo sie beantragt werden müssen. Es ist ihnen peinlich, danach zu fragen oder einen entsprechenden Antrag zu stellen Informationsmaterial mit unverständlichen Formulierungen, fehlende Ansprechpartner und unterschiedliche Regelungen innerhalb der einzelnen Bundesländer machen die Unsicherheit und Verwirrung der Betroffenen komplett. Dieser Fachratgeber informiert umfassend und verständlich über die finanzielle Seite Ihrer Behinderung. Er zeigt Ihnen, wo finanzielle Unterstützung beantragt werden kann und wer Ihnen beim Ausfüllen der Anträge behilflich ist. Der speziell auf diesem Gebiet erfahrene Autor informiert gezielt über die zahlreichen Vergünstigungen und Erleichterungen (Nachteilsausgleiche), die Menschen mit Behinderung im täglichen Leben, auf Reisen und Veranstaltungen oder im Beruf offen stehen.
Dieses Buch wurde mit hilfreichen Handlungsempfehlungen und einem Glossar zu wichtigen Fachbegriffen abgerundet.

Der Autor Bernd Röger studierte Betriebswirtschaft und war langjährig in einer leitenden Position bei einem großen Dienstleistungsunternehmen tätig. Heute arbeitet er als selbständiger Autor von Ratgebern.
« Letzte Änderung: 18. April 2009, 20:07:40 von RalleGA »
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Buchtipp: Ein Jahr HölleMichael Lesch

Er ist kerngesund, sportlich und durchtrainiert.
Doch im November 1999 bricht der beliebte Schauspieler Michael Lesch plötzlich zusammen.
Diagnose: Verschleppte Lungenentzündung.
Doch dann entdecken die Ärzte im Brustbereich und im Bauchraum veränderte Lymphknoten.
Morbus Hodgkin lautet jetzt der Befund, eine bösartige, tumorhafte Lymphknotenerkrankung, kurz: Krebs.

Michael Lesch verkraftet den Schock und nimmt sein Schicksal an.
Mit ungeheurer Willensstärke übersteht er acht Chemotherapiezyklen und zahlreiche Komplikationen.
Mehr als einmal hängt sein Leben an einem seidenen Faden.
Doch er schafft es nicht nur den Krebs vollständig zu besiegen, sondern auch wieder so fit zu werden, dass er nach einem Jahr, im November 2000, schon wieder ein renommiertes Golfturnier gewinnen kann.

Bastei-Lübbe Verlag, ISBN 978-3-404-61490-5,
Preis: 7,90 €

Fundquelle: „Leben mit Sport“ Ausgabe 4/2008
(Verbandszeitschrift des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes SACHSEN-ANHALT e.V.)
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                  "Handicapped Rollstuhl - Kurier"

Die Zeitschrift für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, sonstige Bewegungsbeiträchtige und Ältere Menschen

Die Zeitschrift erscheint 6 x jährlich.

Ständige Themen / Rubriken:
Reisen für Behinderte, Sport, Freizeit, Abenteuer, Kultur, private Kleinanzeigen,
behindertenberechte PKW, Bauen & Wohnen,
Aktuelle Infos vom Reha - Markt  u.v.m.

Bezugspreis pro Jahr 32,- € inkl. Versand.

Vorteile für Abonnenten:
5 - 20 % Rabatt bei 42 ausgewählte Hotels und Unterkünften
(aktuelle Übersicht in Hedt 1/2009, im Februar 2009)

Als Abonnent können Sie kostenlose private Kleinanzeigen aufgeben.


Abonnenten der Zeitschrift "Handicapped Rollstuhl - Kurier"
erhalten das Buch "Handicapped - Reisen 2009" kostenlos.



schaut bitte unter: www.orpha-selbsthilfe.de/forum/index.php?topic=511.0
« Letzte Änderung: 12. Januar 2013, 10:06:14 von RalleGA »
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                          Ratgeber - Teilhabe statt Fürsorge
 
Gerade hat Deutschland das Behindertenübereinkommen der Vereinten Nationen unterzeichnet:
"Weg von der Fürsorge - hin zur Teilhabe"
steht dabei auf dem Wegweiser des Aktionsplans.
Doch Betroffene wissen, dass echte Teilhabe leider noch immer keine Selbstverständlichkeit ist.
Denn um das Recht auf Gleichstellung überhaupt in Anspruch nehmen zu können, müssen sich Behinderte zunächst durch den Dschungel des Sozialsystems mit verschiedenen Zuständigkeiten kämpfen.
Ein neuer Ratgeber der Verbraucherzentrale - in Zusammenarbeit mit dem ARD Ratgeber Recht herausgegeben -
hilft dabei:
Das Buch bietet einen Überblick über rechtliche Regelungen und informiert über die richtigen Anlaufstellen - vom Weg zum Schwerbehindertenausweis über Leistungen zur Rehabilitation bis hin zur Teilhabe am Arbeitsleben oder Steuererleichterungen.
Damit wird es einem immer wieder geäußerten Wunsch von Behinderten und deren Angehörigen gerecht:
aktuelle und vollständige Informationen aus einer Hand.

Der Ratgeber "Behinderung" kostet 9,90 Euro und kann für zusätzlich 2,50 Euro Porto und Versand per Telefon unter der Rufnummer 02 11/3809 555 montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr bestellt werden.                                                                                   
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Re: Buchtippps - Hilfen für Handicap`s + Ein Jahr Hölle (Lebensbericht)
« Antwort #4 am: 11. September 2009, 20:43:14 »
Publikationen 3 x jährlich kostenfrei Erhältlich

- für Praxen, Kliniken, Selbsthilfegruppen –

Themen: zur Zeit erhältlich
-   Befund Diabetes
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-   Befund MS
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-   Leben? Leben!
-   PatientenHaut

Bestellungen möglich unter:
GFMK GmbH & Co. KG LEVERKUSEN
Tel: + Fax: 0214 – 310 57 29
magazine@gfmk.com   
www.gfmk.com   
                                                                 
« Letzte Änderung: 12. Januar 2013, 10:03:17 von RalleGA »
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Buchtipp:

„Dem Schicksal zum Trotz“ – Elternpaar kämpft gegen ein tückische Krankheit


Im Roman beschreibt Lieselotte Kamper den Konflikt eines jungen Ehepaares mit Kinderwunsch.
Ihr Glück ist belastet, weil beide Erbgutträger einer unheilbaren Krankheit sind.

Die erste Tochter Nadine leidet an unheilbarem Muskelschwund.
Ihr Leben ist nicht zu retten. Doch das Paar macht weiter, bekommt drei gesunde Söhne,
ehe die zweite Tochter - noch als Embryo - erneut von der Krankheit betroffen ist.
Das Ehepaar entschließt sich zur Abtreibung. Später haben sie mit Kind Nummer sechs eine gesunde Tochter.
Laut Statistik trägt jeder 50. die Chromosomenveränderung in sich, die zum Muskelschwund führt -
meistens ohne es zu wissen.
Gentests an ungeborenem Leben war lange Zeit ein umstrittenes Thema in der Politik -
ein emotionales Thema, besonders, wenn es den eigenen Nachwuchs betrifft.
Doch in dieser Geschichte geht es nicht um politische Auseinandersetzungen und auch nicht um Forschung oder Wissenschaft, sondern um ein ergreifendes Schicksal, gegen das sich die Eltern in ihrer Ohnmacht auflehnen.
Ihre Entscheidung, gegen den Strom zu schwimmen, ist schwer nachvollziehbar,
birgt aber die Kraft der Liebe, Hoffnung und viel positive Energie in sich.
Die Erzählung ist ein intimer Einblick in die Gedankengänge eines jungen Familienvaters, die unter die Haut gehen.

"Dem Schicksal zum Trotz" von Lieselotte Kamper
Isensee Verlag Oldenburg  ISBN 978-3-89995-904-8 ; 240 Seiten
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Re: Buchtippps - Hilfen für Handicap`s + Ein Jahr Hölle (Lebensbericht)
« Antwort #6 am: 21. November 2015, 08:39:18 »
Buchtipp:

"Die Geschichte meines Selbstmords" von Viktor Staudt -


Vergleicht man eine Depression mit einer lebensbedrohlichen Krankheit wie beispielsweise Krebs,
stößt man häufig auf Unverständnis.
Depressionen werden oft als eine chronische Form der Unzufriedenheit angesehen und diese Unzufriedenheit nicht selten als unberechtigt abgestempelt.

Eine Depression erscheint wie ein Leiden, das zu beheben ist, wenn man sich nur aufrafft und die Sache angeht, im Gegensatz zu einer körperlichen Erkrankung, an der man selbst nichts ändern kann.
Ich habe sehr unter meinen Depressionen gelitten und meine jetzt zu verstehen, warum ich damals keine besseren Entscheidungen treffen konnte.
Gerade das ist ein Merkmal von Depressionen:
Man will zwar etwas anderes, schafft es aber einfach nicht. Man ist der Krankheit ausgeliefert.

Dass Leute sich immer noch erstaunt zeigen, wenn man ihnen sagt, man leide an Depressionen,
ist einer der Gründe, warum ich meine Geschichte aufgeschrieben habe.
Depressionen rühren an den Kern der Existenz; der Boden unter den eigenen Füßen verschwindet
und was bleibt, ist ein endloser freier Fall.

Dies ist kein Hurra-wir-leben-noch-Buch geworden;
manchmal denke ich, dass ich meine Depressionen überwunden habe, war nur ein Pyrrhussieg.
 Ich hoffe, meine Geschichte schenkt neue Einsichten darüber, wie Depressionen einen Menschen vernichten können.
Falls nur ein einziger Mensch sich nach der Lektüre dieses Buchs entscheidet, Hilfe zu suchen,
anstatt Hand an sich zu legen, habe ich mein Ziel erreicht. Sommer 2014  Viktor Staudt

Auszug aus dem Buch:
»Nein, wie furchtbar ... «, stammelt er kaum hörbar. Ich mache eine Art wegwerfende Handbewegung, als ob ich sagen wollte, alles sei nur halb so schlimm, und hoffe, den Schock dadurch einigermaßen lindern zu können. Dabei ist es mir gleich, dass ich mein eigenes Schicksal gewissermaßen bagatellisiere. »Eigentlich sind die Schmerzen in meinen Beinen das größte Problem«, versuche ich ihn abzulenken. »Dass ich im Rollstuhl sitze, weißt du, das geht ja noch. Ich kann immerhin noch alles bewegen, alles funktioniert noch. « Ich deute mit der Hand direkt unter meine Gürtellinie. Didier entspannt sich und grinst sogar kurz. »Aber die Schmerzen in meinen Beinen sind ganz schön heftig und rauben mir manchmal wirklich den Schlafs, fahre ich fort. » Im Krankenhaus haben die Ärzte mir gesagt, dass sich dagegen nichts tun lässt, außer Morphium und andere Opiate zu nehmen.« Didier schaut ernst, er hält den Blick einige Sekunden lang auf das gerichtet, was noch von meinen Beinen übrig ist. Beinstümpfe nennt man das, oder? « Ich nicke und meine dem Klang seiner Stimme zu entnehmen, dass er, so wie ich, die Abwertung missbilligt, die der Begriff »Stümpfe«  beinhaltet. »Aber es sind und bleiben meine Beine! « Aber ja, gewiss doch, es sind und bleiben deine Beine! Deine Beine, die du nicht mehr hast, die amputiert sind. Wo sind die jetzt? «  »Weg, vermute ich. «
»Genau, Weg. Die liegen jetzt in ihrem Grab. « Meiner Meinung nach wurden meine Beine - oder was davon übrig war - vernichtet. Ganz sicher sind sie nicht irgendwo begraben, wie er meint. »Die müssen irgendwo in einem Grab liegen, und da warten sie auf den Rest des Körpers. Sie rufen nach deinem Körper, nach dem Teil deiner Beine, den du noch hast. Es fasziniert mich schon, seine Erklärung. »Erst dann, wenn alles wieder komplett ist, werden die Schmerzen aufhören. « 
« Letzte Änderung: 21. November 2015, 08:41:06 von RalleGA »
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Re: Buchtippps - Hilfen für Handicap`s + Ein Jahr Hölle (Lebensbericht)
« Antwort #7 am: 29. November 2015, 09:36:52 »
Ein wichtiges Buch:

Die Geschichte meines Selbstmordes und wie ich das Leben wiederfand


Depressionen gehören zu den häufigsten medizinischen Erkrankungen und stellen außerdem die Hauptursache für Suizide dar. So erfolgen etwa 70% der Suizide im Rahmen einer Depression.
Statistisch gesehen sterben im Vergleich zu anderen Todesursachen weltweit etwa 3x so häufig Menschen an Suiziden als an AIDS und etwa 8x so häufig als an Malaria.
Eine Abklärung der Suizidalität ist in jeder psychiatrischen Notfallsituation notwendig,
nicht nur im Zusammenhang mit Depression. Suizidalität kann auch bei einer schweren schizophrenen Erkrankung bzw. bei unheilbaren körperlichen Erkrankungen auftreten. Interessanterweise besteht hierbei auch ein sogenanntes »Ansteckungsmodell«, das heißt, frühere Suizidversuche bzw. Suizide oder Suizidversuche im sozialen Umfeld stellen ein erhöhtes Risiko dar.

Der Wiener Psychiater Prof. Erwin Ringel beschrieb im Jahr 1953 das noch heute gültige Modell des sogenannten »präsuizidalen Syndroms«, das dadurch charakterisiert ist, dass bei dem Betroffenen einerseits eine Einengung besteht,  andererseits auch eine gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggressivität sowie Suizidphantasien auftreten. Die erwähnte Einengung kann sowohl die Lebenssituation  betreffen, z.B. durch Verlust des Arbeitsplatzes bzw. der Wohnung. Es kann sich aber auch um eine »dynamische Einengung«  handeln, im Zuge derer der Betroffene seine Assoziationen, Gefühle und Verhaltensmuster negativ ausrichtet. Nicht zuletzt kann die Einengung aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen oder die Wertewelt betreffen: Hier wird alles negativ ausgelegt.
Die verschiedenen biologischen Grundlagen der Suizidalität wurden ausführlich von verschiedenen Kolleginnen und Kollegen untersucht, so z. B. von Frau Prof. Marie Asberg, die schon im Jahr 1986 nachweisen konnte, dass im Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) von Patienten mit Suizidversuchen eine erniedrigte Konzentration des Serotoninabbauproduktes 5-Hydroxyindolessigsäure vorliegt.
Bei Suizidopfern konnte darüber hinaus auch gefunden werden, dass die Serotoninkonzentration in spezifischen  Gehirnregionen verringert ist.

Neben diesen biologischen Modellen sind verschiedene psychologische Zusammenhänge mit Suizidalität diskutiert worden, auch werden psychodynamische Charakteristika als von Bedeutung angesehen.
Bei Suizidversuchen sind sowohl für die Umwelt als auch für das therapeutische Team jeweils der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zum Betroffenen von Bedeutung sowie das Akzeptieren des suizidalen Verhaltens als Notsignal. Es sollte eine emotionale Entlastung herbeigeführt werden und eine Bearbeitung der nicht zielführenden Bewältigungsversuche, wie es der Suizid darstellt, folgen.
Im Zusammenhang mit der zuvor beschriebenen situativen Einengung wird meistens auch an der Wiederherstellung wichtiger Beziehungen gearbeitet, und es werden gemeinsame Konzepte zu alternativen Problemlösungen für die aktuelle Krise, aus welcher der Suizidversuch hervorging, erarbeitet.
Da es sich bei der Suizidalität um eine sehr ernstzunehmende psychiatrische Erkrankung handelt,
sollten akut suizidgefährdete Patienten nach Möglichkeit von einer Fachärztin einem Facharzt für Psychiatrie bzw., an einer spezialisierten Einrichtung (z. B. einer psychiatrischen Klinik, einem Krisendienst, einem Kriseninterventionszentrum) untersucht und behandelt werden.

Häufige Fehler im Umgang mit Suizidalität sind vorschnelle Tröstungen, moralisierende Ermahnungen, Verallgemeinerungen, Ratschläge, Belehrungen bzw. das Herunterspielen des Problems. Häufig werden auch Bagatellisierungstendenzen der Patienten übernommen, oder es wird rasch nach positiven Veränderungsmöglichkeiten gesucht, die für einen gesunden Menschen möglich, jedoch für den kranken Menschen im Rahmen der Suizidalität nicht einfach oder krankheitsbedingt sogar unmöglich zu erreichen sind.
Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Suizidalität besteht auch darin, dass die mediale Berichterstattung über Suizide eine sehr bedeutsame Rolle einnimmt.                                                   
So ist z. B. bekannt, dass sensationsträchtige Berichte über Selbstmorde und Darstellungen von Suizidmethoden in der Presse zur Nachahmung verleiten können.
Dies wird in der Literatur als »Werther-Effekt«  bezeichnet.
Vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität WIEN konnte nun ein umgekehrter, sogenannter Papageno-Effekt beschrieben werden: Medienberichte können auch einen präventiven Effekt haben, nämlich dann, wenn geschildert wird, wie Betroffene Krisensituationen konstruktiv bewältigt haben.

Das vorliegende Buch von Viktor Staudt ist ein exzellentes Beispiel für den Umgang mit der Erkrankung Suizidalität und der damit in Verbindung stehenden Depression.

Mehr noch: Es zeigt, wie man Menschen und deren Angehörigen in dieser verzweifelten Krisensituation helfen kann.

Viktor Staudts sehr persönliche Ausführungen zeigen zum einen das eigene konkrete Leid, andererseits jedoch auch, wie ein Mensch aus einer solchen Krise wieder heraustreten kann und - was leider häufig der Fall ist -, wie nach einem Suizidversuch mit der daraus resultierenden Behinderung konstruktiv weitergelebt werden kann.
Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung und den Menschen, die im Rahmen ihrer Erkrankungen an Suizidphantasien leiden bzw. einen Suizidversuch mit einer daraus folgenden Behinderung hinter sich haben, viel Verständnis und Einfühlungsvermögen von ihren Mitmenschen.
Viktor Staudts Buch wird sicherlich dazu beitragen, dass die Suizidalität und die damit im Zusammenhang stehenden psychiatrischen Erkrankungen genauso wie andere medizinische Erkrankungen noch adäquater diagnostiziert, behandelt und im psychosozialen Umfeld versorgt werden.

Prof. Dr. Siegfried Kasper
Professor für Psychiatrie und Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Medizinischen Universität WIEN (Austria)

« Letzte Änderung: 29. November 2015, 09:42:07 von RalleGA »
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Buchtipp:

Wenn der Darm spinnt    


Morbus Crohn ist eine gar nicht so seltene chronisch entzündliche Darmerkrankung.
Wer diese Diagnose bekommt, ist oft verunsichert.

Die Autorin ist selbst betroffen und hat deshalb das Buch geschrieben, das sie damals gern gelesen hätte:
einen locker formulierten Ratgeber mit den wichtigsten medizinischen Fakten, vielen hilfreichen Informationen
und zahlreichen Tipps zum Leben mit Morbus Crohn.


Schara, Michaela: Shitstorm im Darm, Humboldt-Verlag 2020, 215 Seiten, 19,99 Euro
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Offline MandyFr

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