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Brustkrebs bei Männern. Foto: Gerd Altmann. Lizenz: CC0

Seltene Diagnose: Brustkrebs bei Männern

Wenn Männer die Diagnose “Brustkrebs” erhalten, sitzt der Schock tief, weil sie meist nicht damit gerechnet haben. Auch behandelnde Ärzte und Pflegekräfte sind im Umgang mit dieser für Männer seltenen Erkrankung häufig nicht vertraut. Prof. Dr. Nicole Ernstmann, neue Professorin an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn, ist die Leiterin eines Forschungsprojektes, das die medizinische und psychosoziale Situation von männlichen Brustkrebspatienten erforscht. Ziel ist eine Verbesserung der Behandlungsverfahren.


Brustkrebs ist die häufigste Tumorart bei Frauen, doch kommt er auch bei Männern vor – wenngleich viel seltener. Von etwa 70.000 Neubetroffenen jährlich erkranken daran rund 600 Männer. „Aus früheren Erhebungen wissen wir, dass sich die psychosoziale und medizinische Situation von männlichen Brustkrebspatienten deutlich von der von Frauen unterscheidet“, sagt Prof. Dr. Nicole Ernstmann, seit kurzem Leiterin der neuen Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn (UKB).

Wenn Männer die Diagnose Brustkrebs bekommen, sei der Schock noch größer als für Frauen, weil männliche Betroffene meist überhaupt nicht damit rechnen, so die Wissenschaftlerin. Das Stigma der „typischen Frauenerkrankung“, eine gestörte Sexualität und Körperwahrnehmung können weitere Probleme sein. Auch auf Seiten der behandelnden Ärzte und Pflegekräfte gebe es häufiger Verunsicherung, weil der Umgang mit männlichen Patienten viel seltener vorkomme. „Es gibt bislang kaum Behandlungskonzepte, die auf Männer mit Brustkrebs zugeschnitten sind“, sagt Prof. Ernstmann.

Erfahrungen von Patienten, Ärzten und Pflegekräften sind gefragt

Zusammen mit der Uniklinik Köln, dem Brustzentrum des Klinikums der Universität München und dem Bereich Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) startet die Forschungsstelle am UKB nun das Projekt „N-MALE“, mit dem die medizinischen und psychosozialen Bedürfnisse von männlichen Brustkrebspatienten untersucht werden sollen. Das Akronym steht für „N“ wie englische „Needs“ (Bedürfnisse) und „MALE“ für männlich. Hierfür sollen sowohl männliche Brustkrebspatienten als auch Ärzte und Pflegekräfte nach ihren Erfahrungen mit der Erkrankung befragt werden.

Das Projekt wird über 24 Monate von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Ziel ist es, aus den Erfahrungsberichten neue Behandlungsempfehlungen abzuleiten, die zu einer verbesserten Versorgung der männlichen Patienten führen. „Dabei ist uns besonders wichtig, die Betroffenen von Anfang an in das Forschungsprojekt mit einzubinden“, sagt Prof. Ernstmann. Deshalb arbeitet das Forscherteam mit dem Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V. zusammen. Die Datenlage zur medizinischen Versorgung und zu den psychosozialen Bedürfnissen männlicher Brustkrebspatienten im Behandlungsverlauf sei bislang nicht zufriedenstellend, bemängelt Peter Jurmeister, Vorstandsvorsitzender des Netzwerks. „Umso mehr begrüßen wir als Patienten das N-Male-Projekt“, sagt er.

Patienten können an der Studie teilnehmen

Die Rekrutierung von Patienten erfolgt über die Brustkrebszentren mit einer Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und die Selbsthilfe, so Dr. Christoph Kowalski aus dem Bereich Zertifizierung der DKG. Patienten, die Interesse an einer Teilnahme haben, können sich ab 1. Juni unter folgender E-Mail-Adresse melden: sarah.halbach@ukb.uni-bonn.de.

Verknüpfung von Kommunikations- und Versorgungsforschung

Die neu geschaffene Professur von Prof. Dr. Nicole Ernstmann wird vom Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder gefördert. Sie verknüpft auf einzigartige Weise die Kommunikations- mit der Versorgungsforschung. Die Leiterin der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Uniklinikum Bonn arbeitete zuvor am Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität zu Köln. Da sie vor ihrem Medizinstudium eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvierte, kennt sie auch bestens die Situation in der Pflege. Erst seit kurzem am Universitätsklinikum Bonn, hat sich die 41-Jährige bereits sehr gut eingelebt: „Ich schätze die Nähe zu anderen Forschungsdisziplinen auf dem Venusberg und die Kooperationsmöglichkeiten innerhalb des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO). Die Wege zu den verschiedenen Kliniken sind hier sehr kurz.“

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