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Autor Thema: Magnetresonanztomographie (MR, MRT)  (Gelesen 8211 mal)

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Magnetresonanztomographie (MR, MRT)
« am: 17. Mai 2007, 21:06:55 »
Magnetresonanztomographie (MR, MRT)

Magnetresonanztomographie (MR, MRT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Inneren des Körpers. Mit einer MRT kann man Schnittbilder des menschlichen Körpers erzeugen, die einen Vergleich und eine Orientierung an anatomischen Schnitten derselben Region zulassen und oft eine hervorragende Beurteilung der Organe und vieler Organveränderungen erlauben. Die Magnetresonanztomographie nutzt magnetische Felder und hochfrequente elektromagnetische Wellen, keine Röntgenstrahlen. Grundlage für den Bildkontrast ist die unterschiedliche Empfänglichkeit (Suszeptibilität) der untersuchten Gewebe für die angewandten physikalischen Größen.

Ein synonymer Begriff ist Kernspintomographie, unter Medizinern zuweilen abkürzend Kernspin genannt. Dieser wird jedoch aufgrund der

MRT-Gerät, Foto: Wikipedia
bei Laien häufigen falschen Assoziation mit Kern- bzw. Atomkraft heutzutage in Fachkreisen seltener verwendet. Die gelegentlich verwendete Abkürzung MRI stammt von dem englischen Fachbegriff Magnetic Resonance Imaging.

Weiterentwicklungen des Verfahrens sind die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT bzw. fMRI) und die Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI oder DT-MRI).

Vorteile der Magnetresonanztomographie

Der Vorteil der MRT ist die gegenüber anderen bildgebenden Verfahren in der diagnostischen Radiologie oft bessere Darstellbarkeit vieler Organe. Sie resultiert aus der Verschiedenheit der Signalintensität, die von unterschiedlichen Weichteilgeweben ausgeht. Dabei kommt das Verfahren ohne potenziell schädliche ionisierende Strahlung aus. Manche Organe werden erst durch die MRT-Untersuchung darstellbar (z. B. Nerven- und Hirngewebe). Auch kann durch Variation der Untersuchungsparameter eine sehr hohe Detailerkennbarkeit erreicht werden. Diese übertrifft die Darstellbarkeit im Röntgen, wie auch die der Computertomographie. Eine weitere Verbesserung ergibt sich durch die Gabe von Kontrastmitteln, die z.B. Entzündungsherde, oder aber auch vitales Tumorgewebe besser erkennen lassen.

Neue Entwicklungen machen es möglich, die für einen Scan benötigte Zeitspanne auf wenige Millisekunden zu verkürzen. Dies erlaubt eine sog. MPI-Fluoroskopie, bei der Bewegungen von Organen in Echtzeit dargestellt werden können, und ist besonders nützlich für die interventionelle Radiologie.


Links:
Einzelbild einer MRT eines menschlichen
Gehirns




Rechts:
Animierte Version mehrerer
transversaler Schnittebenen


Schlagendes Herz


MRT des linken Sprunggelenks
mit Achillessehnenödem
oberhalb des Fersenbeins

MRT-Aufnahme eines mensch-
lichen Kniegelenks

Nachteile der Magnetresonanztomographie

  • Durch die Anschaffung und den Betrieb entstehen hohe Kosten.
  • Die Auflösung ist bei klinischen Standardsystemen durch technische Gegebenheiten auf etwa einen Millimeter begrenzt. Im Forschungsbereich können räumliche Auflösungen von unter 0,02 mm erreicht werden.
  • Metall am oder im Körper kann Nebenwirkungen und Bildstörungen verursachen. Manche Metallfremdkörper (z. B. Eisensplitter im Auge oder Gehirn) können durch Verlagerung oder Erwärmung während der Untersuchung sogar gefährlich sein, so dass eine Kernspin-Untersuchung bei solchen Patienten unmöglich sein kann. Moderne Metallimplantate stellen jedoch i. d. Regel kein Problem dar.
  • Elektrische Geräte können im Magneten beschädigt werden. Träger eines Herzschrittmachers und ähnlicher Geräte durften daher bisher nicht untersucht werden. Neuere Studien zeigen, dass unter bestimmten Voraussetzungen auch Personen, die einen Herzschrittmacher tragen, schadlos untersucht werden können. Dies geschieht zurzeit aber nur in größeren Zentren und noch nicht als Routinediagnostik.
  • Schnell bewegliche Organe wie das Herz lassen sich mit den meisten üblichen Geräten nur mit eingeschränkter Qualität darstellen oder erfordern eine Bewegungskompensation. Durch die Entwicklung von modernen Multikanalsystemen stellen diese Untersuchungen kein Problem mehr dar und halten mehr und mehr Einzug in die klinische Routinediagnostik.
  • Die Untersuchung ist im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren zeitaufwendig.
  • Der Kalkgehalt knöcherner Strukturen kann aufgrund der verwendeten Felddichten nicht beurteilt werden, da Knochengewebe wenig Wasser und wenig Fett enthält. Andere Knochenerkrankungen (z. B. Entzündungen, Tumore) sind hingegen aufgrund der gesteigerten Durchblutung und des damit verbundenen Wassergehalts oft besser zu erkennen als bei Röntgen- oder CT-Untersuchungen.
  • Sehr selten kann auch eine Unverträglichkeit des Kontrastmittels auftreten, wobei die MR-Kontrastmittel in der Regel wesentlich besser vertragen werden als die jodhaltigen Röntgen-Kontrastmittel.
  • Durch die starken magnetischen Kräfte kommt es während der Aufnahme zu lauten Klopfgeräuschen.
  • Der hohe Stromverbrauch für die Direktkühlung, die Klimaanlage und die Lüftungsanlage. Der Verbrauch liegt im Betrieb bei 40-100 Kilowatt und im Standby bzw. Bereitschaftsbetrieb bei etwa 10 Kilowatt. (Die MRT dürfen nicht abgeschaltet, sondern nur in den Standby gesetzt werden.)
  • Durch den geringen Durchmesser der Röhre, in die der Patient gefahren wird, kann es zu Beklemmungs- und Angstgefühlen kommen.

Kontraindikationen

  • Herzschrittmacher. Ältere Herzschrittmacher oder ICD-Systeme (vor 2000) können durch die Untersuchung beschädigt werden. Die magnetischen Wechselfelder können den Schrittmacher erwärmen, bewegen oder in seiner Funktion stören, es kann zu Reizschwellenanstiegen kommen. In einzelnen Zentren werden mittlerweile unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen auch Schrittmacherpatienten untersucht; schrittmacherabhängige Patienten sind davon i.d.R. ausgenommen.
  • Metallsplitter oder Gefäßclips aus ferromagnetischem Material in ungünstiger Lage (z.B. im Auge, Gehirn)
  • temporärer Cava-Filter
  • erstes Trimenon der Schwangerschaft (relative Kontraindikation)
  • Cochleaimplantat
  • implantierte Insulinpumpen (externe Pumpen müssen zur Untersuchung abgelegt werden)
  • große oder schleifenförmig angeordnete Tätowierung im Untersuchungsgebiet (metallhaltige Farbpigmente können sich erwärmen bzw. Hautverbrennung bis II. Grades hervorrufen (William A. Wagle and Martin Smith, Tattoo-Induced Skin Burn During MR Imaging, AJR 2000; 174:1795))
  • Klaustrophobie (= "Raumangst") (relative Kontraindikation, Untersuchung in Sedierung oder Narkose möglich)

Untersuchungsdauer bei einer Magnetresonanztomographie

Die Dauer einer MRT-Untersuchung hängt vom untersuchten Körperabschnitt, von der klinischen Fragestellung und vom verwendeten Gerät ab. Die häufig durchgeführte Untersuchung des Kopfes dauert typischerweise 10-30 Minuten. Je höher die gewünschte Detailauflösung, desto länger ist die zu veranschlagende Untersuchungszeit.

Dieser Faktor muss bei der Auswahl des Diagnoseverfahrens mit berücksichtigt werden. Die Fähigkeit eines Patienten, während der erforderlichen Zeit still zu liegen, kann individuell und krankheitsabhängig eingeschränkt sein. Zur MRT-Untersuchung von Säuglingen und Kleinkindern ist gewöhnlich eine Narkose erforderlich.

Neuere Entwicklungen versprechen die Untersuchungszeit durch die parallele Aufnahme des MR-Signals mit zahlreichen Empfangsspulen deutlich zu verkürzen, so dass im Extremfall Aufnahmezeiten von unter einer Sekunde möglich sind.

Quelle: Wikipedia

Weblinks


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Änderungen:
30.10.2011 - Link korrigiert
21.01.2012 - Link korrigiert, Bilder hinzugefügt
« Letzte Änderung: 21. Januar 2012, 13:53:09 von busymouse »
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Re: Magnetresonanztomographie (MR, MRT)
« Antwort #1 am: 11. Mai 2009, 16:54:18 »
Meilenstein bei Magnetresonanz-Diagnostik erreicht
Uni-Klinik: Weltweit erste Erfahrungen mit MultiTransmit-MRT


Bonn (ukb) - Seit über einem halbem Jahr testet die Radiologische Klinik des Universitätsklinikum Bonn eine neue, weltweit einmalige Technologie in der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) bei extrem hohen Feldstärken. Dabei konnten die Bonner Radiologen bisher unüberwindbare Grenzen bezwingen. Im Rahmen eines Symposiums stellen sie am 15. Mai Ärzten und MRT-Interessierten das neue so genannte MultiTransmit-Verfahren vor und berichten über erste klinische Erfahrungen. Die kostenlose Veranstaltung findet ab 15 Uhr im Hörsaal des Instituts für Pathologie, Sigmund-Freud-Straße 25, statt.

Extrem hohe Feldstärken bei der Magnetresonanz-Tomographie haben neue Möglichkeiten in der Diagnostik eröffnet. So lassen sich damit beispielsweise in der Tumordiagnostik selbst kleinste, versteckte Krebsherde schnell und mit hoher Bildqualität darstellen. Doch nicht jeder Patient konnte bisher von diesen Vorteilen profitieren. „Bei der Hochfeld-MRT gibt es Grenzen, die den Nutzen in verschiedenen Bereichen eingeschränkt haben“, sagt Professor Dr. Hans Schild, Direktor der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. So kann bei sehr hohen Feldstärken wie 3 Tesla Wasser die eingestrahlten Wellen derart blockieren, dass Schatten auf dem Bild erscheinen. Ein solches Bild ist diagnostisch nicht ausreichend interpretierbar. Betroffen sind beispielsweise häufig Leberpatienten, die aufgrund ihrer fortgeschrittenen Erkrankung einen so genannten Aszites haben, also eine Ansammlung von Wasser in der Bauchhöhle.

Gute Bilder für alle in kürzester Zeit

Als weltweit erste und bisher einzige Klinik hat die Bonner Universitäts-Radiologie im letzten Sommer eine neue Technologie des Philips-Konzerns installiert. Bei dem so genannten MultiTransmit-Verfahren werden die Radiofrequenzimpulse nicht mehr nur von einer Quelle sondern von mehreren unabhängigen Quellen gleichzeitig gesendet. „Es ist, wie wenn man ein Objekt beim Fotografieren von mehreren Seiten ausleuchtet. Wir können mit Hilfe dieses neuen Verfahrens individuell Schatten im Bild unterdrücken“, sagt Privatdozent Dr. Winfried A. Willinek, Leiter der Funktionseinheit Magnetresonanztomographie. Bei Patienten, die bisher von der Hochfeld-MRT keinen ausreichenden Nutzen ziehen konnten, sind nun ebenfalls Bilder von hoher Qualität möglich. Jetzt können wirklich alle Patienten von der Hochfeld-MRT profitieren. Zudem kann die Untersuchungszeit bei einigen Anwendungen um 30 bis 40 Prozent deutlich reduziert werden. Das ist ein erheblicher Vorteil vor allem für Patienten mit Platzangst oder Rückenproblemen.

Diese völlig neue Geräteplattform ist die Zukunft der MRT und wird voraussichtlich bei allen Hochfeld-Tomographen integriert werden. In diesem Punkt ist sich Klinikdirektor Professor Schild ganz sicher: „Wir können mit dem MultiTransmit-Verfahren die Vorteile des hohen Feldes viel besser nutzen. Und 3 Tesla wird sicher nicht das Ende der Fahnenstange sein.“ Die Bonner Universitätsklinik für Radiologie gilt als eine der weltweitführenden Institutionen im Bereich der Hochfeld-MRT.

(Pressemeldung der Radiologischen Universitätsklinik Bonn)
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Re: Magnetresonanztomographie (MR, MRT)
« Antwort #2 am: 31. Juli 2011, 13:04:23 »
MRT endlich auch für Schrittmacherpatienten möglich

Frankfurt (kgu) - Die Magnetresonanztomografie (MRT), auch Kernspintomografie genannt, von Patienten mit Herzschrittmachern war bisher verboten, da sie zu erheblichen Störungen der Geräte führen und somit für Patienten gefährlich werden konnte. Diese implantierten Geräte ...

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