Orpha Selbsthilfe Forum

Autor Thema: Fragen und Antworten zur Pflege bzw. Pflegeversicherung, Bürgertelefon, Urteile  (Gelesen 19506 mal)

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Offline RalleGA

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Pflegebegutachtung: Bei Verspätung 70 Euro pro Woche

Fragen & Antworten rund um die Pflege

Frage:

Stimmt es, dass die Pflege-Begutachtung fristgemäß erfolgen muss.
Habe ich Ansprüche gegenüber der Pflegekasse, wenn die Begutachtung nicht fristgemäß erfolgt?
Und was heißt überhaupt fristgemäß?

Antwort:
Spätestens 5 Wochen nach der Beantragung einer Pflegestufe muss der Bescheid der Pflegekasse dem Antragsteller vorliegen.
Ist es gewünscht, wird gleichzeitig das entsprechende Gutachten mitgeschickt.
Hält die Kasse diese Frist nicht ein, muss sie 70 € je angefangener Woche an den Betreffenden zahlen.
Das Geld darf nicht mit den Pflegeleistungen verrechnet werden.
Diese Festlegung ist Bestandteil der aktuellen Pflegereform.

Allerdings gibt es Ausnahmen:
Die Regelung gilt nicht für Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen oder wenn die Pflegekasse an der Verzögerung schuldlos war.
Vor der Begutachtung und dem Entscheid steht eine Pflegeberatung, auf die jeder ein Anrecht hat.
Auch dafür nennt das Sozialgesetzbuch XI eine Frist:
Innerhalb von zwei Wochen nach der Antragstellung hat die Beratung stattzufinden, auf Wunsch auch zu Hause.
Gesetzlich Versicherte vereinbaren den Termin mit ihrer Pflegekasse.
Kann die Pflegekasse den Termin nicht wahrnehmen, muss sie Adressen alternativer Beratungsstellen übermitteln.
Das kann zum Beispiel ein Pflegestützpunkt oder eine soziale Einrichtung sein.
Für privat Versicherte ist bundeseinheitlich die Compass-Pflegeberatung zuständig.
Die Zwei-Wochen-Frist gilt auch für sie.
Noch ein Hinweis zum Beratungsgespräch:
Wichtig ist vor allem, dass sich der Pflegebedürftige - möglichst mit Hilfe der ihn betreuenden Angehörigen -
darauf einstellt. Das ist oft nicht ganz einfach.
Denn der Betroffene muss sich selbst seine alters- oder krankheitsbedingten Defizite eingestehen und die Hilfe auch annehmen wollen.
Wenn es nötig ist, kann die Beratung zu Hause auch öfter in Anspruch genommen werden.
Sie ist in jedem Fall kostenfrei und anbieterneutral.

Fundquelle: Auszug – „Neues DEUTSCHLAND“ – August 2013
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Hausnotruf bis Ende Oktober 2013 gratis testen

Während der "Sicherheits-Wochen" vom 23. September bis zum 31. Oktober können Interessierte
den Hausnotruf der Johanniter-Unfall-Hilfe lang kostenlos testen.
Danach fallen nur geringe monatliche Kosten an.

Weitere Informationen zum Hausnotruf und den "Sicherheits-Wochen"
der Johanniter gibt es rund um die Uhr in der Hausnotruf-Zentrale der Johanniter unter
03447 – 502 592, oder gebührenfrei unter
0800 – 323 3800 oder  unter
Johanniter - Hausnotruf.

Fundquelle: Auszug – „Generalanzeiger Altmark“ 10-2013
« Letzte Änderung: 06. Oktober 2013, 18:07:17 von RalleGA »
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Pflegebegutachtung: Bei Verspätung 70 Euro pro Woche

Fragen & Antworten rund um die Pflege

Frage:

Was muss ich tun, um einen Zuschuss zum Pflege-Bahr zu erhalten?

Antwort:

Die staatliche Förderung zum sogenannten Pflege-Bahr wird einmal jährlich dem Vertragskonto gutgeschrieben.
Abgewickelt wird das zwischen Zentraler Zulagenstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV),
bei der auch das Geld verwaltet wird, und dem Versicherer.

Drei Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein:
Erstens
muss der Vertragsinhalt den gesetzlichen Vorschriften für die geförderte Pflege-Zusatzversicherung entsprechen.
Zweitens
muss der Versicherte seine Beiträge bezahlt haben.
Drittens
muss der Versicherte der Übermittlung der relevanten Daten an die Zulagenstelle zugestimmt haben.

Welche Informationen die Zulagenstelle erhält, ist in § 128 des SGB XI festgeschrieben.
Neben den Antrags- und Vertragsdaten wird unter anderem die Höhe der gezahlten Beiträge übermittelt.
Mitzuteilen ist auch die DRV-Nummer, anhand derer zu erkennen ist, ob jemand mehrere Verträge hat.
Da dies laut Gesetz nicht zulässig ist, wird nur eine Police gefördert.
Die anderen werden rückgängig gemacht.
Das Verfahren zwischen Versicherer und Zulagenstelle läuft jeweils in den ersten drei Monaten nach Ende des Kalenderjahres, erstmals also zwischen Januar und März 2014.
Angewiesen wird die Zulage erstmals am 20. April 2014.

Fundquelle: Auszug – „Neues DEUTSCHLAND“ – August 2013

« Letzte Änderung: 08. Oktober 2013, 08:17:38 von RalleGA »
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Pflegebegutachtung: Bei Verspätung 70 Euro pro Woche

Fragen & Antworten rund um die Pflege

Frage:

Wer selbst Angehörige pflegt, kennt den enormen zeitlichen Aufwand und die erhebliche körperliche Belastung.
Umso wichtiger ist es, mal eine Auszeit nehmen zu können.
Wie ist das aber überhaupt möglich?

Antwort:
Damit pflegende Angehörige eine Auszeit nehmen und sich erholen können,
gibt es die sogenannte Verhinderungspflege.
Für maximal 28 Tage im Jahr kann z.B. ein ambulanter Dienst die Versorgung des Pflegebedürftigen übernehmen.
Bis zu 1.550 € im Jahr zahlt die Pflegekasse dafür.
Das ist in § 39 des SGB XI geregelt und gilt für gesetzlich wie privat Pflegeversicherte gleichermaßen.

Allerdings verlangt der Gesetzgeber nicht, dass die Verhinderungspflege zu Hause stattfinden muss.
Somit kann man auch gemeinsam Urlaub machen und trotzdem die Pflegeleistungen in Anspruch nehmen.
Dafür gibt es mittlerweile immer mehr spezialisierte Hotels.
Dort übernimmt qualifiziertes Personal die Pflege, während sich der Angehörige erholen kann.
Die Ausstattung der Pflegehotels ist auf die besonderen Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten.
Oft stehen getrennte Schlafzimmer zur Verfügung.
Die Pflegekasse bezahlt die reinen Pflegeleistungen.
Unterkunft, Vollverpflegung und die sogenannten Investitionskosten müssen selbst beglichen werden.
Das kann den Pflegebedürftigen beispielsweise insgesamt 40 € pro Tag kosten.
Dem pflegenden Angehörigen kann das Zweibettzimmer inklusive Vollpension mit 50 € pro Tag
in Rechnung gestellt werden.
Preise und Ausstattung der Hotels sind unterschiedlich.
Nicht jede Einrichtung ist auch tatsächlich für die gemeinsame Unterbringung des Pflegebedürftigen und seines Angehörigen geeignet.
Deshalb sollten Angebote verglichen werden.
Und: Informieren Sie sich detailliert über die Finanzierung und die Antragsformalitäten.

Gesetzlich Versicherte wenden sich an ihre Pflegekasse oder an einen Pflegestützpunkt.
Privat Versicherte und deren Angehörige erhalten unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 – 101  88 00 von der zuständigen Compass-Pflegeberatung die entsprechenden Auskünfte.
Auch gesetzlich Versicherte bekommen dort eine telefonische Erstberatung.

Fundquelle: Auszug – „Neues DEUTSCHLAND“ – August 2013

« Letzte Änderung: 09. Oktober 2013, 09:32:11 von RalleGA »
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« Letzte Änderung: 24. November 2013, 10:37:36 von RalleGA »
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Pflege-Urteile:

Von der Wiege bis zur Bahre - Formulare, Formulare


So jammert der Volksmund, und meistens sind dabei auch Paragrafen im Spiel,
über deren Bedeutung und Auslegung es häufig Streit gibt.
So dass Anwält/innen und Gerichte bemüht werden.

Wer übernimmt die Kosten?
Viel Verunsicherung herrscht etwa - trotz oder wegen der inzwischen jahrzehntelangen Erfahrungen mit der gesetzlichen Pflegeversicherung - bei der Frage, wer für die Pflegekosten aufkommen muss,
die nicht durch die gesetzlichen Leistungen abgedeckt sind.

Muss z.B. der Sohn einer Pflegeheimbewohnerin seine selbst genutzte Eigentumswohnung verkaufen, um dem Sozialamt die Kosten zu erstatten, die es, aus Steuermitteln, für die Rechnungen des Pflegeheims aufgewendet hat?
Nein, unzumutbar, hat der Bundesgerichtshof unter dem AZ.: XII ZB 269/12 entschieden.


Darüber hinaus hat er festgelegt, dass auch das sonstige Vermögen des Sprösslings nur dann eingesetzt werden muss, wenn es einen bestimmten Betrag übersteigt.
Für sich behalten darf der Sohn auf jeden Fall 5% des Bruttoeinkommens, das er in seinem Berufsleben erzielt hat.

Ein Rechenbeispiel:
Wenn der Sohn in seinen 30 Arbeitsjahren im Durchschnitt jährlich 25.000 €  brutto verdient hat, insgesamt also 750.000 €, dann sind davon 5%, also 37.500 €, als sein eigenes Altersvorsorgevermögen "geschützt".

Ergebnis: Er muss nur mit dem Teil seines Vermögens für seine Mutter im Pflegeheim aufkommen,
der- neben der Eigentumswohnung - den Wert von 37.500 € übersteigt.

Fundquelle: Auszug – Verdi 07/2013
« Letzte Änderung: 03. Mai 2015, 10:37:15 von RalleGA »
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Pflege-Urteile:

Wer geht einem an die Wäsche?


In diesem Zusammenhang hat das Landgericht Kaiserslautern auch vorgebeugt und unter dem
AZ.: 20 252/12 festgelegt
, dass Pflegeeinrichtungen (zum Beispiel Altenheime oder Seniorenzentren) in ihren Verträgen mit Heimbewohnern über Kurzzeitpflege nicht vorsehen dürfen, dass Angehörige oder Betreuer der Pflegebedürftigen sich durch einen sogenannten "Schuldbeitritt" zur Kostenübernahme verpflichten sollen,
wenn der Pflegebedürftige selbst nicht zahlen kann.


Fundquelle: Auszug – Verdi 07/2013
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2013, 09:29:52 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Pflege-Urteile:

Oft geht es vor den Gerichten auch um kleinere Beträge und Details von Verträgen,
die aber relativ viele Menschen betreffen.
So hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Frage zu entscheiden, ob ein Pflegeheim beim Einzug von neuen Bewohner/innen für die Kennzeichnung von Wäsche zusätzliche Kosten erheben darf. AZ: 10 A 902/13

Das Urteil:
Das Kennzeichnen von Wäschestücken ist Teil der Regelleistung "Wäscheversorgung".
Ein Heimträger hatte von neuen Bewohner/innen 50 € für die Kennzeichnung von Wäschestücken verlangt,
die als "Zusatzleistung" bei Einzug in die Pflegeeinrichtung fällig wurden.

Bin ich eine stationäre Einrichtung?
Das Gericht strich diese Gebühr mit der Begründung, dass nach dem Rahmenvertrag über die vollstationäre pflegerische Versorgung (für Hessen) die Kennzeichnung von Wäschestücken mit dem Regelsatz abgegolten sei.
Deshalb sei es rechtlich nicht zulässig, dafür einen Zusatzbeitrag zu erheben.
Der Träger habe durch heiminterne Organisation sicherzustellen, dass Wäschestücke nach der Reinigung dem jeweiligen Heimbewohner wieder zugeordnet werden könne. 

Fundquelle: Auszug – "Verdi" 07/2013

« Letzte Änderung: 31. Dezember 2013, 09:33:39 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Pflege-Urteile:

Wer übrigens Appartements an Demenzkranke vermietet und die Versorgung der Patient/innen faktisch an einen bestimmten Pflegedienst koppelt, der betreibt laut Verwaltungsgericht Berlin eine
"stationäre Einrichtung im Sinne des Heimrechts".
Konsequenz:
Der Betrieb unterliegt der behördlichen "Heimaufsieht", die prüft, ob die Vorgaben für die Pflege
und die Räumlichkeiten erfüllt werden.
Das Gericht hatte im vorliegenden Fall festgestellt, dass die pflegebedürftigen Bewohner/innen auf Betreuungspersonal angewiesen waren, aber praktisch ausschließlich denjenigen Pflegedienst beauftragen konnten, der mit dem Betreiber der Appartements kooperierte.
Andernfalls hätten sie ihre Behausung aufgeben müssen.
Sie seien aber laut AZ.: 14 K 80/12 "besonders schutzbedürftig".

Fundquelle: Auszug – Verdi 07/2013

Tipp:
Bei Renteneintritt bitte nicht Mitgliedschaft bei Gewerkschaft kündigen:
Gewerkschaftsmitglieder sind, auch wenn sie nicht mehr im Arbeitsleben stehen, besser dran:
Sie erhalten bei Ärger mit ihrer gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- oder Unfallversicherung Rechtsrat von ihrer Gewerkschaft und werden - bei einer gewissen Aussicht auf Erfolg - sogar vor den Sozialgerichten rechtlich vertreten.

Fundquelle: Auszug – "Verdi" 07/2013
« Letzte Änderung: 03. Januar 2014, 17:06:35 von RalleGA »
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Unfall beim Geldholen:

Pflegende Angehörige versichert 


Pflegende Angehörige sind bei ihrer Tätigkeit gesetzlich unfallversichert.
Auch wenn sie bei Besorgungen stürzen und sich verletzen, gilt das als Arbeitsunfall.
Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt und für Diesen Besorgungen macht, steht auch auf dem Weg zum Geldabheben am Bankautomat unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (GVU).
Das gilt jedenfalls dann, wenn der Angehörige mit dem Geld vom Konto des Pflegebedürftigen für ihn einkaufen wollte. Urteil des Bayerische LSG (Az.: L 2 U 516/11)

Der verhandelte Fall:
Eine Frau pflegte ihre Schwiegermutter zu Hause.
Beim Einkauf für sie rutschte die Schwiegertochter auf dem Weg vom Auto zum Geldautomaten auf glatter Straße aus und verletzte sich bei dem Sturz an Hals- und Lendenwirbelsäule.
Die gesetzliche Unfallversicherung sah darin keinen Arbeitsunfall.

Das Urteil:
Nach Ansicht des Gerichts handelt es sich bei dem Sturz um einen Arbeitsunfall.
Pflegende Angehörige stünden unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung -
das gelte für Pflegetätigkeiten zu Hause und auch fürs Einkaufen für den Pflegebedürftigen.
Wer dazu Bargeld von dessen Konto abhebt, habe auch auf dem Weg zum Geldautomat Unfallversicherungsschutz.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“ – November 2013

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Staat muss für familiäre Pflege weniger zahlen

Die heimische Pflege von Angehörigen wird vom Staat nicht so honoriert wie die von Profi-Pflegern -
das ist in Ordnung, sagt das Bundesverfassungsgericht.
Man helfe sich in der Familie schließlich nicht des Geldes wegen.
Die geringeren Geldleistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung bei häuslicher Pflege durch Familienangehörige gegenüber den Geldleistungen beim Einsatz bezahlter Pflegekräfte verstoßen nicht gegen das Grundgesetz, entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) Karlsruhe (AZ: 1 BvR 1133/12 - Beschluss vom 26. März 2014).                                                     
Die Richter wiesen die Verfassungsbeschwerde einer Ehefrau und deren Tochter aus Bayern zurück,
die den Familienvater bis zu dessen Tod zu Hause gepflegt hatten.
Während das Pflegegeld der Stufe III 665 € betrug, wären beim Einsatz bezahlter Pflegekräfte mit 1.432 € mehr
als doppelt so viel erstattungsfähig gewesen.   

Pflegegeld als Anreiz für eigenverantwortliche Leistung
Beim Sozialgericht München und den folgenden Instanzen hatten die beiden Frauen unter Hinweis auf den grundgesetzlichen Gleichheitssatz vergeblich versucht, den Differenzbetrag zwischen dem Pflegegeld und der höheren Pflegesachleistung einzuklagen.

Nach Feststellung der höchsten deutschen Richter handelt es sich aber um 2 verschiedene Leistungsmodelle: 
1. Die häusliche Pflegehilfe sei eine Sachleistung für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung 
    Pflegebedürftiger durch dafür zugelassene externe Pflegekräfte.                                     
2. Das Pflegegeld hingegen sei eine laufende Geldleistung für Angehörige, Ehrenamtliche oder
    professionelle Pfleger, die keinen Vertrag mit der Pflegekasse haben.

Das Pflegegeld solle "im Sinne einer materiellen Anerkennung einen Anreiz darstellen" und die Eigenverantwortlichkeit sowie Selbstbestimmung der Pflegebedürftigen stärken.
Diese könnten das Geld frei für ihre Pflege einsetzen.
Der Konzeption des Pflegegeldes liege der Gedanke zugrunde, dass familiäre, nachbarschaftliche oder ehrenamtliche Pflege unentgeltlich erbracht werde.

Gegenseitige Beistandspflicht von Familienangehörigen
Der Gesetzgeber dürfe davon ausgehen, dass die Entscheidung zur familiären Pflege nicht abhängig sei von der Höhe der Vergütung, die eine professionelle Pflegekraft für diese Leistung erhalte, urteilten die Karlsruher Richter.
"Die gegenseitige Beistandspflicht von Familienangehörigen rechtfertigt es, das Pflegegeld in vergleichsweise niedrigerer Höhe zu gewähren", befand die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts.               

Zwar sei der Anreiz zur Pflegebereitschaft umso größer, je mehr der Staat finanziell unterstütze.
Daraus erwachse aber kein Anspruch auf finanzielle Förderung oder auf Anhebung des Pflegegeldes auf den Wert der Sachleistung.                                                           
Aus Sicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz geht das Urteil an der Praxis vorbei.
Schließlich werden schon heute 100.000-fach Pflegehilfskräfte aus Mittel- und Osteuropa aus dem Pflegegeld bezahlt.
Schon lange werde die Leistung nicht allein für familiäre, ehrenamtliche oder nachbarschaftliche Hilfe verwandt.
Das steht vielleicht im Gesetz, hat aber mit der Wirklichkeit nichts zu tun.

Pressemitteilung zum Beschluss                                                         

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  April 2014
« Letzte Änderung: 21. April 2014, 09:44:14 von RalleGA »
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Kommentar

Urteil zur häuslichen Pflege – Aufgabe der Familie


Wer daheim oder in der Wohnung eines Pflegebedürftigen ein Familienmitglied pflegt,
hat einen Knochenjob:
Die Dauer-Fürsorge belastet Körper und Seele, dazu kommt der Schock,
einen geliebten Menschen plötzlich hilflos zu sehen.
Dennoch entscheiden sich viele Familien gegen die Pflege im Heim und für die Pflege zu Hause -
weil sie für ihren Angehörigen da sein wollen.
In Deutschland werden viele Pflegebedürftige daheim versorgt, vielfach ohne Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes.

Das Gesundheitssystem profitiert, weil der Staat diese Familien-Pflege deutlich schlechter vergütet als eine Versorgung durch Profis – und das ist laut Bundesverfassungsgericht rechtens.
Für viele, die einen Pflegefall in der Familie haben oder hatten, wird sich das Urteil anfühlen wie ein Schlag ins Gesicht.
Sie werden sich ausgenutzt fühlen, nicht wertgeschätzt.

Denn letztlich kommt das so an:
Dem Staat ist häusliche Pflege weniger wert.

Nur:
Das Kümmern um Familienmitglieder ist zuerst Aufgabe der Angehörigen und nicht des Staates.
Geht es um Babys, stellt das niemand in Frage - doch alte Menschen brauchen am Ende ihres Lebens genauso Unterstützung wie Neugeborene.
In einer Gesellschaft, in der der Familienverbund nicht mehr so stark ist wie früher,
wird das oft vergessen und staatliche Unterstützung eingefordert.
Dass die Familie an der Pflege-Aufgabe nicht zerbricht, dafür muss der Staat allerdings sorgen -
etwa durch Familienpflegezeit, Lohnausgleich und externe Kurzzeitpflege.
Ein Sparkurs auf Kosten der Pflegenden ist unsozial.
« Letzte Änderung: 29. April 2014, 08:51:58 von RalleGA »
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Rente für Pflege:

Tatsächlicher Hilfebedarf ist ausschlaggebend


Die Pflege von Angehörigen ist kein Freizeitvergnügen und damit rentenversicherungspflichtig.
Wie hoch die Beiträge sind, hängt davon ab, wie umfangreich der Hilfebedarf ist.

Wer einen Pflegebedürftigen zu Hause pflegt, ist rentenversicherungspflichtig.
Die Beiträge muss die Pflegeversicherung zahlen.
Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um eine umfangreiche Pflege handelt,
entschied das Hessische Landessozialgericht (Az.: L 1 KR 72/11).
Damit haben pflegende Familienangehörige die Möglichkeit, später eine Rente für ihre familiäre Pflegeleistung zu bekommen.

Der Fall:

Eine Frau hatte ihre Schwiegermutter, die Pflegegeld der Pflegestufe I bezog, gepflegt.
Sie beantragte die Zahlung von Rentenbeiträgen durch die Pflegekasse.
Die Rentenversicherung lehnte den Antrag mit der Begründung ab,
dass der wöchentliche Pflegeaufwand unter 14 Stunden liege.
Die Frau hingegen berief sich darauf, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) den tatsächlichen konkreten Pflegeaufwand gar nicht ermittelt habe.
Zum Beleg legte sie ein Pflegetagebuch sowie eine Aufstellung über die hauswirtschaftliche Versorgung vor.

Das Urteil:

Die Richter gaben der Frau Recht.
Die Rentenbeiträge müsse die Pflegeversicherung tragen.
Es sei der tatsächlich anfallende Hilfebedarf zu bewerten.                 
Der MDK habe jedoch nur Pauschalen zugrunde gelegt.
Daher seien die Angaben der Frau heranzuziehen.
Und danach seien neben dem Grundpflegebedarf von täglich 51 Minuten außerdem mindestens eine Stunde und 16 Minuten täglich für die Hauswirtschaft nötig gewesen. 

AZ L 1 KR 72/11 - LSG Hessen
https://portal.hessen.de/irj/LSG_Darmstadt_Internet?rid=HMdJ_15/LSG_Darmstadt_Internet/sub/0aa/0aa0f6ea-b2e6-1417-9cda-a2b417c0cf46,,,11111111-2222-3333-4444-100000005003%26overview=true.htm


Fundquelle: Auszug - „ALTMARK-ZEITUNG“ – Januar 2014
« Letzte Änderung: 16. August 2014, 17:17:42 von RalleGA »
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Pflegestufe prüfen lassen:

Tipps für Angehörige


Für die Pflege kranker Familienmitglieder können Angehörige Hilfen von der Kasse beantragen.
Welche Unterstützung ihnen zusteht, entscheiden Gutachter.
Manche sind jedoch nicht einverstanden mit der Einstufung der Bedürftigen.

Was können sie in solchen Fällen tun?

Die wichtigsten Fragen und Antworten:


Wie oft wird die Einstufung in der Regel überprüft?

Wie oft Gutachter - meist Krankenschwestern, Altenpfleger oder Ärzte - die Einstufung neu einschätzen,
lässt sich pauschal nicht sagen.
Fristen dafür gibt es nicht.
Bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes müssten Angehörige selbst aktiv werden.

Was kann ich tun, wenn ich mit der Einstufung nicht einverstanden bin?
Wenn ich nicht einverstanden bin, kann auf jeden Fall Einspruch erheben werden.
Innerhalb eines Monats nach Bescheid kann der Angehörige der Einstufung widersprechen.

Und später?

Auch dann gibt es die Möglichkeit, ein neues Gutachten erstellen zu lassen - sofern sich der Gesundheitszustand des Kranken nachweislich verschlechtert hat.
Dann kann ein sogenannter Höherstufungsantrag gestellt werden.
Damit beantragen Sie eine erneute Begutachtung und begründen den mit der Verschlechterung der Situation.

An wen wende ich mich für eine erneute Überprüfung der Pflegestufe?

Dazu reicht ein einfaches Schreiben an die zuständige Pflegekasse, bei der man versichert ist.
Die beauftragt dann den Medizinischen Dienst, der sich um das Gutachten kümmert.

Wie kann ich mich auf eine Begutachtung vorbereiten?
Entscheidend ist, bei einem Gutachterbesuch ein möglichst umfassendes Bild von der Situation zu geben.
Alle Berichte von Ärzten sowie einzunehmende Medikamente sollten bereitgestellt werden.
Auch Pflegepersonen sollten möglichst hinzugezogen werden.
Das müssen keine professionellen Pfleger sein.

Was bringt ein Pflegetagebuch?
Das kann sehr hilfreich sein.
Damit können Sie engmaschig protokollieren, welche Pflegeaufwände wirklich anfallen.
Wie lange brauche ich etwa, um meine Mutter oder meinen Vater ins Bad zu begleiten oder Essen zuzubereiten?

Was ist für die Einstufung entscheidend?

Die Pflegestufe richtet sich nicht in erster Linie nach der Schwere der Erkrankung, sondern nach der Zeit,
die für die Pflege notwendig ist.
Hierzu wird zum einen die Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen oder etwa beim Aufstehen und Treppensteigen gerechnet. Hinzu kommen Aufgaben im Haushalt wie das Einkaufen, die Wäsche und das Putzen.

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Auszeiten sind wichtig

Auszeiten sollten sich Pflegende von niemand ausreden lassen.
Viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie den Erkrankten alleine lassen
oder müssen sich sogar Vorwürfe von ihm anhören.
Trotzdem sollten Pflegende auf Zeit für sich bestehen.
Oft gebe es Gründe, warum Erkrankte nicht gerne alleine bleiben.
Steht die Angst im Vordergrund, alleine nicht zurecht zu kommen, können Pflegende anbieten,
für den Notfall ein Handy mitzunehmen.
Oder sie organisieren für die Zeit der Abwesenheit einen ehren amtlichen Besuchsdienst.

Machen Sie deutlich, dass Sie sich am besten kümmern können, wenn Sie gut für sich sorgen.
Entlastend kann es auch sein, einen Dritten in die Situation einzubinden -
etwa ein anderes Familienmitglied oder einen Pflegedienstmitarbeiter.
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.