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Stoffwechselstörungen. Lizenz: CC0

Seltene Hormonerkrankungen als Ursache für Diabetes in Betracht ziehen

Für die Diagnose von Diabetes ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel ein zentraler Hinweis auf die Stoffwechselstörung. Die Ursachen dafür können auch in einer Überproduktion anderer lebensnotwendiger Hormone liegen. Gegenspieler des Insulins, das für die Senkung des Blutzuckerspiegels verantwortlich ist, können den Zuckerstoffwechsel stark beeinflussen. Das Stresshormon Cortisol und Wachstumshormone können in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen oder auch gut behandelbare Hormonerkrankungen wie der Morbus Cushing oder die Akromegalie.


Wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist, überzählige Pfunde sich vor allem an Bauch, Hüften und Gesäß sammeln, sich das Gesicht „vollmondartig“ rundet, die Muskeln schwach werden und auf der Haut am Bauch Dehnungsstreifen sichtbar werden, dann ist ganz offensichtlich der Stoffwechsel aus der Balance geraten. „Jenseits von Übergewicht, mangelnder Bewegung oder familiärer Veranlagung können die Ursachen dafür hormoneller Art sein“, sagt Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Cushing-Syndrom kann eine mögliche Ursache sein

Häufig wird aufgrund der zu hohen Blutzuckerwerte erst einmal „nur“ ein Diabetes diagnostiziert. Eine Hormonuntersuchung kann und sollte dann jedoch Klarheit über mögliche Ursachen bringen: Wird dabei beispielsweise ein Überschuss des Steroidhormons Cortisol festgestellt, kann ein Cushing-Syndrom diagnostiziert werden. Von der seltenen Hormonerkrankung sind in Deutschland etwa 3000 Menschen betroffen. „Ursache für das Zuviel an Cortisol ist meist ein gutartiger hormonproduzierender Knoten in der Hirnanhangdrüse. Diesen kann man heutzutage oft sehr gut operativ entfernen oder medikamentös behandeln“, erklärt Weber. Diabetes und Gewichtsprobleme können also in diesem Fall durch eine Operation geheilt werden.

Cortisol, auch als Stresshormon bekannt, ist ein lebensnotwendiges Hormon. In akuten Belastungssituationen wird es sehr schnell in die Blutbahn ausgeschüttet, regt den Stoffwechsel an, wirkt entzündungshemmend und sorgt dafür, dass im Blut mehr Glukose – also Traubenzucker – als Energielieferant für die Zellen bereitgestellt wird. „Cortisol ist einer der wichtigsten hormonellen Gegenspieler von Insulin und schwächt dessen Wirkung in den Zellen ab. Mit dem Effekt, dass bei Cortisolüberschuss eine Insulinresistenz entstehen kann“, erklärt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Cortisolüberschuss auch durch langfristige Einnahme von Medikamenten möglich

„Etwas anders sehen die Therapieoptionen aus, wenn der Cortisolüberschuss durch die langfristige Einnahme von Medikamenten entstanden ist“, merkt Weber an. Muss ein Patient beispielsweise wegen einer entzündlichen, autoimmunen oder rheumatischen Erkrankung Kortison in hohen Dosen einnehmen – als Salbe, Spray oder in Tablettenform – kann das ebenfalls Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben. „Zu den Nebenwirkungen von Kortison gehört eine deutliche Verschlechterung der Blutzucker-Stoffwechsellage. Das kann bis zum Auftreten eines Diabetes führen“, so Weber. Dann müssen Arzt und Patient gemeinsam Nutzen und Risiken abwägen. „Wenn Kortison als Medikament alternativlos ist, muss der Blutzuckeranstieg mit Diabetesmedikament oder Insulin reguliert werden“, so der Diabetologe Gallwitz, der als stellvertretender Direktor an der Medizinischen Klinik IV am Universitätsklinikum Tübingen tätig ist.

Bei den Tumoren in der Hirnanhangdrüse gibt es auch solche, die dazu führen, dass vermehrt Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Bei Kindern kommt es zum sogenannten Riesenwuchs, der zu schnellem Wachstum, Gelenkschmerzen, Schwitzen und einer hohen Körpergröße führt. Bei Erwachsenen verändert sich nicht nur das Aussehen mit vergrößerter Nase, prägnanten Wangenknochen, überdimensionierten Händen und Füßen. Die Akromegalie genannte Hormonstörung schädigt auch innere Organe und kann zu Herzerkrankungen und Diabetes führen. Wenn der Tumor früh erkannt wird und noch kleiner als 1 cm Durchmesser hat, sind die Heilungschancen sehr gut; 80 Prozent der Akromegalie-Patienten können dann durch die operative Entfernung des Tumors von ihren Beschwerden geheilt werden.

Bei Diabetes immer die Hormone als Gegenspieler im Blick haben

„Insulin ist das einzige Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt. Für die Diagnose eines Diabetes und eine optimale Behandlung müssen wir immer auch die Gegenspieler im Blick haben, also die Hormone, die für mehr verfügbaren Blutzucker sorgen. Nur so können auch seltene Ursachen gefunden und eine optimale Behandlung des Patienten erreicht werden“, resümiert Weber. Auch wenn das Cushing-Syndrom oder die Akromegalie selten sind, sie sollten als Verursacher veränderter Blutzuckerspiegel in Betracht gezogen werden, sind sich die beiden Diabetesexperten einig.

(pi Deutsche Diabetes Gesellschaft, DDG, 25.06.2018)

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