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Autor Thema: Übermäßige Anzahl Genkopie-Varianten bei Li-Fraumeni-Syndrom  (Gelesen 3301 mal)

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Übermäßige Anzahl Genkopie-Varianten bei Li-Fraumeni-Syndrom

Der englischsprachige Fachbegriff „Gene copy number variants“ (kurz CNV, deutsch: Varianten von Genkopien) bezeichnet die Anzahl von Kopien eines bestimmten Gens innerhalb eines Genom. Mehr als 1.400 Copy Number Variants sind beim Menschen bekannt. Man nahm bisher an, dass jedes Gen in zwei Kopien auf dem Genom vorliegt. Jedoch zeigen einige Gene einen Verlust oder Zugewinn der Genkopien. So kann ein Gen in nur einer Kopienzahl, aber auch in drei, vier oder mehr vorliegen. Diese CNVs sind für jede Person spezifisch und können Auswirkungen auf die Veranlagung zu bestimmten Erkrankungen haben. Allerdings war die Bedeutung der CNVs  hinsichtlich einer Anfälligkeit für Krebs nicht erforscht. (Wikipedia)

Das Li-Fraumeni-Syndrom (LFS) ist eine autosomal-dominant vererbte Krankheit und zeichnet sich durch ein auffallend erhöhtes Risiko für das frühe Auftreten von Brustkrebs, Sarkome, Hirntumoren und anderen Tumoren bei Personen, die eine Keimbahnmutation auf dem Gen TP53 aufweisen. Mit dieser Mutation allein kann das variable Auftreten der Krankheit innerhalb betroffener Familien nicht ausreichend erklärt werden.

Im Rahmen einer umfassenderen Studie der CNVs und Krebs haben Shlien et al ein Genom-umfassendes Profil der Keimbahn-CNVs in LFS-Familien erstellt. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die betroffenen Familien signifikant mehr CNVs aufwiesen als die Personen der gesunden Vergleichsgruppe. Zudem wurde deutlich, dass eine beachtliche Anzahl von Genom-Regionen, die mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht werden, zusammen mit den CNVs auftreten, was sowohl für die LFS-Familien als auch für die gesunden Personen galt. Das vermehrte Auftreten der CNVs im Zusammenhang mit den  TP53-Keimbahnmutationen in Personen mit einer familiären Krebsgeschichte war sehr deutlich.

Keimbahn-CNVs könnten die Grundlage bilden, auf der sich die dramatischeren chromosomalen Merkmalsveränderungen der TP53-Tumoren manifestieren. Shlien et al sehen in ihren Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass ein Screening auf CNVs bei Familien mit einer Krebs-Disposition die Personen, die eine unnormal hohe Anzahl dieser Ereignisse aufweisen, identifizieren würde.

>>> Shlien A, Tabori U, Marshall CR, Pienkowska M, Feuk L, Novokmet A, Nanda S, Druker H, Scherer SW, Malkin D: Excessive genomic DNA copy number variation in the Li-Fraumeni cancer predisposition syndrome. PubMed, Proc Natl Acad Sci U S A. 2008 Aug 12;105(32):11264-9. Epub 2008 Aug 6
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)