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Autor Thema: Pankreaskarzinome und HNPCC  (Gelesen 7176 mal)

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Offline busymouse

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Pankreaskarzinome und HNPCC
« am: 13. Juni 2007, 16:13:15 »
Familiäres Auftreten von Pankreaskarzinomen (PC)

Etwa 11000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einem Pankreaskarzinom, wobei die Prognose mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von unter 5% immer noch extrem schlecht ist. Bei etwa jedem 20. Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs findet sich ein weiterer Familienangehöriger 1. Grades mit diesem Tumor. Man spricht dann von einem familiären Bauchspeicheldrüsenkrebs.[1]

Derzeit wird geschätzt, dass 3-5% der PC auf einer vererbten Prädisposition beruhen. Das familiäre Pankreaskarzinom (FPC) hat ein außerordentlich heterogenes Erscheinungbild, da es zum einen in einigen Familien isoliert und zum anderen in Familien mit bekannten Tumorprädispositionssyndromen auftritt. Bisher gibt es keine einheitliche Definition des FPC. Die meisten Autoren sprechen von einem FPC, wenn in einer Familie mindestens zwei erstgradig Verwandte oder mindestens 3 erst- oder zweitgradig verwandte Angehörige, an einem histologisch gesicherten PC erkrankt sind.

Neben der isolierten familiären Häufung von Pankreaskarzinomen, deren genetische Ursache immer noch unbekannt ist, gibt es vererbte Erkrankungen bzw. familiäre Krebssyndrome, die zur Entwicklung eines PC prädisponieren.

Für das familiäre Auftreten von Pankreaskarzinomen ist HNPCC eher seltener die Ursache. Mittlerweile sind einige erbliche bedingte Syndrome bekannt, bei denen es vor unterschiedlichen Hintergründen zu einer familiären Häufung von Pankreaskarzinomen kommen kann. Hierzu gehören:

  • Mit ca. 70% am häufigsten ist das Familiäre Pankreaskarzinomsyndrom (FPC), bei dem innerfamiliär nur Pankreaskarzinome auftreten. Keimbahnmutationen in PALB2 verursachen neben Brustkrebs auch PC und werden für einen Teil der FPC verantwortlich gemacht.[2] - Tatsächliche Ursache: bislang unbekannt
  • das Peutz-Jeghers-Syndrom - Ursache: Mutation in dem Gen für die Serin/Threonin-Kinase 11 (STK11)
  • die Hereditäre Pankreatitis - Ursache: in 70% der Fälle Mutationen im kationischen Trypsinogen-Gen (PRSS1, Protease Serin 1-Gen)
  • das familiäre atypische multiple Muttermal und Melanom (FAMMM)-Syndrom - Ursache: Keimbahnmutationen im CDKN2A (cyclin dependent kinase 2A)-Tumorsuppressorgen identifiziert werden (Synonyme: p16ink4a, MTS1)
  • das Hereditäre Mamma- und Ovarialkarzinom - Ursache: Keimbahnmutation in einem der beiden Gene BRCA (Breast Cancer Gene )1 oder BRCA2
  • die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP) - Ursache: Keimbahnmutationen im APC-Gen
  • das hereditäre nicht-polypöse Kolonkarzinom (HNPCC) - Keimbahnmutationen in den Mismatchrepairgenen hMLH1, hMLH3, hMSH2, hMSH6, hPMS1 oder hPMS2
  • Ataxia Teleangiektatika - Ursache: Keimbahnmutation im ATM-Gen (Ataxia Teleangiektatika mutiert)

Häufigkeit des Auftretens von Pankreaskarzinomen in Zusammenhang mit HNPCC

Die Angaben in der Literatur sind bislang uneinheitlich:

Laut Forschungsprojekt Familiäres Pankreaskarzinom ist dasrelative Risiko für ein Pankreaskarzinom im Vergleich mit der Normalbevölkerung bei HNPCC ca. um das 1,5- bis 4,5 fache erhöht.

Laut einer aktuellen amerikanischen Studie (JAMA. 2009 Oct 28;302(16):1790-5) an 6432 Personen aus 147 Familien mit MMR-Mutationen ist das Risiko im Vergleich mit der Normalbevölkerung bei HNPCC um das 8,6 fache erhöht.

Zum Risiko des Auftretens von Pankreaskarzinomen siehe auch:


Einzelnachweise

[1]Uniklinik Marburg Gießen: Nationale Fallsammlung Familiäres Pankreaskarzinom
[2]Medizinisch Genetisches Zentrum München

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Änderungen:
09.01.2010 - neuere Studie hinzugefügt
« Letzte Änderung: 09. Januar 2010, 15:45:36 von busymouse »
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(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)