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Autor Thema: 1.2 Steuererleichterung durch Berücksichtigung von Krankheits-oder Kurkosten  (Gelesen 3098 mal)

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Offline RalleGA

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STEUERERLEICHTERUNG

1.2 Berücksichtigung von Krankheits- oder Kurkosten

Für: behinderte und nicht behinderte Menschen

Zuständig: Finanzamt

Erforderliche Unterlagen: Bescheinigung über Krankheitskosten, Kurkosten,
                                          amtsärztliches Attest oder Bescheinigung der Krankenkasse

Rechtsquelle/Fundstelle: § 33 EStG in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2009 (BGBl. I S. 3366), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 22.Dezember 2009 (BGBl. I S. 3950

Laufende und typische durch die Behinderung verursachte Krankheitskosten
sind durch den Pauschbetrag nach Ziffer 1.1 abgegolten.


Neben dem Pauschbetrag können jedoch auch außerordentliche Krankheitskosten
steuerlich berücksichtigt werden,
z. B. Kosten einer Operation, auch wen diese mit dem Leiden zusammenhängt, das die Behinderung bewirkt oder verursacht hat.
Das Gleiche gilt für Kuren, wenn die Notwendigkeit durch ein vor Antritt der Kur ausgestelltes amts- oder vertrauensärztliches Attest nachgewiesen wird und am Kurort eine Heilbehandlung unter ärztlicher Kontrolle erfolgt.
Von der Vorlage eines vor Kurantritt ausgestellten amtsärztlichen Zeugnisses kann ausnahmsweise abgesehen werden, wenn feststeht, dass eine gesetzliche Krankenkasse die Notwendigkeit festgestellt hat.
Dies ist in der Regel der Fall, wenn sie einen Zuschuss zu den Kosten für Unterkunft und Verpflegung gewährt hat.
Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass eine Kostenübernahme nicht durch andere Stellen erfolgt und die Aufwendungen die zumutbare Belastung übersteigen.
Bei Kosten für wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungen, die durch einen Arzt oder zugelassenen Heilpraktiker verordnet wurden, muss der Amtsarzt vor der Behandlung bestätigen, dass diese wegen der Krankheit oder Behinderung angebracht sind.

mehr unter: Landesverwaltungsamt SACHSEN-ANHALT – Schwerbehindertenrecht
Stand:  01-2014


« Letzte Änderung: 19. Oktober 2014, 11:14:07 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Krankheitskosten absetzbar

Kürzung um zumutbare Belastungen

Wer dauerhaft krank ist, leidet meist nicht nur unter gesundheitlichen Einschränkungen,
sondern muss auch hohe Kosten tragen.
Der Bundesfinanzhof  (BFH) musste entscheiden, ob Aufwendungen etwa für Praxisgebühren steuerlich als außergewöhnliche Belastung gelten.

Entstehen einem Steuerpflichtigen Mehrkosten durch eine dauerhafte Krankheit, kann er diese in der Regel steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend machen.
Allerdings nur, wenn die zumutbare Belastung überschritten wird.

Das Finanzamt muss Aufwendungen für Krankheitskosten nicht berücksichtigen, wenn die Kosten die zumutbare Belastung des Steuerpflichtigen nicht übersteigen.
BFH Urteile (Az.: VI R 32/13, sowie: VI R 33/13).

In dem einen Fall klagte ein kinderloses Ehepaar, das im Streit-Jahr 2010 gemeinsam Einkünfte
in Höhe von 35.708 € erzielte, (Az.: VI R 33/13).
Die zusammenveranlagten Kläger gaben Krankheitsausgaben als außergewöhnliche Belastungen in ihrer  Einkommensteuererklärung an - darunter Praxisgebühren in der Höhe von 120 € sowie Zuzahlungen für Medikamenten von etwa 52 €. Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen nicht an.
Dagegen klagte das Ehepaar und berief sich darauf, dass die Zuzahlungen für die Krankenversorgung aus verfassungsrechtlichen Gründen freizustellen seien.
Die BFH-Richter folgten jedoch der Argumentation der Finanzbehörde, da die Kosten die Grenze der zumutbaren Belastung nicht überstiegen, gelten sie nicht als außergewöhnliche Belastungen.

Da auch Versicherte, die Sozialhilfe oder Grundsicherung erhalten, Zuzahlungen etwa für Praxisgebühren oder Heilmittel bis zu einer Höhe von 2% der jährlichen Bruttoeinnahmen leisten müssten, urteilten die Richter, der Ansatz der zumutbaren Belastung sei verfassungsmäßig.
Das zweite Urteil fiel inhaltsgleich aus.

Mehr unter:  Mitteilung des BFH

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2016
« Letzte Änderung: 12. Januar 2016, 10:30:39 von RalleGA »
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