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Autor Thema: Pemphigus vulgaris  (Gelesen 8049 mal)

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Offline busymouse

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Pemphigus vulgaris
« am: 28. Mai 2008, 17:23:02 »
Pemphigus vulgaris

Der Pemphigus vulgaris, auch Blasensucht genannt, ist eine Hautkrankheit aus der Gruppe der blasenbildenden Autoimmundermatosen. Er zeichnet sich durch Blasenbildung aufgrund einer Akantholyse der unteren Schichten der Epidermis aus.

Die Erkrankung ist insgesamt selten (1 - 5 Neuerkrankungen/Jahr je 1 Mio. Einwohner) und betrifft überwiegend Menschen im mittleren und höheren Lebensalter. Eine geschlechtsspezifische Häufung ist nicht bekannt. Im vorderen Orient ist die Erkrankung häufiger als in Mitteleuropa.

Ursachen

Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit ungeklärter Ursache.  Bei Pemphigus-vulgaris-Patienten, bei denen ausschließlich die Mundschleimhaut betroffen ist, konnten in Studien nur Antikörper gegen Desmoglein 3 (Dsg3) nachgewiesen werden. Wenn dagegen zusätzlich eine Hautbeteiligung vorhanden ist, existieren bei Pemphiguspatienten nachweislich auch Antikörper gegen Dsg1 Es gibt mehrere Hypothesen über die Wirkung der Autoantikörper:

   1. sie stören die Verbindung der Desmogleine untereinander
   2. sie bewirken durch Auslösung eines Signals die Apoptose der Hautzellen.

Bei Pemphiguspatienten wurden gehäuft die HLA-Haplotypen DR4, DR6, DQ5 und DQ8 sowie eine Häufung der HLA-Allele A10 und DRw4 gefunden, was eine genetische Prädisposition vermuten lässt. Da nicht jeder Angehörige, bei dem die Antikörper im Serum nachgewiesen werden können, erkrankt, wird ein multifaktorieller Hintergrund vermutet.

Liegt eine genetische Disposition für Autoimmunerkrankungen vor, so kann die Krankheit durch verschiedene Medikamente, aber auch durch Viren und UV-Bestrahlung ausgelöst werden.

Symptome

Die Erkrankung beginnt bei über der Hälfte der Betroffenen mit einem Befall der Mundschleimhaut. Es entstehen hier rasch platzende Blasen, die leicht bluten und schmerzhafte Erosionen hinterlassen. Im Anschluss treten auf zuvor gesunder Haut an unterschiedlichen Stellen schlaffe Blasen mit einem klaren Inhalt auf (Ausbreitung auf andere Schleimhäute, Kopfhaut und das gesamte Integument, besonders auf Stellen, die Druck und Reibung ausgesetzt sind). Der Blasenrand erweitert sich exzentrisch, bis es zum Platzen der Blasen kommt. Es entstehen Erosionen, die anschließend verkrusten. Durch Konfluenz der Blasen können große Hautgebiete betroffen sein, in denen sowohl Krusten, als auch intakte Blasen nebeneinander gefunden werden können.

Die Abheilung erfolgt aus der Mitte der Blasen. Es entstehen hierbei keine Narben, allerdings kann eine reaktive Hyperpigmentierung an den betroffenen Stellen noch relativ lange bestehen bleiben. Während akuter Phasen ist es möglich, auf gesunder Haut durch seitlich schiebenden Druck eine Blase zu erzeugen (Nikolski-Phänomen I positiv). Entsprechend manifestiert sich die Erkrankung oft besonders stark in der Glutealregion, mit der Gefahr sekundärer Infektionen. Bei großflächigem Befall bestehen häufig Fieber, Appetitlosigkeit, sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Diagnostik

Zur Diagnose der Krankheit führen vor allem das typische klinische Bild, sowie das positive Nikolski-Phänomen. Beweisend ist dann der Nachweis von Antikörpern gegen Desmoglein 3 im Serum.

Zur Diagnostik gehören:

  • Nachweis in der Haut gebundener Autoantikörper in Hautbiopsien (Direkte Immunfluoreszenz)
  • Dermatohistopathologie
  • Nachweis im Blut zirkulierender Autoantikörper
    • auf Biopsien gesunder Haut oder im Affenösophagus in den Zwischenräumen der Epithelzellen nach Inkubation mit Patientenserum (Indirekte Immunfluoreszenz)
    • im ELISA mit Desmoglein 3 (zusätzlich auch mit Desmoglein 1)

Differentialdiagnosen

  • Pemphigus foliaceus
  • Paraneoplastischer Pemphigus
  • Bullöses Pemphigoid
  • Dermatitis herpetiformis Duhring
  • Morbus Hailey-Hailey

Histopathologie

Es zeigen sich suprabasal gelegene, akantholytische Blasen. Die basalen Keratinozyten bleiben intakt, darunter ist die Dermis von Leukozyten infiltriert. Im Lumen der Blasen finden sich "Pemphigus-Zellen".

Therapie

Vorwiegend wird die Erkrankung mit der systemischen Gabe von Glukokortikoiden behandelt. Initial haben sich dabei hohe Dosen bewährt (1 bis 3 mg Prednisolon/kg Körpergewicht/Tag), die im Verlaufe immer weiter reduziert werden, bis eine minimale Erhaltungsdosis gefunden werden kann. Liegt diese über der so genannten Cushing-Schwelle, so werden zusätzlich Immunsupressiva eingesetzt, um die dauerhafte Gabe von Glukokortikoiden möglichst gering zu halten (z.B. Azathioprin, 2 bis 2,5 mg/kg Körpergewicht/Tag, abhängig von der Aktivität der Thiopurinmethyltransferase).

Nach neueren Untersuchungen ist auch Rituximab, ein monoklonaler Antikörper gegen das B-Lymphozyen-Oberflächenantigen CD20, z. T. in Kombination mit Immunglobulin, wirksam.

Eine weitere Therapieoption ist die Immunabsorption. Diese Therapieform ähnelt der Plasmapherese, wobei das abgetrennte Blutplasma durch eine Protein-A-Säule geführt wird. Dort wird ein Großteil der (IgG) Antikörper gebunden. Das Plasma wird danach dem Patienten wieder zurückgeführt. Auch wenn neben den krank machenden Autoantikörpern auch alle anderen (notwendigen) Antikörper abgebunden werden, hat die Immunabsorption aus bisher noch nicht geklärten Gründen hauptsächlich einen Effekt auf die Autoantikörper.

Die immunablative Hochdosis-Cyclophosphamid-Therapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation wird bei sehr schweren, progredienten Autoimmunerkrankungen mit potentiell letalem Verlauf diskutiert

Prognose

Es gibt sowohl akute, als auch chronische Verläufe. Seit dem Einsatz von Glukokortikoiden und Immunsupressiva hat sich die Prognose der Erkrankung deutlich verbessert. Todesursachen sind heutzutage meist die Folgen einer langfristigen Therapie mit Glukokortikoiden und Immunsupressiva.

Quelle: Wikipedia
« Letzte Änderung: 18. Juni 2008, 13:18:48 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)