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Autor Thema: BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile  (Gelesen 69988 mal)

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Offline RalleGA

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Gute Praxis:

Autos verkaufen im Stehrollstuhl


Der Arbeitsplatz eines Autohausinhabers musste nach einem privaten Unfall umgestaltet werden.
Der querschnittsgelähmte Mann arbeitet in der Verwaltung und im Verkauf des Autohauses.
Er nutzt einen Stehrollstuhl, mit dem er an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch entweder sitzend oder stehend arbeiten kann.
Die Stehfunktion erweitert zusätzlich den Greifraum des Mannes, z. B. um Aktenordner aus einem höheren Regal zu nehmen.
Die stehende Haltung ermöglicht außerdem Gespräche "auf Augenhöhe" mit Kunden und Mitarbeitern sowie eine bessere Demonstration der Fahrzeuge, vor allem der höheren Geländewagen.   

Welche weiteren Hilfsmittel eingesetzt und welche anderen Maßnahmen ergriffen wurden,
lesen Sie bei REHADAT-Gute Praxis:


Pb/110955

Mit dem Schlagwort "Stehrollstuhl" finden Sie bei REHADAT-Gute Praxis
insgesamt 8 Praxisbeispiele und bei REHADAT-Hilfsmittel 28 Produkte.
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Kein Unfallversicherungsschutz bei Trunkenheitssturz

es gibt Grenzen


Die Grenzen für einen Arbeitsunfall sind sehr eng gesteckt.
Diese Erfahrung musste ein Feuerwehrmann machen.
Er war zwischen Toilette und Partyrunde schwer gestürzt.
Bei einem Arbeitsunfall gilt für die Betroffenen der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.
Dazu können auch Unfälle gehören, die sich bei einer Betriebsfeier ereignen. Doch es gibt Grenzen.

Ein Feuerwehrmann, der nach abgeschlossenem Wettkampf an einer kameradschaftlichen Runde teilnimmt und sich danach im betrunkenen Zustand verletzt, hat keinen Arbeitsunfall.  LSG Niedersachsen-Bremen (Az.: L 16/3 U 186/13).

Fall:

Der Feuerwehrmann hatte an einem Freundschaftswettkampf mit befreundeten Feuerwehren teilgenommen.
Nach der offiziellen Siegerehrung reiste ein Teil der Teilnehmer ab, ein anderer hingegen blieb noch in geselliger Runde beisammen. Der Mann wurde am frühen Abend im Bereich der provisorischen Toilettenanlage vorgefunden.
Er war dort mit 3,0 Promille gestürzt und hatte sich eine Unterschenkelfraktur zugezogen. Die Feuerwehrunfallkasse lehnte die Anerkennung eines Arbeitsunfalls ab. Der Kläger hingegen vertrat die Auffassung, er habe einen versicherten Wegeunfall auf dem Rückweg vom Wasserlassen erlitten.   

Urteil:
Das LSG  teilte die Rechtsansicht der Unfallkasse.
Der Schutz der GUV bestehe nur bis zum Ende der betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung.
Mit der Siegerehrung sei die Veranstaltung offiziell abgeschlossen gewesen.
Die gesellige Runde sei daher nicht mehr vom Schutzbereich umfasst.
Zwar sei der Weg zur Toilette versichert, nicht jedoch das Wasserlassen selbst.
Die Abgrenzung erfolge grundsätzlich mit dem Durchschreiten der Toilettentür.                       

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Juli 2017

« Letzte Änderung: 10. Oktober 2017, 10:03:21 von RalleGA »
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Arbeitsunfall kann nach 50 Jahren noch nachgewiesen werden -

Glaubhafte Schilderung

Auch noch 50 Jahre nach einem Arbeitsunfall können Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung eingeklagt werden -
selbst ohne schriftliche Nachweise.
Was dabei wichtig ist, zeigt ein Fall beim Dresdner Sozialgericht. (Az: S 39 U 320/12)     

Ein Arbeitsunfall kann auch nach vielen Jahren noch nachgewiesen werden.
Allerdings müssen Betroffene dann glaubhaft machen können, dass es den Unfall tatsächlich gab.
Das ist unter Umständen sogar ohne schriftliche Unterlagen möglich.
   

Fall:

Der 72-jährige Mann arbeitete als Gleisbauhelfer bei einem Betrieb, den später die Deutsche Reichsbahn übernahm.
Er beantragte 2011 die Anerkennung eines Arbeitsunfalls, den er 1966 erlitten hatte.
Bei Gleisbauarbeiten wurde ihm der kleine Finger derart gequetscht, dass dieser amputiert werden musste.
Die UV Bund und Bahn lehnte die Feststellung eines Arbeitsunfalls ab.
Unterlagen über den Vorfall waren nicht mehr vorhanden.
Der Mann klagte dennoch.
Urteil: Die Richter glaubten den Darstellungen des Mannes.
Die Eintragungen in dessen Sozialversicherungsausweis deckten sich mit seiner Darstellung.
Auch könne er das Geschehen im Jahr 1966 glaubwürdig schildern.     

Zwar waren die Unterlagen beim zuständigen Landesamt für Arbeitsschutz nicht mehr auffindbar.
Ein sachverständiger Unfallchirurg hatte aber zuvor bestätigt, dass der Gesundheitsschaden auf einen Arbeitsunfall zurückgeführt werden könne.   
Daher war das Gericht der Überzeugung, dass sich der Unfall wie vom Kläger geschildert zugetragen hatte.
Er konnte daher Leistungen der GUV verlangen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  August 2017
« Letzte Änderung: 20. Oktober 2017, 08:35:48 von RalleGA »
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« Letzte Änderung: 15. März 2018, 10:28:51 von RalleGA »
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Bei verpflichtender Teilnahme -

Sturz beim Bowling kann Arbeitsunfall sein


Die Grenze zwischen Privatvergnügen und betrieblichen Belangen ist nicht immer sofort zu erkennen.
Schreibt der Chef die Teilnahme an einem Bowling-Turnier mit Geschäftspartnern vor, gilt für diese Zeit auch der Schutz der GUV.   

Der Sturz bei einem Bowling-Turnier kann ein Arbeitsunfall sein.
Voraussetzung dafür ist, dass bei der Teilnahme ein Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit besteht.
War das Mitspielen für Mitarbeiter verpflichtend, ist diese Voraussetzung erfüllt.
Urteil des SG Aachen (Az.: S 6 U 135/16).


In dem Fall hatte der Kläger an einer mehrtägigen Veranstaltung eines Partnerunternehmens seines AG teilgenommen.
Im Rahmen dieser Veranstaltung fand auch ein Bowling-Turnier statt.
Alle Besucher der Veranstaltung nahmen am Bowling-Turnier teil.
Der Kläger rutschte auf der Bowlingbahn aus und renkte sich seine Schulter aus.
Die BG verweigerte die Anerkennung des Sturzes als Arbeitsunfall.
Sie argumentierte, der Kläger habe sich beim Bowling privaten Belangen gewidmet.
Das Sozialgericht folgte dieser Auffassung nicht.

Das Bowling-Turnier war keine freiwillige Veranstaltung, sondern fester Bestandteil des gesamten Programms.
Die Teilnahme war vom AG vorgeschrieben.
Zum anderen sei der Zweck der Veranstaltung der Austausch mit Mitarbeitern des Partnerunternehmens gewesen.
Durch die Teilnahme am Bowling-Turnier habe der Kläger also eine Nebenpflicht aus seinem Arbeitsverhältnis erfüllt.

Urteil des SG Aachen


Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Januar 2018

« Letzte Änderung: 27. April 2018, 07:50:08 von RalleGA »
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BG - Ausweichmanöver bei Unfall kann Rettungstat sein 

Einen Unfall will möglichst jeder Verkehrsteilnehmer vermeiden.
Aber sind Autofahrer, Biker und Co. eigentlich versichert, wenn sie einem möglichen Zusammenprall ausweichen?

Hat man einen Unfall, weil man versucht, einen anderen zu retten, genießt man den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (GUV).
Urteil des SG Dortmund (Az.: S 17 U 955/14).   
Versucht zum Beispiel ein Motorradfahrer einen Zusammenstoß mit einem Radfahrer zu vermeiden und verletzt sich dabei,
hat er den gleichen Schutz wie bei einem Arbeitsunfall. (AU) 

Fall:

Einem 53-jähriger Motorradfahrer hatte bei einer privaten Fahrt ein Fahrradfahrer die Vorfahrt genommen.
Der Motorradfahrer wich aus und stürzte dabei.
Er verletzte sich an den Schultern und wollte, dass der Unfall von der GUV anerkannt wird, weil es sich um eine Rettungstat handelte.
Die Versicherung lehnte das aber ab.

Urteil:
Die Klage hatte Erfolg.
Der Motorradfahrer genieße denselben Schutz wie bei einem AU.
Denn er habe ein Ausweichmanöver gestartet, um einen Zusammenstoß mit dem Fahrrad zu vermeiden.
Dies sei eine Rettungstat, die unter dem Schutz der GUV stehe.     

Dabei sei es unerheblich, dass die Rettungshandlung nicht mit zeitlichem Vorlauf geplant, sondern spontan reflexartig vorgenommen worden sei. Auch komme es nicht darauf an, dass der Mann durch das Ausweichen auch versucht habe, sich selbst vor einem Unfall zu schützen. Das Risiko dabei zu stürzen sei in etwa gleich groß. 

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2018
« Letzte Änderung: 08. Oktober 2018, 09:23:41 von RalleGA »
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Schwarzarbeiter erhalten bei Arbeitsunfall Leistungen

Rückforderung der Ausgaben 

Auch illegal Beschäftigte haben Rechte.

Verletzt sich ein Schwarzarbeiter, hat er den gleichen Anspruch auf Leistungen, wie jeder andere Arbeitnehmer.
Legal wird Schwarzarbeit deswegen aber nicht.

Verletzt sich ein Schwarzarbeiter bei der Arbeit, hat er auf die gleichen Leistungen Anspruch wie Arbeitnehmer.
Allerdings hat die Berufsgenossenschaft das Recht, ihre Ausgaben für die Behandlung beim Unternehmen zurückzuholen.     

Führt ein Chef den Arbeitnehmeranteil nicht an den Sozialversicherungsträger ab, drohen ihm Freiheits- oder Geldstrafen.
Auch Arbeiter müssen mit einer Geldstrafe rechnen, wenn die Schwarzarbeit festgestellt wird.
Darauf macht die BG Nahrungsmittel und Gastgewerbe aufmerksam.                 

Schwarzarbeit wird bereits vermutet, wenn Beiträge nicht ordnungsgemäß entrichtet wurden und der Versicherte nicht gemeldet wurde. Dabei kommt es nicht einmal auf ein bewusstes Verschulden des Unternehmers an.     

Während es in vielen Branchen reicht, neue Mitarbeiter innerhalb von sechs Wochen nach Beginn zu melden, gilt für Arbeitnehmer, die im Gastgewerbe, in der Fleischindustrie oder als Schausteller tätig sind, eine besondere Regel: Für sie besteht eine Sofortmeldepflicht.
Der Chef muss sie also schon bei Arbeitsantritt der Sozialversicherung melden.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  August 2018
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Offline RalleGA

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Bei Heimarbeit greift Unfallschutz nicht automatisch 

Auch Wegeunfälle umfasst der Versicherungsschutz für AN.
Für den Weg zum Heimarbeitsplatz gilt jedoch nur ein eingeschränkter Schutz.
Urteil des LSG Niedersachsen-Bremen (Az.: L 16 U 26/16)

Bei Heimarbeit stehen Beschäftigte nicht automatisch unter dem Schutz der GUV (gesetzlichen Unfallversicherung).

Wer also sein Kind in die Kita bringt und danach auf dem Rückweg zum häuslichen Telearbeitsplatz einen Unfall hat,
hat keinen Wegeunfall erlitten
  :?\  :doz  :nd

Fall:
Die Frau arbeitete für ihren Arbeitgeber von zu Hause aus per Teleworking. Auf dem Rückweg vom Kindergarten ihrer Tochter zum häuslichen Telearbeitsplatz rutschte sie bei Blitzeis  mit dem Fahrrad aus und brach sich den Ellenbogen.
Die Kasse forderte die BG zur Erstattung der Behandlungskosten auf.
Nach deren Auffassung lag jedoch kein Arbeits- oder Wegeunfall vor.   

Der Weg zum Kindergarten sei kein Weg, um zur Arbeit zu gelangen.
Es sei vielmehr ein privater Heimweg.
Demgegenüber machte es nach Ansicht der Krankenkasse jedoch keinen Unterschied,
ob man nach dem Kindergarten zum Arbeitgeber oder Telearbeitsplatz fahre.   

Urteil: Die BG bekam vor dem LSG Recht.
Nach der Konzeption des Gesetzes sei der klassische Arbeitsweg versichert gewesen.
Dies sei im Jahre 1971 um den Kindergartenumweg erweitert worden. Versicherungsschutz am häuslichen Arbeitsplatz habe jedoch zu keiner Zeit bestanden, da die von der GUV abgedeckten typischen Verkehrsgefahren durch Heimarbeit gerade vermieden würden.       

Der Weg zum Kindergarten sei daher hier privat.
Nach Auffassung des Gerichts ist dies zwar nicht mehr zeitgemäß.
Dies könne aber allein der Gesetzgeber entscheiden.
  :-[  >:D  :-\

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  November 2018

« Letzte Änderung: 05. März 2019, 09:57:50 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline Rejiko

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Wenn man selbst betroffen ist, ist für mich die beste Lösung eine Pflegekraft für zu Hause zu beantragen.

Es kann viel günstiger werden und alle notwendigen Sachen für die Pflege kann man natürlich auch online bekommen.
Letztens brauche ich meine Mutter ein Pflegebett und sie ist auch ein betroffener, dass Pflegebett könnte ich nicht ärztlich bekommen, daher habe ich es online gefunden und bestellt.

Die Seite hat nicht nur Pflegebetten, sondern auch andere Produkte, die sehr nützlich in der Pflege sein können.
Falls du interessiert bist, wäre es nicht schlecht darauf auch mal ein Blick zu werfen.

Mit freundlichen Grüßen
« Letzte Änderung: 12. März 2019, 10:00:54 von RalleGA »

Offline RalleGA

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Erwerbsminderungsrente nach Unfall

Schadenersatz geltend machen   


Wer nach einem Unfall längere Zeit krankgeschrieben ist, kann die negativen Auswirkungen
auf die Rentenversicherung unter Umständen ausgleichen.

Aber welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein?    

Im Winter führen Schnee und Glatteis häufig zu Unfällen.
Schwere Verletzungen können längere Auszeiten vom Beruf zur Folge haben.
Für Rentenversicherte kann das Nachteile haben. 
Nämlich dann, wenn versicherte Arbeitnehmer wegen der Unfallfolgen Kranken- oder Verletztengeld erhalten haben,
Lohn- oder Gehaltseinbußen hinnehmen mussten oder nun eine Erwerbsminderungsrente beziehen.   

Diese finanziellen Nachteile lassen sich allerdings unter bestimmten Voraussetzungen wieder ausgleichen.
Denn die DRV prüft auf Antrag, ob Ersatzansprüche geltend gemacht werden können, um daraus resultierende Nachteile in den Rentenansprüchen wieder auszugleichen.
Das ist aber nur möglich, wenn der Versicherte unverschuldet in den Unfall verwickelt wurde und es einen Verursacher gibt.

Service: Auskunfts- und Beratungsstellen der DRV: 0800-1000-4800


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2019
« Letzte Änderung: 09. April 2019, 16:50:09 von RalleGA »
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