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Autor Thema: Pflegebedürftigkeit (Stand Mai 2012)  (Gelesen 3421 mal)

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Offline busymouse

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Pflegebedürftigkeit (Stand Mai 2012)
« am: 16. Juli 2008, 16:22:01 »
Pflegebedürftigkeit

Gesetzliches Verständnis von Pflegebedürftigkeit in Deutschland

Die sozialpolitisch größte Bedeutung hat die 1995 eingeführtePflegeversicherung mit einem Leistungsvolumen von über 17 Mrd. € im Jahre 2005. In Deutschland war zuvor der Begriff Pflegebedürftigkeit in verschiedenen Gesetzen etwas unterschiedlich definiert; in der Hilfe zur Pflege der Sozialhilfe und im Bundesversorgungsgesetz wurde er im Jahre 1995 an die Definition des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) angenähert.

Die Begrifflichkeit der "Pflegestufen" richtet sich in der Pflegeversicherung nach dem pflegerischen und dem hauswirtschaftlichen Hilfebedarf von mindestens 90 Minuten pro Tag (Stufe I) bzw. mindestens 180 Minuten pro Tag (Stufe II) usw. (siehe Antragstellung und Pflegegutachten). Die Leistung der Sozialhilfe muss allerdings unabhängig von der Einstufung der Pflegeversicherung und deren Zeitlimits greifen, wenn die finanziellen Voraussetzungen bei der betroffenen Person vorliegen.

Die von 1991 bis 1995 bestehenden Leistungen bei Schwerpflegebedürftigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 53 ff. SGB V (alte Fassung) führten u. a. wegen eines vom Gesetzgeber nicht klar definierten Pflegebegriffs zu einer Reihe von Problemen.

Leistungen bei Pflegebedürftigkeit sind daneben u.a. in folgenden Gesetzen geregelt:

  • Hilfe zur Pflege der Sozialhilfe nach §§ 61 ff. SGB XII,
  • Hilfe zur Pflege nach § 26c des Bundesversorgungsgesetz,
  • Entschädigungsleistungen („Pflegezulage“) nach § 35 Bundesversorgungsgesetz bzw. den Gesetzen, die eine entsprechende Anwendung des Bundesversorgungsgesetz vorsehen,
  • Leistungen bei Pflegebedürftigkeit der gesetzlichen Unfallversicherung in § 44 (im fünften Abschnitt des SGB VII).

Pflegewissenschaftliches Verständnis von Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftigkeit stellt ein multifaktorielles Geschehen dar. Die Ursachen sind vielfältig und können nicht immer von der einzelnen Person beeinflusst werden. Pflegebedürftigkeit weist verschiedene Dimensionen auf:

  • Soziale Dimension: Pflegebedürftigkeit kann nicht nur bei den betroffenen Personen zur Isolierung führen. Die Versorgung pflegebedürftiger Personen wird in der Regel von Angehörigen geleistet, vor allem von Frauen (Töchter, Ehefrauen etc.). Dies kann geschehen aus dem Bedürfnis, von der pflegebedürftigen Person in der Vergangenheit erhaltene Zuwendung (Ehe, Erziehung) „zurückzugeben“. Auch kann eine Motivation das Erhalten von Lob, Zuwendung und Belohnung sein (durch die betroffene Person oder das nähere Umfeld). Die pflegebedürftige Person selbst kann sich selbständig kaum vor sozialer Isolierung bewahren, wenn die Mobilität oder andere körperliche Beeinträchtigungen ein Verlassen der Wohnung nicht zulassen. Die Wohnung aufsuchende Menschen sind oft das einzige Bindeglied zur Welt „dort draußen“ (Angehörige, Pflegedienst).
  • Ökonomische Dimension: Pflegebedürftigkeit ist teuer. Eigenmittel sind in oft nicht geringer Menge aufzuwenden. Da das Risiko, pflegebedürftig zu werden, ab dem Rentenalter stetig stärker zunimmt und entsprechendes Einkommen außerhalb von Rentenbezügen zumeist nicht vorliegt, kann Pflegebedürftigkeit zur Verarmung führen. Die Kosten für Pflegeleistungen sind auch in Deutschland nicht vollständig durch die Pflegeversicherung abgedeckt.
  • Psychische Dimension: Die Erfahrung, pflegebedürftig zu werden, ist eine existenzielle Erfahrung für Menschen. Ist es bereits für den „normal alternden“ Menschen eine Belastung, Veränderungen des Körpers und damit der Attraktivität und Leistungsfähigkeit zu beobachten, so können die immensen und dauerhaften Einschränkungen durch Pflegebedürftigkeit eine lebensentmutigende Auswirkung haben.
  • Gesellschaftliche Dimension: Das Risiko, pflegebedürftig zu werden, ist für jeden Menschen vorhanden. Aufgrund der Entwicklungen der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass unterstützende und kompensatorische Pflege Geld kostet, egal ob sie in der eigenen Wohnung oder in einer pflegenden Institution (Pflegeheim) erbracht wird. Entsprechende Geldreserven sind dafür anzulegen (Versicherung). Wissenschaftliche Studien führen zu Erkenntnissen, was jeder Einzelne dazu beitragen kann, das Risiko von Pflegebedürftigkeit zu minimieren. Dies betrifft nicht nur alte Menschen, sondern jeden. Es ist deutlich, dass eine aktive und gesunde Lebensführung das Risiko vermindern kann. Hierzu sind neben staatlichen Förderprogrammen Initiativen in den Städten und Gemeinden erforderlich, um ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Verschiedene pflegewissenschaftliche Projekte versuchen Möglichkeiten zu finden, wie das Risiko, pflegebedürftig zu werden, minimiert und wie das Eintreten von Pflegebedürftigkeit hinausgezögert werden kann. Es wird untersucht, wie die Leistungen der Pflege in einem realistischen Maß entgolten werden können, da auch die Leistungen der deutschen Pflegeversicherung noch nicht die realen Notwendigkeiten abbildet.

Quelle: Wikipedia

Eine Neudefinition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs wurde von verschiedenen Stellen, u.a. den Krankenkassen, aktuell mehrfach angemahnt. Bereits 2009 hatte eine Expertenkommission eine entsprechende Empfehlung abgegeben. Einer der Gründe: Der Pflegebedürftigkeitsbegriff ist derzeit ausschließlich auf körperliche Gebrechen ausgerichtet.

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Änderungen:
18.05.2012 - Aktualisierung
« Letzte Änderung: 18. Mai 2012, 00:13:01 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)