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Autor Thema: Methotrexat zur Chemotherapie bei MSH2-Tumoren?  (Gelesen 3824 mal)

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Offline busymouse

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Methotrexat zur Chemotherapie bei MSH2-Tumoren?
« am: 09. Januar 2010, 15:02:11 »
Methotrexat zur Chemotherapie bei MSH2-Tumoren?

Methotrexat (MTX) ist ein Analogon der Folsäure (Vitamin B9) und wird als Wirkstoff wird als Zytostatikum (Antimetabolit) in der Chemotherapie eingesetzt.

Bisherige Anwendung

Der Einsatz von Methotrexat bei Krebserkrankungen erfolgt fast immer in Kombination mit anderen Zytostatika. Zumeist wird Methotrexat dabei als intravenöse Infusion verabreicht. Subkutane Injektionen und intrathekale Gaben sind aber auch möglich. Methotrexat wird bislang vor allem bei nachfolgenden Krebserkrankungen eingesetzt:

  • Akute lymphatische Leukämie (ALL) – Kinder und Erwachsene
  • Urothelkarzinom der Harnblase
  • Mammakarzinom
  • Medulloblastom, Ependymom – Kinder und Erwachsene
  • Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) – Kinder und Erwachsene
  • Osteosarkom – Kinder und Erwachsene

Bei diesen Tumorerkrankungen wird Methotrexat zumeist hochdosiert als intravenöse Infusion eingesetzt. Eine Verabreichung von Methotrexat in das Nervenwasser (intrathekal) wird entweder zur Vorbeugung oder zur Behandlung eines Befalls des Zentralnervensystems (Gehirn, Rückenmark) durch eine ALL oder ein NHL durchgeführt. Beim Medulloblastom und Ependymom erfolgt der Einsatz von Methotrexat sowohl als intravenöse Infusion als auch als intrathekale Gabe. Beim anaplastischen Astrozytom und Glioblastom im Kindesalter erfolgt eine hochdosierte intravenöse Therapie im Rahmen einer Behandlungsstudie.

In der Dauertherapie der akuten lymphatischen Leukämie sowie bestimmter Non-Hodgkin-Lymphome werden auch Methotrexat-Tabletten verabreicht (1-mal wöchentlich).

Bei Anwendung von hochdosiertem Methotrexat (mehr als 500 mg/m2 KOF) ist die zeitlich in definierten Abständen erfolgende Gabe von Folinsäure (ein Antagonist und Antidot von Methotrexat) zwingend, da ansonsten schwere Komplikationen drohen. Auch niedrig dosiertes Methotrexat erfordert manchmal eine Zusätzliche Therapie mit Folinsäure/ Folsäure. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (meistens intravenös bis zu 3000 ml/m2 KOF/Tag) ist ebenfalls sehr wichtig zur Gewährleistung einer regelrechten Ausscheidung von Methotrexat. Zusätzlich wird der Harn stark alkalisiert, da die Löslichkeit von MTX aufgrund des Glutaminsäurerestes stark pH-abhängig ist. Bei einer Methotrexat-Vergiftung (beispielsweise bei Nicht-Ausscheiden von Methotrexat über die Niere) ist die Gabe des Methotrexat-spaltenden Enzyms Carboxypeptidase G2 erfolgreich. Diese baut MTX durch Abspaltung des Glutaminsäurerestes zu einem Metaboliten ab. Da die Wasserlöslichkeit dieses Metaboliten allerdings auch niedrig ist und weiterhin auch das Antidot Calciumfolinat abgebaut wird, wird diese Notfallbehandlung noch kritisch diskutiert.

(Quelle: Wikipedia)
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Empfehlungen einer britischen Forschungsgruppe

Britische Wissenschaftler haben versucht, Moleküle und Medikamente zu identifizieren, die geeignet scheinen, selektiv Tumorzellen abzutöten, die über ein nicht funktionierendes MSH2-Gen verfügen. Die Forscher stellten fest, dass eine Methotrexat-Behandlung sowohl in MSH2-aktiven als auch in MSH2-inaktiven Zellen potenziell tödliches 8-OHdG anreicherte. Zellen mit MSH2-Aktivität schieden diesen Stoff allerdings sehr schnell wieder aus, während er sich in MSH2-inaktiven Zellen anreicherte.

Infolge ihrer Beobachtungen glauben die Forscher, dass Methotrexat einen besonderen Nutzen für die Behandlung von Patienten hat, deren Tumorgewebe eine MSH2-Mutation aufweist.

Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)