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Autor Thema: Krankenversicherung - Thematik, Richtlinien für Chronisch kranke und mehr Info`s  (Gelesen 32520 mal)

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So kommen Sie zur Haushaltshilfe

aber, nur unter bestimmten Voraussetzungen


Kann sich im Krankheitsfall niemand um Haushalt und Kinder kümmern, finanziert die Krankenkasse eine Unterstützung.

Hinweise
« Letzte Änderung: 04. Februar 2020, 09:26:52 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Laser-Epilation - bei Jugendlichen -

bei starker Beinbehaarung ist keine Kassenleistung


LSG Niedersachsen-Bremen (Az. L 4 KR 457/16)                              
« Letzte Änderung: 25. März 2020, 09:51:19 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Krankenkasse muss rechtzeitig antworten - oder zahlen

Antrag ausfüllen, abschicken, und dann erstmal warten.
Ein Papierkrieg mit der Krankenkasse ist nichts für Ungeduldige.
Ewig Zeit lassen darf sich die Kasse aber nicht - sonst wird es teuer. 

Krankenkassen haben fünf Wochen Zeit, um über Anträge ihrer Mitglieder zu entscheiden.
Wird diese Frist überschritten, gilt der Antrag als genehmigt.
Ein Aufschub ist zwar möglich, muss aber begründet sein und die Form wahren.

Urteil des SG Heilbronn (Az.: S 14 KR 3166/18)

In dem Fall ging es um eine Frau, die nach einer Magenbypass-Operation mehr als 40 Kilogramm abgenommen hatte.
Deshalb beantragte sie nun mehrere Operationen zur Hautstraffung - an Bauch, Brüsten, Oberarmen und Oberschenkeln.     

Den Antrag stellte sie Mitte April 2018.
Ende Mai, also nach mehr als fünf Wochen, teilte die Krankenkasse der Frau mit, dass sie nur für die Hautstraffung am Bauch bezahlen werde.
Die Frau klagte - und gewann.   

Überschreitet eine Krankenkasse die gesetzliche Fünf-Wochen-Frist, gilt eine sogenannte Genehmigungsfiktion
, so das Gericht.
Die Kasse hatte der Frau zwar schon einmal innerhalb der Frist geantwortet und ihr mitgeteilt, dass eine Entscheidung innerhalb der fünf Wochen nicht möglich sei.     

So ein Aufschub sei zwar möglich, so das Gericht.
Allerdings habe die Kasse die nötige Schriftform nicht eingehalten:
Auf dem Schreiben fehlten die Unterschrift und der Name des zuständigen Sachbearbeiters.                               

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2020
« Letzte Änderung: 03. April 2020, 09:25:58 von RalleGA »
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Arzt muss man vertrauen können
Bei vielen Beschwerden untersuchen Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen den Patienten.

Ein Mediziner darf in der Regel auf die Richtigkeit der Befunde des anderen Facharztes, an den er seinen Patienten überwiesen hat, vertrauen. Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt/M., (Az. 8 U 59/17) 

Zwar muss der Arzt prüfen, ob die Befunde des Kollegen plausibel sind und keine offensichtlichen Mängel aufweisen.
Das bedeutet aber nicht, dass eine gegenseitige Überwachungspflicht besteht.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-WOCHE“  August 2020

Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Gesetzliche Krankenversicherung

Fehlendes Fingerendglied ist keine wesentliche Behinderung


kein Anspruch auf Fingerepithese von der Krankenkasse
(Sozialgerichts Mannheim Urteil vom 4. April 2019 -S 15 KR 3170/17;
bestätigt durch LSG Baden-Württemberg, Beschluss vom 7. Mai 2020-L5KR 1875/19)

Bei der inzwischen 30-jährigen Klägerin wurde vor mehr als zehn Jahren nach einem Reitunfall das Endglied des linken Zeigefingers amputiert. Seitdem trägt sie eine so genannte „Epithese“, eine Teilprothese aus Silikon. Weil diese abgenutzt war, stellte sie einen Antrag auf erneute Versorgung mit einer individuell gefertigten Fingerepithese mit Acrylnagel für 1.353,55 €.
Die beklagte Krankenkasse lehnte nach einer Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung das Begehren mit der Begründung ab, ein Hilfsmittel werde nur zum Ausgleich einer Funktionsbehinderung oder bei auffälliger Entstellung bezahlt.
Eine erhebliche Behinderung des linken Zeigefingers liege nicht vor.
Die Prothese sei rein kosmetisch begründet.

Gegen Schmerzen sei ein Fingerkuppenschutz ausreichend.
Die Versorgung in der Vergangenheit sei zu Unrecht erfolgt.
Die Klägerin fand hingegen, die Epithese für die Benutzung der Hand sei notwendig.
Auch stünden ihre Hände bei ihrer Tätigkeit für eine Fluggesellschaft im Bodendienst stets im Blickpunkt.
Sie habe sich seit Jahren an die Fingerepithese gewöhnt.
Das Gericht wies die Klage nach Befragung der behandelnden Ärzte und nach einem orthopädischen Sachverständigengutachten ab.

Entscheidend war, dass der Verlust des Zeigefingerendgliedes allenfalls zu einer ganz geringen Beeinträchtigung der Greif-und Haltefunktion der Hände führt, die mit der Epithese gar nicht ausgeglichen wird.
Der Verlust des Zeigefingerendgliedes ist auch keine außergewöhnliche Auffälligkeit, sondern nur eine kleine ästhetische Unregelmäßigkeit.
Deren Beseitigung fällt daher in den Bereich der Eigenverantwortung.
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Gesetzliche Krankenversicherung

E-Roller ist kein Rollstuhlersatz


Klar, Menschen mit einer Gehbehinderung brauchen nicht immer einen Rollstuhl.
So nutzte ein 80-Jähriger aus Niedersachsen etwa einen E-Roller als Hilfsmittel.
Die Krankenkasse lehnte eine Kostenübernahme jedoch ab.

Zu Recht?

Für seinen neuen Elektroroller bekommt ein 80-Jähriger aus Niedersachsen keine Beihilfe von der Krankenkasse.
Bereits der Name "Eco-Fun" zeige, dass es sich um ein Freizeitgerät handele, das nicht für behinderte Menschen konzipiert sei.
LSG Niedersachsen-Bremen (Az.: L 16 KR 151/20)
Der Roller ist demnach kein Hilfsmittel der Gesetzlichen Krankenversicherung.     

Fall:

Geklagt hatte ein 80-jähriger, gehbehinderter Mann aus dem Landkreis Celle, der eine Beihilfe für einen klappbaren E-Roller mit Sattel wollte. Eine Versorgung mit einem Elektrorollstuhl lehnte er ab.

Dem älteren Herrn sei wichtig gewesen, so das Gericht, dass das Gerät transportabel sei und er es so auch in den Urlaub und auf Busreisen mitnehmen könne.
Sein Auto und Carport seien für ein großes und schweres Hilfsmittel wie einen Elektrorollstuhl ungeeignet.
Das SG bestätigte aber die Sicht der Krankenkasse.
Der Roller sei kein Hilfsmittel, sondern ein Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens.
Außerdem habe der Mann den gesetzlichen Beschaffungsweg nicht eingehalten, da er den Roller schon vor der Entscheidung der Krankenkasse bestellt und sie damit vor vollendete Tatsachen gestellt habe.   :-[

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  September 2020
« Letzte Änderung: 01. Februar 2021, 15:07:34 von RalleGA »
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