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Autor Thema: Spinale meningeale Zyste (Spinale Arachnoidalzyste)  (Gelesen 29662 mal)

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Offline busymouse

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Spinale meningeale Zyste (Spinale Arachnoidalzyste)
« am: 28. Januar 2009, 14:59:05 »
Spinale meningeale Zyste (Spinale Arachnoidalzyste)

Eine Zyste ist definitionsgemäss eine durch eine Kapsel abgeschlossene sackartige Geschwulst mit dünn- oder dickflüssigem Inhalt, wobei die echten Zysten mit einem Epithel ausgekleidet und die Pseudozysten nur von Bindegewebe umgeben sind. Ein Divertikel hingegen entspricht einer sackförmigen Ausstülpung umschriebener Wandanteile eines Hohlorgans. Die Begriffe werden in Bezug auf das Thema der spinalen meningealen Zysten nicht einheitlich verwendet.[1]

Bei den spinalen meningealen Zysten handelt es sich um innerhalb der Wirbelsäule (intraspinal), aber außerhalb des Rückenmarks (extramedullär) gelegene, mit Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gefüllte Zysten.[3]

Die angeborenen (primären, kongenitalen) oder erworbenen (sekundären) Zysten liegen inner- oder außerhalb der Hirnhaut (intra- oder extradural) und haben ggfs. eine raumfordernde Wirkung auf das Rückenmark oder die Hirnhaut (Dura; die Umhüllung im Gesamten = Durasack). [Anmerkung busymouse: Das gesamte zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) ist mit Hirnhaut eingekleidet.] Die Zyste selbst ist meist mit Arachnoideamaterial (Spinnengewebshaut; eine der Hirnhäute) ausgekleidet und ein unterschiedlicher Anteil von Bindegewebe bildet die Zystenwand mit.[3]

Erworbene Arachnoidalzysten entstehen im Allgemeinen durch frühere Verletzung, Operation, Infektion oder Blutung. Erworbene, innerhalb der Hirnhaut gelegene Zysten werden auch als "Subarachnoidalzyste" bezeichnet.[3]

Nabors-Klassifikation

  • Typ I - extradurale meningeale Zyste ohne darin enthaltene Spinalnervenfasern
    • Ia - extradurale meningeale Zyste (extradurale Arachnoidalzyste)
    • Ib - Sakral Meningozelen (okkulte sakrale Meningozelen)
  • Typ II - extradurale meningeale Zyste mit darin enthaltenen Spinalnervenfasern (Tarlov's «perineurale Zysten» oder Wurzeltaschendivertikel)
  • Typ III - intradurale meningeale Zyste (intradurale Arachnoidalzyste)
    • IIIa ohne Nervenwurzelfasern
    • IIIb mit Nervenwurzelfasern

Spezielles zu Typ I

Die seltenen extraduralen meningealen Zysten ohne Beteiligung der Nervenwurzeln ("extradurale Arachnoidalzysten") gelten als angeboren. Ursache ist wahrscheinlich eine Störung der sekundären Neurulation.[2] (Als Neurulation bezeichnet man die Bildung des Neuralrohrs als Anlage des späteren Zentralnervensystems beim Embryo.)

Primäre extradurale Arachnoidalzysten finden sich meistens an der dorsalen (rückenseits, am Rücken gelegen) und dorsolateralen (zum Rücken hin gelegen und seitlich gelegen) Fläche der unteren BWS (Brustwirbelsäule) und können sich bis in die Nervenaustrittsöffnungen (Neuroforamina) ausdehnen.[3]

Spezielles zu Typ II

Die klinische Relevanz von Tarlov Zysten wird kontrovers diskutiert. Die Zysten sind oft ein Zufallsbefund und es ist schwer einen Zusammenhang zwischen den klinischen Symptomen und der Zyste nachzuweisen. Eine chirurgische Intervention ist äußerst selten notwendig. Die Symptome sind meist auf andere Veränderungen zurückzuführen.[2]

Spezielles zu Typ III

Die primäre intradurale Arachnoidalzyste entsteht vermutlich aus einem Arachnoidaldivertikel. Sie weist keine bevorzugte Lokalisation auf.[3]


Allgemeine Symptome für die verschiedenen spinalen meningealen Zysten

Anzeichen sind zumeist Schmerzen, Schwäche, Sensibilitätsstörungen sowie Symptome, die durch eine Schädigung der Nervenwurzel entstehen (radikuläre Symptome). Mit der Größenzunahme der Zysten nehmen auch die neurologischen Ausfälle zu.[3] Im Rahmen radikulärer Symptome kann es bspw. zum Erlöschen der Muskel-Eigenreflexe sowie zu Störungen bzgl. der Empfindlichkeit auf Reize und/oder zu Lähmungen kommen.

Diagnose

MRT ist das bildgebende Verfahren der Wahl, aber auch bei Röntgen, Myelographie und CT-Myelographie ergeben sich Hinweise.[3]

Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch muss eine Erweiterung des Duraraumes (Duraektasie) aufgrund eines Marfan-Syndroms oder aus anderer Ursache sowie ein Ausriss der Spinalnervenwurzel ausgeschlossen werden.[3]

Therapie[3]

  • Chirurgische Entfernung (Resektion)
  • Marsupialisation - Bei der Marsupialisation wird die Zyste durch einen ovalen Schnitt mit einem Skalpell eröffnet (Inzision) und die Ränder der Zyste werden an eine andere Struktur angenäht,so dass sich eine offene Tasche bildet. Der Inhalt der Zyste kann dadurch abfließen (Drainage).[4]
  • Shunt-Verfahren - Herstellung einer Kurzschlussverbindung mit Flüssigkeitsübertritt zwischen normalerweise getrennten Gefäßen oder Hohlräumen.[4]

Prognose

Die Prognose, insbesondere hinsichtlich der Linderung von Symptomen, wird allgemein als sehr gut bezeichnet, wobei das Ausmaß einer im Vorfeld bereits bestehenden Rückenmarkatrophie (Gewebeuntergang/-schwund) einen Hinweis auf das zu erwartende neurologische Ergebnis gibt.

Weblinks


Hier suchen Menschen nach weiteren Betroffenen nach anderen Betroffenen:

Quellen

[1]www.rheuma-schweiz.ch: Sakrale Wurzeltaschendivertikel
[2]MRT-Atlas Orthopädie und Neurochirurgie. Wirbelsäule 10.1007/3-540-32860-2_2 Martin Weyreuther, Christoph E. Heyde, Michael Westphal, Jan Zierski und Ulrich Weber
[3]M. Brant-Zawadzki, S. C. Bogner (Hrsg.): Wirbelsäule. Elsevier, Urban&FischerVerlag, 2004
[4]Wikipedia

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Änderungen:
03.11.2009 - Weblink hinzugefügt
08.02.2010 - Link-Kontrolle und Weblink hinzugefügt
« Letzte Änderung: 08. Februar 2010, 10:50:54 von busymouse »
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline ina

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Re: Spinale meningeale Zyste (Spinale Arachnoidalzyste)
« Antwort #1 am: 07. Februar 2009, 10:00:13 »
Hallo

Super das Du etwas gefunden hast :freu
Ich habe ewig lang gesucht und nichts zu meinem Thema gefunden,wahrscheinlich falsch gesucht.

Bin sehr gespannt auf das weitere,egal wie lang es dauert.

Vielen vielen Dank für Deine mühe und Recherche.Alleine hätte ich so eine Info nicht gefunden. :thx

Liebe Grüße ilona

Offline busymouse

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Re: Spinale meningeale Zyste (Spinale Arachnoidalzyste)
« Antwort #2 am: 07. Februar 2009, 15:41:54 »
Hi Ina,

Du hattest gar nichts gefunden? :shock Ein bißchen habe ich noch zur Ausarbeitung auf meinem Rechner gebunkert. Die erste Fortsetzung/Überarbeitung habe ich Dir denn schon mal eingefügt...

 ;) Grüssi Birgit

Nachtrag: Habe mich denn noch einmal daran gesetzt. Ich denke, im Wesentlichen war es das, was ich gefunden habe. :) Habe jetzt nur noch ein paar spezielle Dinge, die für Ärzte deutlich interessanter sind als für Patienten. die lasse ich hier wohl besser weg...  ;-)
« Letzte Änderung: 07. Februar 2009, 20:46:01 von busymouse »
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