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Autor Thema: Sammlung medikamentöser Behandlungsoptionen  (Gelesen 5835 mal)

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Offline busymouse

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Sammlung medikamentöser Behandlungsoptionen
« am: 10. Juli 2008, 13:09:51 »
Sammlung medikamentöser Behandlungsoptionen

Kortikoide

Kortikoide werden standardmäßig aufgrund ihrer entzündungshemmenden und immunsuppressiven Wirkung eingesetzt. Viele akute und chronische Nebenwirkungen sind bekannt, wie z. b. Nebennieren-Insuffizienz, Elektrolyt-Störungen, Hypertonie, Hyperglykämie, Myopathie, Infektionen in Folge der Immunsuppression, Psychosen, Katarakte, Glaukombildung, Osteoporose und Osteonekrose sowie Magenleiden etc.
 
Osteoporose-Kontrolle erfolgt durch eine jährliche Knochendichtemessung. Eine Behandlung erfolgt ggfs. mit Kalzium, Vitamin D und Bisphosphonaten.

Siehe auch: >>> Cortison
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Azathioprin

Azathioprin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Immunsuppressiva und unterdrückt die Immunabwehr. Azathioprin kann in Form von Tabletten oder intravenös verabreicht werden.
Azathioprin blockiert die Synthese von DNA und RNA (das 6-Mercaptopurin interferiert als atypisches Nukleosid mit der DNA-/ RNA-Synthese) und hemmt somit die Vermehrung der T- und B-Zellen, die ein Teil des Immunsystems sind.

Mögliche Nebenwirkungen sind u. a.: Veränderungen des Blutbildes, Haarausfall, ein erhöhtes Infektionsrisiko, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Gewichtsabnahme. Fieber, Gelenkschmerzen, cholestatische Hepatitis und eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse gehören zu den möglichen Überempfindlichkeitsreaktionen.

Da Azathioprin auf das blutbildende System wirkt, muss die Behandlung unter ständiger ärztlicher Kontrolle und Überwachung des Blutbildes erfolgen. Azathioprin steht zudem im Verdacht unter gewissen Umständen fruchtschädigend (teratogen) zu sein, was bei einer geplanten Schwangerschaft berücksichtigt werden sollte. In hohen Dosen erhöht Azathioprin das Risiko in einem Zeitraum von 20 Jahren an Hautkrebs zu erkranken um den Faktor 50 bis 250.

Die gleichzeitige Einnahme des Xanthinoxidasehemmers Allopurinol (Mittel zur Behandlung von Gicht) interferiert mit dem Abbau von Azathioprin und verstärkt dadurch dessen Wirkung, so dass auch das Risiko einer Agranulozytose erhöht wird. Auch Wechselwirkungen mit blutgerinnungshemmenden Mitteln sind bekannt.
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Mycophenolat-Mofetil

Mycophenolat-Mofetil (auch Mykophenolatmofetil, MMF, Handelsname: CellCept) ist ein Arzneistoff, der die Wirkung des Immunsystems unterdrückt (Immunsuppressivum).

Mykophenolatmofetil hat zahlreiche Nebenwirkungen. Häufigere Nebenwirkungen (bei über 10 % der Patienten) sind Anämie, Thrombozytopenie, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Infolge der Unterdrückung des Immunsystems können vermehrt Infektionen (Sepsis, Candidose, Herpes simplex, Herpes zoster) auftreten.

Bei Kindern von Frauen, die während der Schwangerschaft mit CellCept in Kombination mit anderen Immunsuppressiva behandelt wurden, wurde über angeborene Missbildungen berichtet[1]. Die Anwendung von CellCept während der Schwangerschaft ist nicht zu empfehlen und sollte auf die Fälle beschränkt werden, bei denen keine geeignete Alternative zur Verfügung steht. Bei einigen Fällen wurde eine Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) als lebensbedrohliche, neurologische Nebenwirkung beobachtet
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Cyclophosphamid

Cyclophosphamid gehört zur Gruppe der Zytostatika (Zellgifte), die bspw. gegen Krebs, aber auch zur Immunsuppression eingesetzt werden. Die zytotoxische Wirkung des Arzneimittels entfaltet sich erst nach einer Aktivierung in der Leber. Cyclophosphamid ist giftiger als Azathioprin, soll aber effektiver in der Anwendung sein.

Es kommt häufig zu einer verminderten Leukozytenzahl (Dosislimitierende Knochenmarkdepression), Übelkeit, Haarausfall. Besonders bei hohen kumulierten Dosen ist das Krebsrisiko, speziell für Leukämie und Blasentumore erhöht. In seltenen Fällen kann es auch zu oraler Tumorbildung, Hepato- und Nephrotoxizität, so wie zu einer Lungenfibrose kommen.

Außerdem kann es im Rahmen einer Chemotherapie mit Cyclophosphamid zu hämorrhagischen Harnwegsinfekten kommen. Dagegen wird vorbeugend parallel zur Cyclophosphamid-Gabe zumeist MESNA (Mercapto-ethansulfonat-Natrium) verabreicht und es sollte sehr viel Flüssigkeit aufgenommen werden.
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Weiterhin kann es nach Cyclophosphamidgabe bei Frauen und Männern zu Unfruchtbarkeit kommen, weswegen eine Kryokonservierung von Spermien bzw. Eizellen vor Erstgabe erwogen werden sollte. Impfungen mit Totimpfstoffen sind unter Cyclophosphamid-Behandlung aufgrund dessen immunsuppressiver und zytostatischer Wirkung nicht wirksam.
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Methotrexat

Methotrexat (MTX) ist ein Analogon der Folsäure, d.h. es wird an Stelle von Folsäure an die entsprechenden Rezeptoren gebunden. Der Wirkstoff wird in der Chemotherapie eingesetzt.

Zur Anwendung ist der Arzneistoff in Tablettenform und zur intravenösen oder intramuskulären Injektion verfügbar. Außerdem kann Methotrexat auch intrathekal (in das Nervenwasser) verabreicht werden.

Bei Autoimmunerkrankungen wird Methotrexat eingesetzt, um die bei diesen Erkrankungen krankhafte Aktivität (Überaktivität) des Immunsystems zu unterdrücken. Methotrexat kommt als Medikament der zweiten Stufe dann zum Einsatz, wenn die Medikamente der ersten Stufe (zum Beispiel Kortison) nicht ausreichen. Die Menge an Methotrexat, die bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, ist meist sehr viel niedriger als die in der Therapie von Tumoren benötigte.

Wie bei anderen Zytostatika auch, leiten sich die Nebenwirkungen vor allem von den hemmenden Auswirkungen auf sich schnell teilende Körperzellen ab. Sie sind jedoch sehr viel stärker bei hochdosierter Gabe bei Tumoren als bei niedrigdosierter, manchmal langjähriger Gabe Im einzelnen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, gastrointestinalen Blutungen, Anämie, Leukopenie, Störung der Spermatogenese und der weiblichen Eizelle, Haarausfall, Schädigungen innerer Organe (vor allem bei längerer Gabe: Lungenfibrose, Nierenschädigung, Leberschädigung), vermehrter Infektanfälligkeit sowie Störungen im Zentralnervensystem kommmen.

Eine Schwangerschaft muss bei der Behandlung mit MTX ausgeschlossen sein, da Schäden im Erbgut auftreten können. Eine Empfängnisverhütung sollte bis mindestens drei Monate nach Behandlungsende gewährleistet sein.
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Rituximab

Bei Rituximab (Handelsname: MabThera)  handelt es sich um einen biotechnologisch hergestellten so genannten chimären monoklonalen Antikörper, der als Arzneistoff vorwiegend bei der Behandlung von Lymphknotenkrebs eingesetzt wird. Neben der Behandlung von Krebs findet Rituximab zunehmend auch in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen Verwendung.

Mitunter kann mit nur wenigen Infusionen eine signifikante Verbesserung der Symptome über einen Zeitraum von bis zu über einem Jahr erreicht werden. Weitere Behandlungen können den Therapieerfolg erhalten oder steigern.

Als Nebenwirkungen treten insbesondere auf: Fieber, Schüttelfrost, Blutdruckabfall, Übelkeit, Juckreiz, Hautausschlag, Hitzewallungen, Kratzen im Hals, Schwellungen der Nasenschleimhaut und schnupfenartige Symptome. In sehr seltenen Fällen kann es zu schweren Blutdruckabfall, Atemnot, asthmaartigen Beschwerden und einem allgemeinen Anschwellen des Gewebes kommen.

Da es sich bei dem Antikörper Rituximab um einen chimären Mensch-Maus-Antikörper handelt, darf MabThera speziell nicht Patienten mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Maus-Proteine gegeben werden. Auch während akuter Infektionen und bei Patienten mit einer schweren, unzureichend medikamentös eingestellten Herzleistungsschwäche (Herzinsuffizienz) sowie anderen, medikamentös unzureichend kontrollierten schweren Herzerkrankungen sollte nicht mit Rituximab behandelt werden. Vorsicht ist auch chronischen Infektionen sowie bei Patienten mit einer stark eingeschränkten Immunabwehr geboten.

Rituximab ist ein sehr teures Medikament. Da es für die Therapie von Autoimmundermatosen nicht offiziell zugelassen ist, werden die Kosten im Regelfall von den Kostenträgern nicht erstattet. Vor Beginn einer solchen Behandlung sollte deshalb unbedingt die Kostenübernahme geklärt werden.
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Sulfon

Sulfon (Handelsname: Dapson-Fatol) gehört zur Medikamentenklasse der Antibiotika und besitzt den gleichen Wirkungsmechanismus wie die Sulfonamide. Neben einem antimikrobiellen Effekt hat Dapson auch eine entzündungshemmende und immunmodulatorische Wirkung. Die antipyretische und analgetische Wirkung ist vergleichbar mit der von Phenylbutazon.

Dapson hemmt u.a. die Chemotaxis der Neutrophilen, die Synthese von IgG, IgA und den Prostaglandinen, die Degranulation der Mastzellen und übt eine hemmende Wirkung auf die lysosomalen Enzyme aus. Zudem vermindert Dapson die Freisetzung von β-Glukuronidase aus den Makrophagen. Diese immunmodulatorischen Wirkungen sind vor allem bei der Behandlung von dermatologischen Erkrankungen von Bedeutung.

Als Nebenwirkungen können insbesondere Allergien (Juckreiz, Hautausschlag), Fieber, hämolytische Anämie (LDH-Erhöhung fast obligat!) und Hepatitis auftreten.

Dapson ist kontraindiziert bei schwerer Anämie und mit Vorsicht anzuwenden bei G6PD-Mangel. Mediterraner G6PD-Mangel gilt als Gegenanzeige. Von einer gleichzeitigen Gabe von DDI, Antazida und H2-Blockern (Abstand von mindestens zwei Stunden) soll abgesehen werden. Eine LDH unter Dapson ist diagnostisch nicht verwertbar. Rifabutin, Rifampicin senken die Dapson-Spiegel.
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Tetracycline und Nicotinamid

Bestimmte Antibiotika, einschließlich Erythromycin und Tetracyclin-Derivaten, haben zusätzlich zur antimikrobiellen auch eine entzündungshemmende Wirkung. Darüber hinaus hemmen Tetracycline die Chemotaxis von Neutrophilen und Eosinophilen,  sowie die Wirkung von bestimmten Enzymen, was sie für einen Einsatz bei Patienten mit Bullösem Pemphigoid geeignet macht.

Da die Nebenwirkungen im Vergleich mit den vorgenannten Medikamenten eher gering sind, wird auf diese Antibiotika zumeist bei älteren Patienten zurückgegriffen.
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... wird noch ergänzt!

Diese Liste wurde erstellt in Anlehnung an:

Suárez-Fernández R, España-Alonso A, Herrero-González JE, Mascaró-Galy JM.
in: Actas Dermo-Sifiliográficas. dermo-Vol.99 No Sifiliográficas. 06. ISSN:0001-7310 ISSN :0001-7310
>>> elsevier.es

mit Ergänzungen aus:

>>> Wikipedia

und anderen Quellen.
« Letzte Änderung: 10. Juli 2008, 18:50:36 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline RalleGA

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Re: Sammlung medikamentöser Behandlungsoptionen
« Antwort #1 am: 21. September 2018, 05:17:07 »
Bahnbrechend 

Diese Wirkung soll Aspirin auch noch haben 


Die regelmäßig Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin unter anderem dabei helfen kann,
Koronare Herzerkrankungen (KHK) vorzubeugen.

Fundquelle:
Auszug - "Altmark-Zeitung" - März 2018
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.