Orpha Selbsthilfe Forum

Autor Thema: Thema : STERNENKINDER  (Gelesen 5460 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Thema : STERNENKINDER
« am: 07. März 2013, 16:52:33 »
Thema: STERNENKINDER

Wann fängt ein Leben an? /Elterninitiative bewirkt Gesetzesänderung

Wiegt ein tot geborenes Baby unter 500 Gramm, ist es kein Mensch, sondern: Abfall.
Es wird dem Standesamt nicht angezeigt, muss nicht einmal bestattet werden.
Eine betroffene Familie aus Hessen kann das nicht ertragen - und kämpft mit Erfolg für eine Gesetzesänderung.

Wäre das Schicksal nicht so grausam zu Barbara und Mario Martin gewesen,
wäre das Ehepaar jetzt eine fünfköpfige Familie.
Drei Kinder hat das Paar verloren - während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder wenige Stunden danach.
Zwei Jungen und ein Mädchen, von denen es - juristisch gesehen - zwei nie gab.
Denn sie wogen bei ihrem Tod weniger als 500 Gramm und waren: "Nichts?", "Ein Ding?", Klinikmüll?"


Barbara Martin weiß bis heute nicht, was ihre drei Kinder eigentlich waren, für die Mühlen der deutschen Bürokratie.
"Ein Menschenleben darf doch nicht nach Gramm definiert werden", sagt die 36-Jährige,
die zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Mann einen Frisörsalon im hessischen Kreis Limburg betreibt.
Seit Jahren kämpfen sie für einen würdigen Umgang mit diesen "Sternenkindern".
Auf der Gedenkseite, die die Martins im Internet für ihre toten Kinder eingerichtet haben,
schildern sie schmerzhaft offen ihr dreifaches Leid.
"Es ist grausam.
Warum trifft es uns, so oft, so 'spät und so grausam?".- notieren sie über den Tag,
als sie zum dritten Mal innerhalb eines Jahres ein totes Kind im Arm halten.

Joseph-Lennard kam im November 2007 in Wiesbaden zur Welt, im siebten Schwangerschaftsmonat.
Er wog weniger als 500 Gramm und lebte nur drei Stunden.
Im folgenden Jahr erwarteten die Martins Zwillinge.
Im September 2008 starb zuerst Tamino - Federico in der 21. Schwangerschaftswoche im Bauch seiner Mutter,
er wog 290 Gramm.
Seine Schwester Penelope-Wolke hielt drei Wochen länger durch.
Sie wurde im Oktober 2008 geboren, 500 Gramm schwer.
Sie lebte nur wenige Minuten.
Offiziell wurden die Martins aber nicht dreimal, sondern nur einmal Eltern.

Schuld ist Paragraph 31 des Personenstandsgesetzes.
Darin ist festgelegt, dass Fehlgeburten ohne Lebenszeichen oder mit einem Gewicht unter 500 Gramm nicht beurkundet werden.
"Für uns waren diese Kinder real.
Sie haben verdient, als wirkliche Kinder anerkannt zu werden und einen Platz nicht nur in unserem Herzen,
sondern auch in unserem Stammbuch einzunehmen", begründen die Martins ihr Anliegen.

"Unsere Kinder sind geboren - aber offiziell nicht existent.
Das macht uns und auch andere Sterneneltern traurig."
Das Paar sammelte Unterschriften für eine Petition; 40.000 Menschen haben sie unterschrieben.
Bei Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) stießen sie auf offene Ohren.
Schon im Frühsommer 2012 hat die Bundesregierung eine Änderung der Personenstandsverordnung beschlossenen.
Nun muss der Gesetzentwurf nur noch durch den Bundestag.
"Damit soll eine Möglichkeit geschaffen werden, dass auch ein Kind, das mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm tot zur Welt kommt, dem Standesamt gegenüber angezeigt und die Geburt auf diese Weise dauerhaft dokumentiert werden kann", erklärt das Ministerium.
Vermerkt würden Name, Geschlecht und Geburtstag des Kindes sowie Angaben zu Mutter und Vater.

"Die vor- gesehene Regelung - enthält keine Beschränkung hinsichtlich Gewicht oder Anzahl der Schwangerschaftswochen."
Dieser Kampf scheint gewonnen - aber die Martins haben schon das nächste Ziel im Auge:
das Bestattungsrecht.
"Es sollte dafür ein bundeseinheitliches Gesetz geben", findet Barbara Martin.
Die drei Kinder der Martins ruhen im Grab ihrer Urgroßeltern.

Fundquelle: Auszug - "ALTMARK-ZEITUNG"  Januar 2013  
« Letzte Änderung: 07. März 2013, 16:57:09 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #1 am: 10. März 2013, 17:14:48 »
Thema : STERNENKINDER

Wann fängt ein Leben an? /Elterninitiative bewirkt Gesetzesänderung

Auszüge aus dem Gesetzesentwurf:

Tot geborene Babys mit weniger als 500 Gramm Gewicht können künftig - anders als bisher -
einen Namen erhalten und dann auch richtig bestattet werden.
Diese Rechtsänderung beschloss das Bundeskabinett.
Es sei  "ein außerordentlich wichtiges Anliegen" gewesen, dass es auch für sogenannte Sternenkinder
eine Geburts- und Sterbeurkunde gibt.
Manche dieser Kinder wurden bislang anonym mit einem Stern auf dem, Grabstein bestattet.
Im "Entwurf eines Gesetzes zur Änderung personenstandsrechtlicher Vorschriften"
vom 15. August 2012 soll Paragraf 31 Absatz 3 neu gefasst werden:

"Hat sich keines der in Absatz 1 genannten Merkmale des Lebens gezeigt und beträgt das Gewicht der Leibesfrucht weniger als 500 Gramm, handelt es sich um eine Fehlgeburt.
Sie wird in den Personenstandsregistern nicht beurkundet.
Eine Fehlgeburt kann von einer Person, der bei Lebendgeburt die Personensorge zugestanden hätte, dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich die Fehlgeburt erfolgte, angezeigt werden; § 33 gilt entsprechend.
In diesem Fall erteilt das Standesamt dem Anzeigenden auf Wunsch eine Bescheinigung mit einem Formular nach dem Muster der Anlage 13.

Fundquelle: Auszug - "ALTMARK-ZEITUNG" Januar 2013
« Letzte Änderung: 18. März 2013, 17:12:43 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #2 am: 16. März 2013, 09:50:07 »
Thema: STERNENKINDER

Als" Sternenkinder" werden häufig die Kinder bezeichnet, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor,
während oder nach der Geburt sterben.
Betroffene Eltern nennen aber oft auch die Kinder, die mit mehr als 500 gr. Geburtsgewicht sterben, Sternenkinder.
Dieser poetischen Bezeichnung liegt die Idee zugrunde, dass die Kinder "den Himmel (poetisch: die Sterne)
erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften." 
Im Gegensatz zu den technisch-juristischen Begriffen Fehlgeburt“ und „Totgeburt berücksichtigen der Ausdruck" Sternenkinder" die intensive Bindung, die vor allem viele Mütter und Väter bereits zum ungeborenen Kind entwickeln, und die deswegen oft intensive und langanhaltende Trauer, die dessen Tod verursacht.
Durch die gefühlsmäßige Bindung widerstrebt es ihnen, das kleine gestorbene Wesen als Fehlgeburt oder Totgeburt zu bezeichnen.

Das bleibt den Ärzten oder Juristen überlassen, und dabei gelten klare Regeln:
Stirbt ein Kind vor oder während der Geburt, wird rechtlich unterschieden zwischen Totgeburt und Fehlgeburt.

Um eine Lebendgeburt handelt es sich laut Personenstandsgesetz, wenn eines von drei Kriterien erfüllt ist:
- wenn das Herz des Kindes schlägt,
- wenn die Nabelschnur pulsiert oder
- wenn die Eigenatmung des Kindes einsetzt.

Trifft keines dieser drei Merkmale zu, handelt es sich um eine Totgeburt oder eine Fehlgeburt.
Die Unterscheidung zwischen beidem trifft der Gesetzgeber nach Gewicht:
Wiegt das Kind mehr als 500 Gramm, gilt es im Sinne des Gesetzes als" tot geborenes"
oder "bei der Geburt verstorbenes" Kind, also als Totgeburt.
Wiegt es weniger als 500 Gramm ist die Leibesfrucht juristisch eine Fehlgeburt

Fundquelle: Auszug - "ALTMARK-ZEITUNG" Januar 2013
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #3 am: 18. März 2013, 17:10:03 »
Thema: STERNENKINDER 

Gedenktage helfen


In verschiedenen Ländern gibt es neben dem Weltgedenktag (zweiter Dezembersonntag,
an dem aller verstorbenen Kinder gedacht wird) auch besondere nationale Gedenktage zur Erinnerung an
fehl- oder totgeborene Babys und Kinder, die durch den plötzlichen Kindstod gestorben sind.
Der bekannteste nationale Gedenktag ist der 15. Oktober, der in den USA und Kanada
als „Pregnancy and Infant Loss Remembrance Day" begangen wird.

Ähnlich wie am "Weltgedenktag" werden auch in Deutschland am 15. Oktober Gedenkzeremonien organisiert und Kerzen entzündet.
In Großbritannien haben sich viele Hilfsorganisationen zusammengeschlossen,
damit auch dort der 15. Oktober als nationaler Gedenktag anerkannt und gefeiert wird.
Nach Angaben der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) sterben in Deutschland jährlich etwa 20.000 Kinder und junge Erwachsene durch Krankheit, Unfälle Früh- oder Totgeburt.

mehr zum Thema; siehe auch unter:

www.sternenkinder.de   


Fundquelle: Auszug - "ALTMARK-ZEITUNG" Januar 2013
« Letzte Änderung: 18. März 2013, 17:12:07 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #4 am: 18. Mai 2013, 04:32:09 »
Thema: STERNENKINDER 

Neuregelung tritt in Kraft:

Namen für "Sternenkinder"


Tot geborene Babys unter 500 Gramm Gewicht dürfen vom 15. Mai 2013 an einen Namen bekommen:
Sie können offiziell beim Standesamt registriert und anschließend bestattet werden.
Auch eine rückwirkende Erfassung des Kindes ist möglich.

Nach der entsprechenden Gesetzesänderung können die sogenannten Sternenkinder künftig beim Standesamt registriert und anschließend richtig bestattet werden.
Bisher galten totgeborene Kinder als Fehlgeburten und wurden beim Standesamt nicht erfasst.
Schätzungen zufolge gibt es pro Jahr rund 1.500 solcher Fälle.
Der Bundestag hatte die Neuregelung Ende Januar beschlossen.
Demnach ist auch eine rückwirkende Erfassung des Kindes möglich.

Das neue Gesetz geht auf eine Initiative der Eheleute Barbara und Mario Martin aus der hessischen Gemeinde Brechen im Landkreis Limburg-Weilburg zurück.
Das Paar hatte drei Kinder verloren, von denen es zwei nach der bisherigen Gesetzeslage juristisch nie gegeben hat.
Um diese Regelung zu ändern, hatten die Martins rund 40.000 Unterschriften gesammelt.

Infos - Neuregelungen zu "Sternenkindern"

Fragen und Antworten zu "Sternenkindern"

Homepage der Familie Martin

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Mai 2013

« Letzte Änderung: 18. Mai 2013, 04:37:58 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #5 am: 02. Dezember 2017, 09:55:54 »
„Sternenkinder“

Kamerafrau schenkt Eltern schöne letzte Erinnerung


Ihr Steckenpferd sind Hochzeitsbilder, Familienfotos, werdende Mütter, die stolz ihre Babybäuche ablichten lassen wollen, und Babys. Lauter glückliche Momente, die Fotografin Kathrin Kroll aus Gardelegen mit einigen Schnappschüssen festhält.
Doch das Leben besteht nicht nur aus glücklichen Ereignissen, sondern auch aus schmerzhaften Schicksalsschlägen.
Wie z.B. den Verlust eines Neugeborenen - eines Sternenkindes.

Seit einem Jahr engagiert sich die 33-jährige Fotografin ehrenamtlich im Verein "Dein Sternenkind".
Eltern, die bereits ein totes Baby auf die Welt gebracht haben oder denen der Tod des Neugeborenen unausweichlich bevorsteht,
können über die Webseite:  www.Dein-Sternenkind.eu

Fotografen anfordern, die dann kostenfrei professionelle Erinnerungsfotos von ihrem Kind machen.
In der Altmark ist Kathrin Kroll die Einzige, die sich dieses Themas annimmt.
Manchmal nimmt sie sogar Aufträge aus Wolfsburg und Magdeburg an.

"Leider funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den altmärkischen Krankenhäusern und „Dein Sternenkind“ noch nicht so gut.
In anderen Teilen Deutschlands sieht das anders aus", sagt sie und bedauert das. In Sachsen-Anhalt sei das ihrer Erfahrung nach immer noch ein sehr starkes Tabu-Thema, denn "tote Kinder fotografiert man nicht" höre sie oft.

Insgesamt 20 Einsätze hatte sie bisher, darunter in Salzwedel und Stendal.
In Gardelegen allerdings bisher keinen.
"Ich gehe mit diesem Thema ganz offen um, wäre ich verklemmt, könnte ich diesen Job nicht machen", sagt die zweifache Mutter.

An ihren ersten Termin kann sie sich sehr gut erinnern: "Nach dem Termin war ich komplett durch den Wind. 
Ich verließ die Klinik und musste draußen erstmal tief durchatmen."
Heute ist sie gefasster.
Spricht von den Shootings mit den Eltern und erkundigt sich nach Missbildungen, "damit ich vorbereitet bin".
Bei einigen Kindern fehle die Nase oder sie haben einen offenen Rücken oder Kopf.
Hier ist viel Feingefühl angebracht, um die schönen Seiten des kleinen leblosen Körpers hervorzuheben.
"Die wenigsten Kinder sehen in Wirklichkeit so aus wie auf den Bildern.
Die Fotos sind stark bearbeitet", erklärt sie.
Kathrin Kroll macht diese Arbeit gerne.
Sie möchte den Eltern eine schöne Erinnerung an ihr Kind ermöglichen.
Nach Angaben der 33-Jährigen sucht "Dein Sternenkind" noch nach weiteren Berufs- oder Hobbyfotografen.
Kathrin Kroll würde sich über Unterstützung in der Altmark freuen.
"Wichtig ist, dass der Fotograf einfühlsam ist, sich das zutraut und mit seiner Kamera gut umgehen kann", erklärt sie.
Interessenten können sich über www.Dein-Sternenkind.eu  informieren.

Fundquelle: Auszug - "ALTMARK-ZEITUNG"  Oktober 2017

« Letzte Änderung: 02. Dezember 2017, 10:01:05 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 5.737
  • Ich bin: : selbst betroffen
Re: Thema : STERNENKINDER
« Antwort #6 am: 27. November 2019, 09:56:24 »
Sternenkinder

Als Sternenkinder - mitunter auch Schmetterlings- oder Engelskinder -
werden vor oder während der Geburt verstorbene Fehl-, Früh- und Totgeburten oder auch bei einem medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch verstorbene Kinder bezeichnet.

Häufig wird der Begriff auch für Kinder benutzt, die kurz nach der Geburt gestorben sind.
Die Rechtslage ändert sich zwar, falls ein Kind auch nur kurzzeitig - gelebt hat, z.B. in Bezug auf eine mögliche Bestattungspflicht.
Trauernde Eltern und deren Selbsthilfegruppen (SHG) ziehen hier jedoch nicht die gleichen Grenzen wie der Gesetzgeber.

Der Verlust eines Kindes, das noch nicht das Licht der Welt erblickt hat, stellt sowohl für die Eltern und
deren Umfeld als auch für die beteiligten Kliniken und ihre Mitarbeiter eine schwierige Situation dar.
Hoffnungen und Träume zerschlagen sich, bevor bzw. wenn ein Leben gerade begonnen hat,
obwohl von den Eltern bereits eine enge Bindung zum ungeborenen Kind aufgebaut wurde.

Unsicherheit entsteht, wie alle Beteiligten mit der Situation umgehen sollen, allein schon bei der Frage,
ab wann ein tot geborenes Kind bestattet werden darf oder auch muss.
Gerade bei sehr früh tot geborenen Kindern durften die Eltern ihre Kinder in der Vergangenheit oft weder sehen noch bestatten.
Es kam vor, dass diese mit dem Klinikmüll entsorgt wurden.

Die Bestattungspflicht für diese Kinder setzt auch heute in den meisten Bundesländern,
die für die Bestattungsgesetze zuständig sind, erst bei 500 Gramm ein.
Mit Ausnahme von Bremen ist mittlerweile aber in jedem Bundesland ein Bestattungsrecht für alle Fehlgeburten
(tot geborene unter 500 Gramm) festgeschrieben.
Machen die Eltern von Ihrem Bestattungsrecht jedoch keinen Gebrauch, lässt der vorgeschriebene Umgang mit den Kindern allerdings in den meisten Bundesländern immer noch zu wünschen übrig.
Unterstützung für trauernde Eltern
Viel verändert zum Wohl der Eltern hat sich in den letzten Jahren vor allem durch die Arbeit von SHG und ähnlichen Initiativen.
Diese unterstützen die Eltern bei ihren Fragen, bieten Unterstützung und Zuspruch und stärken in 
der Gemeinschaft die Rechte der Betroffenen.
Auch das gesellschaftliche Verständnis für den erlittenen Verlust ist gewachsen.
Viele Kliniken haben seit langem eingeführt, dass auch von kleinsten Kindern im Krankenhaus Abschied genommen werden kann.
Erleichtert wird die Gestaltung des Abschieds durch Kleider, Särge und Urnen, die auch die kleinsten Verstorbenen berücksichtigen.

Ein Umdenken spiegelt auch die im Jahr 2013 vom Bundestag beschlossene Änderung des Personenstandsgesetzes wider,
angestoßen durch eine von betroffenen Eltern initiierte Petition:
Seitdem können Kinder mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vom Standesamt auf Wunsch "bescheinigt" werden.
Bis dahin waren amtlich nur die beurkundungspflichtigen Totgeburten (ab 500 Gramm) existent.
Diese Gesetzesänderung hatte jedoch keine Auswirkung auf das landesrechtlich festgelegte Bestattungsrecht der Eltern.
Dieses bestand im oben beschriebenen Umfang schon zuvor.
Spezielle Grabfelder Zahlreiche Friedhofsverwaltungen haben in den letzten Jahren verstärkt die Bedürfnisse trauernder Eltern von Sternenkindern erkannt und spezielle Grabfelder eingerichtet.

Die Gebühren pro Bestattung sind in der Regel gering oder entfallen ganz, da Anlage- und Grabpflegekosten von der Initiativgemeinschaft oder häufig auch von den ortsansässigen Bestattern, Steinmetzen und Gärtnern getragen werden.
Darüber hinaus erlauben viele Friedhöfe die Bestattung fehl- und totgeborener Kinder in bereits bestehenden Familiengräbern oder in normalen Kindergräbern. Die Eltern finden so einen Ort des Gedenkens und können auch um ungeborenes Leben trauern, getragen von dem Bewusstsein, dass der Bestattungsort bestehen bleibt und das Kind nicht vergessen ist.

Einige Friedhöfe bieten neben Kindergräbern und Grabfeldern für Fehl- und Totgeburten Gedenkstätten für verstorbene oder nicht bestattete Kinder an. Hier können Gedenkfeiern stattfinden oder trauernde Eltern symbolisch Abschied nehmen. Gerade für Familien, die in früheren Jahren noch nicht die Möglichkeit hatten, ihr verstorbenes Kind zu bestatten, sind solche Gedenkstätten ein guter Ort zum Trauern.
Die hier sichtbare Anteilnahme anderer Menschen am eigenen Schicksal kann auch alte Wunden heilen.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  August 2019

« Letzte Änderung: 27. November 2019, 10:05:40 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.