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Autor Thema: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen  (Gelesen 21083 mal)

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Offline RalleGA

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Re: Depression – früh erkannt lässt sie sich gut behandeln
« Antwort #15 am: 31. Dezember 2014, 18:06:09 »
Depression bei Kindern

Antriebslos und ängstlich


Halten Depressionen bei Kindern länger als zwei Wochen an, sollten sie behandelt werden.
Ein Arzt muss dann aber erst einmal klären, ob hinter den Symptomen nicht eine körperliche Ursache steckt.

Typische Hinweise auf Depressionen sind Antriebslosigkeit, gedrückte Stimmung und Ängste
vor neuen Aufgaben und der Zukunft.
Die Betroffenen ziehen sich zurück und wollen gerne zu Hause bleiben.
Kleinere Kinder suchen oft die Nähe der Mutter.
Kinder im Kindergartenalter klagen häufig über Kopf- und Bauchschmerzen und wollen an Aktivitäten in der Gruppe nicht teilnehmen.
Schüler zeigen oft nachlassen de Leistungen.
Säuglinge und Kleinkindern leiden den Angaben zufolge sehr selten an Depressionen,
öfter entwickeln sie Kinder im Vor- und Grundschulalter.

Mit der Pubertät steige die Häufigkeit deutlich an.
Symptome sind dann Ein- und Durchschlafstörungen, Appetit- und Gewichtsverlust sowie tageszeitliche Schwankungen des Befindens mit einem Tief am Morgen.
Auch Stimmungsanfälligkeit, Lustlosigkeit sowie Alkohol- und Drogenkonsum können auf eine Depression hinweisen.
Die Patienten erkennen für sich keine Zukunftsperspektive,
haben ein vermindertes Selbstvertrauen und fühlen sich wertlos.


Auch Gedanken an Selbstmord kann es geben -
dann sollte umgehend ein Kinder- und Jugendpsychiater aufgesucht werden.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK - ZEITUNG“  September 2014             
« Letzte Änderung: 31. Dezember 2014, 18:08:20 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline Saphira

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #16 am: 20. Januar 2015, 16:05:17 »
Wichtige kostenlose Nummern und Adressen

bei Problemen und akuten Krisen:


Telefonische Seelsorge:
0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222

Hier kann sich jeder melden.
Unabhängig von Religionzugehörigkeit, Kultur, Alter, Problematik.
Es gilt die Schweigepflicht.

E-Mail Seelsorge


Für ausführliche Infos

Nummer gegen Kummer (Kinder- und Jugendliche):
116111 oder 0800/ - 10333

Erreichbar Mo - Sa, 14 - 20 Uhr
Jugendliche beraten Jugendliche: Samstag 14 - 20 Uhr

Elterntelefon:
0800 - 1110550

Erreichbar von:
Montags bis Freitag von 9 bis 11 Uhr
Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr

Für ausführliche Infos

Aus eigener Erfahrung würde ich sagen:
Sich ruhig auch mal Hilfe holen, wenn man "nur" einen Tipp oder ein Entlastungsgespräch braucht.
« Letzte Änderung: 22. Januar 2015, 18:22:26 von RalleGA »

Offline busymouse

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #17 am: 20. Januar 2015, 19:10:23 »
 :gp :thx2

Du bist klasse!  :)
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline Saphira

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #18 am: 20. Januar 2015, 20:48:25 »
Adressen für die Suche nach Psychotherapeuten

Die Kassenärztliche Vereinigung hat (normalerweise) einen Informationsservice bei dem  freie Plätze von Psychotherapeuten erfragt werden können.

Jedes Bundesland und jeder Stadtstaat hat eine eigene Kassenärztliche Vereinigung.

Liste der Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland

Scrollt man etwas runter kommt die Liste.

Sozialpsychiatrische Dienste

Diese können einen Beraten und bieten (teilweise) auch Betreuung nach einem Psychiatrieaufenthalt etc. an.
Leider ist das unten angeführte Verzeichnis - nach Bundesländern bzw. Stadtstaaten -  nicht vollständig. Aber über Internetsuche mit Wohnort und dem Kürzel SPDI findet man oft auch welche in der Nähe.

Verzeichnis von SPDIs


Informationen über Rechte und Gesetze:

Rechte und Gesetze bezüglich (ambulante) Psychiatrie

Das Selbsthilfenetz Psychiatrie

Selbsthilfenetz Psychatrie nach Regionen

Weitere Adressen und Nummern bei Krisen:

Notfallnummern nach Bundesländern

« Letzte Änderung: 23. Januar 2015, 19:49:07 von Saphira »

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #19 am: 22. Januar 2015, 13:37:25 »
„Mutig ist nicht, wer keine Angst hat, sondern der seine Angst überwindet“.     
                 
(Nelson Mandela)
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Offline Saphira

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #20 am: 22. Januar 2015, 17:41:57 »
Hallo  ;)

Habe mal von busymous den Thread "Mein schönster Tag" hochgeholt. Der Thread heißt jetzt "kleine positive Momente."

Würde mich sehr freuen auch was von anderen Forums-Mitgliedern zu lesen.

Kleine positive Momente

Beste Grüße
Saphira
« Letzte Änderung: 13. März 2015, 09:20:51 von RalleGA »

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #21 am: 13. März 2015, 09:17:13 »
Thema

Depression


"Ich bin leer" lautet der Titel eines knapp zweiminütigen Videos, mit dem die Schweizer Organisation pro infirmis auf die Situation von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen im Rahmen einer Kampagne hinweisen möchte.

"Sich darauf einstellen, dass man arbeiten geht und dann beim Öffnen der Tür zu heulen anfangen",
so beschreibt ein Mann mit Depression seine Krankheit auf Twitter.
Depression kann jeden treffen und die Anzahl der Betroffenen steigt stetig an.
Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen leiden zudem darunter, dass ihre Erkrankung nicht erstgenommen wird und sie damit alleine fertig werden müssen.

https://www.youtube.com/watch?v=r5FFxlIgAB4&list=PLKSt6GDYt0MnCTGz3lmVAUkVOshUwNLmo

Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #22 am: 18. März 2015, 10:04:02 »
Bett als grübelfreie Zone -

Tipps für einen besseren Schlaf
 


Wer im Bett liegt und nicht einschlafen kann, steht am besten erstmal wieder auf.
Denn wenn man eine oder zwei Stunden wach im Bett liegt, denkt man automatisch über irgendetwas nach.
Und Denken im Bett ist Gift für den Schlaf.

Stattdessen sollte man aufstehen und etwas tun, das extrem langweilig ist - etwa das Telefonbuch lesen.
Viele Menschen hält auch die Angst zu verschlafen wach: Sie schauen ständig auf die Uhr.
Dadurch sind sie gedanklich wieder aktiv.
Mit jedem Blick auf den Wecker löst man grübelnde Gedanken aus,
die es einem unmöglich machen, zu schlafen.
Wer morgens früh raus muss, geht auch meistens früh ins Bett.
Doch manche können dann noch gar nicht schlafen, weil sie einfach noch nicht müde sind.
Wer dann irgendwann doch müde ins Bett geht, für den gilt:
Beim Schlafen ist es am besten, wenn es ganz dunkel ist - wie in einer Höhle.
Die Temperatur sollte zwischen 16 und 18 Grad liegen.
Eine kältere Temperatur ist besser, denn im Schlaf schwitzen alle Menschen am meisten.
Und wenn es einem zu heiß wird, wacht man auf.
Aber auch, was man tagsüber macht, beeinflusst den Schlaf.
Man sollte sich mindestens eine Stunde am Tag vor 16.00 Uhr im Freien aufhalten.
Denn Licht beeinflusst das Hormon Melatonin, das den Tag-Nacht-Rhythmus steuert.
In den Wintermonaten könne hier eine "Lichtdusche" aushelfen:
Am besten hat man eine Lampe für den Bürotisch, die man morgens einschaltet und eine Stunde an lässt.
Die Geräte sollten medizinisch geprüft sein und eine Stärke zwischen 3000 und 10 000 Lux haben. 

Ratgeber zum Thema - Link als Download


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2015
« Letzte Änderung: 18. März 2015, 10:07:56 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #23 am: 12. Mai 2015, 10:39:34 »
Hinter Vergesslichkeit im Alter kann eine Depression stecken

Lässt im Alter das Gedächtnis nach, scheint das zum normalen Lauf der Dinge zu gehören.
Dabei kann manchmal auch eine Depression schuld an den Gedächtnisstörungen sein.       
Diese können nämlich ebenfalls Denkabläufe blockieren und die Konzentrationsfähigkeit herabsetzen und damit die Gedächtnisleistung negativ beeinflussen.
Viele Ältere suchen bei diesen Symptomen aber keinen Arzt auf.
Entweder glauben sie, dass die Anzeichen zum normalen Alterungsprozess gehören.
Oder sie haben Angst davor, eine Demenz diagnostiziert zu bekommen.
Dabei ist der Arztbesuch in jedem Fall sinnvoll:
Entweder können durch eine Therapie die Beeinträchtigungen durch die Depression weitgehend behoben gemacht werden.
Oder falls tatsächlich eine Demenz hinter den Gedächtnisstörungen steckt, kann sich der Betroffene besser auf seine Zukunft einstellen und vorbereiten.   

Die Anzeichen einer Depression sind im Alter nicht anders als in jungen Jahren:

Dazu gehören Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Antriebsmangel.
Ältere depressive Menschen klagen außerdem vermehrt über Rücken- oder Kopfschmerzen. 
   
Minderwertigkeitsgefühle oder Niedergeschlagenheit verschweigen Senioren allerdings häufig.
Sie selbst und ihre Angehörigen nehmen häufig an, dass diese Symptome normal für die manchmal schwierigen Lebensumstände im Alter sind.
Schließlich müssen Senioren etwa den Tod von Freunden und die nachlassende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit bewältigen. Depressionen werden in so einem Kontext leicht übersehen. Mit Medikamenten wie Antidepressiva oder einer Psychotherapie lassen sie sich aber wieder in den Griff bekommen.                         

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2015
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #24 am: 16. Juli 2015, 12:52:45 »
Ärzte-Muffel leiden häufig unerkannt -

Risiko „männliche Depressionen“


Männer zeigen bei psychischen Erkrankungen oft andere Krankheitsanzeichen als Frauen.
 Ihre depressiven Symptome würden häufig nicht diagnostiziert und unzureichend behandelt.

Experten berieten kürzlich beim Männergesundheitskongress der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über psychische Gesundheit.
Bislang zeigten Daten, dass Depressionen bei Frauen häufiger aufträten als bei Männern.
Doch die Vorstellung der Medizin von der Depression sei nicht vollständig:
"Man sieht immer mehr, dass ein Mann, der eine Depression entwickelt,
nicht jedes Mal das klassische Bild eines depressiven Patienten erfüllen muss.
Eine Gruppe der männlichen Patienten zeige das Bild einer "männlichen Depression":

Sie reagierten z.B. wütend, gereizt oder aggressiv, fühlten sich gehetzt und unter Druck.
Sie seien nicht nur niedergeschlagen und antriebslos, was typischerweise mit der Krankheit verbunden wird.
Würden diese Patienten beachtet, seien Depressionen bei den Geschlechtern wohl gleich häufig.

Durchs medizinische Raster fallen offenbar besonders Männer, die ein traditionelles Rollenbild verinnerlicht hätten:
mit Werten wie Leistungsstärke, Status und Einkommen oder Maßstäben wie Nicht reden, sondern handeln. Ihnen falle es besonders schwer, eine psychische Erkrankung zu erkennen zu geben.
Als grundlegendes Problem der Männergesundheit sehen Experten,
dass das "starke Geschlecht" eher selten zum Arzt geht.

Wie schon ein Bericht des Robert-Koch-Instituts zeigte, werden Männer auch seltener von Angeboten erreicht, und sie nutzen diese weniger.

Unkonventionelle Lösungen sind gefragt:
Sprechstunden in Betrieben etwa seien erfolgreich.
Auch über das Arbeitsumfeld initiierte Seminare mit Gruppengesprächen könnten Männern helfen,
nach und nach auch über seelische Themen zu sprechen.
Wenig wissen Experten aber auch über Arzneimittelarten und -mengen, die Männer einnehmen.
Selbst in relevanten Studien werde das nur bis zu einem Alter von 64 Jahren erfasst.
Ein beachtenswerter Arzneimittelkonsum beginne oft aber erst in diesem Alter.
Ein Drittel der Medikamentenabhängigen in Deutschland seien Männer.
Auch dies werde viel zu wenig beachtet:
Abhängigkeit bei Männern werde mehr mit Alkohol oder illegalen Drogen verbunden.

Dabei würden gerade Anabolika und anregende Mittel eher von Männern eingenommen als von Frauen.
Die einzige psychische Störung, die Männer deutlich häufiger haben als Frauen, ist ADHS.
Medikamente wie Ritalin rückten aber auch bei solchen in den Blick, die ihre Leistung steigern wollten -
etwa im Studium oder im Fitnessstudio.

Ansonsten ist die psychische Gesundheit von Männern noch viel zu wenig untersucht.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Mai 2015
« Letzte Änderung: 16. Juli 2015, 12:59:45 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #25 am: 31. Juli 2015, 09:32:42 »
Nachdenkliches... 

Wieviel Aufregung brauchen wir?


"Aufregung" ist ein Begriff, der mich seit Monaten begleitet.
Da war z.B. die Grippewelle" = 48.936 Grippekranke in den 6 Wochen,
in denen die Erkrankungswelle am heftigsten rollte (Robert-Koch-Institut).
Das sind 0,05% der deutschen Bevölkerung. NULL Komma NULL Fünf Prozent!

"Man" tat so, als wäre es der Weltuntergang, rechnete gar aus,
wie viel Bruttosozialprodukt das Land täglich verliert durch die Grippekranken.
Dann kam Griechenland ... ach ja die Fußball-Weltmeisterschaft am Heilig Abend,
die Sonnenfinsternis und was das nun wieder für die Solaranlagen bedeutet ... und es geht immer so weiter.

Wir alle sollen über etwas, was noch überhaupt nicht im eigenen Leben eingetreten ist und sehr wahrscheinlich auch im eigenen Leben nie eintreten wird, flächendeckend verrückt (gemacht) werden.

Ich sehe dabei Möbel, die verrückt werden, um an einem anderen Platz zu stehen.
Es ist Manipulation. (durch Andere bzw. meine Umwelt/Umfeld)
Mich macht so etwas zuerst wütend und dann gehe ich in mich und spüre:
Wenn ich mich "verrücken" lasse, dann erlaube ICH das!
Ich erlaube es ... der Tante, dem Chef, meinem Hausarzt, der Presse etc.


Wie geht es eigentlich meinem Immunsystem, wenn ich mich verrücken lasse/verrückt machen lasse?
Was passiert, wenn ich erlaube, dass sich meine Gedanken "sorgend" um "da draußen" drehen“.
Aufgeregte Gedanken führen dazu, dass wir uns immer weiter von unserem eigenen inneren Zentrum,
unserem Fühlen entfernen.
Sie sind echter Stress für den Körper, für das Immunsystem; denn unser Denken (!)
ist an der Steuerung unseres Stoffwechsels beteiligt!
Zudem verleugnen wir mit diesen ganzen Aufregungs-Szenarien unsere physikalische Wahrheit,
die folgende ist:
JEDER atmet immer nur seinen eigenen Atem - es gibt keinen Atem, den "die Bevölkerung" atmen könnte.

JEDER IST EINMALIG und hat ein einmaliges Leben, ein einmaliges "Schicksal".

Sind Sie sich Ihrer EINMALIGKEIT  BEWUSST!!??
 
« Letzte Änderung: 31. Juli 2015, 09:39:31 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #26 am: 24. Oktober 2015, 09:47:26 »
ADHS wächst mit -

Die Aufmerksamkeitsstörung


betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene – und kann deren Alltag stark beeinträchtigen.
ADHS ist keine Diagnose wie Husten oder Windpocken.
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung wird gern mit dem Etikett „Modekrankheit“ versehen,
auch wenn wissenschaftlich an ihrer Existenz keine Zweifel mehr bestehen.

„Es gab früher nicht weniger Betroffene – die öffentliche Aufmerksamkeit für ADHS hat sich aber heute im Vergleich zu früher geändert“, sagt Michael Schönenberg, in der ADHS-Forschung tätiger Psychologe an der Universität Tübingen.
Bei rund 5% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland hat laut einer Studie des Robert Koch-Instituts schon einmal ein Arzt oder Psychologe die Diagnose ADHS gestellt.
Von Erwachsenen mit ADHS dagegen spricht kaum jemand.
„Die Bedeutung und die Auswirkungen von ADHS bei Erwachsenen werden vollkommen unterschätzt“,
sagt Astrid Neuy-Bartmann, Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie in München.
Sie ist auf die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen spezialisiert.
Denn die Aufmerksamkeitsstörung verschwindet mit den Jahren nicht. Rund 60% derjenigen,
die in jungen Jahren von ADHS betroffen waren, haben auch als Erwachsene noch Symptome.
Die Hälfte von ihnen ist in ihrer Lebensgestaltung erheblich beeinträchtigt.
„Ein Erwachsener mit ADHS kann nach außen hin sehr ruhig wirken, trotzdem aber eine große innere Unruhe verspüren“, erläutert Christian Mette, Leiter der Forschergruppe ADHS bei Erwachsenen am LVR Klinikum Essen, das eine Spezialsprechstunde eingerichtet hat.

Viele der Ratsuchenden dort forschen nach einer Ursache für die Probleme, mit denen sie im Job oder in der Partnerschaft kämpfen. Beziehungen scheitern an Gefühlsausbrüchen, am Arbeitsplatz gibt es Ärger, weil Projekte nicht fertig werden.
ADHS-Patienten haben ein höheres Risiko für Suchterkrankungen, manche verschulden sich.
Ob wirklich ADHS dafür verantwortlich ist, erfordert intensive Untersuchungen.
Wichtig ist eine sorgfältige Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen.
Entscheidende Hinweise liefert die Biografie:
„ADHS tritt nicht plötzlich im Erwachsenenalter auf,
sondern zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Leben.“

Die Ursachen für ADHS sind noch nicht vollständig erforscht.

Man weiß, dass es zu Abweichungen bei der Informationsverarbeitung im Frontalhirn kommt,
das zuständig ist für die Verhaltensregulierung, für Entscheidungen und die Auswertung von Erfahrungen.
Der ADHS-Betroffene ist nicht in der Lage, die Fülle der Informationen sinnvoll zu sortieren und zu nutzen.
Wie stark sich das im Alltag auswirkt, hängt auch davon ab, wie strukturiert das Leben abläuft.
Stress, emotionale Belastungen oder schwierige Familienverhältnisse können ADHS-Symptome verstärken.
Umgekehrt gilt aber auch: „Nicht jede ADHS muss behandelt werden.
Entscheidendes Kriterium ist, ob die Aufmerksamkeitsstörung das Leben beeinträchtigt: In der richtigen beruflichen Nische sind viele Menschen mit ADHS häufig sehr kreativ, weil sie ständig neue Ideen entwickeln.

Strategien gegen die innere Unruhe, gegen die Ablenkbarkeit zu entwickeln, ist deshalb wichtiger Bestandteil der Therapie, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft auf die Einnahme von Psychopharmaka reduziert wird.
Manche Betroffene brauchen neben einer Psychotherapie Medikamente, manche nicht,
das hängt immer auch von der Lebenssituation und vom Leidensdruck ab.

Fundquelle: Auszug - SVZ (Schweriner Volkszeitung) Oktober 2015
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #27 am: 31. Januar 2016, 10:57:01 »
Buchtipp: Depression

„Wege aus der Angst“
von Bärbel Köthke


Kontakt

Ich habe mit Bärbel Köthke gesprochen.
Sie hat mir erklärt, dass z.Z. alle 5.000 gedruckten Bücher vergriffen sind.
Ich habe daher das Einverständnis von Ihr, dass ich hier Kapitel für Kapitel veröffentlichen darf.

Sie sagte: "Auch, wenn ich nur Einer/m helfen kann, dann war es schon ein gutes Werk".

Also seid erwartungsvoll gespannt.
Ich glaube viele Leser werden sich selbst erkennen...
« Letzte Änderung: 02. Februar 2016, 10:47:51 von RalleGA »
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #28 am: 01. Februar 2016, 10:42:01 »
„Wege aus meiner Angst“ von Bärbel Köthke

- Vorwort -


Am Anfang wollte ich nur einfach alles niederschreiben, was mir wiederfahren ist, was mit mir geschehen ist, was ich erlebt habe. Doch jetzt will ich mehr. Es ist mir zu einem Bedürfnis geworden, meinen Mitmenschen den Einblick in ein sonderbares und schmerzliches, für viele psychisch gesunde Menschen unvorstellbares Leiden zu gestatten: Panikattacken, Angstzustände und Depressionen prägten mein Krankheitsbild, meine Krankheit.                                     

Insbesondere aber will ich davon erzählen, wie ich es geschafft habe, aus dieser Krankheit, die ich wie eine seelische Gefangenschaft empfunden habe, herauszukommen. Und ich sage es auch gleich: Geschafft habe ich das nicht allein. Viele Menschen standen mir zur Seite. Da waren zunächst die Ärzte, Schwestern, Therapeuten und die Mitbetroffenen in Uchtspringe. Und da war und ist vor allem meine Familie.

Meine Aufzeichnungen sollen ein kleiner Ratgeber sein, der allen Betroffenen und Interessierten dieses Krankheitsbild näher bringen will. Ich möchte gleichzeitig alle Erkrankten darin bestärken, sich unbedingt und umgehend fachkundiger Hilfe anzuvertrauen. Im Klartext heißt das: sich in "die Psychiatrie" zu begeben. Und da sind wir gleich beim - 5 - zweiten Problem, das beinahe zwangsläufig aus dem ersten erwächst, nämlich bei den Vorurteilen gegenüber psychisch kranken Menschen.
Ich habe nicht nur unter meiner Krankheit gelitten, sondern auch unter dem Verhalten und der Unwissenheit meiner Umgebung. Vielleicht gelingt es mir ja mit diesem Büchlein, dass künftig mehr Menschen mit einem psychisch Kranken genauso vorurteilslos umgehen können wie mit jemandem, der sich ein Bein gebrochen hat, Ich wünsche mir, dass psychisch Kranke ebenso unbefangen über ihre Krankheit sprechen können wie jener mit seinem gebrochenen Bein. Einem psychisch Kranken hilft das tatsächlich und buchstäblich, im Leben wieder auf die Beine zu kommen. So betrachtet, mag dieser Ratgeber nicht nur für die Betroffenen, sondern vielleicht auch für ihre Angehörigen hilfreich sein.

Ich bin Jahrgang 1947, also ein Nachkriegskind. Nach dem Abschluss der 10. Klasse an der polytechnischen Oberschule studierte ich drei Jahre am Institut für Lehrerbildung in Staßfurt. Dort wurde ich zur Unterstufenlehrerin und Heimerzieherin ausgebildet. 1967 wurde ich als Horterzieherin eingesetzt. Und diesen Beruf, den ich sehr liebe, übte ich bis zum 3. März 2005 aus. - 6 - bin seit fast zwanzig Jahren in zweiter Ehe verheiratet und habe, ebenso wie mein Partner, zwei erwachsene Kinder. Unsere Ehe ist sehr glücklich, sodass einen Tag unserer Partnerschaft missen möchte. Hätte ich nicht so einen geduldigen, einfühlsamen Mann so verständnisvolle Kinder gehabt, wäre ich-  davon bin ich heute überzeugt - wahrscheinlich nicht aus dem und herausgekommen. Natürlich mussten es meine Angehörigen erst lernen, mit dieser Krankheit richtig umzugehen. Anfangs konnte das auch in meinem Umfeld niemand. Wie denn auch? Nur wer selbst einmal eine depressive Phase mit Panikattacken und bedrückenden Angstzuständen durchlitten hat, kann wohl wirklich verstehen, was es bedeutet, so schwer erkrankt zu sein, aber dennoch nicht verstanden zu werden und sich ständig rechtfertigen zu müssen, weshalb man sich so verändert hat. - 7 -
« Letzte Änderung: 01. Februar 2016, 10:47:47 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #29 am: 02. Februar 2016, 10:33:22 »
„Wege aus meiner Angst“ von Bärbel Köthke -

Vorgeschichte - Wie alles begann


Ende 2002 litt ich massiv unter Magen-, Darm- und Gallenbeschwerden, sodass ich im Januar 2003 nach mehreren schweren Koliken zur OP ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
Vor der Operation entstanden in mir Ängste, die sich fortwährend mit meinen Symptomen befassten. Ich hatte nur noch schlimme Gedanken im Kopf. Ich musste stets an unheilbare Krankheiten, Leiden und Qualen denken. Dadurch litt ich an Schlafstörungen und Schwindelanfällen, die zu regelrechten Attacken wurden.
Ich dachte zunächst, das alles käme von meinem Kreislauf. Doch mich quälte bald auch starkes Schwitzen und große Übelkeit, Magen und Darm rebellierten. Ich litt unter ständigem Durchfall. Außerdem stellte ich plötzlich fest, dass ich an der Innenseite des rechten Oberschenkels ein großes Hautekzem bekam.
(Dass das alles psychisch bedingt war, wusste ich zu dieser Zeit noch nicht.)
Keine Salbe half; die Stelle wurde größer und größer. Es war sehr unangenehm. Ich versuchte, mich selber mit allem Möglichen zu behandeln, aber nichts half.

Bei einer Ultraschalluntersuchung stellte man tatsächlich Gallensteine fest. Die Magenuntersuchung ergab jedoch keinen Befund. Ich wurde also Mitte Januar 2003 an der Galle operiert und war sehr zuversichtlich, dass dann auch alle anderen Symptome - 8 - verschwinden würden. Anfangs glaubte ich fest daran. Aber als ich schon einige Zeit zu Hause war, immer noch krankgeschrieben, stellte sich keine Besserung ein. Ich konnte weniger essen als vor der OP und machte mir ernstlich Gedanken, weil ich glaubte, etwas "Böses" im Körper zu haben. Weißbrot und Tee wurden zu meiner Hauptmahlzeit. Alles, was ich aß und trank, brachte ich nach kurzer Zeit wieder zur Toilette. Ich wollte und konnte aber mit keinem darüber sprechen, um niemandem meine Ängste aufzudrängen. Jeder glaubte, nach der Gallenoperation wäre nun endlich alles in Ordnung mit mir. Alle - auch ich selber - erwarteten das einfach.

Mein Hausarzt tröstete mich und sagte, es dauere eben etwas länger, aber es komme alles wieder in Ordnung. Über die anderen Symptome sprach ich nicht, versuchte sie zu verdrängen, weil ich einfach nur noch Angst hatte, es könnte etwas Schlimmes sein.
Inzwischen wurde ich krankgeschrieben, weil auch mein Immunsystem mehr und mehr versagte. Ich konnte nicht arbeiten, weil ich zu schwach war. Hinzu kam dann auf
einmal ein schlechtes Gewissen, das mich dauernd ermahnte: Du bist nicht perfekt, es wird aber von dir erwartet! Ich setzte mich selber immer mehr unter Druck, baute körperlich und psychisch weiter ab. Schließlich war ich in keiner Weise mehr belastbar. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Diese Konzentrationsschwäche beeinträchtigte mich zunehmend. Das merkte ich, wenn gelegentlich meine - 9 - Nachbarin oder unsere Schulsekretärin vorbei kamen. Es waren zwar meist nur kurze Besuche, dennoch konnte ich den Gesprächen nicht folgen. Ich fand aber auch nicht den Mut, die jeweilige Unterhaltung zu beenden, weil ich Angst hatte, man könnte mich nicht verstehen. Und so ertrug ich den Schmerz, der sich in Panik, starkem Schwitzen und Übelkeit zeigte. Am Austausch mit meinen Gästen konnte ich mich jedoch kaum beteiligen und war froh, wenn sie schließlich wieder gegangen waren.

Renate. eine liebe Nachbarin, versorgte mich auch mit wunderbarer Literatur, um das Schöne im Leben nicht zu übersehen. Ich versuchte am Tag immer wieder, in eines der Bücher zu schauen und zu lesen. Aber ich konnte mich auf das Geschriebene nicht konzentrieren. Es gelang mir nicht einmal, mich sonst irgendwie abzulenken. Alle meinten es gut mit mir, aber ich verschloss mich immer mehr und war schließlich nicht mehr in der Lage, am normalen Tagesablauf teilzunehmen.
Nachts konnte ich nicht einschlafen und probierte deshalb mehrere Schlafmittel aus, aber wieder half nichts. Stundenlang lag ich wach, grübelte und hatte Angst vor dem nächsten Tag, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Wenn ich dann am Morgen aufstehen musste, war ich schlapp, kraftlos und erschöpft. Zu allem musste ich mich zwingen: Auch die Hausarbeit ging mir nicht mehr von der Hand wie früher. Ich erledigte nur das Nötigste im Haushalt. - 10 -

Meinem Ehepartner gegenüber riss ich mich zusammen, denn ich wollte ihn nicht beunruhigen. Jeden Morgen fragte er mich: "Na, alles in Ordnung?" Und ich erwiderte lächelnd: "Alles okay."
Auch im Hort, bei der Arbeit mit den Kindern, setzte ich mich sehr unter Druck, denn es sollte dort niemand merken, wie schlecht es um mich steht. Ich fing wieder an, fürchterlich zu schwitzen, bekam Herzrasen, musste laufend zur Toilette ... Quälende Magenschmerzen kamen noch hinzu. Ich war total am Ende und wurde von meinem Hausarzt erneut krankgeschrieben. Gleichzeitig bekam ich eine Überweisung zum Internisten zur Magen- und Darmspiegelung.
Bis zu meinem Termin verbrachte ich wieder qualvolle Tage und Nächte, denn dadurch, dass ich nicht zur Arbeit musste, grübelte ich umso mehr. Das Herzrasen, Schwitzen und die Schmerzen in der Brust verstärkten sich, sodass ich glaubte, einen Herzinfarkt zu erleiden. Hinzu kam ein Kribbeln am ganzen Körper, das Schwindelgefühl war auch wieder da, und ich hatte Angst zu ersticken. Sämtliche Untersuchungen verkraftete ich gut. Es gab keinen Befund, der Darm war also in Ordnung. Gott sei Dank. Aber in meinem Magen hatte man das Helicobacter gefunden, eigentlich nichts Schlimmes. Ich musste Tabletten nehmen, um dieses Bakterium auszurotten. Nach ein paar Wochen war mit dem Magen alles wieder in Ordnung. - 11 –
Nur in meinem Kopf kreisten weiterhin die fürchterlichsten Gedanken. Ich hatte große Angst, das Gefühl der Unsicherheit beherrschte mein Denken und meinen Körper. Ich horchte in mich hinein und spürte ganz sicher, dass etwas mit mir nicht in Ordnung war. Ich zog mich immer mehr zurück, wurde in meinem Auftreten zunehmend unsicherer, mein Selbstwertgefühl war völlig cm Boden. Ich fand einfach keine Erklärung dafür, warum mein Körper so reagierte, war wie ausgelaugt. Die Schlaflosigkeit nahm zu. Fortwährend gingen mir beängstigende Gedanken durch den Kopf. Nachts schwitzte ich so stark, dass ich drei- bis viermal die Nachtwäsche wechseln musste. Morgens war ich unausgeschlafen und fühlte mich schlapp. Ich redete aber nicht darüber und überspielte meine Sorgen einige Zeit. Das machte aber alles noch schlimmer. Übelkeit ließ mich morgens erwachen, heftige Magen- und Darmbeschwerden kamen hinzu. Erneut wurde ich krankgeschrieben, und mein Hausarzt schlug mir vor, einen Psychologen aufzusuchen. Ich bekam auch schnell einen Termin bei einer Psychologin, die mit mir zuerst über meine Stimmungsschwankungen sprach. Da sich alles gut anließ, hatte ich zunächst das Gefühl, dass mir geholfen werden könne. Aber ich machte mir das nur vor, denn zu Hause merkte ich: Diese Behandlung ist nicht "das Richtige", zumindest nicht für mich, denn meine Panikattacken und die Angststörungen hielten an.
Herzklopfen, Herzrasen und Beklemmungsgefühle nahmen zu. - 12 -

Mein Mann wurde schließlich zur Psychologin mit eingeladen. Und nun offenbarte sie sich und erklärte,
dass mir die Sitzungen bei ihr nichts bringen, denn ich sei nicht nur krank, sondern schwer krank. Sie könne mir nicht mehr helfen und schlug vor, mich unbedingt in eine Klinik einweisen zu lassen, denn ich brauche umgehend professionelle Hilfe, und zwar rund um die Uhr. Völlig entmutigt verließen wir die Psychologin. Ich war am Ende, denn in die Klinik nach Uchtspringe wollte ich nicht. Mein Mann wusste sich keinen Rat mehr, wie es mit mir weitergehen sollte, denn er war sich darüber bewusst, dass ich mich nicht einweisen lassen würde.

Aber warum wollte ich nicht in die Klinik? Ich war zunächst einfach in großer Sorge, dass man mich auch in einer Klinik nicht therapieren könne. Wenn ich jedoch tiefer in mich hineinhörte, wurde das eigentliche Problem deutlicher, klarer. Ich hätte nämlich fragen müssen: Warum wollte ich nicht in die s e Klinik? Nach Uchtspringe. Dieses Wort "UCHTSPRINGE" war für mich - wie für wahrscheinlich viele andere, nicht informierte Menschen - ein Synonym für Klapse, Irrenanstalt, Idioten und Gummizelle. Da geht man doch nicht hin, jedenfalls nicht freiwillig. Dahin kommt man höchstens, wenn man völlig fertig, am Ende und gänzlich durchgeknallt ist. Gaga: Solche Leute müssen dahin!
Wenn ich von meiner Heimatstadt Gardelegen nach Stendal fahre, komme ich durch Uchtspringe; "Uchte", wie die Leute sagen. Und man sah gelegentlich geistig - 13 - stark behinderte Menschen auf den Straßen.
Ich erinnerte mich an einen Spruch aus früherer Zeit, der lautete:
"Uchtspringe, mach' die Türen auf! Die Irren kommen im Dauerlauf."

Und dorthin sollte ich?   Ausgeschlossen! Ich doch nicht. Ich bin doch nicht verrückt!

Die Assoziationen rund um "Uchtspringe" lösten in mir also größtes Unbehagen aus und alle Symptome der Panikattacken waren sofort wieder da.
In dieser Phase erkannte ich nicht, dass ich genau die Vorurteile entwickelte, die mir später selbst entgegenschlagen sollten: die Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen. Es war Unwissenheit, die meine Furchtsamkeit bestimmte. Und ich war ja sowieso schon so ängstlich!
Mein Mann litt mit mir. Er hatte auch Angst, war ständig in großer Sorge um mich. Immer wieder forderte er mich auf: "Sag mir doch bitte, was du hast! Was bedrückt dich denn? Ich sterbe tausend Tode."

So weit war es mit mir gekommen. Was sollte ich bloß tun? Mein Leben, das ich jetzt führte, war nicht mehr lebenswert. Ich zog mich weiter zurück und war wieder zu Hause. Mein Hausarzt verschrieb mir u.a. "Faustan" - 14 - Tabletten, die ich unbegrenzt nahm, denn ich wollte, dass ich nicht mehr richtig da war: Meine Sinne waren betäubt - für einen kurzen Zeitraum.

Mit meinen Kindern telefonierte ich sehr oft und weinte nur. Damit machte ich sie ebenfalls unglücklich. Sie konnten sich nicht vorstellen, was mit ihrer Mutter geschieht. Meine Tochter Jana kam an einem Wochenende im Oktober 2003 zu uns. Mein Mann holte sie aus Stendal ab. Während seiner kurzen Abwesenheit bekam ich Todesängste, Herzrasen und Beklemmungsgefühle, wie Atemnot, und rief meinen Mann über das Handy an: "Wann seid ihr endlich hier?" Ich konnte nicht im Auto mitfahren, weil ich darin in Panik geriet.

Endlich waren sie da! Ich glaube, meine Tochter erschrak sehr, als sie mich sah. Ich hatte mich verändert, und mein Mann strahlte nur noch Unsicherheit aus.
Nach einem ausgiebigen/liebevollen Gespräch mit meiner Tochter sagte auch sie, dass ich unbedingt zur Therapie nach Uchtspringe gehen solle. Nur dort könne mir von ausgebildeten Therapeuten mit geeigneten Mitteln und Methoden geholfen werden. Sie erinnerte mich daran, dass ich doch von allen sehr geliebt und gebraucht Werde. Mein Leben bekomme dann auch wieder einen Sinn. Ich habe einfach zu lange mit meiner Entscheidung gewartet.

Jana blieb noch einen Tag. Und je näher die Abfahrtszeit kam, umso trauriger wurde ich und weinte bitterlich. Ich - 15 – versprach ihr und meinem Mann, dass wir etwas unternehmen werden. Als sie beide fort waren, überkamen mich wieder die Attacken und ich telefonierte erneut hinterher. Mein Mann fuhr wie der Blitz zurück, um wieder bei mir zu sein. Er war sehr erleichtert, dass ich meiner Tochter versprochen hatte, nach Uchtspringe zu gehen. Aber so richtig war ich selbst noch nicht davon überzeugt. Außerdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass meine Tochter extra meinetwegen aus Berlin kommen musste und sie sich
dieser Belastung ausgesetzt hatte. Mein Lebensmut und meine Kraft hatten mich zu diesem Zeitpunkt völlig verlassen. Ich war einfach mutlos und sagte mir immer, immer wieder: Was soll das alles? Es hat doch keinen Zweck mehr.

Meinem Mann ging es sehr schlecht. Er bekam furchtbare Herzschmerzen. Da begriff ich allmählich, dass es mit mir nicht mehr so weitergehen konnte. Schuldgefühle meinen Mann gegenüber traten ganz stark in den Vordergrund. Wenn mit ihm etwas passiert, bist du schuld daran, dachte ich. Es ist alles meinetwegen, er kann auch nicht mehr weiter. Ich versprach ihm, dass wir am nächsten Tag die Überweisung nach Uchtspringe ausstellen lassen.
Mein Hausarzt kam. Ich lag im Bett, wollte nicht mehr aufstehen und nur noch schlafen. Er gab mir eine Spritze, und ich war wie im Traum. Er hatte die Überweisung - 16 - gebracht, und am nächsten Tag sollte ich in die psychiatrische Klinik nach Uchtspringe fahren. - 17 –
« Letzte Änderung: 02. Februar 2016, 10:48:46 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.