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Autor Thema: Familiäres Auftreten von Lungenkrebs  (Gelesen 6251 mal)

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Offline busymouse

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Familiäres Auftreten von Lungenkrebs
« am: 28. Mai 2009, 12:48:54 »
Lungenkrebs und HNPCC

Zitat
Ererbte Faktoren scheinen bei der Entstehung von Lungenkrebs eine Rolle zu spielen. Wie bedeutsam sie sind, und wie häufig sie tatsächlich an der Entwicklung von Lungenkrebs beteiligt sind, ist allerdings noch in weiten Teilen ungeklärt.

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de

In der Literatur stellt sich das Thema familiärer Bronchialkarzinome sehr dünn dar. Man weiß bislang sehr wenig darüber.

Die beste Zusammenschrift erblicher Faktoren beim Lungenkrebs fand ich im Rahmen der Dissertation von Klaus Rehe aus dem Jahr 2001:

>>> Beschreibung einer Familie mit häufigem Lungenkarzinom Gewinnung und Asservierung von DNA und B-Zellen für molekulargenetische Analysen

Auch er schreibt:

Zitat
Eine familiäre Häufung, d. h. eine mögliche genetische Prädisposition von Lungenkarzinomen wurde erstmals auf der Grundlage statistischer Analysen postuliert. Die Gesamtmortalität an Karzinomen war bei Familienangehörigen von Patienten mit einem Lungenkarzinom signifikant höher und der Anteil der Malignome des Respirationstraktes unter Berücksichtigung des Raucherstatus war ungefähr dreimal so hoch (Tokuhata, 1964). Andere Studien bestätigten die genetische Suszeptibilität für Malignome bei Verwandten eines an Lungenkarzinom Erkrankten und spezifizierten das erhöhte Krebsrisiko insbesondere für die Trachea, die Bronchien, die Lunge, die Nasenhöhle, den Larynx, den Uterus, die Zervix, die Ovarien und andere weibliche Geschlechtsorgane (Lynch et al., 1986; Sellers, 1987). Am größten ist dieses Risiko beim SCLC (Sellers et al., 1992 a).

Veröffentlichungen, die von mehreren Bronchialkarzinomen unter Geschwistern oder
Bronchialkarzinomen über mehrere Generationen einer Familie berichten, sind in der
Literatur selten.

Im Weiteren findet sich eine Tabelle mit möglicherweise beteiligten Genorten. Dort wird zwar auch das MLH1-Gen benannt. Gleichzeitig erfolgt aber auch der Hinweis "Mikrosatelliteninstabilitäten sind selten".

Insgesamt hat es den Anschein, dass Lungenkrebs im Rahmen von HNPCC zwar möglich ist, insgesamt aber eine eher kleine bis gar keine Rolle spielt.
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)