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Autor Thema: BG: Information für Patienten der gesetzlichen Unfallversicherung + Urteile  (Gelesen 49127 mal)

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Offline RalleGA

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Gute Praxis:

Autos verkaufen im Stehrollstuhl


Der Arbeitsplatz eines Autohausinhabers musste nach einem privaten Unfall umgestaltet werden.
Der querschnittsgelähmte Mann arbeitet in der Verwaltung und im Verkauf des Autohauses.
Er nutzt einen Stehrollstuhl, mit dem er an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch entweder sitzend oder stehend arbeiten kann.
Die Stehfunktion erweitert zusätzlich den Greifraum des Mannes, z. B. um Aktenordner aus einem höheren Regal zu nehmen.
Die stehende Haltung ermöglicht außerdem Gespräche "auf Augenhöhe" mit Kunden und Mitarbeitern sowie eine bessere Demonstration der Fahrzeuge, vor allem der höheren Geländewagen.   

Welche weiteren Hilfsmittel eingesetzt und welche anderen Maßnahmen ergriffen wurden,
lesen Sie bei REHADAT-Gute Praxis:


Pb/110955

Mit dem Schlagwort "Stehrollstuhl" finden Sie bei REHADAT-Gute Praxis
insgesamt 8 Praxisbeispiele und bei REHADAT-Hilfsmittel 28 Produkte.
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Kein Unfallversicherungsschutz bei Trunkenheitssturz

es gibt Grenzen


Die Grenzen für einen Arbeitsunfall sind sehr eng gesteckt.
Diese Erfahrung musste ein Feuerwehrmann machen.
Er war zwischen Toilette und Partyrunde schwer gestürzt.
Bei einem Arbeitsunfall gilt für die Betroffenen der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.
Dazu können auch Unfälle gehören, die sich bei einer Betriebsfeier ereignen. Doch es gibt Grenzen.

Ein Feuerwehrmann, der nach abgeschlossenem Wettkampf an einer kameradschaftlichen Runde teilnimmt und sich danach im betrunkenen Zustand verletzt, hat keinen Arbeitsunfall.  LSG Niedersachsen-Bremen (Az.: L 16/3 U 186/13).

Fall:

Der Feuerwehrmann hatte an einem Freundschaftswettkampf mit befreundeten Feuerwehren teilgenommen.
Nach der offiziellen Siegerehrung reiste ein Teil der Teilnehmer ab, ein anderer hingegen blieb noch in geselliger Runde beisammen. Der Mann wurde am frühen Abend im Bereich der provisorischen Toilettenanlage vorgefunden.
Er war dort mit 3,0 Promille gestürzt und hatte sich eine Unterschenkelfraktur zugezogen. Die Feuerwehrunfallkasse lehnte die Anerkennung eines Arbeitsunfalls ab. Der Kläger hingegen vertrat die Auffassung, er habe einen versicherten Wegeunfall auf dem Rückweg vom Wasserlassen erlitten.   

Urteil:
Das LSG  teilte die Rechtsansicht der Unfallkasse.
Der Schutz der GUV bestehe nur bis zum Ende der betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung.
Mit der Siegerehrung sei die Veranstaltung offiziell abgeschlossen gewesen.
Die gesellige Runde sei daher nicht mehr vom Schutzbereich umfasst.
Zwar sei der Weg zur Toilette versichert, nicht jedoch das Wasserlassen selbst.
Die Abgrenzung erfolge grundsätzlich mit dem Durchschreiten der Toilettentür.                       

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Juli 2017

« Letzte Änderung: 10. Oktober 2017, 10:03:21 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Arbeitsunfall kann nach 50 Jahren noch nachgewiesen werden -

Glaubhafte Schilderung

Auch noch 50 Jahre nach einem Arbeitsunfall können Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung eingeklagt werden -
selbst ohne schriftliche Nachweise.
Was dabei wichtig ist, zeigt ein Fall beim Dresdner Sozialgericht. (Az: S 39 U 320/12)     

Ein Arbeitsunfall kann auch nach vielen Jahren noch nachgewiesen werden.
Allerdings müssen Betroffene dann glaubhaft machen können, dass es den Unfall tatsächlich gab.
Das ist unter Umständen sogar ohne schriftliche Unterlagen möglich.
   

Fall:

Der 72-jährige Mann arbeitete als Gleisbauhelfer bei einem Betrieb, den später die Deutsche Reichsbahn übernahm.
Er beantragte 2011 die Anerkennung eines Arbeitsunfalls, den er 1966 erlitten hatte.
Bei Gleisbauarbeiten wurde ihm der kleine Finger derart gequetscht, dass dieser amputiert werden musste.
Die UV Bund und Bahn lehnte die Feststellung eines Arbeitsunfalls ab.
Unterlagen über den Vorfall waren nicht mehr vorhanden.
Der Mann klagte dennoch.
Urteil: Die Richter glaubten den Darstellungen des Mannes.
Die Eintragungen in dessen Sozialversicherungsausweis deckten sich mit seiner Darstellung.
Auch könne er das Geschehen im Jahr 1966 glaubwürdig schildern.     

Zwar waren die Unterlagen beim zuständigen Landesamt für Arbeitsschutz nicht mehr auffindbar.
Ein sachverständiger Unfallchirurg hatte aber zuvor bestätigt, dass der Gesundheitsschaden auf einen Arbeitsunfall zurückgeführt werden könne.   
Daher war das Gericht der Überzeugung, dass sich der Unfall wie vom Kläger geschildert zugetragen hatte.
Er konnte daher Leistungen der GUV verlangen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  August 2017
« Letzte Änderung: 20. Oktober 2017, 08:35:48 von RalleGA »
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