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Erfolgreiche Gentherapie gibt Hoffnung für „Schmetterlingskinder“

Grundstein für eine kurative Gentherapie für Epidermolysis bullosa (EB)

Salzburg (salk) – Die medizinische Versorgung von PatientInnen, die an Epidermolysis bullosa (EB) leiden, war bislang auf die Therapie der Begleitumstände der folgenschweren angeborenen Hautkrankheit beschränkt. Neueste Forschungsergebnisse aus dem EB-Haus Austria an der Universitätsklinik für Dermatologie in Salzburg legen den Grundstein für eine heilende Gentherapie für „Schmetterlingskinder“.

Die vererbte Hautkrankheit, unter welcher die sogenannten Schmetterlingskinder leiden, ist bis heute unheilbar. Nun ist es dem Forschungsteam aus dem EB-Haus Austria in Salzburg weltweit erstmalig gelungen, die Hautzellen von EB-Betroffenen im Reagenzglas und am Versuchstier mittels der Genschere zu „heilen“. Ursache von EB sind Defekte in einem der 11 bekannten EB-Gene, von welchen Proteine erzeugt werden, die für den Zusammenhalt von Oberhaut und Unterhaut verantwortlich sind. Fehlt ein solches Protein oder funktioniert es nicht richtig, dann ist die Verankerung nicht vollständig und es kommt bereits bei geringer mechanischer Einwirkung zur Blasenbildung verbunden mit starken Schmerzen.

2006 konnte Dr. Michele DeLuca, Professor für Biochemie an der Università degli studi di Modena e Reggio Emilia (Italien) zeigen, dass der Ansatz einer Gentherapie an der Haut erfolgreich sein kann. Allerdings ist die Methode nach DeLuca nur für bestimmte Formen von EB anwendbar. Daher bediente sich Frau Dr. Eva Murauer unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Johann Bauer der Genschere-Technologie (Trans-splicing), welche gegenüber konventionellen Methoden den Vorteil aufweist, dass sie bei allen EB-Formen anwendbar ist und ganz besonders gut für die schwerste Form der EB, der dystrophen EB, einsetzbar ist. Univ.-Prof. Dr. Johann Bauer erklärt: „Wir haben nun im Labor des EB-Hauses diese Methode für die dystrophe Form der EB soweit entwickelt, dass Hautzellen von EB-Patienten am lebenden Versuchstier damit vollständig repariert werden können.“ Diese Arbeit wurde nun in dem führenden internationalen Wissenschaftsjournal Journal of Investigative Dermatology unter dem Titel „Functional correction of type VII collagen expression in dystrophic epidermolysis bullosa“ veröffentlicht.

Dystrophe Epidermolysis bullosa (EB) wird durch einen Defekt im Kollagen 7 Gen hervorgerufen. Bisherige Gentherapie-Ansätze, bei denen versucht wurde, das gesamte gesunde Kollagen 7 Gen in Hautzellen zu schleusen, um das defekte Gen zu kompensieren, sind durch die Instabilität des Konstruktes zur Anwendung am Menschen derzeit nicht geeignet. Prof. Bauer erklärt die Methode mittels Genschere (Trans-splicing) so: „Wir umgehen dieses Problem mit der trans-splicing Methode, bei der das von uns individuell hergestellte Reparaturmolekül nur einen Teilabschnitt des Kollagen 7 Gens trägt. Dieses wird in die Hautzellen von EB-Patienten eingeschleust um gezielt den fehlerhaften Abschnitt des Kollagen 7 Gens in der Zelle zu ersetzen. Dadurch kann von dem korrigierten Gen wieder ein intaktes Kollagen 7 Protein erzeugt und somit der Zusammenhalt der Hautschichten wiederhergestellt werden. Dass dies in der Zellkultur und am Versuchstier (in vitro und in vivo) funktioniert, haben wir in unseren jetzt publizierten Arbeiten demonstriert.

Basierend auf diesen Ergebnissen kann eine sogenannte ex vivo Gentherapie für EB-Betroffene entwickelt werden. Dabei werden körpereigene Hautzellen im Labor vermehrt und mit dem Reparatur-Baustein versehen. Die behandelten Zellen lässt man anschließend zu einer hauchdünnen Hautschicht wachsen, welche als Transplantat auf wunde Hautareale verpflanzt wird. Die transplantierten Zellen sollten sich in der natürlichen Umgebung der Haut zu normalen Hautzellen weiterentwickeln und das bis dato fehlende Protein wieder herstellen. Daher kommt es erstens zur Schließung der Wunde auf den behandelten Hautarealen und zweitens hat die „neue“ Haut die Festigkeit von gesunder Haut. Diese Therapie wird im EB-Haus Austria im Rahmen des EU Interreg IV Projektes „Therapie für Schmetterlingskinder“ zusammen mit Partnern aus Südtirol und Prof. DeLuca aus Modena zu einer klinischen Anwendung an EB-Betroffenen geführt.

Epidermolysis bullosa (EB) ist eine folgenschwere, angeborene Hauterkrankung. Fehlende oder mangelhaft ausgebildete Eiweißstoffe in der Haut führen dazu, dass Ober- und Lederhaut nicht ausreichend aneinander haften. „An der Haut und an den Schleimhäuten bilden sich permanent Blasen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Johann Bauer. Tägliche Schmerzen durch offene Wunden, Narbenbildung, quälender Juckreiz, schwere Karies mit häufigem Zahnverlust, Ernährungs- und Verdauungsprobleme und fallweise aggressive Hauttumore sind die charakteristischen Merkmale von EB. Die genetisch und klinisch sehr unterschiedlichen Formen der EB bedeuten in jedem Fall eine schwere Beeinträchtigung des täglichen Lebens.

DEBRA Austria (http://www.schmetterlingskinder.at/) wurde 1995 als Selbsthilfegruppe von EB-Betroffenen, Eltern betroffener Kinder und Ärzten gegründet. Heute bietet der gemeinnützige Verein rund 500 betroffenen Menschen in Österreich Hilfe, Unterstützung, Beratung und Information. DEBRA Austria hat das Ziel, kompetente medizinische Versorgung zu ermöglichen und die Chance auf Heilung durch gezielte Forschung zu erhöhen. Dies ist an der medizinischen Spezialklinik für EB – dem EB-Haus Austria – möglich geworden. Nach wie vor setzen sich bei DEBRA Austria Ärzte, Wissenschafter, Betroffene, Eltern und Freunde gemeinsam dafür ein, Heilung oder zumindest langfristig Linderung für das täglich mühsame und schmerzvolle Leben der Betroffenen zu ermöglichen.

Die medizinische Versorgung für Betroffene der Epidermolysis bullosa (EB) erfordert multidisziplinäre Netzwerke. Deshalb hat es sich die gemeinnützige Selbsthilfeorganisation DEBRA Austria zur Aufgabe gemacht, die medizinische Versorgung und die Hoffnung auf Linderung bzw. Heilung für diese schwerwiegende und seltene Erkrankung nachhaltig zu verbessern. In engster Zusammenarbeit mit der Salzburger Universitätsklinik für Dermatologie hat DEBRA Austria – mit Spendengeldern und einer Einmalsubvention des Bundes – ein medizinisches Spezialzentrum errichtet und im November 2005 in Betrieb genommen. Es konnte sich sowohl in Österreich als auch auf europäischer Ebene sehr rasch als „Center of Expertise“ in der Versorgung der Betroffenen aber auch in der Erforschung von Heilungsmöglichkeiten für die angeborene Hauterkrankung positionieren.

Das EB-Haus Austria ist das weltweit erste Zentrum dieser Art. Die Selbsthilfeorganisation DEBRA Austria hat sich zum Ziel gesetzt, die Finanzierung der jährlich etwa 600.000,- Euro an Personal- und Sachkosten für Patientenversorgung, Forschung und Ausbildung zu gewährleisten. Der Betrieb des EB-Haus Austria erfolgt derzeit zur Gänze mit privaten Spenden.

Die Ziele sind:

  • Zukunftsorientierte medizinische Versorgung und Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen in der EB-Ambulanz (Leitung: Dr. Anja Diem).
  • Forschung zur erfolgreichen Behandlung – Heilung bzw. Linderung der EB – durch Gentherapie und andere zukunftsweisende Ansätze im EB-Labor (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Johann Bauer).
  • Aus- und Weiterbildung sowie Vernetzung all jener Personen, die sich mit der Problematik der EB beschäftigen, insbesondere Betroffene und deren Angehörige, Ärzte, Therapeuten, Pflegepersonal und Wissenschafter, in der EB-Akademie (Leitung: Dr. Gabriela Pohla-Gubo).

Referenz:
Murauer EM, Gache Y, Gratz IK, Klausegger A, Muss W, Gruber C, Meneguzzi G, Hintner H, Bauer JW: Functional Correction of Type VII Collagen Expression in Dystrophic Epidermolysis Bullosa. J Invest Dermatol. 2010, Aug 19. (e-pub ahead of print) Murauer EM, Gache Y, Larcher F, Del Rio M, Muss W, Meneguzzi G, Hintner H, Bauer JW: 3’ trans-splicing repair of COL7A1 mutations in recessive dystrophic epidermolysis bullosa patients. Abstract ESDR 2010 Sept., Helsinki, Finland.

(Pressemeldung der Universitätsklinik für Dermatologie, Salzburg, Austria
Siehe auch: Hum Mol Genet. 2010 Dec 1;19(23):4715-25. Epub 2010 Sep 22.

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