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Autor Thema: Konstitutives MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom - kindliches Krebs-Syndrom  (Gelesen 8921 mal)

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Konstitutives MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom
Frühkindliches Auftreten von Tumoren bei Gendefekten an den MMR-Genen

HNPCC vererbt sich autosomal-dominant. Autosomal bedeutet, dass es nicht auf den Geschlechtschromosomen (X und Y-Chromosomen) vererbt wird, sondern auf den anderen Chromosomen, die als Autosomen bezeichnet werden. Chromosomen sind immer paarweise vorhanden. Eines erhält man vom Vater und eines von der Mutter. Dominant bedeutet, dass es ausreicht, von einem Elternteil HNPCC vererbt zu bekommen, um daran zu erkranken. Das gesunde Chromosom vom anderen Elternteil ist nicht in der Lage, den zugrundeliegenden Gen-Defekt auszugleichen. Die kranken Gene "dominieren" das Geschehen. Im Allgemeinen haben HNPCC-Betroffene folglich ein "gesundes" Chromosom und ein "krankes". Man spricht dabei von einem heterozygoten Vorliegen der Keimbahnmutation.

Vererben beide Elternteile den gleichen Gendefekt, dann spricht man von einem homozygoten Vorliegen der Keimbahnmutation. Diese bi-allelen Keimbahnmutationen in den Genen des Mismatch Repair Systems führen zu einem autosomal-rezessiven kindlichen Krebssyndrom, das erst seit Kurzem bekannt ist und als konstitutives MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom bezeichnet wird. Ca. 50 Prozent aller Patienten mit CMMR-D Syndrom tragen eine PMS2-Mutationen.

Das konstitutive MMR-Defizienz (CMMR-D) Syndrom kann zu einem frühkindlichen Auftreten von Leukämien, Hirntumoren, gastrointestinalen Tumoren, Polyposis sowie Anzeichen für Neurofibromatose 1 führen.

Quellen:

>>> Constitutional mismatch repair-deficiency syndrome: have we so far seen only the tip of an iceberg? (engl.)
>>> www.icr.ac.uk (engl.)
>>> Homozygous PMS2 germline mutations in two families with early-onset haematological malignancy, brain tumours, HNPCC-associated tumours, and signs of neurofibromatosis type 1 (engl.)

Allgemeines über frühkindliches Auftreten von Krebs

Die Kenntnis über erbliche Faktoren für die Entwicklung von Tumoren im Kindesalter beschränkt sich bislang auf einige wenige bekannte Syndrome. Einen kleinen Überblick gibt diese Seite: www.swiss-paediatrics.org: "Veranlagungen für Tumorkrankheiten im Kindesalter"

In Bezug auf familiäre Krebs-Syndrome gibt es bislang insgesamt nur wenige Untersuchungen. Doch scheint es auch bei Mutationen an BRCA2 (Ovarial- und Mammakarzinom) und CDKN2A (Melanom) zu frühkindlichem Auftreten von Tumoren kommen zu können. So deutet diese Studie beispielsweise darauf hin, dass das Risiko für Tumoren der Kindheit bei Familien mit Keimbahn-Mutationen in BRCA2, MMR und CDKN2A erhöht wird, nicht aber bei Vorliegen einer Mutation auf BRCA1:

Zitat
Magnusson et al. werteten diesbezüglich Stammbäume aus der Datenbank der Regional Oncogenetic Clinic an der Lund University Hospital aus, um die Prävalenz von Krebserkrankungen bei Kindern aus solchen betroffenen Familien im Vergleich zu einer Kontrollgruppe zu schätzen. Die Prävalenz für Krebs vor dem 18. Lebensjahr lag in der Kontrollguppe bei 0,8%. Demgegenüber wurde bei Mutationen auf BRAC2 eine Prävalenz von 9,3%, bei Defekten an den MMR-Genen eine Prävalenz von 19,4% und bei Mutationen auf CDKN2A eine Prävalenz von 20% errechnet. Allerdings wurde bei Defekten an BRCA1 keine Risiko-Erhöhung gefunden.

>>> pubmed/Mai 2008: Higher occurrence of childhood cancer in families with germline mutations in BRCA2, MMR and CDKN2A genes (engl.)
« Letzte Änderung: 29. Mai 2009, 14:17:55 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)