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Autor Thema: Schmerzen - Behandlungsmethoden - Schmerzkliniken- u.Therapeuten; Links/Infos  (Gelesen 94659 mal)

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Offline RalleGA

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Feldenkrais-Methode:

Den Körper durch Bewegung schulen
-

Alltag ohne Schmerzen


Sanfte Bewegungen statt schweißtreibender Gymnastik:

Die Feldenkrais-Methode soll zu mehr Beweglichkeit und Flexibilität verhelfen, den Alltag erleichtern und Schmerzen lindern.
Aber was genau steckt eigentlich dahinter?         
Gedimmtes Licht, Düfte, Entspannungsmusik, Menschen, die mit geschlossenen Augen vor sich hin meditieren -
dieses Bild haben die meisten wohl beim Thema Feldenkrais vor Augen.
Aber: Das Bild ist falsch.

Feldenkrais ist ein Verfahren zur Schulung des Körpers und der Persönlichkeit über die Bewegung.
Hier lehrt man dafür keine Entspannungstechniken.
Stattdessen wird gezeigt, wie sie alltägliche Bewegungen leichter - also ohne Schmerzen und ohne Anstrengung - meistern.
Ganz ohne Esoterik.              

Feldenkrais ist nicht leistungsorientiert, man muss nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt zehn Strecksprünge können,
sondern soll sich wieder selbst die Schuhe zubinden oder eine Tasse aus dem Regal nehmen können.
Im Unterricht lernen die Schüler nicht, wie sie kräftiger oder beweglicher werden, um die Bewegung auszuführen.
Sie lernen eine andere Art der Bewegung. Kraft und Elastizität kommen dann häufig ganz von allein.

Benannt ist die Methode nach ihrem Begründer Moshé Feldenkrais (1904-1984),
einem israelischer Physiker und Judoka.
Es gibt zwei Arten:
"funktionale Integration" und "Bewusstheit durch Bewegung."


Bei der funktionalen Integration handelt es sich um Einzelstunden, in denen der Feldenkrais-Lehrer den liegenden Schüler bewegt. "Bewusstheit durch Bewegung" wird meist in der Gruppe unterrichtet.
Dabei leitet der Lehrer seine Schüler mit der Stimme bei den sogenannten "Lektionen" an.
   
Meist dauert der Unterricht zwischen 55 und 90 Minuten.
Die Stunde beginnt im Liegen mit einem sogenannten Body-Scan.
Sie führt die Teilnehmer verbal durch ihren Körper und fragt etwa:
Wie liegen die Fersen auf dem Boden?
Wie das Becken?
So lenkt man die Aufmerksamkeit auf alle Bereiche des Körpers.

Dann folgen die Feldenkrais-Lektionen.
Das können alltägliche Bewegungen sein, die in ihre Einzelteile auseinandergenommen und in Zeitlupe ausgeführt werden.
z.B. das Kauen:
Die Teilnehmer liegen auf dem Rücken und öffnen und schließen zunächst vorsichtig den Mund.
Während des Öffnens merkt man schon, ob eine Seite fester ist als die andere.
 
Dann bewegt man bei leicht geöffnetem Mund den Unterkiefer etwas nach rechts und links - aber nicht über den Schmerzpunkt hinweg. Man achtet dabei darauf, was die Zunge macht, mit ihr kann man die Zähne abfühlen und den Mundraum erforschen.       

In der Immanuel-Klinik Rüdersdorf kommt "Bewusstheit durch Bewegung" therapeutisch zum Einsatz.
Hier hält man vor allem das Feedback nach den Lektionen für wertvoll: "Das ist der Meinung nach die größte Stärke, denn die Patienten merken, dass sie selbst etwas bewirken können."           

Feldenkrais-Unterricht muss man in der Regel selbst bezahlen,
denn die Methode steht nicht im Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung.
Eine Stunde Gruppenunterricht kostet zwischen 10-15 €, eine Einzelstunde zwischen 60 und 95 €.
Dass Feldenkrais bei bestimmten Beschwerden hilft oder Gesunden guttut, ist nicht so richtig wissenschaftlich belegt.
Aber: Man setzt die Methode sehr erfolgreich ein. Die Schüler berichten, dass Sie sich nach einer Einheit wohler fühlen,
ein besseres Gefühl für ihren Körper haben und insgesamt entspannter sind.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  August 2017

« Letzte Änderung: 19. Oktober 2017, 10:27:47 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Magnesium gegen Kopfschmerzen -

Laut einer Studie (Pharma-Unternehmen Protina) hilft 2x täglich eine Dosis Magnesium dabei,
bei Migränepatienten die Beschwerden zu lindern. Menschen, die anfällig sind für Kopfschmerzen und Migräne,
können sich nicht durchgehend auf Kopfschmerzmittel verlassen.
Für sie kommt eine Therapie mit Magnesium in Frage, die die dauernden Schmerzen verringern könnte. 
Wie es genau zu den Kopfschmerz-Attacken kommt, ist leider noch nicht geklärt.
Wegen der Gefahr einer Schmerzmittelsucht dürfen Medikamente, die Kopfschmerzen und Migräne eindämmen können,
maximal an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden.   

Einerseits kann ein Tagebuch dabei helfen, potenzielle Auslöser-Reize zu identifizieren.
Andererseits könnte die tägliche Einnahme von 300 mg Magnesium morgens und abends eine vorbeugende Wirkung zeigen.
Bei den teilnehmenden Migränepatienten konnten dadurch Stärke und Dauer der Beschwerden deutlich vermindert werden.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ August 2017
« Letzte Änderung: 01. November 2017, 11:28:01 von RalleGA »
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Cannabis auf der Kippe 

Der für 2019 geplante Start der Produktion von Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland steht auf der Kippe.
Vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf kritisierte der Vorsitzende Richter Heinz-Peter Dicks,
das Bundesinstitut für Arzneimittel habe die Frist beim Vergabeverfahren um Anbau und Lieferung von 6,6 Tonnen zu kurz bemessen.
Das OLG verhandelte über vier Beschwerden von Unternehmen gegen unterschiedliche Vergabe-Aspekte.
OLG Düsseldorf (AZ.: VVII-Verg 40/17)
 
                               Der Cannabis-Wirkstoff THC lindert
Spastiken, Schmerzen, Übelkeit nach Chemotherapien und Epilepsie.

 


Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  März 2018
« Letzte Änderung: 30. März 2018, 09:26:28 von RalleGA »
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Die Bewegungs-Docs

Mit gezielten Bewegungsstrategien Symptome verbessern


33 Beiträge

zur Homepage der Sendung

 
« Letzte Änderung: 19. April 2018, 10:20:30 von RalleGA »
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Endlich schmerzfrei leben

23 Millionen chronisch schmerzkranke Menschen gibt es in Deutschland.

Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark beeinträchtigt, ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen am Arbeitsmarkt.
Dabei sind Schmerzen selbst bei schwersten Krankheiten nicht schicksalhaft, sondern gut zu behandeln.

Planet Wissen - 16.04.2018 SWR - 59:21 Minuten

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Schmerzmittel statt Antibiotika

Früher wurde eine Blasenentzündung fast immer mit Antibiotika behandelt.
Heute raten Ärzte, es erstmal mit Ibuprofen zu versuchen.

Es brennt, es schmerzt – jeder Gang zur Toilette ist bei einer Blasenentzündung eine Qual.
Verschreibt der Arzt ein Antibiotikum, klingen die Beschwerden in aller Regel nach wenigen Tagen ab.
Doch viele Frauen trifft es innerhalb eines Jahres öfter.
Gerade bei ihnen sollte man sich gut überlegen, ob immer wieder Antibiotika zum Einsatz kommen.
Denn eine unkomplizierte Blasenentzündung lässt sich auch auf andere Weise behandeln.

Lange Zeit waren die hochwirksamen Medikamente Mittel der Wahl, um eine Harnwegsinfektion in den Griff zu bekommen.
Das hat sich inzwischen geändert.
Antibiotika sollten bei wiederkehrenden Blasenentzündungen keinesfalls unkritisch verordnet werden.

Antibiotika vernichten Bakterien im Urin zwar effektiv – aber es gibt immer mehr Bakterienstämme,
die dagegen resistent sind.
Und je mehr Antibiotika verabreicht werden, desto mehr Stämme lassen sich von den Mitteln nichts mehr anhaben.
Deshalb kann es sinnvoll sein, eine Blasenentzündung mit dem Wirkstoff Ibuprofen zu behandeln –
zumindest, wenn der Infekt auf die Blase beschränkt ist.
Diese Empfehlung geht auf eine Studie aus dem Jahr 2015 zurück.
Demnach waren 70% der Frauen, die Ibuprofen einnahmen, nach einer Woche beschwerdefrei.
Bei Antibiotika-Einnahme waren es 80%.

Warmhalten und viel trinken sind ein Muss
Ibuprofen gehört in die Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika. Der Wirkstoff hemmt Stoffe,
die für Entzündungen und Schmerzen verantwortlich sind.
Wird eine Blasenentzündung mit diesen rezeptfrei erhältlichen Tabletten behandelt,
gilt es allerdings einiges zusätzlich zu beachten:

Betroffene müssen sich warmhalten, drei Liter am Tag trinken und die Blase bei Druck entleeren.

Kommen erstmal keine Antibiotika zum Einsatz, kann es allerdings passieren, dass die Bakterien nach oben wandern und eine Nierenentzündung verursachen. In solchen Fällen führt an einer Antibiotika-Therapie kein Weg vorbei.

Obwohl im Zusammenhang mit Blasenentzündungen meist von Frauen die Rede ist, können auch Männer erkranken.
Das sei zwar eher selten der Fall, sagt Prof. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie.
Aber: Bei Männern ist eine Harnwegsinfektion häufig mit einer Entzündung der Prostata verbunden.
Dass Frauen viel häufiger erkranken, liegt unter anderem an der Lage ihres Harnröhrenausgangs in der Nähe des Afters.
So können zum Beispiel beim Abwischen des Pos Darmbakterien in die Harnröhre gelangen und dort einen Infekt verursachen.

Gegen Infekte hilft Kapuzinerkressekraut

Auch beim Sex können Erreger in die Nähe der Harnröhre gelangen.
Durch den Geschlechtsverkehr ändert sich das Milieu in der Scheide – was eine Blasenentzündung begünstigt.
Manchen Leidgeplagten helfen auch pflanzliche Präparate.
Es empfiehlt sich die Einnahme von zwei Gramm Mannose in einem Glas Wasser.
Mannose ist eine Zuckerart, die über den Urin ausgeschieden wird und dabei jene Bakterien an sich bindet,
die eine Blasenentzündung verursachen.
Gegen bakterielle Infekte lassen sich auch Kapseln mit Kapuzinerkressekraut und Meerrettichwurzel oder Bärentraubenblätter einsetzen.
Häufig werden auch Cranberry-Produkte als Heilmittel angepriesen.
Hier gehen allerdings auf wissenschaftlicher Ebene die Meinungen auseinander

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Februar 2018
« Letzte Änderung: 29. August 2018, 10:28:37 von RalleGA »
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Re: Schmerzen - Behandlungsmethoden - Schmerzkliniken- u.Therapeuten; Links/Infos
« Antwort #111 am: 08. September 2018, 09:32:54 »
(Zahn)Arzt muss vor OP über Alternativen aufklären

Ist ein operativer Eingriff nicht zwingend nötig, müssen Ärzte ihre Patienten besonders ausführlich über Alternativen einer Behandlung aufklären.


OLG Hamm (Az. 26 U 3/14)
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Den Schmerz ausspielen 

Körperliche Qualen lassen sich leichter ertragen, je weniger Aufmerksamkeit wir ihnen schenken.


Eine niederländische Klinik hilft Verbrennungspatienten mit Virtual Reality
Er bewegte sich durch eine surreale Landschaft, und sein Ziel war es, möglichst viele der gläsernen Körper, die sich ihm in den Weg stellen, zu zerschmettern: blau schimmernde Kristalle, Pyramiden, Quader und Prismen.

Durch Kopfbewegungen visierte er die Ziele an und feuerte über eine Taste an der Spezialbrille, die er trug, Silberkugeln auf die Körper ab.
Das Klirren des zerstörten Glases tönte aus dem Kopfhörer, dazu elektronische Musik.
Die virtuelle Realität des Spiels "Smash Hit" zog den Niederländer Raymond Van den Heuvel wochenlang in seinen Bann.
Weder nahm er die Krankenschwester wahr, die den Verband an seinen Beinen öffnete, noch hörte er,
wie die Ärzte über seine Wunden sprachen.   

Van den Heuvel war vergangenes Jahr längere Zeit Patient des Martini-Krankenhauses im niederländischen Groningen.
Bei einem Unfall waren 7% seiner Haut verbrannt - an den Schienbeinen, am linken Arm und der linken Hand.
Die Ärzte hofften anfangs, dass die Wunden ohne größere Intervention von selbst abheilen würden
- nach drei Wochen jedoch verpflanzten sie schließlich Haut vom Oberschenkel auf die Schienbeine.
Verbände mussten gewechselt, die Wunden gesäubert und Salben aufgetragen werden – jeden Tag.     

In der Zeit spielte Van den Heuvel in der virtuellen Realität, um diese schmerzhafte Prozedur zu überstehen.
Patienten mit schweren Verbrennungen leiden während der Behandlung ihrer Wunden häufig unter unerträglichen Schmerzen
- selbst wenn sie starke Opioide wie etwa Morphin erhalten.
Die Dosierung zu erhöhen ist meist nicht möglich: Zu stark sind die Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Abhängigkeit.
Die Patienten benötigen zusätzliche nicht-medikamentöse Therapien - wie etwa Virtual Reality (VR).

Vorangetrieben von der Spiele-Industrie findet VR seit einigen Jahren zunehmend Anwendung in der Medizin.
Ärzte wissen inzwischen: Unser Schmerzempfinden hängt stark davon ab, wie viel Aufmerksamkeit der Schmerz erhält
- aber: Unsere Aufmerksamkeitskapazität ist begrenzt.

Da VR umfassende Reize bietet und ein Gefühl der Präsenz in der neuen Umgebung vermittelt,
ist die Methode erfolgversprechender als andere Ablenkungsstrategien wie Musik hören oder Fernsehen.

Der Unfall, bei dem Van den Heuvel, verunglückte, geschah im vergangenen August.
Der Niederländer fuhr einen Sportwagen Probe, der Besitzer der Autos saß neben ihm.
Als sie aus einem Kreisverkehr abbogen, ging auf einmal der Motor aus.
Van den Heuvel drehte den Zündschlüssel, und plötzlich fing der Wagen Feuer.
Der Sicherheitsgurt ließ sich schnell genug öffnen.
"Ich brauchte 20 oder 30 Sekunden, um aus dem Wagen herauszukommen: sagt der 51-Jährige."
Ich bin dann in einen Wassergraben gesprungen, der in der Nähe war."
Der Beifahrer blieb unverletzt.

Am selben Tag kam Van den Heuvel in das Verbrennungszentrum des Martini-Krankenhauses.
Die ersten zwei Wochen lag er auf der Isolierstation:
in keimarmer Luft, damit sich die Verbrennungswunden nicht infizierten.
Van den Heuvel konnte man für eine Studie gewinnen: Sie untersucht die Auswirkungen von virtueller Realität auf den Schmerz von Verbrennungspatienten bei den ersten vier Verbandswechseln.     

Rund 30 Patienten haben bislang an der wissenschaftlichen Untersuchung teilgenommen.
Weitaus mehr Erkrankte in der Klinik nutzen inzwischen die VR-Brillen regelmäßig.
Auch Van den Heuvel durfte nach vier Tagen die Brille weiter verwenden.
Zehn Filme und Spiele standen ihm zur Auswahl- er blieb bei "Smash Hit" und hatte am Ende seines Klinikaufenthalts alle elf Level geknackt. Wunder konnte die Ablenkung mit VR nicht vollbringen.

Van den Heuvel wird ernst, wenn er heute von seinen Schmerzen erzählt:
"Selbst mit Morphin war es heftig - besonders an den ersten Tagen nach dem Unfall.
Manchmal mussten die Ärzte und Krankenschwestern während der Behandlung pausieren, wenn es mir zu viel wurde."
Das Unerträgliche überstehen, die Angst vor der Behandlung nehmen - das leistete VR bei ihm.

Schon im Jahr 2000 beschrieben die Wissenschaftler Hunter G. Hoffman und seine Kollegen an der Universität von Washington in Seattle die positiven Effekte von VR bei der Wundbehandlung zweier Verbrennungspatienten.
Jene Probanden tauchten in eine virtuelle Schneewelt ein, die eigens für diesen Zweck entworfen worden war.
Seitdem zeugen zahlreiche Studien von der schmerzreduzierenden Wirkung: Zwischen 30-50% liegt die Linderung.

Am Martini-Krankenhaus wurde VR vor zehn Jahren erstmals getestet.
Doch damals war das Zubehör noch kompliziert und teuer: Das Equipment des Amerikaners Hoffman kostete zu der Zeit mehrere Zehntausend Dollar, und die "Snow World" war noch sehr unscharf.

Heute bekommt man für nur wenige Hundert Dollar qualitativ hochwertige Ausrüstung.
Was in den USA seit knapp 20 Jahren wissenschaftlich untersucht wird, etabliert sich in Deutschland nur langsam.
An einem Freitag im Februar treffen sich neun Chirurgen und Physiotherapeuten in Osnabrück.
Eingeladen haben Joachim Suß, Chefarzt der Kinderchirurgie am Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift in Hamburg, und Thomas Schüler, Softwareentwickler der Firma „Salt and Pepper"
Die beiden lernten sich auf einem Workshop kennen.
"Auf keiner Konferenz und bei keiner Fortbildung hatte ich davor von virtueller Realität gehört.
Die Idee ist absolut faszinierend: sagt Chefarzt Suß.           

Nun sucht er nach Mitstreitern, um die VR-Therapien in deutschen Kliniken einzuführen.
Nicht nur für die akute Wundbehandlung nach Verbrennungen, sondern auch während der anschließenden Reha.
Denn oft schränkt das unelastische Narbengewebe Kinder im Wachstum immer wieder in ihren Bewegungen ein.
Auch erwachsene Verbrennungspatienten leiden darunter, beispielsweise wenn die Haut an Gelenken betroffen ist.
Physiotherapie ist in der Nachbehandlung unerlässlich – und damit sind erneute Schmerzen verbunden.   

"Es ist schwierig, einem sechsjährigen Patienten zu erklären, dass das sein muss: sagt Suß.
Der Arzt hofft, über VR einen spielerischen Zugang zu finden und so den Kindern die Panik nehmen zu können.
"Denn die Angst vor dem Schmerz vervielfacht diesen: sagt er.

IN DEUTSCHLAND WIRD VIRTUAL REALITY WENIG EINGESETZT 
Die niederländische Psychologin Blokzijl berichtet, dass an ihrer Klinik einige Krankenschwestern anfangs skeptisch gewesen seien.
"Die VR-Brille unterbricht den direkten Kontakt zu dem Patienten: sagt sie, "das widersprach erst einmal den Werten und Normen des Pflegepersonals."

Aber inzwischen leihen sich im Martini-Krankenhaus auch andere Abteilungen die Brillen des Verbrennungszentrums aus, etwa die Abteilung für Blutwäsche, die Kinder- und die Intensivstation.    Klinikaufenthalte dauern bisweilen Wochen, manche Erkrankten fühlen sich wie Gefangene.

Mithilfe weiterer VR- Technik sollen die Patienten des Martini - Krankenhauses die Möglichkeit bekommen, in entfernte, real existierende Welten zu gelangen: So können sie etwa an Familienfeiern teilnehmen oder ihre Freunde besuchen - ohne die Station zu verlassen.

Ein kleiner Plastikroboter namens "VRiendje“; was auf Niederländisch so viel wie "kleiner Freund" bedeutet, ermöglicht das. In dem Spielzeug verbirgt sich eine 360-Grad-Kamera.
Der "kleine Freund" wurde von der Martini-Klinik im Klassenzimmer eines jungen Verbrennungspatienten auf dessen Pult gestellt. Über die gekoppelte 360-Grad - Kamera tauchte das Kind ein in die vertraute Umgebung und konnte sich von seinem Platz aus im Klassenzimmer umschauen.     

Auch in Deutschland wird die Technik bereits in unterschiedlichen medizinischen Bereichen genutzt.
So ist die VR-Expositionstherapie bei manchen Phobien seit 2014 Teil der Behandlungsleitlinien:
Patienten etwa, die Angst vor Spinnen haben, werden virtuell mit den Tieren konfrontiert; Schlaganfallpatienten testen VR-Applikationen für ihre neurologische Reha.

Patienten mit künstlichen Gelenken sollen mit virtueller Anleitung schneller mobilisiert werden.
Und auch bei der Behandlung chronischer Rückenschmerzen kommen virtuelle Trainingswelten zum Einsatz.
Allerdings: Langzeitstudien zu VR gibt es bislang keine.
Darum beschrieben die Philosophen und Wissenschaftler Michael Madary und Thomas Metzinger 2016 auch damit verbundene Risiken. "Es handelt sich hier nicht um einen neuen Wirkstoff oder eine Chirurgie-technik - sondern um eine völlig neue Technologie: so Madary. Er kritisiert, dass VR-Applikationen nicht als Medizinprodukt klassifiziert sind: "Jeder kann bei der Vermarktung einer VR-Applikation behaupten, dass sie medizinische Vorteile mit sich bringt.
Ohne dass die entsprechenden Studien durchgeführt wurden - das ist nicht reguliert.

" Gefahren sieht er vor allem für Patienten mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen, bipolaren Störungen oder Schizophrenien, deren Symptome sich durch VR möglicherweise verschlechtern könnten. 
Die niederländische Psychologin Blokzijl nimmt keine Patienten mit psychischen Vorerkrankungen in ihre Studie auf.
Sie misst nicht nur die Schmerzlinderung. sondern auch die generelle Patientenzufriedenheit und psychologische Faktoren, die mit dem Erfolg der Behandlung einhergehen.
Sind Patienten ängstlich oder traurig so vermutet sie, wirkt auch die Ablenkung mit der VR - Brille weniger gut.
Kann der Patient Van den Heuvel diese These bestätigen?
Er überlegt kurz, dann lacht er.
Schlechte Laune habe er eigentlich nie.
Ihm habe das Spiel "Smash Hit" jeden Tag geholfen. 

Fundquelle: Auszug –STERN“ Nr. 18 - 26.04.2018
« Letzte Änderung: 25. November 2018, 13:36:29 von RalleGA »
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