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Autor Thema: Fragen und Antworten zur Pflege bzw. Pflegeversicherung, Bürgertelefon, Urteile  (Gelesen 23082 mal)

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Offline RalleGA

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Pflegegutachten - Richtig widersprechen

für Pflegegutachter gibt es Zeitorientierungswerte


Wurde der Antrag auf eine Pflegestufe abgelehnt, kann dem Bescheid widersprochen werden.
Erfolgsaussichten bestehen aber nur, wenn der Widerspruch auch überzeugend begründet wird und fristgerecht erhoben wird.
Denn die Entscheidung der Pflegeversicherung beruht auf der Begutachtung,
die wiederum gesetzlichen Vorgaben folgt.
So muss der Hilfebedarf z.B. in Pflegestufe I durchschnittlich 90 Minuten pro Tag ausmachen und mehr als die Hälfte davon auf die Grundpflege entfallen - das sind Körperpflege, Ernährung und Mobilität.
Die restliche Zeit ist für die Hauswirtschaft vorgesehen.

Um zu prüfen, ob diese Zeitumfänge erreicht werden, sollten die helfenden Angehörigen ein Pflegetagebuch führen.
Das ist für den Gutachter zwar nicht verbindlich, aber eine Orientierung.
Das Problem ist oft, dass bei der häuslichen Pflege durch Angehörige nicht immer die reale Zeit für eine bestimmte individuelle Hilfeleistung berücksichtigt werden kann bzw. wird.
Es gibt so genannte Zeitorientierungswerte.
Die besagen z.B., dass für die Hilfe beim Baden in der Regel 20 bis 25 Minuten notiert werden können -
auch, wenn es real länger dauert.
Für Wartezeiten beim Arzt können bis zu 45 Minuten angesetzt werden, auch wenn man länger im Wartezimmer sitzt. Solche Orientierungswerte gibt es für fast alle relevanten Hilfeleistungen – so kann für die Unterstützung auf dem Weg zur und von der Toilette eine Minute berücksichtigt werden.
Für die Hilfe beim Treppensteigen gibt es keine Zeitwerte, da dies vom individuellen Wohnbereich abhängig ist.

Die Zeitorientierungswerte sind keine verbindlichen Vorgaben,
sondern haben eine „Leitfunktion“ für den Gutachter.
Dieser muss immer die individuelle Situation berücksichtigen.
Manchmal gelingt das nicht ausreichend - wobei die Gründe dafür auch beim Antragsteller liegen können.
Es geschieht nicht selten, dass sich der oder die Betroffene beim Gutachterbesuch besonders anstrengen, um zu zeigen, was sie noch alles können.

Für den Widerspruch ist es sinnvoll, einerseits das Pflegetagebuch zu führen und andererseits die dort erfassten Zeiten mit den Orientierungswerten zu vergleichen.
Letztere sind in den Richtlinien zu Begutachtung der Pflegebedürftigkeit beschrieben und können
unter www.gkv-spitzenverband.de  heruntergeladen werden.
Beim Schreiben des Widerspruchs sollte man unbedingt die Hilfe einer Pflegeberatung nutzen.
Diese ist per Gesetz garantiert Und kostenfrei.

Gesetzlich Versicherte erreichen sie über ihre Kasse oder einen Pflegestützpunkt.
Privat Versicherte wenden sich an die Compass Pflegeberatung.
Diese ist unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 – 101 8800 zu erreichen und steht allen Ratsuchenden offen - telefonisch also auch gesetzlich Versicherten.
Die Pflegstützpunkte in Wohnortnähe sind nach Eingabe der Postleitzahl beispielsweise unter
www.zqp.de  finden.
Ein Pflegetagebuch kann man in Internet auf den Seiten der Pflegekassen herunterladen.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ Altmark Oktober  2014


Anlage: eingefügt am 28.03.2015; Flayer;
Informationen zur Pflegebegutachtung

« Letzte Änderung: 28. März 2015, 09:19:56 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Pflege - Urteil:

Hilfsmittel


Ein pflegebedürftiger, ständig auf einen Rollstuhl angewiesener 81-Jähriger beantragte bei seiner Krankenkasse die Versorgung mit einer mobilen, elektrisch betriebenen Treppensteighilfe. 
Versorgung eines pflegebedürftigen Rollstuhlfahrers mit einer Treppensteighilfe gehört zum Leistungsbereich der Pflegeversicherung - Hilfebedarf im konkreten, individuellen Wohnumfeld - Treppensteighilfe ermöglicht selbstständigere Lebensführung des Pflegebedürftigen

Link zum BSG-Urteil: Az: B 3 KR 1/14 R
« Letzte Änderung: 29. März 2015, 11:40:31 von RalleGA »
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Pflegetelefon:

Telefonische Beratung für Pflegende 

Tel. 030 – 2017 9131   Mo-Do 9 - 18 Uhr

Hilfe im Internet:

www.wir-stärken-die-pflege.de 
www.wege-zur-pflege.de
www.mds-ev.de
www.bundesministerium.de/pflege


Pflegeleistungs-Helfer-Informationen über neue Pflegeleistungen

www.pflegeleistungs-helfer.de

Pflege-Charta-informiert über die Rechte von Pflegebedürftigen und Angehörige

www.pflege-charta.de 

Anlage:
Informationen zur Pflegebegutachtung ab 2017
« Letzte Änderung: 21. April 2017, 12:47:21 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI 

Anlage:
Merkblatt zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit - neu ab 01-2017
« Letzte Änderung: 25. Mai 2017, 11:04:12 von RalleGA »
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Offline RalleGA

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Pflege ist Frage des Wohnorts

große Unterschiede bei Heimkosten –

am „preiswertesten“ in Thüringen und Schleswig-Holstein


in NRW am teuersten


Bei den Eigenanteilen für die Unterbringung im Pflegeheim gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern.
Am wenigsten wird in Thüringen mit monatlich durchschnittlich 225 €  fällig, am meisten im Saarland mit 869 €, ist einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums zu entnehmen.

In Berlin liegt der pflegebedingte Eigenanteil für Heimbewohner im Schnitt bei 856 €. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt der Eigenanteil am Pflegesatz rund 581 € monatlich. Über dieser Summe liegt der Anteil den Angaben zufolge auch in Baden-Württemberg (rund 768 €), Nordrhein-Westfalen (759 €), Bayern (725 €), Rheinland-Pfalz (663 €), Hamburg (600 €) und Hessen (587 €).

Unter dem Durchschnitt ist der Eigenanteil für die Unterbringung im Pflegeheim demnach in Brandenburg (479 €),
Bremen (474 €) Niedersachsen (346 €), Sachsen (313 €), Sachsen-Anhalt (303 €), Mecklenburg-Vorpommern (295 €) sowie in Schleswig-Holstein (289 €).

Seit Jahresbeginn 2017 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung ein pflegebedingter Eigenanteil,
der für alle Bewohner einheitlich ist.
Die Höhe wird von den Trägern der Heime festgelegt. Wird ein Heimbewohner in einen  höheren Pflegegrad eingestuft,
erhöht sich anders als zuvor nicht mehr der Eigenanteil.

Pflege im Heim darf nicht arm machen 
Auch zwischen den Bundesländern wachse die Ungleichheit.
Die Eigenanteile bleiben ein Ticket in die Altersarmut.

Zu den pflegebedingten Kosten kämen für die Heimbewohner zusätzlich noch Unterkunfts- oder Verpflegungskosten und weitere Belastungen. Die Pflege müsse endlich als Vollversicherung ausgestaltet werden, in der die Pflegeversicherung alle pflegebedingten Kosten übernimmt", forderte die Linke.                                                     

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ August 2017
« Letzte Änderung: 16. Oktober 2017, 12:31:11 von RalleGA »
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