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Autor Thema: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen  (Gelesen 29466 mal)

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Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #45 am: 07. April 2019, 09:49:19 »
So lösen sich innere Blockaden

Therapie gegen den Blackout   


Innere Blockaden können einen erwachsenen Menschen ganz gehörig ausbremsen.
Die Ursache davon ist oft ein unverarbeitetes Erlebnis aus der Kindheit.

Eigentlich sollte der große Auftritt kein Problem sein.
Das Manuskript steht, das Thema sitzt - und doch steigt Panik auf, kurz bevor es losgeht.
Lampenfieber vor einem wichtigen Vortrag kennen viele.
Manchmal bleibt es nicht beim bloßen Nervenflattern - hinzukommen Schweißausbrüche, Herzrasen,
Zittern, das Gefühl mentaler Lähmung.
Für einige Menschen sind solche Situationen Alltag: innere Blockaden, die sie daran hindern, etwas erfolgreich zu meistern.

Angstzustände und ihre Folgen
Solche Blockaden setzen automatisch ein und laufen im Unterbewusstsein ab.
Im Prinzip sind es Angstzustände, die in ganz verschiedenen Momenten auftreten können.
Da ist etwa die Prüfungsangst. Die Flugangst. Oder eben der Rampenlicht-Stress.
Die Folge: Betroffene bleiben weit unter ihren Möglichkeiten.     

Mit dem Einnehmen von angstlösenden Medikamenten etwa vor einem Auftritt oder vor einer Prüfung lässt sich das Problem nicht lösen. Und kritische Situationen einfach zu vermeiden, ist oft nicht möglich - und schon gar keine Lösung.
Wichtig ist vielmehr zu erkennen, wie Blockaden entstehen und woher sie kommen. 

Woher kommt die Angst?

In einem allerersten Schritt kann das jeder für sich selbst tun: sich hinsetzen und aufschreiben,
was man in einer bestimmten Situation fühlt. Wovor man eigentlich konkret Angst hat.
Anderen nicht zu gefallen? Von anderen ausgelacht werden?
Die Ursachen für innere Blockaden finden sich häufig in einem nicht verarbeiteten Erlebnis in der Kindheit.
Das kann derart belastende oder sogar traumatische Züge haben, dass es sich fest im Unterbewusstsein etabliert hat - und Betroffene auch Jahrzehnte später blockiert. 
Beispiel: Eine erfolgreiche Pianistin hatte während eines Konzerts einen Blackout - mitten im Spiel setzte sie einfach aus.

Über ein Coaching kam sie der Ursache auf die Spur:

Der Blackout setzte in dem Moment ein, als sie über eine längere Phase sogenannte Forte-Passagen spielte, besonders laute Töne also.
Das erinnerte die Frau im Unterbewusstsein an einen Streit, den sie als Mädchen mit ihrem Vater hatte - der Schichtarbeiter war und schlafen wollte, während seine Tochter Klavier spielte.   

Innere Blockaden entstehen jedoch auch durch negatives Denken:
Betroffene sind dann felsenfest davon überzeugt, etwas nicht zu können.
Die Angst vor dem Scheitern wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Wie lassen sich solche Blockaden lösen? 
In vielen Fällen hilft ein Coaching.
Manchmal ist aber auch eine Therapie nötig, etwa eine kognitive Verhaltenstherapie.
Dabei deckt ein Klient gemeinsam mit einem Therapeuten im Unterbewusstsein schlummernde negative Gedanken auf und setzt ihnen neue, positive Gedanken entgegen.   

Auch spezielle Atemtechniken können in belastenden Momenten für Entspannung sorgen.
Ein anderes Mittel gegen Blockaden ist die sogenannte Wingwave-Methode.
Bei diesem speziellen Coaching wird versucht, gegen Stress an der Stelle anzugehen, wo sie herkommt,
nämlich im Gehirn, genau gesagt im limbischen System.
Zu Beginn beschreibt der Klient die Situation, bei der die innere Blockade auftaucht.
Dann werden Stressauslöser und nachhängende Emotionen mit einem Test identifiziert.
Damit legt der Coach das Problem frei.
Er versetzt nun seinen Klienten bewusst in den Zustand der inneren Blockade - und beginnt dann ein mentales Training.   

Selbstvertrauen wiedererlangen     
Dabei wird das Gehirn, das in eine logische und in eine emotionale Hälfte eingeteilt ist, durch die Übungen miteinander vernetzt. So wird jemandem, der - emotional - Angst vor dem Rampenlicht hat, verdeutlicht, dass seine Angst ganz und gar unbegründet ist, denn - logisch: Er weiß ja, dass er das, was er etwa vorführen will, kann.
Für ein Coaching nach der Wingwave-Methode sind in aller Regel drei bis fünf Sitzungen à einer Stunde erforderlich.   

Wer an einer inneren Blockade leidet, sollte nicht zu lange damit warten, das Problem anzugehen.

Je eher man sich der Sache stellt, desto besser.
Denn Blockaden bremsen die Lebensenergie aus - mit negativen Folgen für das eigene Wohlbefinden.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2019
« Letzte Änderung: 07. April 2019, 09:51:13 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #46 am: 11. April 2019, 07:57:11 »
Warum Antidepressiva eine Therapie nicht ersetzen

Menschen mit Depression brauchen klar strukturierte Tage, feste Verhaltensregeln, Therapie - und Medikamente?
Ja.
Aber die Pillen sollten nicht der erste und einzige Weg zur Besserung sein.

Doch die Praxis sieht leider oft anders aus. - Eine Depression ist eine Krankheit.

Und wer eine Krankheit hat, nimmt Medikamente dagegen - Antidepressiva in diesem Fall.
Oder? So einfach ist es leider nicht, sagt Professor Tom Bschor.
Der Chefarzt für Psychiatrie an der Schlosspark-Klinik in Berlin hat ein Buch über Antidepressiva geschrieben.
Zu oft bekommen Patienten nur die Pillen und darüber hinaus keine Hilfe beim Kampf gegen die Depression.

Fragen + Antworten 
Sie haben ein Buch über Antidepressiva und ihre korrekte Verwendung geschrieben. Warum?

Tom Bschor: Mein Eindruck ist, dass Antidepressiva deutlich zu oft verschrieben werden - nämlich auch dann, wenn entweder gar keine Depression vorliegt oder die Antidepressiva dem Patienten gar nicht helfen. Und dann gibt es Fälle, wo Patienten die Antidepressiva teils über Monate und Jahre weiternehmen, obwohl es gar nicht mehr sein müsste. Mit der Folge, dass es dann nach dem Absetzen Entzugserscheinungen gibt oder den sogenannten Rebound, bei dem die Depression mit besonderer Wucht zurückkommt.   

Wie wirken Antidepressiva denn eigentlich?

Bschor: Der Name Antidepressiva ist etwas irreführend - das klingt so, als ob die Krankheit damit zielgerichtet geheilt wird, ähnlich wie beim Antibiotikum zum Beispiel. Tatsächlich ist es aber nur so, dass Antidepressiva einzelne Symptome der Depression besser machen können - die Patienten sind fröhlicher, haben wieder mehr Antrieb, der Grübelzwang geht zurück, sie schlafen wieder besser.
Es gibt aber auch Fälle, wo Antidepressiva nicht oder zu wenig helfen. Sie sind eben kein präzises therapeutisches Werkzeug.

Was ist die Alternative zur Behandlung mit Antidepressiva?

Bschor: In jedem Fall ganz wichtig sind Verhaltensregeln und die therapeutische Begleitung.
Da geht es erst einmal gar nicht um Psychotherapie - bei der mangelt es ohnehin an Verfügbarkeit, gerade bei akuten Fällen dauert die Vermittlung viel zu lange. Wichtig ist eine Aufklärung des Patienten durch den Hausarzt, die allein hat schon eine heilende Wirkung. Antidepressiva können dann dazu kommen, aber nie als einziges therapeutisches Mittel. Auch wenn das in der Praxis leider oft so ist.

Wie sehen diese festen Verhaltensregeln genau aus?

Bschor: Wichtig ist, den Tag klar zu strukturieren.
Man steht morgens auf, wenn es hell wird, man bleibt nicht im Pyjama, man plant ein paar machbare Erledigungen ein, dazu Bewegung,
und man nimmt sich auch Zeit für ein oder zwei schöne Dinge, Freunde zu treffen etwa - auch wenn dies depressionsbedingt schwerfällt.
Das sind alles Sachen, die gesunde Menschen ohnehin tun, aber depressive Menschen müssen das gezielt planen.
Es verschlimmert die Depression immer weiter, sich komplett zurückzuziehen und zu Hause im dunklen Zimmer zu hocken.
Tagsüber sollte auch nicht auf der Couch gelegen werden, egal wie schlecht die Nacht war,
und die Nacht wiederum sollte nicht zu Alltagsaktivitäten dienen.

Gilt dies auch für den Burnout, das ist ja auch eine Form der Depression?

Bschor: Gerade beim Burnout ist das wichtig, und viele machen es nicht, ziehen sich von allem zurück.
Die sind dann vielleicht krankgeschrieben und trauen sich nicht, in den Park zu gehen.   

An welcher Stelle kommt dann noch die Psychotherapie ins Spiel? 
Bschor: Wichtig ist die vor allem bei bestimmten Arten der Depression.
Die chronifizierte Depression kann eine davon sein, die klassische phasische Depression nicht grundsätzlich
- wenn da die nächste depressive Phase kommt, ist die Therapie entweder zu früh oder zu spät.
 Basiert die Depression auf langfristigen psychischen Störungen, ist eine langfristige Psychotherapie meistens ebenfalls sinnvoll.

Wenn ich jetzt aber doch Antidepressiva nehme - was ist dabei besonders wichtig?

Wichtig ist vor allem, an den drei, vier Tagen vor der ersten Einnahme genau aufzuschreiben, wie ich mich fühle.
Dann beginne ich mit der Einnahme, und drei bis vier Wochen später schaut man zurück: Hat es sich gebessert oder nicht?
Nur bei einer klar benennbaren Besserung sollte das Antidepressivum so weitergenommen werden. 

Und wenn ich die schon nehme und den Eindruck habe, dass sie nicht oder nicht mehr wirken?

Bschor: Das ist vermutlich der häufigere Fall, dass man die schon nimmt und die Wirkung nie anständig überprüft wurde.
Wenn es dem Patienten letztlich nicht wirklich gut geht, sollte man sie vielleicht tatsächlich wieder ausschleichen.

Ist das eine Entscheidung, die ich als Betroffener alleine treffen kann?
Bschor: Nein, natürlich immer in Absprache mit dem Arzt. Oft müssen aber die Patienten diesen Vorschlag machen, das ist leider so.
Und häufig ist auch der Wechsel zu einem anderen Antidepressivum dann keine Alternative - denn so unterschiedlich sind die am Ende nicht.
Wer auf die ersten 3 oder 4 nicht positiv reagiert, wird vermutlich auch mit den anderen 25 Wirkstoffen kein Glück haben.

Wenn sie nicht helfen, es aber das Risiko von Entzugserscheinungen gibt - kann ich sie dann nicht auch einfach weiternehmen, zur Sicherheit?
Bschor: Das würde ich nicht tun. Denn es gibt ja schon Nebenwirkungen.
Einige Antidepressiva erhöhen zum Beispiel die Blutungsneigung.
Wenn sie ansonsten funktionieren, ist das ein abwägbares Risiko - sonst aber eher nicht.
Und grundsätzlich bedeuten Antidepressiva einfach einen Eingriff in den Stoffwechsel des Gehirns.
Ohne therapeutische Wirkung ist das meiner Meinung nach nicht zu verantworten. 

Buchtipp:
Tom Bschor: Antidepressiva

Wie man sie richtig anwendet und wer sie nicht nehmen sollte
Südwest Verlag, 224 Seiten, 20 €, ISBN-13: 978-3517097367

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2019

« Letzte Änderung: 11. April 2019, 08:06:17 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #47 am: 21. September 2019, 08:21:17 »
Hypochondrie 
Was steckt dahinter?

Kopfschmerzen halten sie für einen Hirntumor. Schlägt das Herz schneller, könnte es ein Infarkt sein.
Und dieses Husten gerade - vielleicht Lungenkrebs?
So krank, wie viele Menschen denken, sind sie eigentlich nicht.
«Ich bin ein Hypochonder»; sagen sie dann.
Doch selbst diese Diagnose stimmt oft nicht.

Denn was man umgangssprachlich unter Hypochondrie versteht, ist höchstens eine ganz leichte Form dieser Krankheit.
Bei der ernsten Variante sprechen Experten von der hypochondrischen Störung - betroffen sind davon aber nur sehr wenige Menschen.
Statistiken sprechen von 0,05%. Andere Studien kommen auf 0,5 bis 3%. Alltagshypochonder»,
wie man das nennt, gebe es aber sicher mehr – 5-10% der Bevölkerung vielleicht.

Varianten der eingebildeten Krankheit gibt es viele.

Ein typischer Fall: Personen, in deren Bekanntenkreis jemand schwer erkrankt oder gar stirbt,
erkennen bei sich manchmal ähnliche Symptome wie sie die Verstorbenen zeigten.
Das sind jedoch keine hypochondrischen Ängste.

Wer dagegen an einer hypochondrischen Störung leidet, entdeckt nicht nur Symptome - er befürchtet konkret,
z.B. an Krebs oder einem Herzleiden zu sterben.
Und meist braucht es dafür nicht viel:
Viele dieser Krankheiten beginnen mit unspezifischen Symptomen, die auch unter Stressbelastungen auftreten können.
Etwa Sehstörungen, Schwindel, Brust- oder Bauchschmerzen und Übelkeit.
Doch anstatt die Beschwerden z.B. mit Stress zu erklären oder anderen eher harmlosen Gründen,
werden sie für die Betroffenen zum vermeintlich sicheren Todesurteil.

Das Denken kreist permanent um die Unversehrtheit des eigenen Körpers.
Das Internet ist in dem Fall eher Fluch als Segen, sagt Scharnhorst - seltene Symptome und Krankheiten sind schließlich immer nur ein paar Mausklicks entfernt. Patienten suchen Erklärungsmodelle für ihre Beschwerden, wollen aber auch die Schwere ihrer Symptomatik beweisen.
Belastungen werden vermieden, um nicht noch schlimmer zu erkranken, die Tagesstruktur ist dahin.

Ein Auslöser der echten Hypochondrie kann der plötzliche Verlust von nahe stehenden Personen sein.
Häufig beginnt die Störung schon zuvor, aber die Erfahrung ist dann der letzte Auslöser.    

Auch Entzündungen oder Funktionsstörungen der Schilddrüse können Angsterkrankungen auslösen.
Diese Variante lasse sich gut mit Medikamenten wie Cortison oder Schilddrüsenhormonen behandeln. Ansonsten kommen z.B. Antidepressiva oder eine Verhaltenstherapie zum Einsatz. Man könne lernen, gut mit den Angstsymptomen Umzugehen.
In die Verhaltenstherapie werden oft die Angehörigen mit eingebunden.

Man suche gemeinsam ein Erklärungsmodell:

Gab es etwa Eltern, die ängstlich- überbehütend auf körperliche Symptome geachtet haben?

Auch die Frage nach der Rolle der Ängste spielt eine Rolle:
Denn manchen gebe eine solche Angst auch die Legitimation, kürzer zu treten, im Beruf etwa.
Diese Menschen müssten vor allem lernen, legitime Gefühle und Wünsche nicht nur durch Symptome auszudrücken - und Hilfe anzunehmen.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“  - Altmark Juli 2019

« Letzte Änderung: 05. August 2020, 09:44:38 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline MandyFr

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #48 am: 04. August 2020, 19:48:25 »
Ich bin leicht depressiv, weiß aber nicht, ob es wegen der Krankheit ist, oder einfach, weil ich so bin.

Wäre ich depressiv, wenn ich gesund wäre?  :?]
« Letzte Änderung: 05. August 2020, 09:44:14 von RalleGA »

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #49 am: 13. August 2020, 08:15:36 »
Wenn die Seele krank ist

Auf den ersten Blick unsichtbar, können seelische Beeinträchtigungen das Leben stark verändern.
Martin Fromme besucht psychiatrische Einrichtungen und spricht mit Betroffenen und Experten.

10.05.2020 ∙ Selbstbestimmt - MDR Fernsehen

Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #50 am: 10. Dezember 2020, 09:16:54 »
Soziale Phobie

Die Furcht vor den Blicken der anderen
 


Es ist mehr als nur Schüchternheit oder Introvertiertheit.
Wer Sozialphobiker ist, hat Angst vor alltäglichsten Situationen.

Die Erkrankung sollte man ernstnehmen - wie wird sie behandelt?

"Reiß dich zusammen! Das ist doch nichts!" Solche und ähnliche Sprüche hören viele Patienten von Prof. Peter Zwanzger - bevor sie sich bei ihm psychotherapeutischen Rat wegen ihrer Sozialphobie einholen.
"Deswegen mache ich meinen Patienten im Erstgespräch immer Mut", erklärt der Chefarzt der Allgemeinpsychiatrie und Psychosomatik am kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg am Inn. 

Starke Furcht vor negativer Bewertung 

Das andere das Problem des Betroffenen nicht ernstnehmen oder herunterspielen, liegt womöglich auch daran, dass sie das Verhalten mit Schüchternheit oder Introvertiertheit verwechseln.
Doch die Sozialphobie grenzt sich davon klar ab.
Denn die soziale Phobie ist durch die starke Furcht geprägt, von anderen Menschen negativ bewertet oder kritisiert zu werden.           

Introvertiertheit ist eine Charaktereigenschaft.
Solche Menschen sind meist in sich gekehrt und gegenüber anderen zurückhaltend - aber nicht, weil sie Angst haben.
Schüchterne Menschen haben dagegen auch eine Angst vor zwischenmenschlichen, insbesondere nicht vertrauten Kontakten.
Dieses Verhalten wird erlernt und kann durch Training wieder verlernt werden.
   
Schüchternheit kann in eine soziale Phobie übergehen.
Bei der sozialen Phobie ist die Angst so stark, dass gesellige Treffen wie das Essen mit Freunden immense Angst verursachen und deshalb manchmal sogar vermieden werden. 
 
Wenn sich die Angst ausdehnt
Es gibt zwei Formen der sozialen Phobie: die generalisierte und die isolierte.
Eine Ausprägung der letzteren ist z.B. die isolierte Sprechangst. Hier unterscheiden wir, ob ein Mensch "nur" Schwierigkeiten hat,
vor anderen zu sprechen oder ob sich die Angst sukzessive auf mehrere Lebensbereiche ausdehnt.

Dann könnten Betroffene etwa Angst davor haben, in einem Restaurant ein Glas umzustoßen.
Oder dass der Chef ihnen eine Frage stellt, die sie nicht beantworten können.
Dabei kann es auch zu einem selbstverstärkenden Effekt kommen.
Dann ist es den Patienten extrem peinlich und unangenehm, wieder zu zittern oder zu erröten.
Allein der Gedanke daran kann eine Panikattacke auslösen, und eine Angst vor der Angst entsteht.
Ein regelrechter Teufelskreis beginnt.   
Weil sich soziale Phobien nur selten alleine bewältigen lassen und sie Depressionen und Suchterkrankungen nach sich ziehen können,
sei es wichtig, rechtzeitig einen Psychotherapeuten oder Arzt aufzusuchen.

Wie bei anderen psychischen Erkrankungen ist eine Behandlung dann ratsam, wenn die Angst so groß wird und so häufig auftritt,
dass ein normales alltägliches Leben nicht mehr möglich ist.   

Verschiedene Ansätze der Therapie

Die kognitive Verhaltenstherapie zeigt aus Sicht von Peter Zwanzger bei Angststörungen die besten Erfolgschancen.
Dazu gehört auch die Konfrontationstherapie: "Schrittweise wird der Patient gedanklich und dann real an die gefürchteten
oder von ihm vermiedenen Situationen herangeführt", sagt Zwanzger.
Oft wird auch etwas nachgespielt, so dass nach fünf bis 20 Sitzungen die Ängste weniger werden und irgendwann versiegen, wie er erklärt.

Es ist zu empfehlen sich bei sozialen Phobien, sich mit therapeutischer Unterstützung unmittelbar in die angstauslösenden Situationen zu begeben: "So wird den Erkrankten geholfen, zunächst die Angst besser zu verstehen und sich dann Schritt für Schritt den angstauslösenden Situationen zu stellen", erläutert er.

"Dabei können sie die Erfahrung machen, dass schlimme Befürchtungen wie "Alle werden merken,
dass ich knallrot werde." oder "Ich werde bei meinem Vortrag ausgelacht werden." meist unbegründet sind."
In der psychodynamischen Psychotherapie werde dann versucht, die Konflikte zu erkennen und aufzulösen,
die den Ängsten zugrunde liegen, erläutert Munz.
"Beispielsweise kann sich ein lange zurückliegendes Gefühl, überhöhten Ansprüchen der Eltern nicht gerecht zu werden,
auf andere Situationen übertragen haben." 

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Juli 2020

« Letzte Änderung: 10. Dezember 2020, 09:26:55 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #51 am: 17. Februar 2021, 10:03:08 »
Depressionen können Jede/n treffen

Frauen doppelt so oft betroffen, als Männer


Im Herbst und Winter haben viele Menschen einen "Blues". Das heißt, sie sind antriebsloser als sonst.
Man sagt auch saisonal-ausgeprägte Depression. Die sei meist nicht so schwer ausgeprägt und unterscheide sich auch noch in den Krankheitszeichen etwas von einer richtigen Depression.

Bei der typischen, oft sehr schweren Depression neigten Menschen etwa dazu, Gewicht zu verlieren, weil sie keinen Appetit mehr haben.
Sie können auch nicht einschlafen, sind permanent angespannt.

Bei der Winterdepression sei das etwas anders - da haben Betroffene  eher vermehrt Hunger und wollen mehr schlafen als sonst.
Sie schlafen dann auch länger, als es ihnen vielleicht guttut.   

Doch wie erkennen Betroffene eine "richtige" Depression?
Das ist  eine Erkrankung, die das ganze Leben verändert. Man erkennt sich oft selbst nicht mehr wieder.
Häufig seien es sehr aktive, verantwortungsvolle und leistungsbereite Menschen, die unter einer Depression litten.
Und die haben dann nicht einmal mehr die Kraft, aufzustehen und Zähne zu putzen.
Oder jedes Telefonat ist ein Riesenberg.
Die Menschen merkten, dass hier etwas ganz Grundlegendes passiert, so ein Psychiater.
Oft könnten sie auch keine Gefühle mehr empfinden - Trauer z.B.. Sie fühlen sich wie versteinert.   

Das Problem: Oft suchen Betroffene die Schuld bei sich oder den Umständen.
Sie haben dann häufig sehr naheliegende Erklärungen, die aber meist nicht die wirkliche Erklärung sind.   
Das Entscheidende sei, dass man für diese Erkrankungen eine Veranlagung habe.
Dadurch rutschen Betroffene immer wieder in diesen Zustand.
So kommt es z.B., dass Depressionen bei Arbeitslosen etwas häufiger auftreten.
Weil Menschen, die immer wieder in Depressionen rutschen, leichter die Arbeit verlieren.
Aber: Arbeitslosigkeit an sich macht nicht depressiv.

Experten betonen auch:
"Es kann jeden treffen". Frauen seien etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Oktober 2020
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #52 am: 08. März 2021, 18:22:36 »
Psychische Erkrankungen:

Vorsorgen, behandeln und verstehen


Unterstützung für die Seele
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #53 am: 13. März 2021, 16:55:19 »
Buchtipp:

„Laufen“ von Isabel Bogdan


KIWI-Verlag - Taschenbuch - 11,- Euro   

Nach einem erschütternden Verlust beginnt eine Frau zu laufen.
Was als Davonlaufen beginnt, wird schließlich ein Weg zurück in Leben…
Ein berührender und zugleich humorvoller Roman.

Fundquelle: Auszug – CHRISMON – evangelisches Magazin 03-2021   
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #54 am: 20. März 2021, 11:47:47 »
Termin: 30. März 2021, 17 Uhr

„Familiencoach Depression"

Video-Chat
mit Expertin in der Reihe „Familiencoach Depression" mit Prof. br. Elisabeth Schramm startet.
Zugang haben alle AOK-Versicherten mit ihrer Krankenversicherungsnummer.

Diese enthält keine Informationen zur Person der Versicherten und wird lediglich für den Zugang abgefragt.
Die Teilnehmenden können schriftlich und anonym Fragen stellen und den Experten-Videochat live ansehen.

Alle Interessenten, also auch Nicht AOK-Mitglieder, haben die Möglichkeit, die bisherigen Experten-Chats im Archiv anzusehen.

www.familiencoach-depression.de
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #55 am: 04. Mai 2021, 09:34:10 »
Schwerbehindertenrecht

"bei psychischer Störungen"


Eine wesentliche Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit im Sinne von Teil B Nummer 3.7 der Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung setzt eine engmaschige psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung voraus.
Sozialgerichts Stuttgart (Gerichtsbescheid vom 2.1.2020, S 22 SB 2980/15, Berufung anhängig).

Fall:

Der 1970 geborene Kläger hatte seit dem Jahr 2008 einen Grad der Behinderung (GdB) von 40.
Im September 2014 beantragte er die Erhöhung des GdB auf 80. Zur Begründung berief er sich auf die schon seit 2008 bestehenden Gesundheitsstörungen eines chronischen Schmerzsyndroms und einer depressiver Verstimmung.
Der Antrag des Klägers hatte weder im Verwaltungsverfahren vor dem Versorgungsamt, noch im Widerspruchsverfahren vor dem Landesversorgungsamt Erfolg.
Die Kammer hat die Klage als unbegründet abgewiesen.

Der Kläger habe keinen Anspruch auf Feststellung eines höheren GdB als 40.
Maßstab für die Feststellung des GdB sei die Anlage „Versorgungsmedizinische Grundsätze“ zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung.
Nach Teil B Nummer 3.7 VG seien leichtere psychovegetative oder psychische Störungen mit einem Teil-GdB von 0 bis 20 zu bewerten.
Stärker behindernde Störungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z. B. ausgeprägtere depressive, hypochondrische, asthenische oder phobische Störungen, Entwicklungen mit Krankheitswert,
somatoforme Störungen) rechtfertigten einen GdB von 30-40.

Eine wesentliche Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit setze nach der Rechtsprechung des LSG Baden-Württemberg eine engmaschige psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung voraus.
Daran fehle es hier. Der Kläger sei nur etwa alle zwei Monate fachpsychiatrisch behandelt worden.
Dies genüge nicht den Anforderungen an eine engmaschige Psychotherapie.
Der Kläger empfinde den Leidensdruck auf psychiatrischem Fachgebiet als nicht so stark, als dass er ihn nicht ohne engmaschige Psychotherapie bewältigen könne. Unabhängig davon seien der strukturierte Tagesablauf und die Freizeitgestaltung des Klägers Ausdruck seiner fortdauernden Fähigkeit zum Zeitmanagement, seiner erhaltenen sozialen und Alltagskompetenzen sowie der erfolgreichen Ausübung seiner Führungs- und Kontrollfunktion.
Schließlich zeige der psychische Befund keine Beeinträchtigung der Integrität der psychischen Funktionen des Klägers.
« Letzte Änderung: 04. Mai 2021, 09:40:12 von RalleGA »
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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #56 am: 26. Juni 2021, 12:08:06 »
Depressionen

ausgelöst durch Blutdrucksenker?


Wirkung von Betablockern auf die Psyche

Studie kommt zu eindeutigem Ergebnis


mehr:  H I E R     inkl. kleines Video

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  März 2021
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« Antwort #57 am: 26. November 2021, 13:18:35 »
Suizid

Wenn sich junge Leute das Leben nehmen


Aus den Zeilen sprechen Verzweiflung, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit.
Das Gefühl, nicht gebraucht und nicht geliebt zu werden, nichts wert zu sein.


„Ich will sterben" ist deshalb ein Satz,
den die Ehrenamtlichen bei U25, einer Online-Anlaufstelle für junge Menschen mit Suizidgedanken, oft lesen.

Das Gefühl, lieber tot sein zu wollen als weiterzuleben, kennen erschreckend viele Kinder und Jugendliche:
Rund 500 bringen sich Jahr für Jahr in Deutschland um.

10-20 Mal so viele Unternehmen Schätzungen zufolge zudem den Versuch, sich das Leben zu beenden.
Damit ist Suizid in der Altersklasse der 15- bis 24-Jährigen neben Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache.

Zudem gibt es bei jungen Menschen unter allen Altersgruppen die meisten Suizidversuche. 2019 neuere Zahlen hat das Statistische Bundesamt noch nicht veröffentlicht - schieden 471 unter 25-Jährige aus eigenem Zutun aus dem Leben.

Das war zwar der niedrigste Stand seit vielen Jahren, doch Fachleute sind alarmiert.
Denn die Corona-Pandemie wirbelt das Leben gerade der jungen Menschen durcheinander. 
Die Münchner Arche etwa, eine auf Suizidprävention spezialisierte Beratungsstelle, verzeichnet seit dem Winter einen deutlichen Anstieg an Anfragen, die selbst sehr junge Teenager mit Suizidgedanken betreffen.
Das sind ganz klar die Auswirkungen der Pandemie und des Lockdowns auf die Jugendlichen und die Kinder,
die noch kaum Krisenerfahrung haben können oder durch frühere Belastungen besonders verletzlich sind.

Stress mit den Eltern, schlechte Noten, Streit mit Freunden, die Pubertät als solche -
"das reicht alles; um in eine Krise zu kommen".
"Wenn dann noch alles wegfallt, was normalerweise stabilisiert, die Klassenfahrt, die Pfadfinder, der Sportverein, die Party am Freitagabend, dann rutschen manche Jugendliche in eine Form von Niedergeschlagenheit, Depression und Zukunftslosigkeit, so dass sie vermehrt auf die Idee kommen, sich zu fragen: Was soll ich noch auf dieser Welt?

Den Fachleuten zufolge lässt sich nur schwer erkennen, wann ein junger Mensch Selbsttötungsge   danken hegt.
Appetitlosigkeit, Niedergeschlagenheit, Rückzug, das Aufgeben alter Hobbys und Freundschaften oder das Vernachlässigen der Körperpflege können zwar Warnzeichen sein, treten bei vielen Pubertierenden aber auch so in manchen Phasen auf. 
Dennoch sollten Bezugspersonen dann aufmerksam werden.

Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 -1110 111 und 0800 - 11110 222.

Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter:  Telefonseelsorge

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  November 2021
« Letzte Änderung: 26. November 2021, 13:22:43 von RalleGA »
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« Antwort #58 am: 24. Februar 2022, 09:03:37 »
Depression:

Wenn die Psyche krank wird   

Anzeichen, Symptome, Ursachen und mögliche Therapie    

Niedergeschlagenheit, fehlender Antrieb, Müdigkeit und allgemeine Traurigkeit gehören zu den typischen Anzeichen eines Seelentiefs.
Solche Phasen gehören zum Leben, doch sie können auch Zeichen einer Depression oder einer Angsterkrankung sein.

Eine Depression kommt oft ohne Vorwarnung. Plötzlich ist sie da - und wirft Betroffene meist völlig aus der Bahn.
Eine Depression ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die Menschen in nahezu jedem Alter treffen kann.
In Deutschland erkranken pro Jahr schätzungsweise etwa fünf Millionen Menschen an einer Depression.

Doch wie erkennt man eine solche Erkrankung?
Was sind die Ursachen - und wo finde ich Hilfe, um eine Depression überwinden zu können?
Was ist eine Depression – was sind Anzeichen und Symptome?

Von einer Depression wird als medizinisches Krankheitsbild gesprochen, wenn mehrere Krankheitszeichen über einen längeren Zeitraum von etwa 14 Tagen vorliegen. Dazu gehören neben einer gedrückten Stimmung, ein permanentes Erschöpfungsempfinden und eine ausgeprägte Freudlosigkeit - also die Unfähigkeit, sich an oder über etwas zu freuen.

Betroffene leiden im Allgemeinen unter Appetitlosigkeit. Oft verlieren die Menschen mehrere Kilogramm Gewicht in wenigen Tagen.
Normale Tagesabläufe werden plötzlich als sehr schwer und als große Herausforderung wahrgenommen.

Ein häufig auftretendes Symptom ist die Schlaflosigkeit.

Obwohl die Menschen unter Erschöpfung leiden, ist es ihnen dann nicht oder nur schwer möglich,
in einen längeren und erholsamen Schlaf zu finden.
Zudem empfinden Betroffene oft Schuldgefühle - sie geben sich die Schuld an ihrem Zustand und nehmen sich als Belastung für andere wahr. Aus dem Gefühl der Ausweg- und Hoffnungslosigkeit kann sich im schlimmsten Fall eine Todessehnsucht entwickeln – bis hin zu Gedanken und Plänen, sich etwas anzutun.
Wenn mehrere dieser Zeichen über einen längeren Zeitraum vorliegen, spricht man von einer Depression.         

Wie kommt es zu einer Depression? 
Depressionen können verschiedene Ursachen haben. Auch die Symptome sind nicht immer gleich und eindeutig.
Die genauen Ursachen sind noch immer weitestgehend unbekannt.
Eine Depression kann in der Regel auch nicht auf einen einzigen Auslöser zurückgeführt werden.
Es wird vermutet, dass sie sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse und Faktoren entwickelt.
Mediziner sprechen von einem psychosozialen und einem neurobiologischen Bereich. Diese schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Es sollten deshalb immer beide Seiten betrachtet und untersucht werden.
Zu psychosozialen Aspekten gehören z.B. frühe traumatische Erlebnisse.

Zu den neurobiologischen Aspekten zählen unter anderem vererbte, also genetische Faktoren, aber auch hormonelle Veränderungen.
Also all das, was sich im Organismus abspielt. Auslöser einer Depression können zum Beispiel permanente Überforderung, chronische Überbelastung oder ein plötzliches Verlusterlebnis sein. Aber auch positive Lebensereignisse, wie eine bestandene Prüfung oder ein Wohnortwechsel können depressive Episoden auslösen.

Wie wird eine Depression behandelt?  
Eine Depression verschwindet in aller Regel nicht von selbst und nicht ohne Behandlung.
Jedoch können die meisten erkrankten Menschen effektiv behandelt werden.
Der Einsatz von psychotherapeutischen Medikamenten - sogenannten Antidepressiva - ist meist unerlässlich.   
Einen festen Platz bei der Behandlung der Depression haben aber auch psychotherapeutische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie. Beide Therapieformen werden häufig kombiniert.
Therapeutische Angebote, die zur Verbesserung der Symptomatik, der Alltagsbewältigung und der Lebensqualität beitragen, können hinzukommen. Viele Menschen glauben, dass Depressionen vor allem durch Schicksalsschläge, Stress am Arbeitsplatz oder eine ungesunde Lebensführung entstehen.

Allerdings ist die Krankheit komplexer: Ratschläge wie „Fahr mal runter“, „Gönn‘ dir Urlaub“, „Mach mal Pause“
oder gar "Reiß dich doch mal zusammen" sind für depressive Menschen völlig ungeeignet - können sogar gefährlich werden. 
In manchen Fällen stellt sich für depressiv erkrankte Menschen die Situation so hoffnungslos dar, dass sie nicht mehr leben wollen.

Wo findet man Rat oder Hilfe?   

Bei einer Erkrankung oder dem Verdacht einer Depression sollte in jedem Fall das Gespräch mit einem Arzt gesucht werden.
Der Hausarzt ist dabei meist der erste Ansprechpartner. Dieser wird bei Bedarf an einen Facharzt überweisen. In Notfällen oder bei aufkommenden konkreten Suizidgedanken, sollte der Notruf 112 kontaktiert werden oder direkt eine psychiatrische Klinik aufgesucht werden.

Eine Liste von Krisendiensten und Bratungsstellen finden Sie unter anderem hier: Klinikadressen
Antworten auf Fragen zur Erkrankung Depression und zu Anlaufstellen bekommen Sie unter anderem am Info-Telefon der deutschen Depressionshilfe unter der Tel.: 0800 – 3344 533 (Mo, Mi, Do 13.00 - 17.00 Uhr / Mi und Fr 08.30 bis 12.30 Uhr).

Wichtiger Hinweis:  In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise und Ratschläge gegeben.
Er sollte nicht zur Selbstdiagnose verwendet werden. 
Suchen Sie bei dem Verdacht einer Erkrankung in jedem Fall einen Arzt auf.   

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Dezember 2021

« Letzte Änderung: 24. Februar 2022, 09:12:32 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Psyche und Depressionen - öffentlicher Austausch + Informationen
« Antwort #59 am: 28. April 2022, 10:36:56 »
Dauerlärm kann Depressionen hervorrufen

Stress, der krank macht    


Dröhnen, Bummern, Kreischen: Dass Lärm nervt, weiß jeder.
Doch andauernde Lärmbelästigung kann sogar konkrete Krankheiten fördern.   
Lärm versetzt den Körper automatisch in Alarmbereitschaft.
So erhöht sich zum Beispiel der Blutdruck und Stresshormone werden aktiviert.
Wird Lärm zum Dauerzustand, können chronische Krankheiten entstehen.

Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) hin.
Anlass ist der Tag gegen den Lärm am 27. April.
So begünstige anhaltende Lärmbelästigung das Auftreten von Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie von Diabetes Typ 2.
Aber auch psychische Erkrankungen können eine Folge von Dauerlärm sein. Dringt Umgebungslärm in Gefühle und Gedanken und stört den Schlaf und die Erholung, entstehen Ärger, Erschöpfung und Stresssymptome.
Das fördert auf Dauer die Entstehung von Depressionen.

Lärm bei Diagnosefindung nicht vernachlässigen
Laut DGPM stört Menschen vor allem die Belästigung durch Fluglärm, gefolgt von Straßen-, Nachbarschafts-, Industrie- und Bahnlärm.
Oft sei der Lärm kombiniert mit Luftverschmutzung etwa durch Feinstaub.
Auch dieser könne im Blut Entzündungsprozesse auslösen, die mit Depressionen in Wechselwirkung stünden.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  April 2022
« Letzte Änderung: 28. April 2022, 10:41:55 von RalleGA »
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