Orpha Selbsthilfe Forum

  • BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile 5 0 5 1
Currently:  

Autor Thema: BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile  (Gelesen 87637 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 7.092
  • Ich bin: : selbst betroffen
BG-Urteil:

Sehnenriss bei Postbeamten ist Dienstunfall


Ein Sehnenriss im Bizeps kann ein Dienstunfall sein.
Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen (Az. 1 K 2167/21)

In dem konkreten Fall ging es um einen Postbeamten.
Seine Bizepssehne riss, als er ein 30 Kilo schweres Paket in sein Zustellfahrzeug hob.
Es folgten eine Operation und ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt.
Die BG verweigerte die Anerkennung als Dienstunfall.

Ein fachärztliches Gutachten kam zwar zu dem Ergebnis, dass der Sehnenriss eine Folge des Unfalls sei.
Nichtsdestotrotz begründete die BG die Nichtanerkennung damit, dass das Anheben eines Pakets nicht ursächlich für den Riss der Sehne sein könne. Die Sehne sei auf schwere Belastungen ausgelegt und könne ohne vorherige Schädigung nicht einfach reißen.
Dieser Begründung folgte das Gericht nicht und bewertete den Vorfall als Dienstunfall.
Das Einladen des Pakets war nach Ansicht der Richter wesentliche Ursache für den Sehnenriss.
Gegen das Urteil kann die Berufsgenossenschaft Berufung beantragen.
« Letzte Änderung: 03. November 2022, 09:30:10 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 7.092
  • Ich bin: : selbst betroffen
BG-Urteil

Verletzung beim Hausbau des Bruders ist kein Arbeitsunfall


Die Unfallkasse zahlt auch bei sogenannten arbeitnehmerähnlichen Tätigkeiten.
Wer sich aber bei Hilfestellung innerhalb der Familie verletzt, kann nicht auf Anerkennung eines Arbeitsunfalls hoffen.
Wer in der Familie auf dem Bau aushilft, steht nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.
 Thüringer LSG Urteil vom 16. September 2021 (Az: L 1 U 342/19).   

In dem konkreten Fall hatte ein Mann seinem Bruder beim Gerüstabbau auf dessen Grundstück assistiert.
Dabei verletzte er sich an einem Fuß.
Die Unfallkasse weigerte sich dies als Arbeitsunfall anzuerkennen, woraufhin der Mann klagte.
Das LSG gab der UK Recht.

Zwar können auch arbeitnehmerähnliche Tätigkeiten unter dem Schutz der Unfallversicherung stehen,
auch wenn kein Arbeitsverhältnis besteht. Doch in diesem Fall sei die Tätigkeit nicht arbeitnehmerähnlich, sondern im Rahmen von familiären Verpflichtungen ausgeübt worden und damit eine „übliche Hilfestellung“ von überschaubarem Umfang gewesen.
« Letzte Änderung: 24. November 2022, 08:37:34 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.