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Autor Thema: Behandlung von Lebermetastasen  (Gelesen 55387 mal)

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Behandlung von Lebermetastasen
« am: 28. Mai 2007, 14:30:28 »
Lebermetastasen

Eine Lebermetastase (Leberfilia) ist die bösartige (maligne) Tochtergeschwulst eines außerhalb der Leber gewachsenen Ursprungstumors (Primärtumor). Lebermetastasen entstehen also aus Zellen anderer Gewebe, die über Blut- oder Lymphbahn in die Leber gelangt sind. Im Gegensatz dazu bezeichnet man Tumoren, die aus Leberzellen wachsen als Leberkrebs. Lebermetastasen können einzeln (solitär) vorliegen, aber die Leber auch mit vielen (multiplen) Metastasen durchsetzen.

Lebermetastasen sind mit 45 Prozent die häufigsten malignen (bösartigen) Lebertumoren. Primärtumor dieser Metastasen sind in 66 Prozent der Fälle Adenokarzinome des Gastrointestinaltraktes (Verdauungsapparates).[1] Aber auch bei Lungenkrebs, Brustkrebs (Mammakarzinom), Schilddrüsenkrebs und bei anderen Krebsarten kann es zu Lebermetastasen kommen.

Symptome

Lebermetastasen machen anfangs keine oder nur geringe Beschwerden. Die Frühsymptome sind meist relativ unspezifisch. Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, allgemeine Magen-Darm-Beschwerden, starkes nächtliches Schwitzen und allgemeine Schwäche können, müssen aber nicht, Anzeichen für Lebermetastasen sein. Bei ausgedehntem, zunehmendem Befall der Leber kommt es zu einer Gelbfärbung der Haut (Gelbsucht, Ikterus), weil Bilirubin (ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin) vermindert über die Leber ausgeschieden und zunehmend in die Haut einlagert wird. Daneben kann es in fortgeschrittenem Stadium zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum kommen (Bauchwassersucht, Aszites), die sich als Schwellung des Bauches (Abdomen) bemerkbar machen kann.

Lebermetastasen wachsen häufig schmerzfrei. Gelegentlich werden aber auch Druckschmerzen im rechten oder mittleren Oberbauch beschrieben.

Diagnose

Erste Hinweise auf Lebermetastasen ergeben sich oft schon per Tastuntersuchung des Bauches sowie im Rahmen von Blutuntersuchungen. Der Nachweis von Lebermetastasen erfolgt zumeist mittels Ultraschall (Sonographie), Computertomographie (CT) oder Kernspintomografie. Mitunter wird die Diagnose während der Operation eines Primärtumors gestellt. In seltenen Fällen werden Lebermetastasen auch eher gefunden als der Ursprungstumor, von dem sie sich abgesiedelt haben.

Therapie
 
Isolierte Lebermetastasen können häufig gut operiert werden, doch ist das nicht in jedem Fall möglich. So war die Lebermetastase meines Vaters beispielsweise unmittelbar ins Zwerchfell eingewachsen und dadurch inoperabel. Mitunter sind auch einfach zu viele Metastasen vorhanden, so dass nicht alle entfernt werden können. Häufig kommen immer noch herkömmliche palliative Chemotherapien zum Einsatz, deren Erfolge bei HNPCC-Patienten oft kaum als lebensverlängernd bezeichnet werden können. Nichtsdestotrotz ist es für den Betroffenen oftmals der letzte Strohhalm. Wer möchte schon etwas unversucht lassen?

Momentan wird nach neuen Verfahren gesucht, die in diesen Fällen hilfreich sein könnten. Für viele der neuen Verfahren fehlen bislang noch Langzeitstudien, bei einigen geht man davon aus, dass sie zwar hilfreich sein können, aber nicht wirklich kurativ (endgültig Heilung bringend). Bei einigen bisherigen Ergebnissen hinsichtlich einer Behandlung von Leberkrebs (der anders ist als Darmkrebs-Metastasen in der Leber) wird die Übertragbarkeit auf Darmkrebs-Metastasen vermutet.

Auflistung von Behandlungsmethoden

Operation

Einzelne Lebermetastasen können mit der Aussicht auf Heilung (R0-Resektion) chirurgisch entfernt werden. Wenn sich mehrere Metastasen auf einzelne Leberabschnitte beschränken, kann auch durch eine teilweise Entfernung der Leber (Leberteilresektion) ein Heilungserfolg erzielt werden. Kleinere Metastasen werden mitunter auch einer minimal-invasive radiologischen Behandlung unterzogen.

Die Wiederauftretensrate von Lebermetastasen nach potenziell kurativer R0-Resektion liegt bei über 50 Prozent. Nur 10 - 20 Prozent dieser Rezidive können erneut operiert werden.[2]

Nach bisherigen Erfahrungen beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer chirurgischen Entfernung von Leber- und/oder Lungenmetastasen 20 bis 30 Prozent.[3] Bleiben inoperable Lebermetastasen unbehandelt, beträgt die durchschnittliche Überlebenszeit wenige Monate. Nur einzelne Patienten überleben unbehandelt zwei Jahre.[2]

Chemotherapie

Bei der systemischen Chemotherapie bekommt der Patient die Krebsmedikamente (Zellgifte, Zytostatika) in eine Vene am Arm injiziert. Häufig wird dafür ein spezielles Zugangssystem, ein so genannter Port, in eine zentrale Vene im Brustbereich gelegt.[3]

Werden die Krebsmedikamente dagegen über einen operativ direkt zur Metastase verbrachten Katheter in die Leberarterie, gegeben, spricht man von regionaler Chemotherapie. Die Medikamente entfalten ihre Wirkung dann vor allem lokal und belasten weniger den ganzen Körper.[3]

Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Bei Lebermetastasen fließt bis zu 95 Prozent des Blutes über die Leberarterien. Diese Tatsache nutzt die transarterielle Chemoembolisation (TACE) durch Kombination einer lokalen Chemotherapie mit einer arteriellen Okklusion (Gefäßverschluss). Auch wenn wiederholte Anwendungen die Effektivität der TACE steigern, ist ein vollständiger Niedergang des Tumors nicht zu erwarten. Entsprechend liegen die mittleren Überlebensraten bei den berichteten sehr kleinen Patientengruppen mit colorektalen Lebermetastasen nur zwischen 7 und 23 Monaten.[2]

Stereotaktische Bestrahlung

Eine Bestrahlungsform, bei der die Röntgenstrahlen genau im Tumor gebündelt werden. Das Verfahren ist vermutlich für umliegende Gefäße und Gewebe schonender als bisherige Bestrahlungen, befindet sich aber noch im Studienstatus.

Typische Nebenwirkungen der Behandlung sind Fieber mit Schüttelfrost für wenige Tage, leichte Übelkeit und Appetitlosigkeit oder ein vorübergehender Schluckauf, eine Gastritis oder in seltenen Fällen ein Geschwür des Zwölffinderdarms.[4]

Laser-induzierte interstitielle Thermotherapie (LITT)

Ein Glasfaser-Lichtleiter wird in einem kleinen Eingriff durch die Bauchwand ins Tumorgewebe vorgeschoben. Dazu ist meist keine Vollnarkose nötig. An der Spitze des Lichtleiters entstehen gewebszerstörende Temperaturen von über 100 Grad Celsius. Die LITT kommt in Frage, wenn nicht mehr als fünf Metastasen von maximal fünf Zentimeter Durchmesser in der Leber gefunden wurden, wenn nach einer Metastasen-Operation erneut Metastasen auftreten, wenn Metastasen trotz Chemotherapie weiter wachsen, wenn beide Leberlappen befallen sind und auch wenn eine Operation oder Chemotherapie nicht möglich ist. Pro Sitzung können ein bis zwei Metastasen behandelt werden.[3]

Radiofrequenzinduzierte Thermoablation (RFA/RFTA)

Hier wird eine Nadelelektrode unter Sichtkontrolle (Ultraschall oder Computertomographie) in den zu behandelnden Tumor oder die Metastase eingeführt. Durch Anlegen einer Stromspannung zwischen der Nadelelektrode und einer am Bein des Patienten angebrachten Neutralelektrode kommt es zu starker Wärmeentwicklung an der Nadelelektrode im Tumor. Bei Temperaturen über 60° C kommt es zu direkter Zellschädigung und Koagulationsnekrose. Durch Zerstörung bzw. Thrombosierung kleinerer Gefäße wird darüber hinaus insbesondere im Randbereich eine Devitalisierung durch Ischämie erzielt.[2]

Wenn eine behandelte Metastase mit der Radiofrequenztherapie wirklich vollständig entfernt wurde, ist damit ein Wiederauftreten dieser Metastase bei 55 bis 85 Prozent der behandelten Patienten verhindert. Die RFTA kann bei Metastasen bis zu 4 cm Größe Anwendung finden.[3]

Kryotherapie

Zerstörung von Lebermetastasen durch Kälte: Über eine oder mehrere Sonden wird flüssiger Stickstoff direkt in die zu behandelnde Metastase geleitet, der Temperaturen von bis zu minus 150 Grad Celsius erzeugt. Pro Tumor sind ein bis drei Gefrierzyklen erforderlich. Die Methode, die in der Regel in Vollnarkose durchgeführt wird, kann auch mit anschließender operativen Entfernung der Metastase verbunden werden. Die Kryotherapie findet insbesondere bei großen Metastasen Verwendung.[3]

Perkutane Ethanol-Injektion (PEI)

Nach perkutaner Injektion diffundiert hochprozentiger Alkohol in das Tumorgewebe und erzeugt lokal eine Koagulationsnekrose. Die Schädigung der Tumorzellen erfolgt auch indirekt durch Thrombose der kleinen tumorversorgenden Gefäße mit nachfolgender Ischämie. Der toxische Effekt des Alkohols wurde histologisch im Tierversuch und bei Patienten mit Hepatozellulärem Karzinom (HCC) demonstriert. Es liegen inzwischen Daten von mehreren tausend PEI- Behandlungen bei HCC- Patienten vor. In zahlreichen, allerdings retrospektiven Studien konnte die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode durch eine Verbesserung der Überlebensraten gezeigt werden. Die einfach durchzuführende und kostengünstige PEI ist bei Patienten mit maximal drei Tumorherden mit einem Durchmesser bis zu 5 cm (besser <3 cm) bei guter Leberfunktion indiziert.[5]

Bei Lebermetastasen, die infolge von Darmkrebs in der Leber entstanden sind, wird in der Regel aber nur ein Teil der Krebszellen zerstört.

(Alternativ zur Alkoholinjektion bei der lokalen Behandlung des HCC wird auch die perkutane Injektion von heißer Kochsalz- Lösung oder Essigsäure durchgeführt. Der therapeutische Effekt scheint dem der PEI sehr ähnlich zu sein.)

Selektive Interne Radiotherapie (SIRT)

Die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) ist eine gezielte Strahlenbehandlung, mit der Lebermetastasen und Lebertumoren behandelt werden können. Dazu wird über die Leistenarterie ein Katheter in die Arterie der Leber geschoben. Hierüber verabreichen die Ärzte so genannte „Mikrosphären“, kleine Partikel, die einen radioaktiven Stoff (Yttrium-90) enthalten. Die Partikel werden mit dem Blutstrom in direkt in die Metastase geschwemmt, wo sie in den kleinsten Gefäßen hängen bleiben. Durch die Verstopfung (Embolisation) der kleinen Blutgefäße wird einerseits die Durchblutung der Metastase behindert, andererseits wirkt jetzt die Strahlung von den Mikrosphären direkt auf die Lebermetastase. Mit der SIRT wird im Allgemeinen eine Verkleinerung der Tumoren und eine Hemmung von deren Stoffwechselaktivität erreicht, aber keine Heilung. Seit 2006 übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Behandlungskosten für eine SIRT.[3]

Behandlung mit speziellen Virusstämmen

Im Kampf gegen Lebermetastasen zeigte ein spezielles Herpes-Virus erste Erfolge bei Dickdarmkrebspatienten. Direkt ins Blut gespritzt soll das Virus bösartige Zellen zerstört haben, ohne gesunde Zellen zu gefährden. Dieses Verfahren befindet sich derzeit noch im Anfangsstadium der Forschung.[6]

Literatur

Matthias Birth: Lebermetastasen. Aus der Reihe: UNI-MED Science. Uni-Med, Bremen; 2007. ISBN 3895999342 (Buch für Ärzte)

Quellen

[1] Hans C. Spangenberg: Der Leberrundherd. Dtsch Arztebl 2007; 104(33): A-2279 / B-2020 / C-1952
Matthias Birth: Aktuelle interventionelle Therapieoptionen bei irresektablen Lebermetastasen. Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 2/2003, S. 63-69.
[3] Felix Burda Stiftung
[4] TU München, Klinik für Strahlentherapie
[5] Der Arzneimittelbrief. Jg. 1997, Ausg. 9, S. 65
[6]   wissenschaft.de, 10.07.2007

Weblinks


News

16.04.2010
Studie: Cyberknife gute Behandlungsoption bei Patienten mit Lebermetastasen des Kolorektalen Karzinoms

Die Ergebnisse einer neuen Studie zur Behandlung von Metastasen in der Leber ausgehend von einem Primärtumor im Darm zeigen, dass Cyberknife eine weitere Behandlungsoption darstellt. Diese kann in Ergänzung zur Chemotherapie erfolgen oder auch bei inoperablen Metastasen im Allgemeinen.

www.journalonko.de
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Änderungen:
21.06.2009 - Linkaktualisierung
14.09.2009 - Weblink hinzugefügt
22.06.2010 - News hinzugefügt
16.05.2012 - Linkaktualisierung
« Letzte Änderung: 16. Mai 2012, 14:43:01 von busymouse »
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Re: Behandlung von Lebermetastasen
« Antwort #1 am: 09. Juli 2007, 17:52:14 »
Hallo @all,

im Darmkrebs-Forum der Felix-Burda-Stiftung berichtete vor Kurzem eine Frau über die aussichtslose Situation ihrer Mutter, die von den Ärzten aufgegeben wurde. Ihre Lebermetastasen galten als inoperabel. Nach Austausch im Forum wendete sich die Familie an Dr. Birth in Stralsund. Heute eröffnete die Tochter dort einen neuen Beitrag, den ich lesenswert finde. Klickst doch mal drauf:

Die Leberop war erfolgreich

 :) Grüssi Birgit
« Letzte Änderung: 28. Mai 2009, 15:40:34 von busymouse »
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Mit Herpes gegen Lebermetastasen
« Antwort #2 am: 10. Juli 2007, 10:39:11 »
10.07.2007
Mit Herpes gegen Lebermetastasen
Behandlung mit speziellen Virusstämmen zeigt erste Erfolge

Im Kampf gegen Metastasen zeigt ein spezielles Herpes-Virus erste Erfolge bei Dickdarmkrebspatienten. Direkt ins Blut gespritzt zerstört das Virus ausschließlich bösartige Zellen, ohne gesunde zu gefährden, berichtete Axel Mescheder vom Biotechnologie-Unternehmen MediGene auf einer Tagung der Europäischen Gesellschaft für Internistische Onkologie (ESMO).

Lesen Sie hier den ganzen Text: wissenschaft.de
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