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Autor Thema: Dünndarmkarzinome bei HNPCC  (Gelesen 11275 mal)

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Offline busymouse

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Dünndarmkarzinome bei HNPCC
« am: 28. Mai 2007, 20:15:20 »
Allgemeine Informationen zum Dünndarmkrebs

Karzinome des Dünndarms sind ausgesprochen seltene Erkrankungen. Sie stellen ca. 2 % aller Tumoren des Magen-Darm-Traktes dar.

Krankheiten, die etwas häufiger mit der Entwicklung eines Dünndarmkarzinoms einhergehen, sind der Morbus Crohn, die Zöliakie, das vererbliche, nicht polypöse colo-rectale Karzinom (HNPCC) sowie die familiäre adenomatöse Poliposis (FAP). Risikofaktoren, die jeder selbst beeinflussen kann, sind: Nikotinkonsum und eine an tierischen Fetten reiche Ernährung.

Dünndarmkarzinome kommen bei Männern und Frauen gleichhäufig vor. Da sie häufig mit unspezifischen Symptomen einhergehen und mit Untersuchungstechniken der Endoskopie und Sonographie in Routineuntersuchungen im frühen Stadium praktisch nicht zu erkennen sind, werden Dünndarmkarzinome häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert. Bei 40 % der Patienten bestehen bei der Erstdiagnose bereits Metastasen.

Symptome eines Dünndarmkarzinoms können sein: Oberbauchschmerzen, Gewichtsverlust und Anämie. Diese treten jedoch auch bei vielfältigen anderen, zum Teil auch harmlosen Erkrankungen auf.

(Quelle: Habichtswald-Klinik Kassel Bad-Wilhelmshöhe: Karzinome des Dünndarms)

Hier werden Fragen zu Diagnose und Therapie verständlich beantwortet:

Weitere Weblinks:


HNPCC mit Dünndarmkarzinomen

Das kumulative Lebenszeitrisiko für Dünndarmkarzinome im Rahmen eines HNPCC beträgt ein
bis 4%. Das Risiko scheint bei Anlageträgern mit einer MLH1-Mutation höher zu sein als für
Patienten mit einer MSH2-Mutation.

Quelle: S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom 2004/2008 [Heft 8, Seite 7]

Das mediane Erkrankungsalter liegt bei 49 bis 54 Jahren. Bei etwa 35 Prozent der Fälle ist das HNPCC-assoziierte Dünndarmkarzinom im Duodenum (Zwölffingerdarm) lokalisiert. HNPCC-Patienten mit Dünndarmkarzinomen erfüllen zu 80 Prozent die Amsterdam-Kriterien, eine familiäre Häufung von Dünndarmkarzinomen wird bei 17 Prozent der Betroffenen beschrieben. Bei 43 Prozent der Patienten tritt das Dünndarmkarzinom als Zweittumor nach einem anderen HNPCC-Malignom auf, zehn Prozent der Patienten entwickeln im Verlauf ein Zweitkarzinom im Dünndarm.

Quelle: aerzteblatt.de/Dtsch Arztebl 2004; 101: A 506–512 [Heft 8]

Zitat
Das Dünndarmkrebs-Risiko bei HNPCC -  eine niederländische Studie

Einer von 25 HNPCC-Mutationsträgern bekommt Dünndarmkrebs. Das Lebenszeit-Risiko für den Dünndarmkrebs beträgt 4,2 Prozent. Das ist das Fazit einer niederländischen Studie.

Forscher in den Niederlanden erfassten 1500 Menschen aus 190 Familien, die ein HNPCC-Gen geerbt hatten. Sie fanden 28 Fälle von Dünndarmkrebs. Die Diagnose Krebs erfolgte bei einem durchschnittlichen Alter von 52 Jahren, wobei die jüngsten Patienten 23 und die ältesten 69 Jahre alt waren.

Angesichts des relativ geringen Risikos, werden invasive und aufwändige Vorsorgeverfahren nicht empfohlen. Kostengünstige Methoden wie die Kapselendoskopie könnten eine brauchbare Methode zur Vorsorgeuntersuchung sein.

An Dünndarmkrebs sollte immer dann gedacht werden, wenn Menschen mit HNPCC Bauchschmerzen haben oder an Blutarmut leiden.

In der Häufigkeit des Auftretens gab es weder einen Unterschied zwischen den Geschlechtern noch einen zwischen Patienten mit einer MLH1- oder MSH2-Mutation. Allerdings entwickelte keiner der Patienten mit einer MSH6-Mutation im Verlauf der Studie Dünndarmkrebs.

Ein vorangegangener Dickdarmkrebs und gehäuftes Vorkommen von Dünndarmkarzinomen in der Familiengeschichte erhöhten das Risiko nicht.

Freie Übersetzung von: HNPCC patients at risk for small bowel cancer

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Änderungen:
10.10.2012 - Linkkontrolle
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2012, 18:35:27 von busymouse »
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Offline mümmelchen

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Re: HNPCC mit Dünndarmkarzinomen
« Antwort #1 am: 31. Oktober 2007, 14:37:37 »
Hallo Zusammen,
ich weiß nicht ob ich was neues hierzu beitragen kann, aber ich bin selbst Betroffen. Habe Dünndarmkrebs, Adenocarcinom. Nach meiner letzten OP im September 07 wurde festgestellt, das ich HNPCC habe.

Ich war dann bei einer Humangenetischen Beratung und mir wurde mitgeteilt,das es sich bei mir um eine mutation des MLH! handelt. Mir wurde Blut abgenommen und ich nehme jetzt an einer Studie teil. Sobald ich was neues höre, werde ich es Euch wissen lassen.

Mir wurde gesagt das das Risko zu Gebärmutterschleimhautkrebs und Talgdrüsenkrebs sowie Magenkrebs erhöht sei.

Liebe Grüße
Monika   ;)

Offline busymouse

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Re: HNPCC mit Dünndarmkarzinomen
« Antwort #2 am: 01. November 2007, 18:18:40 »
Hallo Monika,
danke, dass Du das hier hinein geschrieben hast!   8) :thx2

Dass HNPCC bei Frauen insgesamt oft mit Gebärmutterkrebs einhergeht, ist bekannt. Dass der HNPCC-Dünndarmkrebs mit einer möglichen Häufung von Talgdrüsen- und Magenkrebs einhergeht, ist mir neu. Ich werde am Wochenende mal schauen, ob ich dazu zusätzliche Informationen bekommen kann. Wer weiß, vielleicht finde ich ja etwas...

:) Grüssi Birgit

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Offline petra

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Re: HNPCC mit Dünndarmkarzinomen
« Antwort #3 am: 01. November 2007, 23:03:23 »
Hallo Monika :)Schön das du uns gefunden hast :Ich begrüße dich herzlich.Petra

Offline busymouse

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Re: HNPCC mit Dünndarmkarzinomen
« Antwort #4 am: 04. November 2007, 11:22:56 »
Hi Monika,

ich konnte bei intensiver Recherche keinen Hinweis darauf finden, dass Talgdrüsentumoren vermehrt mit Dünndarmkrebs auftreten. Eine Häufung von Talgdrüsentumoren gibt es, so wie ich es sehen kann, nur in Verbindung mit dem Muir-Torre-Syndrom (MTS).

Das MTS kann mit jedwedem Tumor des Magen-Darm-Traktes einhergehen. Hattest Du denn schon Tumoren der Haut, die eine Vermutung von Muir-Torre nahelegen?

Ansonsten würde ich meinen, dass Du das gleiche Risiko des Auftretens anderer oder gleicher Tumorformen hast wie jeder andere HNPCC'ler auch.

 ;) Grüssi Birgit
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