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Autor Thema: Führerschein und/oder Auto fahren mit Behinderung//Was gibt es zu beachten?  (Gelesen 29447 mal)

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Kfz-Anschaffung für Umschulung

Ein 1976 geborener, arbeitsloser Mann beantragte Hilfe zur Anschaffung eines Kfz mit Automatikgetriebe,
um an einer 24-monatigen Umschulung zum Sozialversicherungs- fachangestellten teilnehmen zu können.
Der Mann ist außergewöhnlich gehbehindert - beide Kniegelenke wurden durch künstliche Gelenke ersetzt.

Warum der Mann geklagt hat, warum sein Bedarf vom Sozialgericht Dortmund bestätigt wurde und warum die Bundesagentur für Arbeit zuständig ist, können hier R/R6690 nachlesen.
« Letzte Änderung: 15. Oktober 2015, 08:03:59 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Gericht kann Führerschein wegen Epilepsie entziehen 

Wer ein Kraftfahrzeug führt, muss selbst sicherstellen, dass er dazu in der Lage ist.
Das ergibt sich aus Paragraf 31 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO).
Und diese Eignung ist unabhängig davon, ob der Führerschein gültig ist.     

Das heißt: Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Mängel nicht sicher im Verkehr bewegen kann,
darf nur am Verkehr teilnehmen, wenn er dafür sorgt, dass er andere nicht gefährdet.         
Bei einer Epilepsie-Erkrankung ist das unter Umständen nicht gewährleistet.
Daher kann ein Gericht den Führerschein entziehen.
Das Amtsgericht Delmenhorst hatte in einem Fall, in dem es aufgrund eines Epilepsieanfalls zu einem schweren Unfall gekommen war, dem Fahrer den Führerschein entzogen.
(Az.: 81 DS 630 JS 49051/12 152/13)
Bei dem Unfall war eine Person getötet und eine andere schwer verletzt worden.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Juni 2015          
« Letzte Änderung: 27. September 2016, 10:19:28 von RalleGA »
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Teure Freiheit:

Das Auto behindertengerecht umbauen


eder hat ein Recht auf Mobilität. Damit dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen wahrnehmen können, bieten Autohersteller und Umrüster zahlreiche Speziallösungen für Behinderte an.
Aber die Kosten sind hoch und die Hürden auch.

Mal eben mit dem Auto zum Supermarkt, in der Stadt Freunde treffen oder übers Wochenende ans Meer fahren - für die meisten selbstverständlich. Doch für Janis McDavid war das viele Jahre nur ein Traum.
Denn der junge Student aus Bochum ist ohne Arme und Beine zur Welt gekommen.

Doch seit fast sechs Jahren sitzt McDavid regelmäßig am Steuer eines Mercedes Sprinter. Den rüstete der Spezialbetrieb Paravan aus Pfronstetten-Aichelau für rund 100.000 € um. Über eine Rampe kann der 24-Jährige mit seinem Rollstuhl in den Fond des Transportes fahren, von dort aus hinter das Lenkrad klettern und den Wagen mit einem kleinen Joystick steuern, den er sich unter die Schulter klemmt.
Mittlerweile bieten Fahrzeughersteller wahlweise ab Werk oder in Zusammenarbeit mit einer halben Hundertschaft von Reha-Betrieben und Umrüstern die unterschiedlichsten Lösungen an.
Da hat sich in den letzten Jahren sehr viel bewegt.

Das ist für die Autohersteller aber nicht nur ein soziales Engagement, sondern auch ein Geschäft.
Unternehmen wie BMW haben  im vergangenen Jahr rund 7.000 umgerüstete Autos verkauft.
Paravan baut mehrere tausend Fahrzeuge im Jahr um.

Zu den Vorreitern gehört der Fiat-Konzern, der bereits 1994 das groß angelegte Programm Autonomy gestartet hat. Aber auch VW, Opel, BMW oder Mercedes haben ein entsprechendes Angebot und dafür zum Teil eigene Entwicklungsabteilungen oder sogenannte Kompetenz-Center eingerichtet.
Wo der Hersteller nicht selbst aktiv wird, springen Unternehmen wie Paravan ein:
Die haben sogar schon Supersportwagen und Oldtimer für Behinderte umgebaut.

Aber die Mobilität für Behinderte ist auch eine Geldfrage.

Zwar räumen die allermeisten Fahrzeughersteller gegen Vorlage des Behindertenausweises bis zu 30% Rabatt ein. Doch reiche das in den seltensten Fällen für die Mehrkosten. Deshalb müssen Behinderte nach seinen Angaben von der Arbeitsagentur oder der Rentenkasse ihren Anspruch auf Zuschüsse, Beihilfen und Kostenzusagen prüfen lassen - und bekommen dabei nur unter bestimmten Voraussetzungen ausreichend Unterstützung. Oft gebe es auch nur einen monatlichen Etat von 100-150 € für einen Fahrdienst.
Nicht nur das Auto muss nach der Umrüstung zum TÜV, sondern auch der Fahrer wird kontrolliert.
Denn natürlich brauchen auch behinderte Autofahrer einen Führerschein oder müssen nach dem Eintreten ihrer Behinderung die Fahrtauglichkeit bei einer Untersuchung samt Fahrprüfung nachweisen.
Wochenlanges Training, die hohen Umbaukosten und die irritierten Blicke bei den gelegentlichen Polizeikontrollen - Janis McDavid hat das gerne in Kauf genommen.
Seit er seinen Sprinter hat, ist er 160.000 Km gefahren.
Für Menschen wie ihn gilt wahrscheinlich mehr als für alle anderen:
Autofahren ist für mich ein Stück Freiheit.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2016

« Letzte Änderung: 13. April 2016, 14:36:44 von RalleGA »
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Fahrerlaubnis

Schwerhörige dürfen Auto fahren


Einem Schwerhörigen darf nicht einfach die Fahrerlaubnis entzogen werden.
Schwerhörige oder Gehörlose seien in der Lage, durch besondere Umsicht, Aufmerksamkeit und Gewissenhaftigkeit sicher am Straßenverkehr teilzunehmen, urteilte das Verwaltungsgericht Neustadt (Az. 3 L 4/16.NW)
 
Fall:
Ein 85-jähriger Mann hatte die örtliche Zulassungsstelle aufgesucht, um seinen Führerschein auszutauschen.
Eine Mitarbeiterin der Behörde bemerkte sein Hörgerät und forderte ihn auf, ein ärztliches Attest über sein Hörvermögen vorzulegen. Ein HNO-Arzt attestierte ihm ein altersnormales Hörvermögen.
Das reichte der Behörde nicht.
Sie bezweifelte angesichts der Schwerhörigkeit seine Fahrtauglichkeit und ordnete ein ärztliches Gutachten an.
Dem kam der Kläger nicht nach.
Daraufhin entzog ihm die Behörde die Fahrerlaubnis.

Zu Unrecht, befand das Gericht zugunsten des Klägers.
Allein die Schwerhörigkeit genüge nicht als Zweifel an der Fahrtauglichkeit.
Die Orientierung im Straßenverkehr erfolge maßgeblich über visuelle Signale.
« Letzte Änderung: 27. September 2016, 10:18:51 von RalleGA »
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KFZ-Förderung rechtlich weiter etabliert

Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg vom 14.04.2016 Az.: L 7 SO 1119/10

Verein Mobil mit Behinderung e.V. (MMB)
Der MMB hat für den Bereich Eingliederungshilfe und KFZ-Förderung eine eigene Internetseite angelegt. Auf dieser sind weitere einschlägige Urteile, aber auch interessante Schriftwechsel zum Thema Eingliederungshilfe aufgelistet.
« Letzte Änderung: 15. November 2016, 09:51:17 von RalleGA »
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Kfz-Hilfe

Der Höchstbetrag für die Bemessung des Zuschusses zur Beschaffung eines behindertengerechten Kraftfahrzeugs ist trägerübergreifend in § 5 Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (KfzHV) geregelt.       

Hilfe zur Beschaffung eines Kraftfahrzeugs zur Teilhabe am Arbeitsleben nach der KfzHV wird in der Regel als einkommensabhängiger Zuschuss zu den Anschaffungskosten geleistet.
Als Bemessungsbetrag gilt der Kaufpreis für das von dem Menschen mit Behinderungen gewählte Kraftfahrzeug bis zu dem Höchstbetrag von 9.500 €.

Lediglich in Ausnahmefällen wird ein höherer Betrag zugrunde gelegt, wenn Art und Schwere der Behinderung die Anschaffung eines größeren, teureren Kraftfahrzeugs erfordern.
Die Kosten der behinderungsbedingten Zusatzausstattung werden in vollem Umfang übernommen.
Eine Dynamisierung des Höchstbetrags sieht die KfzHV nicht vor.
Die letzte Anpassung erfolgte im Zuge der Einführung des Euro zum 1. Januar 2002.


Neben allgemeinen Rabattaktionen gewähren einige Automobilhersteller schwerbehinderten Menschen Vergünstigungen beim Kauf eines Neuwagens.
Der Bund behinderter Auto-Besitzer (www.bbab.de) hat zusammengestellt,
wann und unter welchen Voraussetzungen man diese Vergünstigungen erhält.
Der Rabatt kann -abhängig von Marke und Modell- bis zu 30 Prozent vom Listenpreis betragen. 

Mehr unter: www.handicap-bazar.de
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Fahrhilfen:

Mit einer Hand alles im Griff 


Für Menschen mit körperlichem Handicap ist das Autofahren immer wieder eine große Herausforderung.
Um ihnen den Weg zur Mobilität etwas einfacher zu machen, arbeiten Autobauer an speziellen Fahrhilfen.
PSA (ehem. Opel) z.B. hat zwei neue Handbedienungen im Portfolio, die das Fahren ohne Pedalerie ermöglichen sollen.
Die Mobilitätshilfen sind ab Werk für Modelle wie Astra, Cascada und Zafira verfügbar, der Insignia wird in Kürze folgen.

So funktioniert das in der Praxis:
Mit der Mobilitätshilfe „Veigel Commander" können körperlich eingeschränkte Fahrer via Funkfernbedienung am Handgashebel Blinker, Licht, Hupe und Scheibenwischer bedienen.
Damit kann der Fahrer mit einer Hand alle wichtigen Funktionen betätigen, ohne das Lenkrad loszulassen.
Der dazugehörige Lenkrad-Drehknopf soll das einhändige Steuern erleichtern.
Weiterer Vorteil:
Will, z.B. der körperlich nicht eingeschränkte Partner das Autofahren, lassen sich die Handbedienung ganz einfach wegklappen, der Drehknopf vom Lenkrad abziehen und die Pedalabdeckung im Fußraum entfernen.               

Die zweite Neuerung bei den Fahrhilfen ist das Handbediengerät „Multima PRO" von Petri-Lehr.
Die Funktionen für Licht, Scheibenwischer, Hupe und Blinker werden dabei über den Multifunktionsdrehknopf MFD Touch gesteuert. Durch die ergonomisch intelligente Integration in den Lenkraddrehknopf liegen die Bedienfelder zugleich immer im Blickfeld des Fahrers.                 

Schnell, einfach und sicher - so soll jeder sein Fahrzeug führen können, ob mit oder ohne körperliches Handicap.
Die neuen Mobilitätshilfen ab Werk erleichtern dies immens. Mit einer Hand hat der Fahrer alle wichtigen Funktionen im Griff. Zugleich lässt sich das Auto ganz einfach in wenigen Sekunden wieder umrüsten, sodass sich jeder hinter dem Lenkrad wohl.       
 
Darüber hinaus bietet PSA(Opel) Lösungen zur Beförderung von im Rollstuhl sitzenden Passagieren an.
Hierfür eignen sich die Modelle Combo, Vivaro und Movano.
Die PSA(Opel)-Händler erarbeiten gemeinsam mit den Spezialisten ganz individuell die optimale Beförderungslösung wie beispielsweise rutschfeste Auffahrrampen und Rollstuhllifte mit automatischer Abrollsicherung an der Plattformspitze.

schaut auch hier: kivi-mobilityfreedom

und mit dem Teil fahre ich durchs Land...echt Klasse  :supi

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ Juli 2017 
« Letzte Änderung: 08. Oktober 2017, 10:02:48 von RalleGA »
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