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Autor Thema: Endoskopie  (Gelesen 11408 mal)

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Offline busymouse

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Endoskopie
« am: 17. Mai 2007, 22:29:10 »
Endoskopie

Medizinische Endoskope haben die Untersuchung des Magen-Darmtraktes, der Lunge und auch der Gebärmutter revolutioniert. Sogar der Tränennasengang kann endoskopisch untersucht werden. Die ältesten und einfachsten noch im Gebrauch befindlichen Endoskope bestehen aus einem starren Rohr, durch welches das notwendige Licht hineingespiegelt wird und wodurch man mit dem bloßen Auge sieht. Daher spricht man volkstümlich von „Spiegelung“. Die längeren Geräte waren zusätzlich mit Linsen in einem Schlauch am vorderen Ende ausgestattet und ermöglichten erstmals passiv geringe Bewegungen.

Eine erste Weiterentwicklung bestand darin, ortsfern erzeugtes Licht mit Glasfaserbündeln an die Rohrspitze zu bringen. Der nächste Entwicklungsschritt war, auch die Bildinformation über flexible, geordnete Glasfaserbündel, die Bildleiter, zum Auge des Untersuchers zu übertragen. Erst hiermit wurde das Endoskop wirklich flexibel. Die aktive Steuerung des Gerätes erfolgt seither über vier eingearbeitete Bowdenzüge.

Flexibles Endoskop (Flexoskop)
Foto: Wikipedia

Eine medizinische Endoskopieeinheit umfasst zudem zwingend:
  • Einen Luftinsufflator oder eine Gaspumpe zum dosierten Aufblasen von Hohlorganen oder Körperhöhlen (Bauchhöhle), bei denen sonst die Wände auf die Optik fallen oder Details in Falten verdeckt würden. Im einfachsten Fall ist dies ein Gummiballon mit Ventil (bei der Rektoskopie, siehe unten), der von Hand betätigt wird. Bei flexiblen Endoskopien (Gastroskopie beispielsweise) wird eine drucklimitierte Pumpe verwendet und das Einblasen der Luft vom Endoskopiker mittels Fingerventilen bewirkt. Bei der Bauchhöhlenspiegelung hingegen benutzt man mengen- und drucklimitiert geregelte Automaten und zur Vermeidung einer Luftembolie wird CO2-Gas anstelle von Luft eingeblasen.
  • Einen Irrigator: Im einfachsten Falle eine mit Kochsalzlösung gefüllte Spritze oder Infusionsflasche.
  • Eine Absaugpumpe für Schleim und andere unerwünschte flüssige Inhalte der Hohlorgane.

und bedarfsweise:
  • Einen Koagulator zur Blutstillung.
  • Flexible Werkzeuge, die über Arbeitskanäle eingebracht werden
    • Greif- oder Schneidwerkzeugen zwecks Gewinnung von Gewebeproben
    • Kanülen zur Injektion
    • Drahtelektroden zur Koagulation mit elektrischem Strom.

Heutzutage wird, vor allem unter stationären Bedingungen, das Bild nicht mehr direkt mit dem Auge (weder am starren Rohrendoskop, noch am Okular des flexiblen Endoskops) betrachtet, sondern an einem oder mehreren modernen Monitoren, die die Farbinformation möglichst wenig verfälschen, und die die Arbeit und das Lehren (Kibitzen) ohne Qualitätsverlust bei Tageslicht ermöglichen. Dadurch eröffnet sich zusätzlich auch die Möglichkeit der Aufzeichnung auf Videoträger oder eine Übertragung in Hörsäle.

Eine interessante neuere Entwicklung ist die >>> Kamerapille (Pillcam) oder Kapselendoskopie: Eine Minikamera, die peroral in Form einer Pille eingenommen und durch die natürliche Peristaltik durch den Verdauungstrakt transportiert wird, nimmt in fortlaufender Serie Aufnahmen des Darms auf. Die Kapsel ist für den Einweggebrauch (once disposable) konzipiert. Diese Technik wie auch die Auswertung sind aufwendig, aber im Falle verborgener Blutungen oder kleiner Tumore im Dünndarm als „ultima ratio“ äußerst hilfreich. Ein zeitgleicher therapeutischer Eingriff wie bei den anderen endoskopischen Methoden ist derzeit nicht möglich.

Von großer Wichtigkeit ist die Desinfektion der flexiblen Geräte, die hitzeempfindlich und daher einfachen Methoden nicht zugänglich sind. Heute wird durch moderne Desinfektionsgeräte die Keimfreiheit der Endoskope garantiert.

Vorbereitung in der medizinischen Endoskopie

Bei den meisten endoskopischen Untersuchungen erfolgt für den Betroffenen zur Erleichterung eine Prämedikation, das heißt es wird ein Beruhigungsmittel, zum Beispiel Midazolam oder Propofol, gegeben.

Typisch medizinische endoskopische Untersuchungs- und Behandlungsmethoden

Spiegelung am Magen-Darm-Trakt
  • Speiseröhre (Ösophagoskopie)
  • Magen (Gastroskopie)
  • Anlage einer Magenfistel mittels Endoskop (Perkutane endoskopische Gastrostomie (PEG))
  • Zwölffingerdarm (Duodenoskopie) allein oder
  • mit Röntgendarstellung von Gallengängen und Pankreasgang (ERCP)
  • Dünndarmspiegelung (Enteroskopie und die Kapselendoskopie)
  • Dickdarmspiegelung (Proktoskopie, Rektoskopie, Sigmoidoskopie, Koloskopie)

Spiegelung des Atmungssystems
  • Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie)
  • Luftröhrenspiegelung (Bronchoskopie)

Spiegelung des Mittelfells (Mediastinums)
  • Mittelfellspiegelung (Mediastinoskopie)

Spiegelung der Gelenke
  • Gelenkspiegelung (Arthroskopie)

Spiegelung des Harnsystems
  • Harnblasenspiegelung (Cystoskopie)
  • Harnleiterspiegelung (Ureteroskopie)

Spiegelung anderer Organe
  • Spiegelung der Vagina (Scheide) und des in der Vagina gelegenen Muttermundes (Portio vaginalis) (Kolposkopie)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • Die Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie). Diese Methode benutzt aber ebenso wie die Arthroskopie keinen natürlichen Zugang.

Im weiteren Sinne zählen zur Endoskopie auch:
  • Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie)
  • Ohrenspiegelung (Otoskopie) mit dem Ohrtrichter oder Otoskop
  • Nasenspiegelung (Rhinoskopie) mit dem Spekulum oder flexiblen Rhinoskop
  • Spiegelung des Rachenraums (Pharyngoskopie) mit dem Spiegel, Laryngoskop oder dem flexiblen Rhinoskop


Videoendoskop im Querschnitt, Wikipedia

Quelle: Wikipedia
« Letzte Änderung: 05. August 2008, 15:31:21 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline busymouse

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Re: Endoskopie
« Antwort #1 am: 31. Oktober 2011, 18:08:21 »
Übertrag aus dem alten Pouch-Forum:

Hallo zusammen!

Habe einen "Endoskopie-Atlas" im Netz gefunden. Dort sind 1´000 Endoskopie-Bilder eingestellt und können von Euch angesehen werden.

Der gastroenterologische Endoskopie-Atlas wurde im September 2004 von der II. Medizinischen Abteilung des Albertinen-Krankenhauses in Hamburg ins Netz gestellt. Dort finden Sie über 1´000 Endoskopie-Bilder aus den verschiedenen Bereichen der Inneren Medizin.

Dieser Endoskopie-Atlas soll zum einen "Anfängern" die typischen Befunde vor Augen führen, zum anderen aber auch erfahreneren Endoskopikern  seltenere Befunde und Verläufe demonstrieren.

Als Besonderheit wurde dort neben dem Index eine Suchmaschine integriert, die ein schnelleres Auffinden von Befunden ermöglicht.

Zusätzlich zu den Endoskopie-Bildern sind dort einige Kasuistiken und Videos mit Zuordnungen zu anderen Bildgebungen hinzugefügt.

Die Bilder und die Suchmaschine des Endoskopie-Atlas findet ihr unter folgendem Link auf den Seiten des Hamburger Albertinen-Krankenhauses:

Hier gehts zu den Endoskopie-Bildern und Videos

Viele Grüße Eure Adminnie
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