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Autor Thema: TRPS - Forschung  (Gelesen 7647 mal)

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Offline D.Reuter

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TRPS - Forschung
« am: 21. Mai 2008, 21:18:12 »
Pressemitteilung

Essener Humangenetiker identifizierten wichtigen Faktor der Haar-, Gesichts- und Skelett-Entwicklung

Monika Roegge, Pressestelle Standort Essen
Universität Essen (bis 31.12.2002)
15.02.2000

Wissenschaftlern des Essener Universitätsklinikums ist in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Jena die
Identifizierung eines Gens gelungen, das ein wichtiger Faktor für die Haar-, Gesichts- und
Skelettentwicklung ist. Veränderungen in diesem Gen führen zum sogenannten Tricho-Rhino-PhalangealenSyndrom
Typ I. Die Träger eines mutierten Gens haben spärliches Kopfhaar, abstehende Ohren, eine große
Nase und eine schmale Oberlippe und leiden unter einer Knochenwachstumsstörung. Das Syndrom hat dem
jetzt identifizierten Gen seinen Namen gegeben: TRPS1.

41/2000

15. Februar 2000

In der Fachwelt haben die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler in Essen und Jena bereits weithin Beachtung
gefunden. Die hochangesehene wissenschaftliche Zeitschrift Nature Genetics berichtete darüber in ihrer
Januarausgabe. An der Arbeit waren im Institut für Humangenetik des Essener Klinikums Dipl.-Biologin Parastoo
Momeni, Dr. Hermann-Josef Lüdecke und Professor Dr. Bernhard Horsthemke und in Jena Dr. Gernot Glöckner und
Professor Dr. Andre Rosen-thai beteiligt.

Das TRPS1 Gen trägt die Information für einen Schalter, der andere Gene reguliert. Untersuchungen zur Funktion
des Genproduktes werden, so ist Horsthemke überzeugt, die Entstehung des TRP-Syndroms klären und darüber
hinaus einen generellen Beitrag zum Verständnis der Haar-, Gesichts- und Skelettentwicklung leisten.

Patienten mit dem TRP-Syndrom Typ I klagen insbesondere über orthopädische Probleme, die eine Folge der
Knochenwachstumsstörung sind. Sie führt zu Kleinwuchs und einer Verkürzung und Verkrümmung der Finger, die
mit Bewe-gungseinschränkungen verbunden sein können. Gelenkveränderungen können darüber hinaus Rheumaähnliche
Beschwerden im Hüftbereich auslösen. Weitere Kennzeichen des Syndroms sind häufige Infekte der
oberen Atemwege im Kin-desalter, Störungen des Hörvermögens und Herzfehlbildungen.

Wenn zu den genannten Krankheitszeichen noch gutartige Auswüchse (multiple Exostosen) an den langen
Röhrenknochen hinzukommen, spricht man vom Tri-cho-Rhino-Phalangealen-Syndrom Typ 11. Allen Patienten mit
TRPS 11 fehlt ein kleines Stück vom langen Arm des Chromosoms 8 einschließlich des TRPS1 und des EXT1 Gens.
Auch das EXT1 Gen wurde - vor etwa vier Jahren - von der Essener Forschergruppe identifiziert.
Das komplexe Spektrum des Syndroms und die Variabilität der Symptome ist nicht allen Fachärzten bekannt.
Dermatologen, Orthopäden oder HNO-Ärzte etwa behandeln Einzelsymptome, ohne die eigentliche Krankheit zu
erkennen. Das Tricho-Rhino-Phalangeale-Syndrom ist deshalb unterdiagnostiziert.

Literatur: Nature Genetics Vol. 24, 71-74

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (0201) 1 83-2085
Weitere Informationen: Prof. Dr. Bernhard Horsthemke, Telefon (02 01) 723-4556
« Letzte Änderung: 21. Mai 2008, 21:21:24 von D.Reuter »

Offline busymouse

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Re: TRPS - Forschung
« Antwort #1 am: 04. Januar 2009, 16:28:13 »
Diese Veröffentlichung ist schon etwas älter (2000), aber trotzdem interessant:

Die Tricho-rhino-phalangealen-Syndrome (TRPS) werden durch Fehlbildungen von Schädel und Gesicht sowie des Skeletts gekennzeichnet. Drei Subtypen wurden beschrieben: TRPS1, verursacht durch Mutationen im TRPS1 Gen auf dem Chromosom 8, TRPS II, ein Mikrodeletionssyndrom, das die Gene TRPS1 und EXT1 betrifft und TRPS III, eine Variante mit schwerer Brachydaktylie, kurzen Mittelhandknochen und schwerem Minderwuchs, aber ohne Exostosen.

Um zu untersuchen, ob TRPS III durch Mutationen auf dem TRPS1-Gen verursacht wird und um eine Genotyp-Phänotyp-Korrelation für TRPS zu erstellen, wurden umfangreiche Mutationsanalysen durchgeführt und zudem der Grad der Brachydaktylie bei Patienten mit TRPS I und TRPS III bestimmt. Es wurden 35 verschiedene Mutationen in 44 von 51 Patienten gefunden, die untereinander nicht in verwandtschaftlicher Beziehung standen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das TRPS1-Gen sowohl für TRPS 1 als auch für TRPS 3 der wichtigste Genort ist.

Bei den Eltern von Patienten mit sporadisch aufgetretenem TRPS (=keine betroffenen Verwandten) und in scheinbar gesunden Verwandten der familiär vorbelasteten Patienten wurden keine Mutationen gefunden.

Die Beurteilung der Skelettanomalien bei den Patienten mit TRPS1-Mutationen zeigte ein breites klinisches Spektrum. Weder Alter oder Geschlecht, noch das Vorliegen einer identischen Mutation hatten Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild (=Phänotyp) der Patienten – das galt selbst für identische Mutationen innerhalb einer Familie.

Vier der fünf in der Untersuchung gefundenen Missense-Mutationen verändern den DNA-bindenden Zink-Finger-Transkriptionsfaktor GATA. Sechs der sieben nicht miteinander verwandten Patienten mit diesen Mutationen können als TRPS 3-Patienten eingestuft werden. Die Daten weisen darauf hin, dass TRPS3 eine schwerere Verlaufsform des TRPS-Spektrums darstellt und dass es meistens durch eine spezifische Klasse von Mutationen im TRPS1-Gen ausgelöst wird.

>>> www.pubmedcentral.nih.gov - Lüdecke et al: Genotypic and Phenotypic Spectrum in Tricho-Rhino-Phalangeal Syndrome Types I and III. Am J Hum Genet. 2001 January; 68(1): 81–91. Published online 2000 December 7.
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(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)