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Autor Thema: Epilepsie - Heftige Unwetter im Gehirn  (Gelesen 1623 mal)

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Offline RalleGA

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Epilepsie - Heftige Unwetter im Gehirn
« am: 11. März 2016, 11:03:12 »
Epilepsie - Heftige Unwetter im Gehirn

Die Epilepsie ist fast so häufig wie der Schlaganfall

(Dr. Friedhelm C. Schmitt, Leiter der Epileptologie an der Magdeburger Uniklinik)

Fragen und Antworten


Welche Symptome können auf eine Epilepsie hindeuten?
Alle Frage beantwortete Dr. Friedhelm C. Schmitt:
Es gibt verschiedene Arten von Epilepsien und verschiedene Arten von epileptischen Anfällen. Beim großen Anfall – dem „Grand mal“ – verlieren die Patienten schlagartig das Bewusstsein und die Körperkontrolle. Arme und Beine beginnen unwillkürlich heftig zu zucken. Der Ablauf des Anfalls wirkt so dramatisch, dass Angehörige beim ersten Mal fälschlicherweise denken, der Betroffene würde sterben. Das liegt u. a. daran, dass für wenige Sekunden auch akute Luftnot auftritt, die aber keine Auswirkungen hat. Bei milderen Anfällen führen die Patienten ziellose Bewegungen aus oder treten vorübergehend in einen Dämmerzustand ein. Andere haben nur Wahrnehmungsstörungen (z. B. Halluzinationen), ohne das Bewusstsein zu verlieren.

Letzteres könnte auch auf einen kleinen Schlaganfall hinweisen?
In der Regel trifft das nicht zu. Ein epileptischer Anfall ist mit äußerst seltenen Ausnahmen nach spätestens fünf Minuten vorüber. Ein Schlaganfall dauert in der Regel wesentlich länger.

Wann sollte man den Notarzt rufen?
Patienten, die schon länger eine Epilepsie haben, wollen oft nicht, dass automatisch ein Notarzt gerufen wird,
denn ein epileptischer Anfall ist meist schon wieder vorbei, wenn der Notarzt eintrifft.
Ein Notfallausweis kann diese Patienten als Betroffene ausweisen.
Wenn ein Anfall länger als fünf Minuten anhält, ist in jedem Fall ein Notarzt zu rufen.

Können medizinische Laien Epileptikern während eines Krampfanfalls helfen?
Ja, indem sie sich nicht abwenden, sondern dafür sorgen, dass der Patient sich nicht selbst verletzt. Ist der Patient bewusstlos, muss man ihn in die stabile Seitenlage bringen. Früher hat man bei einem epileptischen Anfall auch noch einen Zungenkeil in den Mund gesteckt, um blutige Bissverletzungen der Zunge zu vermeiden. Davon raten wir ab. Man sollte einen Patienten, der ziellose Bewegungen durchführt, auch nicht mit Gewalt daran hindern. Besser ist es, Gegenstände mit Verletzungsgefahr aus dem Weg zu räumen.

Wie kommt es zu epileptischen Anfällen?

Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Gutartige Krämpfe im Neugeborenenalter und vorübergehende geistige Abwesenheiten im Kindesalter sind oftmals Entwicklungsstörungen, die von selbst ausheilen. Im fortgeschrittenen Erwachsenalter sind u. a. Hirnhautentzündungen, Stoffwechselstörungen, Unterzuckerungen, Hirnverletzungen und Hirntumoren Auslöser von epileptischen Anfällen. Nach dem erstmaligen Auftreten eines Anfalls sollten Betroffene immer einen Arzt aufsuchen. In der Regel wird das zunächst der Hausarzt sein. Es sollte dann aber eine zügige fachärztliche (d. h. neurologische) Vorstellung erfolgen.

Und wenn der Patient sich nicht mehr an den Hergang des epileptischen Anfalls erinnern kann?
Daher raten Patienten, die Angehörigen oder Freunde, die den Anfall beobachtet haben, zum Arztgespräch mitzubringen. Die möglichst genaue Schilderung des Ablaufes ist wichtig für die richtige Diagnose und Behandlung. Sehr hilfreich kann für Neurologen ein Handy-Video sein, das den Ablauf oder das Ende des Anfalls dokumentiert. Angehörige oder Freunde sollten sich nicht scheuen, den Anfall mit dem Handy aufzunehmen, noch zumal heute viele ein Gerät mit integrierter Kamera immer bei sich haben.

Wie erfolgt die Behandlung?
Wann muss auch ein Facharzt für Epilepsie, ein Epileptologe, aufgesucht werden?

Zur Behandlung steht eine Vielzahl von Medikamenten zur Verfügung, deren Nebenwirkungen heute deutlich geringer sind als noch vor 15 Jahren. Bei etwa 60% aller Patienten mit Epilepsien kann man so die Entstehung neuer Anfälle verhindern. Spätestens, nachdem diese Behandlungen auch mit einem zweiten Medikament nicht angeschlagen haben, sollte auf jeden Fall ein Epileptologe konsultiert werden.

Ist eine Heilung möglich?

Eine Heilung im engeren Sinne – das heißt ein anfallsfreies Leben ohne Medikamente – ist nur möglich, wenn der Epilepsieherd im Hirn entfernt werden kann oder wenn die Epilepsie von selbst aufhört. Letzteres ist bei bestimmten Epilepsien im Kindesalter häufig. Wenn der Epilepsieherd nicht entfernt werden kann, muss man sich auf eine Senkung der Übererregbarkeit der Nervenzellen beschränken. Das geht mit Medikamenten oder sogenannten Stimulationsverfahren. Bei den Stimulationsverfahren schwanken die Erfolgsaussichten auf eine relevante Verminderung der Anfallsfrequenz zwischen etwa 20 – 40%.

Wer hilft bei sozialmedizinischen Problemen, z. B. in der Ausbildung und im Beruf?

Wir arbeiten eng mit dem Landesverband Epilepsie zusammen, der seit eineinhalb Jahren eine psychosoziale Beratungsstelle für Epilepsiepatienten und deren Angehörige anbietet.

Weitere Infos unter:

www.epilepsie-lvsa.de

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Februar 2016    
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Epilepsie - Heftige Unwetter im Gehirn
« Antwort #1 am: 16. März 2016, 09:04:23 »
Epileptischer Anfall:

Betroffenen vor Verletzungen schützen


Einer von hundert Menschen hat schätzungsweise Epilepsie.
Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, Zeuge eines Anfalls zu werden.
Was ist dann zu tun? 

Hat jemand einen epileptischen Anfall, ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen. Darauf weist die Patienteninformationsseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hin.

Gerade bei größeren Anfällen, bei denen Betroffene am ganzen Körper verkrampfen,
stürzen oder das Bewusstsein verlieren, sollte man vor allem auf den Kopf achten.
Man legt etwa eine Jacke unter den Kopf und bringt gefährliche Gegenstände außer Reichweite.
Aber: Man sollte dem Anfall weitestgehend seinen Lauf lassen - das heißt, den Betroffenen nicht festhalten oder gar zu Boden drücken. Trägt der Epileptiker am Hals eng anliegende Kleidung, lockert man diese.

Nach einem epileptischen Anfall braucht der Betroffene unter Umständen eine Weile, bis er sich erholt hat.
Manche Menschen sind orientierungslos, andere sind müde und wollen sofort schlafen.
Man bringt sie am besten in die stabile Seitenlage.
Außerdem sollte man bei einem Anfall in der Öffentlichkeit darauf achten, dass keine Schaulustigen stehen bleiben. Generell ist es für mögliche spätere Arztbesuche hilfreich, sich den Ablauf zu merken - das erleichtert unter Umständen die Diagnose.

Die Seite www.patienteninformation.de rät außerdem, zu Beginn auf die Uhr zu schauen: Meist dauert ein Anfall etwa ein, zwei Minuten. Hält er länger als fünf Minuten an, ist das ein Notfall, und man sollte den Krankenwagen rufen.
Das gilt auch, wenn der Betroffene mehrere Anfälle hintereinander hat, Probleme beim Atmen bekommt,
sich verletzt hat, es der erste Anfall war oder der Betroffene nicht wieder zu sich kommt.

mehr Berichte auf:

www.gesundheitsinformation.de

Gesundheitsinformation - Epilepsie

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2016         
« Letzte Änderung: 16. März 2016, 09:15:03 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Re: Epilepsie - Heftige Unwetter im Gehirn
« Antwort #2 am: 16. Dezember 2019, 10:06:45 »
Auch Schlafmangel kann Epilepsie-Anfall auslösen

Eine unbehandelte Epilepsie kann schwere Folgen haben.
Bei einem Anfall sollte der Auslöser deshalb schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden.

Muskelzuckungen, Ohnmacht, Halluzinationen:
Ein epileptischer Anfall kann auch Menschen treffen, die nicht ständig mit Epilepsie leben.


Mögliche Auslöser sind Blutzuckerschwankungen, Schlafmangel, ein Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenentzug oder ein Schlaganfall.
Daher sei es wichtig, umgehend ärztlich abzuklären, was der Auslöser des Anfalls war und ob eine Epilepsieerkrankung vorliegt oder nicht.
Denn bleibt eine Epilepsie unbehandelt, kann es zu stärkeren Anfällen mit Stürzen und Krämpfen kommen.

Für die Diagnose und eine mögliche spätere Behandlung ist eine genaue Beschreibung des Anfalls durch Angehörige, Freunde oder Umstehende unerlässlich. Dabei ist es wichtig, den Beginn und den Verlauf genau zu beschreiben.   
Ein Anfall dauert oft nicht mehr als 5 Minuten, darauf folgt in einigen Fällen eine Schlaf- und Dämmerphase von rund 10 bis 20 Minuten.
Bei manchen Betroffenen bleibt es auch bei einem einzelnen Vorfall.

Bei einer Epilepsie sind einzelne Gehirnbereiche oder das ganze Gehirn übermäßig aktiv und geben zu viele Signale ab.
Zu den Ursachen für eine chronische Epilepsie gehören unter anderem eine Entzündung der Hirnhaut oder des Gehirns sowie Tumore.
Oft findet sich aber auch kein eindeutiger Grund.   

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  September 2019
« Letzte Änderung: 16. Dezember 2019, 10:08:17 von RalleGA »
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