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Autor Thema: Frontalhirnsyndrom  (Gelesen 16675 mal)

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Offline busymouse

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Frontalhirnsyndrom
« am: 16. Mai 2009, 15:17:20 »
Frontalhirnsyndrom

Das so genannte Frontalhirnsyndrom bezeichnet keine seltene Krankheit, aber ein uneinheitliches Störungsbild, zu dem es auch im Rahmen seltener Krankheiten kommen kann.

Läsionen präfrontaler Gehirnabschnitte können zu einem sog. „Frontalhirnsyndrom“ oder „Dysexekutiven Syndrom“ führen. Dabei handelt es sich jedoch um keine genau definierte Symptomkonstellation, sondern um ein sehr heterogenes Krankheitsbild unterschiedlichster Störungen, das von Patient zu Patient extrem verschieden sein kann. Daher ist die Begrifflichkeit „Frontalhirnsyndrom“ aktuell nicht befriedigend. Vorzuziehen ist eher eine Beschreibung der Symptomkonstellation (siehe unten).

Allgemein schreibt man dem präfrontalen Kortex eine Analyse- und Überwachungsfunktion zu. Daher wurde für ihn auch der Begriff „supervisory attentional system“ (SAS) eingeführt. Es besteht ein dichtes Netzwerk zu vielen anderen Hirnteilen. Auf diese Weise können unterschiedlichste Informationen analysiert, bewertet, „verrechnet“ und die Ergebnisse wieder zurück gesendet werden - ähnlich dem zentralen Prozessors (CPU) eines Computers. Aufgrund der zahlreichen präfrontalen Verbindungen ("Projektionen") zu anderen Gehirnstrukturen können auch Läsionen in anderen Hirnabschnitten zu einem Dysexekutiven Syndrom führen, z. B. Thalamus, kortikale oder subkortikale limbische Strukturen, Basalganglien.

Man unterscheidet zwei Bereiche des präfrontalen Kortex (PFK).
  • dorsolateraler präfrontaler Kortex: hier befinden sich vorwiegend kognitive Funktionen, z. B. problemlösendes Denken oder Vorausplanen (Intelligenz).
  • orbitofrontaler Kortex: dieser Hirnteil wird mit der Regulation emotionaler Prozesse und Persönlichkeitseigenschaften in Verbindung gebracht.
Allgemein hat der PFK die Funktion, das Verhalten des Menschen flexibel und zweckmäßig an neue Anforderungen des Lebens anzupassen.

Sowohl der Begriff "Dysexekutives Syndrom" als auch die Bezeichnung "Frontalhirnsyndrom" sind in der Fachwelt umstritten. Eine Gleichsetzung sollte auf jeden Fall vermieden werden, da beide Begriffe unterschiedliche Intentionen haben. So zielt die Bezeichnung "Dysexekutives Syndrom" auf Störungen von diversen kognitiven Funktionen, während die Bezeichnung "Frontalhirnsyndrom" die Lokalisation einer Schädigung angibt. Bei Schäden im Frontalhirn müssen aber nicht in jedem Fall exekutive Funktionen betroffen sein, und zu Störungen exekutiver Funktionen kommt es nicht nur bei Schäden im Frontalhirn, da auch die ungestörte Funktionsfähigkeit anderer Bereiche des Gehirns (z. B. der Thalamus) für die exekutiven Funktionen erforderlich ist.

Kognitive Störungen nach Schädigung des dorsolateralen Kortex

Das Supervisory Attentional System (SAS) ist nicht mehr dazu in der Lage, Handlungen des Menschen flexibel auf neue Situationen einzustellen (kognitive Flexibilität). Das problemlösende Denken und eine vorausschauende Handlungsplanung sind z.T. massiv gestört. Irrelevante (Umwelt-)Reize können nicht mehr von relevanten unterschieden werden. Es findet keine ausreichende Analyse mehr statt. Bei Routinehandlungen dagegen zeigen sich in der Regel keinerlei Probleme. "Frontalhirn"geschädigte sind hier zumeist unauffällig: z. B. Einkaufen von alltäglichen Dingen, Frühstück oder Abendessen richten, Wahrnehmen von Arztterminen usw.

Folgende kognitive Störungen können im Rahmen eines dysexekutiven Syndroms auftreten und mit unterschiedlichen Tests erfasst werden:

  • unzureichende Problemanalyse
  • unzureichende Extraktion relevanter Merkmale
  • unzureichende Produktion von Ideen
  • Haften an (irrelevanten) Details
  • mangelnde Umstellungsfähigkeit und Hang zu Perseverationen
  • Regelverstöße
  • Einsatz planungsirrelevanter Routinehandlungen
  • verminderte Plausibilitätskontrollen
  • keine systematische Fehlersuche
  • Alternativpläne werden kaum entwickelt
  • handlungsleitendes Konzept geht verloren
  • Schwierigkeiten beim gleichzeitigen Beachten mehrerer Informationen (Arbeitsgedächtnis)
  • Handlungskonsequenzen werden nicht vorhergesehen
  • kein Lernen aus Fehlern
  • vorschnelles Handeln
  • rasches Aufgeben bei Handlungsbarrieren

Mögliche Verhaltensstörungen nach Schädigung des orbitofrontalen Kortex

Bei Schädigungen des orbitofrontalen Kortex oder damit assoziierter Hirnareale kann es zu unterschiedlichen Verhaltensauffälligkeiten kommen. Man spricht auch von neuropsychiatrischen Störungen. Die Fachliteratur unterscheidet zwischen inhibitorischen und disinhibitorischen Symptomen. Diese können wiederum auf verschiedenen Ebenen beschrieben werden. Welche Symptomkonstellation auftritt, hängt von Ausmaß und Art der frontalen Hirnschädigung ab. Als grobe Unterteilung gilt die Unterscheidung eines oberen gegenüber einem unteren Frontalhirnsyndrom, wobei das obere Frontalhirnsyndrom im wesentlichen durch die Antriebsarmut gekennzeichnet ist (inhibitorisch), während sich das untere Frontalhirnsyndrom hauptsächlich durch Störungen des Affekts und der Kritikfähigkeit auszeichnet (disinhibiorisch).

Depressiv-inhibitorischer Symptom-Komplex
  • motorisch
    • motorische Verlangsamung
    • Sprechverarmung
  • sensorisch
    • mangelnde Reagibilität auf Umgebungsreize
  • emotional-affektiv
    • depressive Grundstimmung
    • geringes Selbstwertgefühl
    • Selbstablehnung
    • Gefühllosigkeit
  • Behavioral
    • Appetit- und Gewichtsverlust
    • Energie- und Interessenverlust
    • sozialer Rückzug
  • kognitiv
    • Entscheidungsunfähigkeit
    • "Pseudodemenz"
    • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • biozyklisch
    • Schlafstörungen
    • Müdigkeit

Disinhibitorischer Symptom-Komplex
  • motorisch
    • Hyperaktivität
    • motorische Unruhe
    • gesteigerte Sprechaktivität (Logorrhöe)
  • sensorisch
    • Halluzinationen
  • emotional-affektiv
    • manische, euphorische Grundstimmung
    • paranoide Wahnvorstellungen
    • Selbstüberschätzung
    • Größenwahn
    • Aggressionsausbrüche
    • pathologisches Lachen und Weinen
  • Behavioral
    • Hyperphagie
    • orales Explorationsverhalten
    • Hypersexualität
    • ungerichtete Aktivitätssteigerung
    • Distanzlosigkeit, Kritiklosigkeit
    • Nichtbeachtung sozialer Konventionen
  • kognitiv
    • verstärkte Ablenkbarkeit
    • Ideenflucht
    • Aufmerksamkeits-, Konzentrationsstörungen
  • biozyklisch
    • vermindertes Schlafbedürfnis

(Quelle: Wikipedia)

Weblinks

>>> Neuropsychologische Therapie der Frontalhirnstörungen: Therapieprogramme
>>> Leitlinie: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns

Hier sucht Sandra nach anderen Betroffenen:
>>> Orpha Selbsthilfe
... wird noch ergänzt
« Letzte Änderung: 23. Mai 2009, 17:18:18 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline BETTINA

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Re: Frontalhirnsyndrom
« Antwort #1 am: 01. Mai 2018, 12:13:01 »
Hatte 2007 Meningeomope ging 10 Jahre gut.
Leider hat mich jetzt das Frontalhirnsyndrom mit Apathie Gedächtnisstörung erwischt .

Weiss jemand einen Rat?  :anbet  :?]

Dankeschön
« Letzte Änderung: 01. Mai 2018, 15:35:44 von RalleGA »