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Autor Thema: Cortison  (Gelesen 4210 mal)

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Offline busymouse

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Cortison
« am: 22. Mai 2008, 22:22:02 »
Cortison

Der Name Cortison (von lateinisch cortex „Rinde“) wurde dem ersten in der Nebennierenrinde des Menschen gefundenen Wirkstoff gegeben. Cortison ist die inaktivierte Form des Glucocorticoids Cortisol. Es bindet weder an den Glucocorticoid-Rezeptor noch an den Mineralcorticoid-Rezeptor und kann durch das Enzym β-Hydroxy-Steroid-Dehydrogenase aus Cortisol gebildet oder in dieses umgewandelt werden. Umgangssprachlich werden Medikamente mit Cortisolwirkung häufig als „Cortison“ bezeichnet.

Cortison wurde in den Jahren 1936–1940 von mehreren Arbeitsgruppen isoliert und unterschiedlich bezeichnet: als „compound F“ von Wintersteiner, als „Substanz Fa“ durch Reichstein und als „compound E“ von der Arbeitsgruppe um Kendall. Das spätere Cortisol oder Hydrocortison wurde 1937/38 von Reichstein hergestellt. Später stellte sich heraus, dass Cortison eine Vorstufe des eigentlichen Hormons Cortisol (Hydrocortison) ist. Synthetische Glukokortikoide sind u. a. das Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon, Betamethason, Dexamethason, Triamcinolon, Paramethason und Fludrocortison. Prednison und Prednisolon können im Körper ineinander umgewandelt werden und sind wirkungsgleich. Ihre Wirkung entspricht etwa dem Fünffachen der Cortisonwirkung.

Krankheiten, bei denen Cortison angewendet wird

Innere (systemische) Anwendung

  • Morbus Addison
  • Adrenogenitales Syndrom
  • Autoimmunkrankheiten (z. B. Riesenzell-Arteriitis)
  • Autoimmunhepatitis
  • Asthma bronchiale
  • Cluster-Kopfschmerz
  • Colitis ulcerosa
  • Endokrine Orbitopathie
  • Eosinophile Gastroenteropathie
  • Epilepsie
  • Hörsturz
  • Idiopathische Thrombozytopenie
  • Ischialgie/Lumbalgie (bei Bandscheibenvorfall)
  • Knalltrauma
  • Leukämie
  • Lungenfibrose
  • Nesselsucht
  • Nephrotisches Syndrom
  • Neurodermitis
  • Morbus Adamantiades-Behçet
  • Morbus Crohn
  • Multiple Sklerose
  • Rheumatoide Arthritis
  • Sarkoidose
  • Sehnerventzündung
  • Tinnitus

Äußere (topische) Anwendung

  • Psoriasis
  • Seborrhoisches Ekzem
  • Phimose
  • Sonnenbrand
  • Neurodermitis
  • Insektenstiche/-bisse
  • Allergische Rhinitis

Nicht bei jeder dieser Erkrankungen konnte die Wirksamkeit von Cortison bislang wissenschaftlich bewiesen werden.

Nebenwirkungen

Bei Gelen, Cremes und Salben, Augentropfen, Nasensprays und Inhalatoren (lokale Anwendung) entfaltet das Kortison seine Wirkungen und Nebenwirkungen in der Regel nur am Ort der Anwendung. Bei Tabletten und Spritzen hingegen (systemische Anwendung) verteilt sich das Kortison über das Blut im ganzen Körper und damit auch seine Wirkungen und Nebenwirkungen.

Andauernde topische Anwendung von Cortison

  • insbesondere Dünnwerden der Haut (Atrophie)

Andauernde systemische Anwendung von Cortison

Muskel und Knochen:
  • Muskelschwäche oder Muskelschwund (Muskelatrophie)
  • Osteoporose und aseptische Knochennekrosen (Kopf des Oberarm- und Oberschenkelknochens)

Haut:
  • Dehnungsstreifen (Striae rubrae)
  • verzögerte Wundheilung
  • Steroidakne
  • punktförmige Hautblutungen (Petechien), Bluterguss

Augen:
  • Steigerung des Augeninnendrucks (Glaukom)
  • Linsentrübung (Grauer Star)

Stoffwechsel:
  • erhöhter Blutzuckerspiegel, Zuckerkrankheit Diabetes mellitus (Typ III.E.4)
  • Wassereinlagerung im Gewebe, Vollmondgesicht
  • vermehrte Kaliumausscheidung
  • Wachstumsstörungen bei Kindern
  • Störungen der Sexualhormonsekretion (Ausbleiben der Menstruationsblutung, abnormer Haarwuchs, Impotenz)
  • „Stiernacken“

Blut, Immunsystem:
  • Blutbildveränderungen (Leukozytose, Lymphopenie, Eosinopenie, Polyglobulie)
  • Erhöhung des Infektrisikos, Immunschwäche

Kurzfristige, hochdosierte systemische Anwendung

Es können vor allem neuropsychiatrische Symptome auftreten, wie Konvulsionen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Euphorie, Depressionen, Psychosen, Manifestation einer latenten Epilepsie.

Quelle: Wikipedia

Weblink: netdoktor.de
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)