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Autor Thema: Renten- und Arbeitslosenversicherung - Absicherung für Selbstständige  (Gelesen 1127 mal)

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Offline RalleGA

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Absicherung für Selbstständige

Hilfe  bei Auftragsflaute


Wer sich gerade eine eigene Existenz aufbaut oder bereits selbstständig tätig ist, kann zwar nicht gekündigt werden. Dennoch kann auch Selbstständige eine Erwerbslosigkeit drohen - etwa unmittelbar nach der Existenzgründung,
bei einer Auftragsflaute oder wenn die Geschäftsidee doch nicht so zündend wie gedacht war.

Wie gut, dass auch Selbstständige auf freiwilliger Basis eine Arbeitslosenversicherung abschließen können. Allerdings geht das nicht in jedem Fall.
Für den Abschluss der Arbeitslosenversicherung müssen Selbstständige zwei Jahre vor Gründung mindestens zwölf Monate pflichtversichert gewesen sein; bei Unterbrechungen können einzelne Versicherungszeiten zusammengerechnet werden. Alternativ müssen sie unmittelbar davor Arbeitslosengeld bezogen haben.

Wichtig: Den Antrag müssen sie innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit bei der Arbeitsagentur am Wohnort stellen.
Außerdem müssen Antragsteller nachweisen, dass die selbstständige Tätigkeit mindestens 15 Stunden in der Woche beträgt. Das ist etwa mit einer Gewerbeanmeldung oder einer Bescheinigung des Steuerberaters möglich.

Wie viel der Versicherte an die Bundesagentur für Arbeit zahlen muss, hängt nicht vom Einkommen ab.
Der monatliche Betrag beläuft sich einheitlich auf 87,15 € in den alten Bundesländern und 75,60 € in den neuen Bundesländern. Der Beitragssatz liegt also bei drei Prozent eines fiktiven Einkommens von 2.905 € in den alten Bundesländern bzw. 2.520 € in den neuen Bundesländern.  (toll, der Unterschied,  nach einem viertel Jahrhundert)
Im Jahr der Existenzgründung und dem darauffolgenden Kalenderjahr wird nur die Hälfte fällig, also 43,58 € bzw. 37,80 €.

Selbstständige können sich erwerbslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden beträgt.
Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt unter anderem von der Ausbildung des Betroffenen ab. Allein in den alten Bundesländern variiert es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwischen 814,80 €o und 1.443 €. Alleinstehende ohne Berufsausbildung erhalten demnach rund 815 €, mit Ausbildung etwa 1.050 €, mit Meister ca. 1.252 € und mit Studium rund 1.443 €.
Mit Kind und Steuerklasse III gibt es ungefähr noch 25% zusätzlich.

Dies seien jedoch nur Orientierungswerte, die rechtlich nicht bindend sind.
In den neuen Ländern liegt das Arbeitslosengeld je nach Ausbildung zwischen rund 707 und 1290 €.

Wie lange ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht, hängt davon ab, wie lange der Selbstständige in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Erwerbslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Wer mindestens zwölf Beitragsmonate nachweisen kann, hat sechs Monate Anspruch auf Unterstützung.
Kann ein Betroffener 24 Beitragsmonate nachweisen, kann er zwölf Monate Arbeitslosengeld beziehen.

Nach dem 50. Lebensjahr hat er - gestaffelt je nach Alter und der Dauer des Versicherungsverhältnisses -
bis zu 15, 18 oder 24 Monate Anspruch.
Betroffene können bis zu 165 € neben dem Arbeitslosengeld hinzuverdienen.
Sie müssen ihre Selbstständigkeit also nicht gleich ganz an den Nagel hängen.
Gehen die Einnahmen über den Betrag hinaus, werden sie vom Arbeitslosengeld abgezogen.
Bezieher von Arbeitslosengeld sind verpflichtet, aus eigener Aktivität heraus alles zu tun, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Aber sie müssen auch jede zumutbare Beschäftigung annehmen, die ihnen die Arbeitsagentur vermittelt.

Selbstständige können die Arbeitslosenversicherung erstmals nach fünf Jahren kündigen.
Dann beträgt die Kündigungsfrist drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
Die Kündigung muss schriftlich eingereicht werden. Gründe müssen Selbstständige nicht nennen.
Eine andere Variante:
Wenn Selbstständige mehr als drei Monate lang keine Beiträge einzahlen,
dann endet das Versicherungsverhältnis auch.
Ob eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige ratsam ist, ist von Fall zu Fall verschieden.
Die Beiträge muss man mit dem Risiko einet Auftragsflaute abwägen und mit den Alternativen, die man dann hätte. Jeder Selbstständige sollte aber prüfen, ob er diese Option nutzen will und darf.
Denn wer keine Arbeitslosenversicherung hat, dem bleibt nur, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu sparen und Rücklagen zu bilden. Diese sollten flexibel angelegt sein, damit man im Fall der Fälle auch darauf zurückgreifen kann.

Ohne Arbeitslosenversicherung und Rücklagen können Selbstständige im Fall einer
Erwerbslosigkeit ansonsten Hartz-IV-Leistungen beantragen.


Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Oktober 2016
« Letzte Änderung: 05. Mai 2018, 09:53:31 von RalleGA »
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Tipp für Existenzgründer 

Auch Selbstständige können in Rentenversicherung einzahlen 

Vorsorge für das Alter: Wer selbstständig ist und später Gelder aus der gesetzlichen Rentenkasse beziehen möchte,
kann unter bestimmten Bedingungen in die gesetzliche Rentenversicherung eintreten.

                                         Überblick
Wer sich für die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung entschieden hat, kann nicht wieder kündigen 
erst mit Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit.

Viele Selbstständige sind nicht verpflichtet, Beiträge an die gesetzliche Rentenve[/b]rsicherung zu zahlen.
Sie können jedoch innerhalb von fünf Jahren nach dem Jahr der Existenzgründung die Pflichtversicherung beantragen.

Wer Pflichtbeiträge zahlt, kann auch das Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung in Anspruch nehmen.
Hierzu gehören neben der Rentenzahlung im Alter der Anspruch auf eine Rehabilitation oder eine Rente wegen Erwerbsminderung.
Im Todesfall können Angehörige Witwen- oder Witwerrente beziehungsweise Halb- oder Vollwaisenrente erhalten.
Außerdem können pflichtversicherte Selbstständige für ihre Riester-Rente staatliche Zulagen bekommen.

Die Höhe der Beiträge orientiert sich meist am sogenannten Regelbeitrag.
Existenzgründer zahlen im Jahr der Gründung sowie in den drei folgenden Kalenderjahren nur den halben Regelbeitrag.
Das sind monatlich derzeit 283,19 € in den alten und 250,64 € in den neuen Bundesländern.

persönliche Anmerkung: was ist nach 28 Jahren noch neu  :?]

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2018

« Letzte Änderung: 05. Mai 2018, 10:01:25 von RalleGA »
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Selbstständige können sich für Arbeitslosigkeit absichern

Vier Voraussetzungen


Die Arbeitslosenversicherung kann eine Absicherung für den Fall sein, dass das Projekt "Selbstständigkeit" scheitert.
1. Wer die Versicherung abschließen möchte, muss in den letzten zwei Jahren vor der Existenzgründung mindestens zwölf Monate                            pflichtversichert gewesen sein.
Darauf weist das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hin.

Hinweis: siehe im Beitrag des IAB (ab Seite 3)
Zum Beitrag des IAB (Seite 3)  in einer aktuellen Analyse zum Thema hin.
Entsprechendes gilt, wenn der Selbstständige unmittelbar vor Beginn seiner Tätigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld oder eine andere Entgeltersatzleistung hatte.     

Drei weitere Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
2. Die selbstständige Tätigkeit muss mindestens 15 Stunden pro Woche umfassen.
3. + 4. Es darf zudem keine anderweitige Versicherungspflicht,       
                etwa durch eine weitere sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, und auch keine
                Versicherungsfreiheit, etwa durch Erreichen der Regelaltersgrenze der Rentenversicherung, bestehen.

Laut IAB nutzen nur relativ wenige Selbstständige die Möglichkeit, sich gegen Arbeitslosigkeit zu versichern.
In den vergangenen Jahren ist die Zahl zudem von 145.000 versicherten Selbstständigen 2013 auf 81.000 im Jahr 2017 gesunken.

Presseinformation des IAB

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2019
« Letzte Änderung: 14. April 2019, 16:09:18 von RalleGA »
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