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Autor Thema: Rund um die Betreuung; u.a. Vorsorgevollmacht, Betreuungsvorschlag  (Gelesen 9444 mal)

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Vorsorgevollmacht klärt Betreuung

Ob Krankheit, Unfall oder Altersverwirrtheit:

Wer seine persönlichen und finanziellen Belange nicht mehr wahrnehmen. kann, braucht jemanden, der an seiner Stelle rechtswirksam handelt.
Doch selbst nahe Verwandte dürfen dies nicht automatisch - sie brauchen dafür einen Auftrag:

Er wird in so genannten Vorsorgevollmacht erteilt.

"Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine Generalvollmacht zur Vertretung in allen persönlichen Angelegenheiten zu erstellen", rät Wolfgang Schuldzinski, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
Dazu gehören unter anderem Vermögens-, Behörden-, Renten- und Sozialhilfeangelegenheiten.
Auch die Bestimmung des Aufenthaltsorts sowie ärztliche und pflegerische Maßnahmen werden damit abgedeckt.

Zu einer separaten medizinischen Vollmacht rät dagegen Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Hospiz-Stiftung in Berlin: "In einer Generalvollmacht sind medizinische Fragen nicht ausreichend geregelt."
Diese separate Vollmacht könne auch in eine umfassende Vorsorgevollmacht eingearbeitet werden.
Darin muss die Vertrauensperson für Entscheidungen in zwei Sonderfällen ausdrücklich bevollmächtigt werden:
Erstens bei  risikoreichen medizinischen Behandlungen und
zweitens bei freiheitsentziehenden Maßnahmen.
Sind diese Fälle nicht benannt, wird ein gerichtlicher Betreuer bestellt.

Es kommt immer wieder vor, dass ein Gericht Zweifel an der Wirksamkeit einer Vorsorgevollmacht hat. Es wählt dann eine "geeignete" Person. Stehen keine Angehörigen zur Verfügung, so greift es auf Mitarbeiter von Betreuungsvereinen oder Berufsbetreuer zurück. "Die Vorsorgevollmacht muss deshalb mit einer Betreuungsverfügung gekoppelt sein", rät Brysch.
Darin legt der Vollmachtgebende fest, dass der Bevollmächtigte als Betreuer eingesetzt werden soll.
Angesichts seiner umfassenden Rechte muss der Bevollmächtigte sorgsam ausgewählt werden.
In der Regel wird ein naher Verwandter eingesetzt.
"Es ist immer sinnvoll, eine Ersatzperson zu benennen", empfiehlt Bernhard Dombek, Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. Daneben ist es auch möglich, Verfügungsbereiche auf verschiedene Personen aufzuteilen. "Bei einer solchen Aufsplittung sollte für jede Person eine Vollmacht verfasst werden, in der auch explizit der Bereich aufgeführt ist, für welchen der Bevollmächtigte nicht zuständig sein soll", rät Schuldzinski.
Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen sind an keine bestimmte Form gebunden:
Sie müssen schriftlich verfasst, mit Ort und Datum möglichst vom Verfasser und vom Bevollmächtigten unterschrieben und regelmäßig aktualisiert werden.

Vordrucke gibt es bei den Verbraucherzentralen oder den Justizministerien.

Weitere Informationen im Internet: www.bmj.de/media/ar¬chive/332.pdf,  www.vorsorgeregister.de.

Fundstelle: „ALTMARK-ZEITUNG“ vom 19. Juli 2008
« Letzte Änderung: 15. Oktober 2009, 13:26:02 von RalleGA »
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Re: Vorsorgevollmacht erklärt Betreuung
« Antwort #1 am: 27. Februar 2009, 10:06:24 »
                                      Betreuung und Vorsorgevollmacht

Hintergrund : Zur rechtlichen Betreuung

Die sogenannte rechtliche Betreuung ist das Ergebnis mehrerer Umbenennungen.
lm Volksmund ist der Begriff der Entmündigung nach wie vor verbreitet.
Damit ging früher das "Bereitstellen eines Vormundes "einher.
Diese Fälle wurden umbenannt in "Gebrechlichkeitspflegschaft", anschließend in "Betreuung".
Das habe allerdings auch danach geklungen, als helfe der Bestellte "beim Essen und Spazierengehen".
Daher gibt es seit Anfang dieses Jahrtausends den "rechtlichen Betreuer", der sich um die Rechtsgeschäfte kümmert.


Mit zunehmendem Alter sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen.
Sie können ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr ohne weiteres selbst erledigen.
Oft ist es daher nötig, in diesem Lebensabschnitt wichtige Entscheidungen rechtlich auf Dritte zu übertragen.

Dafür bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten
- die Betreuungsverfügung
- die Vorsorgevollmacht.


Viele Betroffene und ihre Familienangehörigen wissen aber nicht, wie sich die Regelungen genau auswirken und wie man sich vor Missbrauch durch sie schützt.

Rechtliche Betreuung oder Vorsorgevollmacht - die Voraussetzungen und Folgen sind unterschiedlich.

"Eine Vorsorgevollmacht erstellt jemand freiwillig in gesunden Tagen, damit er jemanden hat, der im Ernstfall für ihn handeln kann", erklärt die Rechtsanwältin Ingrid Groß aus Augsburg, die Mitglied im Familienausschuss des Deutschen Anwaltvereins in Berlin ist.

Eine rechtliche Betreuung wird dagegen erst installiert, wenn eine Person rechtlich nicht mehr für sich selbst handeln kann
und sie keine Vorsorgevollmacht ausgestellt hat.

"Ein rechtlicher Betreuer wird vom Gericht bestellt, wenn der Betroffene aufgrund einer Krankheit nicht mehr seine Angelegenheiten regeln kann", erklärt die Rechtsanwältin Bärbel Schönhof aus Bochum.

Der dritte Begriff ist der der Betreuungsverfügung.
"Das ist der Wunsch für die Auswahl des rechtlichen Betreuers an das Gericht", sagt Groß.
Etwa, Wenn eine bestimmte Person im Ernstfall vom Gericht bestellt werden soll, um sich um das Rechtliche zu kümmern.

Die rechtliche Betreuung - und somit die Betreuungsverfügung sind aber nicht so weitreichend wie die Vorsorgevollmacht.
Denn im Gegensatz zu einem rechtlichen Betreuer handle ein Bevollmächtigter mit Vorsorgevollmacht rein privatrechtlich.
Daher ist dieser Fall stärker anfällig für Missbrauch.
"Das sind die Fälle, die dann bei mir auflaufen", sagt Groß, "zum Beispiel, wenn bei einem Dementen dann einfach Geld abgehoben wird."
Diese Fälle gibt es, weil der Inhaber der Vorsorgevollmacht nicht verpflichtet ist, gegenüber dem Gericht Rechenschaft abzulegen, erläutert Groß.
"Der Bevollmächtigte wird nicht vom Gericht kontrolliert." Er sollte daher immer jemand sein,
dem der Betroffene vollständig vertraut, rät Schönhof.

"Der Bevollmächtigte muss quasi nur Rechenschaft ablegen, wenn er erwischt wird.

Der rechtliche Betreuer muss jährlich mit Belegen beim Gericht Rechenschaft  über seine Tätigkeit ablegen",
sagt Groß.

Besteht bei der Vorsorgevolmacht der Verdacht, dass der  Bevollmächtigte nicht im Interesse des Betroffenen handelt,
könne dieser sich an einen Anwalt wenden, sagt Groß.
Der stelle dann Strafanzeige gegen den Beschuldigten. "Er verklagt  den Bevollmächtigten dann auf Auskunft und Rechenlegung."
Erst im Zweifelsfall habe der Bevollmächtigte dann die Pflicht, Belege und Rechnungen über das vorzulegen, was er eingenommen und ausgegeben hat, sagt Groß.
"Der Betroffene  kann im Missbrauchsfall Schadensersatz fordern."
Hat der Betroffene das Gefühl, hintergangen zu werden, könne er auch beantragen, dass zusätzlich ein  Kontrollbetreuer eingesetzt wird, erklärt Heinrich Meyer Götz, Anwalt für Familienrecht in Dresden.

Vollmachten gibt es in unterschiedlichen Versionen.
Im Fall einer Generalvollmacht regelt der Bevollmächtigte alles, sagt Groß.
Es gebe aber auch Vollmachten, die nur für Teilbereiche gelten.
"Solange jemand geschäftsfähig ist, kann er die Vorsorgevollmacht aber auch wieder entziehen", sagt Meyer Götz.
Auch die rechtliche Betreuung ist nicht unumstößlich.
"In der Regel wird jemand für sieben Jahre zugewiesen", sagt Schönhof.
Besteht Aussicht auf gesundheitliche Besserung, könne das Gericht die Zeit auf zwei Jahre verkürzen.
Generell gilt: Wenn sich der Bedarf ändert, müsse neu entschieden werden.
"Mindern sich etwa langsam die Beeinträchtigung eines Schlaganfalls, kann die Betreuung aufgehoben werden.
"Fühlen sich Betroffene hintergangen, können sie bei Gericht den Antrag für einen neuen Betreuer stellen, sagt Groß.
Wer als Betreuer eingesetzt wird, richtet sich auch nach der Bereitschaft und Verfügbarkeit.
"Nach der gesetzlichen Regelung sind Angehörige zu bevorzugen
."

Die Betreuungsbehörden würden aber auch selbst Vorschläge machen.

Rechtlich sei für die Betreuung erforderlich, dass eine Krankheit die Ursache dafür ist, dass der Betroffene seine Angelegenheiten nicht mehr besorgen kann.
Laut Meyer-Götz ist eine frühe Betreuungsverfügung empfehlenswert
.

Entgegen dem allgemeinen Glauben werde im Krankheitsfall nicht automatisch der Lebenspartner zum Betreuer.

Literatur-Tipp:
Walter Zimmermann: Ratgeber Betreuungsrecht - Hilfe für Betreute und Betreuer,

Beck-Rechtsratgeber im dtv, ISBN 978-3-406-54999-1, 10 Euro.

Fundquelle: „ALTMARK-ZEITUNG 21.02.2009
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Re: Vorsorgevollmacht erklärt Betreuung
« Antwort #2 am: 06. Juli 2009, 11:11:07 »
Betreuungsrecht:
Ich bin nicht mit den Maßnahmen der Betreuerin/des Betreuers einverstanden. Was kann ich tun?


Betreute Menschen beziehungsweise auch ihre Angehörigen beschweren sich häufig bei der Behindertenbeauftragten über die/den vom Gericht eingesetzte/n Betreuerin/Betreuer.

Die Beschwerden betreffen die unterschiedlichsten Fragen, wie beispielsweise:

- Wie viel Taschengeld muss mir meine Betreuerin/mein Betreuer monatlich zur Verfügung stellen?
- Was kann ich tun, wenn ich mit Maßnahmen meiner Betreuerin/meines Betreuers nicht
  einverstanden bin, z.B. wenn gegen meinen Willen meine Wohnung aufgelöst und ich in einem 
  Heim untergebracht werden soll?
- Darf die Betreuerin/der Betreuer bestimmen, wen ich treffen darf und wen nicht?
- Ich will eine andere Betreuerin/ einen anderen Betreuer. Was kann ich tun?

Die Behindertenbeauftragte hat keine rechtliche Befugnis, die Betreuungsführung zu kontrollieren. Sie kann in diesen Fällen Hinweise auf die Rechtslage in allgemeiner Form geben und Beratung durch andere Stellen vermitteln.

In Betracht kommen dafür die Betreuungsvereine, Betreuungsbehörden und fachkundige Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte.
Auch Verbände behinderter Menschen haben kompetente Ansprechpartner.

Betreuerinnen und Betreuer werden vom Vormundschaftsgericht kontrolliert.
Kommt es also zu Schwierigkeiten, besteht die Möglichkeit, seine Beschwerden beim Vormundschaftsgericht vorzutragen.
Das Gericht muss den Beschwerden nachgehen und kann ggf. die erforderlichen Maßnahmen ergreifen.
Stellt das Gericht beispielsweise fest, dass die Betreuerin/der Betreuer seine Aufgabe nicht sachgerecht erfüllt,
ist Sie/Er vom Gericht zu entlassen.
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Re: Rund um die Betreuung; u.a. Vorsorgevollmacht, Betreuungsvorschlag
« Antwort #3 am: 15. Oktober 2009, 13:31:04 »
Auch Geschäftsunfähige können Betreuer vorschlagen

 Auch eine geschäftsunfähige Person kann einen rechtlichen Betreuer für sich vorschlagen.
Voraussetzung ist, dass die Person volljährig ist.
Außerdem muss es sich um ihren freien Willen handeln.

Das erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf in dem neuen Ratgeber "Betreuung".
Das Gericht muss dem Vorschlag entsprechen, wenn er dem Wohl des zu Betreuenden nicht zuwiderläuft.
Ein Betreuer im juristischen Sinne hat die Aufgabe, die Angelegenheiten des Betreuten rechtlich zu besorgen.
Ist der Betroffene nicht in der Lage, jemanden vorzuschlagen, soll möglichst ein Betreuer ausgewählt werden,
der mit ihm verwandt ist oder eine andere persönliche Verbindung hat.
Häufig sind das Eltern, Kinder, Ehegatten oder Lebenspartner, erläutert die Verbraucherzentrale.

Jeder Bürger sei verpflichtet, eine Betreuung zu übernehmen, soweit er dafür geeignet und die Aufgabe zumutbar ist.
Allerdings könne eine Person nur dann zum Betreuer bestimmt werden, wenn sie zur Übernahme bereit ist.

Informationen:
Das gemeinsam von der Verbraucherzentrale und dem ARD Ratgeber Recht herausgegebene Buch "Betreuung" kann zum Preis von 11,40 Euro bestellt werden beim Versandservice, Adersstraße 78, 40215 Düsseldorf, Telefon: 0211/38 09 555.

Internetauftritt der Verbraucherzentrale NRW: www.vz-nrw.de
Fundquelle: „VOLKSSTIMME“ 10-2009

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Re: Rund um die Betreuung; u.a. Vorsorgevollmacht, Betreuungsvorschlag
« Antwort #4 am: 30. August 2010, 08:09:50 »
Notarielle Vorsorgevollmacht ist sicherer als rein private Erklärung

Jeder kann durch Unfall, Krankheit oder nachlassende Kräfte im Alter in die Lage geraten, wichtige Angelegenheiten seines Lebens nicht mehr selbst regeln zu können.
Man sollte daher rechtzeitig vorsorgen und die Regelung dieser Angelegenheiten in vertrauensvolle Hände legen.

Durch eine Vorsorgevollmacht kann in der Regel sogar die gerichtliche Anordnung einer Betreuung vermieden werden.
Damit die Vollmacht im Fall der Fälle tatsächlich anerkannt und auch für Grundbuchzwecke tauglich ist, sollte sie notariell beurkundet werden.
Zwar verfassen immer mehr Menschen in Deutschland eine Vorsorgevollmacht, viele verlieren jedoch aufgrund der Masse der im Umlauf befindlichen Vollmachtsmuster den Überblick.
Dabei ist gerade in diesem, sensiblen Bereich besonders darauf zu achten, dass die Vollmacht rechtlich korrekt formuliert ist und den individuellen Bedürfnissen des Vollmachtgebers entspricht.

Das OLG München hatte nun in zwei Fällen Gelegenheit, über die Praxistauglichkeit von Vorsorgevollmachten zu entscheiden.
In seiner Entscheidung vom 16.12.2009 (Az. 34 Wx 097/09) hatte das Gericht über ein von der Stadtverwaltung beglaubigtes Vollmachtsformular zu befinden.
Der Bevollmächtigte wollte mittels der Vollmacht ein Grundstück verkaufen.
Das Grundbuchamt lehnte die Eigentumsumschreibung ab, da die Vollmacht mangels öffentlicher,
also zum Beispiel notarieller Beglaubigung nicht für Grundbuchzwecke geeignet sei.
Zu Recht, wie das OLG München befand.
Denn neben einem Formfehler im Beglaubigungsvermerk war auch der Inhalt der Vollmacht unglücklich formuliert.
Damit Vollmachten universell einsetzbar und auch rechtlich einwandfrei gefasst sind, sollten sie daher vom Notar beurkundet werden.

Dem Beschluss vom 5.6.2009 (Az. 33 Wx 278/08) lag ein Fall zugrunde, in dem trotz Vorliegens einer notariellen Vorsorgevollmacht eine Betreuung der nunmehr dementen Vollmachtgebern angeordnet wurde.
Das OLG München hat die Betreuung wieder aufgehoben, da die Diagnose einer fortschreitenden Demenz der Wirksamkeit einer früher erteilten notariellen Vorsorgevollmacht nicht entgegenstehe.
Eine Vorsorgevollmacht sei nur dann unwirksam, wenn feststehe, dass der Vollmachtgeber zum Zeitpunkt der Vollmachtserteilung geschäftsunfähig war.
Bei einer notariell beurkundeten Vollmacht können Dritte, insbesondere Banken, Behörden und Gerichte,
im Regelfall darauf vertrauen, dass der Vollmachtgeber bei Erteilung der Vollmacht auch geschäftsfähig war.
Insofern besteht ein Vertrauensvorsprung zu privatschriftlichen Erklärungen.
Die Entscheidung bestätigt, dass die notarielle Vorsorgevollmacht das beste Instrument zur Vorsorgegestaltung ist.

Fundquelle: Auszug - „ALTMARK-ZEITUNG“ 22.05.2010   
                 
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Gesetzliche Betreuung beantragen

Antrag direkt ausfüllen: H I E R
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Erfolg zur Wahlfreiheit gesetzlicher Betreuung

Bundesverfassungsgericht:  1 BvR 413/20


Mit einem am 12. Mai veröffentlichtem Beschluss hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts eine fachgerichtliche Entscheidung in einem betreuungsrechtlichen Verfahren aufgehoben und zur erneuten Entscheidung zurückverwiesen.

Fall:
Die Beschwerdeführerin und Mutter einer gesetzlich betreuten Frau setzte sich gegen eine fachgerichtliche Entscheidung zur Wehr,
mit der ihre Entlassung als Betreuerin bestätigt wurde.
Der Wunsch der Tochter war es ausdrücklich, von ihrer Mutter weiter betreut zu werden.

"Die Entscheidung verletzt die Beschwerdeführerin in ihrem Grundrecht aus Art. 6 Abs. 1 GG,
weil das Landgericht Bedeutung und Tragweite der persönlichen Beziehung und familiären Bindung der Beschwerdeführerin als Mutter zu ihrer Tochter und des Wunsches der Tochter, von ihrer Mutter betreut zu werden,
für die Entscheidung über die Entlassung der Beschwerdeführerin als Betreuerin ihrer Tochter verkannt hat"
,
heißt es u.a. in der Presseinformation des Bundesverfassungsgerichts zur Entscheidung.

 
Link zum Urteil
« Letzte Änderung: 16. Mai 2021, 10:32:51 von RalleGA »
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Re: Rund um die Betreuung; u.a. Vorsorgevollmacht, Betreuungsvorschlag
« Antwort #7 am: 29. August 2021, 09:51:11 »
Selbstbestimmungsrecht betreuter Menschen   

Der Wunsch psychisch kranker oder behinderter Menschen nach einer Betreuung durch einen engen Familienangehörigen
darf laut Bundesverfassungsgericht (Az. 1 BvR 413/20) nicht übergangen werden.

Es gehöre zum Selbstbestimmungsrecht einer betreuungsbedürftigen Person, wenn diese ihre Mutter wegen der familiären Verbundenheit als Betreuerin weiter wünsche, heißt es in dem am 12. Mai 2021 veröffentlichten Beschluss.   
Gebe es Zweifel, ob die Familienangehörige als Betreuerin geeignet sei, müssten vor einer Absetzung erst einmal konkrete Hilfsangebote gemacht und so dem Wunsch der betreuungsbedürftigen Person Rechnung getragen werden. Nach Auffassung des Patientenschützers Eugen Brysch hat das Urteil auch eine große Bedeutung für die rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland.

Im Streitfall ging es um eine 1992 geborene, an einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie erkrankten Frau aus dem Raum Neubrandenburg. Ihre Mutter wurde 2014 als Betreuerin für den Aufgabenkreis Gesundheitsfürsorge und Aufenthaltsbestimmung eingesetzt.     
Nach mehreren kurzen Aufenthalten in der Psychiatrie empfahl ein vom Amtsgericht beauftragter Gutachter eine für mindestens sechs Monate geschlossene Unterbringung. Ein Orts- und Betreuerwechsel solle der Frau nicht zugemutet werden.
Die behandelnden Ärzte sprachen sich jedoch für einen Betreuerwechsel aus, und zwar gegen den Wunsch von Tochter und Mutter.
Es bestehe eine schädliche »innerfamiliäre Dynamik«, erklärten sie.               

Das Amtsgericht entließ die Mutter als Betreuerin und bestellte eine Berufsbetreuerin.
Die Tochter wurde in einer 120 Kilometer entfernt gelegenen Psychiatrie untergebracht.
Gegen die vom Landgericht bestätigte Entlassung als Betreuerin legte die Mutter Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe ein.       
Mit der Entlassung als Betreuerin wurde die Mutter in ihrem Familiengrundrecht verletzt, wie das Bundesverfassungsgericht nun entschied.
Dazu gehöre auch, dass bei der Bestellung einer Betreuerin Familienangehörige bevorzugt berücksichtigt werden - vorausgesetzt,
es liegt tatsächlich eine familiäre Verbundenheit vor.               

Das Landgericht habe außerdem den Wunsch der Tochter nicht ausreichend gewürdigt und damit ihr Selbstbestimmungsrecht verletzt.
Auch blieb das gerichtlich angeordnete Gutachten, welches sich gegen einen Betreuer- und Ortswechsel ausgesprochen hatte, unberücksichtigt.
Das Landgericht muss nun über die Betreuung neu entscheiden.     

»Das Bundesverfassungsgericht hat mit dieser Entscheidung den Vormundschaftsgerichten ins Stammbuch geschrieben,
dass sie nicht so ohne Weiteres von innerfamiliären Entscheidungen zur Vormundschaft abweichen dürfen«,

sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.
Nach seiner Erfahrung drängten insbesondere Pflegeheime und Krankenhäuser Vormundschaftsgerichte in der Praxis dazu,
etwa dem Ehepartner eines dementen Angehörigen das Vorsorgerecht zu entziehen.
Diese Familien seien durch die aktuelle Karlsruher Entscheidung nun besser geschützt.

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  Juni 2021
« Letzte Änderung: 29. August 2021, 09:54:26 von RalleGA »
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Re: Rund um die Betreuung; u.a. Vorsorgevollmacht, Betreuungsvorschlag
« Antwort #9 am: 24. November 2021, 09:18:08 »
Was passiert ohne Vollmacht und Verfügung?

rechtzeitig Vorsorge treffen
   


Wer seine Vorsorge nicht rechtzeitig mit Vollmachten und Verfügungen plant, hat im Ernstfall keine Kontrolle darüber,
was mit ihm passiert und wer seine Angelegenheiten für ihn regelt.
Ehepartner oder Kinder z.B. sind nicht automatisch Vertreter, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann. Ohne eine Vorsorgevollmacht können Angehörige z.B. keine Verträge kündigen oder Leistungen bei der Pflege- oder Krankenkasse beantragen.
Ist man dennoch auf einen Betreuer angewiesen, bestellt ein Betreuungsgericht einen Vertreter.
In der Regel legt das Gericht zwar einen Angehörigen fest, den man vielleicht ohnehin einsetzen würde.
Kommt kein Angehöriger in Frage, übernimmt die Betreuung allerdings eine völlig fremde Person.   

In jedem Fall findet ein gerichtliches Verfahren mit Anhörung und ärztlichem bzw. psychiatrischem Gutachten des Betroffenen statt.
Dafür fallen Kosten an, die man sich durch die Erstellung einer Vorsorgevollmacht sparen kann.

Was passiert, wenn die Patientenverfügung fehlt?
In einem solchen Fall versucht der behandelnde Arzt, den mutmaßlichen Willen des schwer kranken Patienten zu ermitteln.
Hält es der Arzt für sinnvoll, den Patienten jahrelang künstlich am Leben zu erhalten, können Angehörige nichts dagegen tun - auch wenn sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass der Betroffene das so nicht gewollt hätte. Damit in Zeiten, in denen man nicht mehr selbst entscheiden kann, die eigenen Wünsche berücksichtigt werden, sind Patientenverfügung und Vollmachten unerlässlich.

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  Oktober 2021
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