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Neuroblastom: Grundlagenforschung an einem rätselhaften Kindheits-Tumor

Computertomographie eines Neuroblastoms mit Lymphknotenmetastasen und Ummauerung der Aorta
CT eines Neuroblastoms mit Lymphknotenmetastasen. Urheber: radswiki.net

München (idw) – Das Neuroblastom ist die zweithäufigste Krebserkrankung in der frühen Kindheit. Es handelt sich um Vorläuferzellen des autonomen Nervensystems, die in ihrem unreifen Stadium verblieben und sich aus bisher nur ansatzweise geklärter Ursache ungehindert vermehren. Eine wirkungsvolle Therapie für die aggressiven Formen des Neuroblastoms besteht nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht. Von der Wilhelm-Sander Stiftung gefördert, versuchen Wissenschaftler der Forschungsgruppe von Prof. Hermann Rohrer am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main grundlegende Mechanismen der Entstehung dieses Tumors aufzuklären, der sich bislang klinischen Zugriffen weitgehend entzogen hat.


Den Anlass für Professor Rohrer, die Entstehung des Neuroblastoms zu erforschen, lieferte die Analyse des Erbguts von Neuroblastompatienten. Diese zeigte, dass ein Teil der Patienten mit einer familiär vererbten Form des Neuroblastoms Mutationen im Phox2b-Gen aufweist. In der Grundlagenforschung war dieses Gen bereits bestens bekannt, da es essentiell für die Entstehung von Nervenzellen des sogenannten „sympathischen Nervensystems“ ist und in deren Entwicklung eine Schlüsselrolle einnimmt. Das „sympathische Nervensystem“ ist unter anderem verantwortlich für die Regulation der Körpertemperatur, der Herzfrequenz und der Verdauung.

In einem bereits vorher von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projekt der Arbeitsgruppe Rohrer konnten Dr. Konstantina Tsarovina und Tobias Reiff zeigen, dass die Mutationen im „Phox2b“-Gen sowohl Konsequenzen auf die Teilungsfähigkeit, als auch auf die korrekte Entwicklung der Vorläuferzellen des sympathischen Nervensystems haben und somit neue Einsichten in die Tumorentstehung der Patienten mit Mutationen im Phox2b-Gen gewinnen.

Kürzlich wurde ein weiteres Gen („Alk“) identifiziert, dessen Mutationen mit der Entstehung des Neuroblastoms einhergehen. Das Alk-Gen kodiert für eine Rezeptor-Tyrosinkinase. Die Mutationen führen zu einer permanenten Aktivierung von zellinternen Signalwegen mit bisher unbekannten Folgen. In einem Folgeprojekt untersuchte die Forschergruppe um Professor Rohrer zunächst die Funktion von Alk in der normalen Entwicklung des sympathischen Nervensystems. Es stellte sich heraus, dass Alk und der aktivierende Ligand „Midkine“ die Teilung sympathischer Nervenzellvorläufer steuern. Die Aktivierung des Signalwegs führt zu vergrößerten sympathischen Nervenzelkörpern („Ganglien“). Die weitere Analyse befasst sich mit den nachgeschalteten Schritten welche der Neuroblastomentstehung zugrunde liegen. Sie soll letztendlich durch neue Therapiemöglichkeiten und verbesserte Heilungschancen den Patienten zu Gute kommen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Folgeprojekt mit rund 240.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

aktuelle Publikation:
Reiff, T.; Huber, L.; Kramer, M.; Delattre, O.; Janoueix-Lerosey, I.; Rohrer, H.
Midkine and Alk signaling in sympathetic neuron proliferation and neuroblastoma predisposition Development (Cambridge, England) 138, 4699-4708 (2011)

(Pressemeldung der Wilhelm Sander-Stiftung bei idw-online.de)

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