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Autor Thema: Hilfreiches für Palliativpatienten...  (Gelesen 4617 mal)

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Offline RalleGA

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Re: Hilfreiches für Palliativpatienten...
« Antwort #15 am: 27. März 2020, 09:34:04 »
Schwerkranke klagen Recht auf Suizid ein

Bundesverfassungsgericht (BVerfG) wird angerufen


Das generelle Verbot des Erwerbs von Betäubungsmitteln zur Selbsttötung ist nach Überzeugung des Verwaltungsgerichts Köln nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
Die Kölner Richter setzten daher sechs Klageverfahren von schwer Erkrankten aus (Az. 7 K 8461/18 und andere) und legten die einschlägigen Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes dem BVerfG  vor, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.   

Die Kläger in den sechs Verfahren leiden nach Gerichtsangaben an gravierenden Erkrankungen und deren Folgen.
Sie fordern vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn die Erlaubnis zum Erwerb einer tödlichen Dosis Dosis Natriumpentobarbital zur Selbsttötung.   

Dabei berufen sie sich auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2017.
Damals entschied das höchste deutsche Verwaltungsgericht in Leipzig, dass schwerstkranken Menschen „in extremen Ausnahmesituationen“ der Zugang zu Medikamenten zur Selbsttötung nicht verwehrt werden dürfe.   

Weitere Voraussetzung seien, dass der Suizidwillige entscheidungsfähig sei und es eine andere zumutbare Möglichkeit zur Verwirklichung des Sterbewunschs nicht gebe.
Das BfArM lehnte die Anträge der Kläger auf Erteilung einer Erwerbserlaubnis ab.

Dagegen richten sich nun die Klagen vor dem Kölner Gericht.
Eine Order des Bundesministeriums für Gesundheit hatte das BfArM angewiesen, alle eingehenden Anträge abzulehnen.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechtfertigte dies mit einem vom Bundestag beschlossenen Verbot der Sterbehilfe.

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  Januar 2020
« Letzte Änderung: 27. März 2020, 09:35:59 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Re: Hilfreiches für Palliativpatienten...
« Antwort #16 am: 14. Mai 2020, 09:28:25 »
Palliativversorgung:
Warum viele Menschen sterben, wo sie nicht sterben wollen

TOD im KRANKENHAUS Fakten und Zahlen

In Deutschland gibt es rund 1500 ambulante Hospizdienste, etwa 230 stationäre Hospize für Erwachsene sowie 17 stationäre Hospize für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, etwa 330 Palliativstationen in Krankenhäusern, drei davon für Kinder- und Jugendliche.
(Stand: 5. März 2019, Quellen: Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands (DHPV) und Deutscher Kinderhospizverein)                                                       

230 stationäre Erwachsenen-Hospize haben im Durchschnitt je etwa zehn Betten, das heißt, es gibt rund 2300 Hospizbetten,
in denen pro Jahr gut 30000 Menschen versorgt werden.
Es gibt 326 Teams der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung
(SAPV, Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung, Stand: 5. Juni 2018),
31 davon für Kinder und Jugendliche (Quelle: Deutscher Kinderhospizverein, Stand: 7. August 2018).

Bis 2017 haben nahezu 11440 Mediziner die Zusatzausbildung zum Palliativmediziner absolviert.
(Quelle: Bundesärztekammer, Stand: 31. Dezember 2017)
Mehr als 120000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich, bürgerschaftlich und hauptamtlich
und unterstützen die Arbeit für schwerstkranke und sterbende Menschen.
Wenn es deren Wunsch ist, sollen sie soweit wie möglich in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld betreut und versorgt werden.
Dabei müssen die Fortschritte der Schmerztherapie und die Möglichkeiten der Linderung schwerer körperlicher Symptome allen schwerstkranken und sterbenden Menschen gleichermaßen zugutekommen.

Ambulante Hospizdienste:

Die Zahl der ambulanten Hospiz und Palliativdienste in Deutschland hat sich seit 1996 mehr als verdreifacht.
In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich bei etwa 1.500 ambulanten Hospizdiensten eingependelt,
einschließlich der fast 150 Dienste für Kinder und Jugendliche.
900 der Erwachsenenhospizdienste werden durch die Krankenkassen gefördert, die anderen arbeiten rein ehrenamtlich.

Stationäre Hospize und Palliativstationen:
Die Anzahl der stationären Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung hat von 1996 bis Anfang April 2016 deutlich zugenommen.
Waren 1996 nur 28 Palliativstationen und -einheiten sowie 30 stationäre Hospize für Erwachsene verzeichnet, hat sich die Anzahl auf ca. 330 Palliativstationen und -einheiten sowie ca. 250 stationäre Hospize mehr als verachtfacht.
Das erste Kinder- und Jugendhospiz 1998 in OLPE eröffnet.
Heute gibt es 17 speziell auf die Bedürfnisse von lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen ausgerichtete stationäre Hospize und drei Palliativstationen.
(Quelle: Deutscher Kinderhospizverein, Stand: 5. März 2019

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Februar 2020
« Letzte Änderung: 14. Mai 2020, 09:32:48 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Re: Hilfreiches für Palliativpatienten...
« Antwort #17 am: 22. Mai 2020, 09:19:58 »
Palliativversorgung:

Warum viele Menschen sterben, wo sie nicht sterben wollen

TOD im KRANKENHAUS   

Fast niemand will es, aber jedem Zweiten passiert es eben doch.
Viele Menschen sterben dort, wo sie nicht sterben möchten: Im Krankenhaus.
Die Gründe sind vielfältig. Übertherapie oder sinnlose Operationen gehören dazu.
Und schlechte Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Wie wollen wir sterben?

So auf keinen Fall, sagt der 55 Jahre alte Thomas M., wenn er über den Tod seines Vaters vor fünf Jahren spricht.
Mit einer Entzündung im Bauchraum kam der 74-Jährige in ein Ludwigsburger Krankenhaus.
Trotz OP wurde nichts besser. Der alte Mann wollte nach. Hause, dämmerte vor sich hin, ein Krankenhauskeim kam hinzu.
Der Oberarzt ordnete eine weitere Operation an. »Warum das denn, mein Vater stirbt doch gerade?", fragte M.
Der Professor zuckte mit den Schultern. Nach Hause kam der Vater nicht mehr.

Ein typisches Szenario, findet die Medizinerin Jana Jünger, Leiterin des für Staatsprüfungen von Ärzten zuständigen Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP).
"Dem Patienten geht es schlechter, weil er stirbt - das bleibt oft unbesprochen zwischen Arzt und Patient oder Angehörigen."

Die Folge: Unnötige Eingriffe,
Operationen, kostspielige Leidenszeiten auf der Intensivstation während der letzten Lebenstage.
Dabei will Umfragen zufolge so gut wie niemand im Krankenhaus sterben.
Doch immer noch viel zu oft passiert genau das.

Laut Deutschem Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) sterben 77% der Deutschen entweder in einer Klinik oder im Pflegeheim.
Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts aus dem vergangenen Jahr war zwar der Anteil derer,
die im Krankenhaus sterben, lange rückläufig.
Er betrage nach Zahlen aus dem Jahr 2016 aber immer noch 46% und stagniere seitdem.
"Das ist viel zu viel, da es nicht den Wünschen der Patienten entspricht", sagt Jünger.
"Wenn hier besser kommuniziert würde, dann könnten wir diese Situation innerhalb von fünf Jahren deutlich verbessern."
Dabei ist an sich die Versorgung sterbenskranker Menschen außerhalb von Krankenhäusern gut geregelt,
sagt , ein Sprecher des Sozialministeriums in Baden-Württemberg.
"Die ambulante Versorgung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert und ist inzwischen auf
einem guten Weg."

Neben ambulanten Hospizdienste kümmerten sich sogenannte Teams der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) um sterbende Erwachsene und Kinder: Die Abdeckung mit SAPV Teams in Baden-Württemberg beträgt über 90%".

Warum landen Patienten dann doch im Krankenhaus und sterben dort?
Ein Grund ist, dass etwa Menschen mit unheilbaren Krebserkrankungen noch in den letzten Wochen ihres Lebens eine Therapie erhalten, anstatt nach Hause entlassen zu werden.
Die Barmer EK geht aufgrund von Abrechnungsdaten zwischen 2012 und 2015 davon aus, dass etwa 15% dieser Krebspatienten sich in den letzten 30 Tagen ihres Lebens noch einer Chemotherapie unterziehen - meistens geschieht dies im Krankenhaus.

Ein anderer Grund könnte sein, dass gerade Hochbetagte oft mit Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert werden und dort binnen weniger Tage sterben.
Oder es gibt keine Patientenverfügung:
Angehörige sind unsicher, was zu tun ist, wollen keinen Fehler machen, der Wunsch des Patienten verhallt ungehört.
Doch sehr oft hakt es auch schlicht bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient, erklärt Jünger.
Sie plädiert dafür, Ärzte zu schulen und regelrecht mit ihnen zu üben, wie man mit Patienten am besten ihre Wünsche und Vorstellungen angesichts des herannahenden Todes besprechen kann.
"Das muss implementiert werden in der Ausbildung und Weiterbildung.
Diese Themen müssen wir in die Staatsprüfungen für Ärzte bringen", betont sie.
"Krankheit und Wahrheitsmitteilung am Krankenbett, das ist immer ein Prozess", sagt dazu Benno Bolze,
Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verbands (DHPV).
Für Patienten sei es nicht immer einfach zu entscheiden, ob eine Therapie noch sinnvoll sei oder nicht.

„Übertherapie" pauschal zu kritisieren, ist dabei aus Sicht der BARMER aber nicht fair.
"Es ist wichtig, dass Patienten in die Therapieentscheidung mit eingebunden werden."
Außerdem sei auch im Krankenhaus ein würdevolles Sterben möglich.
"Die Zahl der älter werdenden Menschen steigt - wir werden ein hohes Maß an Hospiz- und Palliativversorgung benötigen", erläutert Bolze.
"Und wir werden nie sagen können: Das ist erledigt, wir sind am Ziel."

Wichtig sei, dass Netzwerke geknüpft werden und gut funktionieren:
Ambulante Betreuungsdienste, spezialisierte Teams zur palliativen Versorgung, Hospize etc. - sie alle müssten zusammenarbeiten.
Vor allem Altenheime bräuchten eine enge Anbindung an die palliativen Netzwerke.
"Denn für den Bewohner ist dort das Zuhause, und dort soll er dann auch sterben können.
Finanzielle Zwänge und Fehlanreize im Gesundheitssystem wie nicht sinnvolle Eingriffe oder auch Therapien tragen erheblich dazu bei,
dass Menschen um ein angemessenes Sterben gebracht werden.
Es kann nicht sein, dass der Mammon uns die Moral vorschreibt – bzw. die ethische Vorstellung von Patientenrecht und Menschenwürde",
sagt Jünger.
"Wir müssen sagen: Das machen wir nicht aus Gründen der Patientensicherheit und Patientenwürde."     

Fundquelle: Auszug – „Altmark-Zeitung“ Februar 2020
« Letzte Änderung: 22. Mai 2020, 09:39:35 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.