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Autor Thema: Fragen und Antworten zur Pflege bzw. Pflegeversicherung, Bürgertelefon, Urteile  (Gelesen 20525 mal)

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Offline RalleGA

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Bei den Pflegezusatzversicherungen gibt es etliche Varianten

Abgesichert im Pflegefall:
Dafür gibt es die Pflegeversicherung, in die Berufstätige ihr gesamtes Arbeitsleben einzahlen.
Weil die aber nicht ausreicht, kommen private Policen für den Restbetrag auf.
Doch welches Modell eignet sich für wen?

Pflege im Alter ist oft kostspielig - gegen das finanzielle Risiko kann eine Pflegezusatzversicherung helfen.
Diese soll staatlich bezuschusst werden.
Jeder Versicherte soll jährlich 60 € bekommen, wenn er privat vorsorgt.
Derzeit gebe es vier unterschiedliche Modelle, zwischen denen der Versicherte wählen kann.
Doch nicht jede Zusatzversicherung ist empfehlenswert.

Ein Überblick:
Pflegetagegeld:
Hier bekommt der Versicherte für jeden Tag einen vereinbarten Betrag ausgezahlt.
Die Höhe richtet sich nach der Pflegestufe.
Der volle Tagessatz wird hier häufig erst ab Pflegestufe III fällig.
Die Versicherten können selbst bestimmen, für was sie das Geld ausgeben.
Das heißt, sie entscheiden, ob sie das Geld in professionelle Pflege investieren oder Angehörigen Geld geben,
die sich um sie kümmern.

Pflegekostenversicherung:
Die Pflegekostenversicherung orientiert sich an der Praxis der Krankenversicherer.
Sie erstattet die tatsächlich entstandenen Kosten bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag
oder bis zu einem festgelegten Prozentsatz.
Die Kosten müssten allerdings durch Rechnungen nachgewiesen werden.
Das könne unter Umständen einen großen Aufwand bedeuten.
Ein weiterer Nachteil:
Die Pflege durch Familie und Freunde wird finanziell nur selten unterstützt.

Pflegerentenversicherung:
Bei der Rentenversicherung schließt der Versicherte gleichzeitig noch einen Sparvertrag ab.
Es gibt drei Leistungsmöglichkeiten:
Todesfallleistung, Rente bei Pflegebedürftigkeit, Altersrente ab dem 80. oder 85. Lebensjahr.
Die Beiträge hierfür sind aber sehr (zu) hoch.
Sinnvoller sei es, nur das Pflegerisiko abzudecken und das restliche Geld selbst anzulegen.

Pflegerenten-Risikoversicherung:
Hier bekommt der Versicherte eine frei verfügbare Monatsrente ausgezahlt.
Nachteilig wirkt sich bei ihr aus, dass die Höhe der Rente nach der Pflegestufe variiert.
Erst bei Pflegestufe III wird der volle Betrag ausgezahlt.
Bei Pflegestufe I sind es dagegen meist maximal 50%, und bei Stufe II variiert
die Auszahlung häufig zwischen 50 und 75%.

       Nur sehr wenige Versicherer erbringen
in allen drei Pflegestufen die volle Leistung.


« Letzte Änderung: 13. Februar 2013, 14:50:32 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Frage
:

Was kann man eigentlich mit dem sogenannten Pflege-Bahr versichern?

Antwort:
Es gibt für diese geförderte Pflegeversicherung Mindestleistungen, die vom Gesetzgeber vorgegeben sind:
Versichert sind die Pflegestufen 0, I, II und III.
In Pflegestufe III sind z.B. mindestens 600 € zu zahlen.
In den anderen Pflegestufen bieten die einzelnen Anbieter sehr unterschiedliche Leistungen an.
Sie unterscheiden sich in der Höhe der Versicherungssummen und der gezahlten Prozentsätze.

Es gibt auch Verträge mit Dynamisierung.
Damit ist beispielsweise die regelmäßige Erhöhung der Versicherungssumme als Inflationsausgleich möglich.
Das kostet natürlich einiges.
Grundsätzlich gilt:
Je jünger man bei Vertragsabschluss ist, desto günstiger ist der Beitrag.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013
« Letzte Änderung: 31. Mai 2013, 08:05:46 von RalleGA »
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Frage:

Ist es möglich, mit 81 Jahren die neue Pflege-Zusatzversicherung abzuschließen?
Gesundheitlich wird es ja auch nicht besser.

Antwort:

Ihr Gesundheitszustand spielt bei dieser Art von Police keine Rolle.
Allerdings ist die geförderte Pflege-Zusatzversicherung umso teurer, je älter man bei Vertragsabschluss ist.
Außerdem können Sie den Vertrag erst nach Ablauf einer fünfjährigen Wartezeit nutzen.
Es lohnt sich in Ihrem Alter also eher nicht, einen solchen Vertrag abzuschließen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013
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Frage:

Zahlt der Pflege-Bahr auch bei Demenz?

Antwort:
Ja.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Pflegestufen, also von der sogenannten Stufe 0 bis zur Stufe III versichert werden müssen.
Die Stufe 0 ist für jene gedacht, bei denen eine "eingeschränkte Alltagskompetenz" festgestellt wurde.
Demenz zählt dazu, aber auch psychische Erkrankungen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013
« Letzte Änderung: 09. Juni 2013, 18:16:57 von RalleGA »
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Frage:

Seit fünf Jahren zahle ich in eine private Pflege-Tagegeldversicherung ein.
Kann ich diesen Vertrag in einen geförderten umschreiben lassen?

Antwort:
Nein
, das geht nicht.
Die unterschiedlichen Vertragsbedingungen lassen das nicht zu.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013

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Frage:

Wie wird eigentlich die Förderung für den Pflege-Bahr weitergereicht?

Antwort:

Darum kümmert sich die Zentrale Zulagenstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Das Ganze wird direkt zwischen Versicherer und Zulagenstelle abgewickelt.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013

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Frage:

Ist es bei jeder Zusatzversicherung zwingend notwendig, vorm Abschluss Gesundheitsfragen zu beantworten?

Antwort:
Nein, nicht bei jeder.

Beim Pflege-Bahr und der Auslandsreise-Krankenversicherung wird nicht nach Ihrem Gesundheitszustand gefragt.
Bei Zahn-Zusatzversicherungen spielt naturgemäß der nur aktuelle Zahnstatus eine Rolle.
In der Regel wird Zahnersatz für zum Zeitpunkt der Antragstellung fehlende und noch nicht ersetzte Zähne nicht versichert.
Bei anderen Verträgen wie für Wahlleistungen im Krankenhaus oder ambulante Behandlungen können Vorerkrankungen zur Ablehnung oder zu Risikozuschlägen führen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2013 
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Höherstufung im Pflegefall und Pflege-»Bahr«-Zuschuss

Frage:

Mein Vater befindet sich in einer Pflegeeinrichtung, weil es wegen seines Gesundheitszustandes zu Hause nicht mehr geht.
Im Heimvertrag sind die Leistungen vereinbart, die seinem Betreuungsbedarf entsprechend zu erbringen sind
und wie die Vergütung aussieht.
Was muss ich tun, wenn der Gesundheitszustand meines Vaters einen höheren Betreuungsbedarf erfordert und eine Höherstufung nötig ist?
Werde ich zur Höherstufung aufgefordert?

Antwort:
Generell ist zu sagen: Auch Heimbewohnern und deren Angehörigen steht eine Pflegeberatung zu.
Zeigt sich, dass der Gesundheitszustand des Heimbewohners einen erhöhten oder einen verringerten Betreuungsbedarf erfordert, sind die Pflegeleistungen dem anzupassen.
Sowohl der Pflegebedürftige - und stellvertretend seine Angehörigen - als auch das Heim können dafür erforderliche Änderungen des Heimvertrages verlangen.
Die Einrichtung kann beispielsweise den Bewohner auffordern, bei seiner Pflegekasse eine höhere Pflegestufe zu beantragen.
Diese Aufforderung ist zu begründen, und ein Gutachten muss die erhöhte Pflegestufe bestätigen.
Geschieht das, hat das Konsequenzen in pflegerischer und finanzieller Hinsicht.

Der Bewohner erhält zwar die Pflege, welche seinem Zustand entspricht.
Doch wenn statt der Pflegestufe I dann die II gilt, gelten auch höhere Preise für den Pflegeaufwand.
Selbst, wenn die Pflegekasse nun 1.279 € statt wie bisher 1.023 € monatlich zahlt,
steigt mit der Höherstufung in der Regel auch der Eigenanteil.
Für den Fall, dass der Betroffene und seine Angehörigen solch eine Entwicklung nicht ganz nachvollziehen können und Fragen auftauchen, kann man eine kostenfreie Pflegeberatung in Anspruch nehmen.
Die steht jedem zu, gleich, ob er zu Hause gepflegt oder in einem Heim betreut wird.
Die Pflegekassen sind zur Beratung verpflichtet.
Gesetzlich Versicherte können sich aber auch bei einem Pflegestützpunkt Rat holen.
Den privaten Pflegeversicherten hilft die bundesweit agierende Compass-Pflegeberatung unter der kostenfreien Servicenummer 0800 – 101 88 00 weiter.

Pflegeberater können die Modalitäten zur Berechnung und zur Zahlung des Heimentgelts erläutern.
Dieses setzt sich zusammen aus Pflegesätzen, Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten.
Geht es allerdings darum, Missstände im Heimalltag zu benennen, sollten sich Bewohner und Angehörige
zuerst an die zuständige Pflegedienst- oder an die Einrichtungsleitung wenden.
Ändert sich nichts zum Positiven, kann man die Heimaufsicht ansprechen oder sich direkt an den Medizinischen Dienst wenden.
Dann führt Unausgesprochenes nicht gerade dort zu verhärteten Fronten, wo es doch in erster Linie um das Wohl der Pflegebedürftigen geht.

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  April 2013
« Letzte Änderung: 01. Juli 2013, 09:46:17 von RalleGA »
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Pflege: Fragen + Antworten

Höherstufung im Pflegefall und Pflege-»Bahr«-Zuschuss

Frage:

Werde ich zur Höherstufung aufgefordert?
Wie kommt man an den Zuschuss für die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung,
auch »Pflege-Bahr« genannt?

Antwort:
Wer eine geförderte Pflegezusatzversicherung - den »Pflege-Bahr« - abschließt,
zahlt tatsächlich exakt fünf Euro monatlich weniger als im Vertrag vorgesehen.
Die »fehlenden« fünf Euro entsprechen der staatlichen Förderung.
Das Geld wird von der Zentralen Zulagenstelle der Deutschen Rentenversicherung Bund verwaltet
und auf das Vertragskonto überwiesen.
Den Zuschuss muss man nicht selbst beantragen.
Das übernimmt der Versicherer im Auftrag seines Versicherten.
Das Unternehmen bestätigt der Zentralen Zulagenstelle, dass der Vertrag die gesetzlichen Kriterien erfüllt und somit überhaupt förderfähig ist.
Übermittelt werden außerdem die personenbezogenen Vertragsdaten sowie die Information,
welche Beiträge der Versicherte gezahlt hat.
Mindestens zehn Euro monatlicher Eigenbeitrag sind Voraussetzung für den Zuschuss.
Wenn die Bedingungen erfüllt sind, wird der Förderbetrag direkt an das Versicherungsunternehmen überwiesen.
 Das wiederum schreibt die Summe sofort dem jeweiligen Vertragskonto gut.

Informieren muss man den Versicherer auch, wenn man nicht mehr pflegepflichtversichert ist.
Das kann beispielsweise durch einen Umzug ins Ausland der Fall sein.
Denn mit dem Ende der Pflichtversicherung erlischt auch der Anspruch auf den Zuschuss
und der Versicherer muss den Zulagenantrag zurücknehmen.

Fundquelle: Auszug – „Neues Deutschland“  April 2013
« Letzte Änderung: 04. Juli 2013, 15:57:15 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

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Bei Verhinderungspflege halbes Pflegegeld

Fragen & Antworten zur Pflege

Frage:

Seit geraumer Zeit kümmere ich mich um einen pflegebedürftigen Verwandten.
Das ist eine körperlich und mental sehr aufreibende Tätigkeit, zumal ich als pflegender Angehöriger selbst
schon in einem vorgerückten Alter bin, so dass ein Erholungsurlaub hilfreich sein würde.
Was muss ich in einem solchen Fall tun?
Wie sehen in einem Verhinderungsfall die gesetzlichen Regelungen für den Pflegebedürftigen aus?

Antwort:
In der Tat ein alltägliches und mit vielen Fragen verbundenes Problem an.
Fast 1,2 Millionen Pflegebedürftige werden ausschließlich von ihren Angehörigen zu Hause versorgt.
In einem solchen Fall sieht das Sozialgesetzbuch (SGB) XI in § 39 die Möglichkeit der
sogenannten Verhinderungspflege vor.
Die Pflegekassen sind verpflichtet, für maximal vier Wochen pro Jahr die Ersatzpflege
mit bis zu 1.550 € zu finanzieren.

Neu ist seit Januar 2013, dass das Pflegegeld für diese Zeit zur Hälfte weitergezahlt wird.
In Pflegestufe I sind das 117,50 €, in Stufe II werden 220 € überwiesen, 350 € sind es in Stufe III pro Monat.
Die gleiche Regelung gilt, wenn eine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden muss.
Kurzzeitpflege bedeutet, dass eine zeitweilige Unterbringung in einer stationären Einrichtung nötig ist.
Nachzulesen ist das in § 42 des SGB XI.

Sowohl die Verhinderungs- als auch die Kurzzeitpflege ist für den Betroffenen eine enorme Veränderung.
Die Entscheidung darüber sollte - sofern das möglich ist - mit dem Pflegebedürftigen gemeinsam getroffen werden.
Dabei empfiehlt es sich, eine Pflegeberatung mit einzubeziehen.
Gesetzlich Versicherte bekommen den Kontakt über ihre Pflegekasse, privat Versicherte wenden sich an die bundesweite Compass-Pflegeberatung unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 1010 88 00.

Noch ein Wort zu den unterschiedlichen Kosten:
Nimmt der Angehörige Urlaub und der Pflegebedürftige wird weiter in seiner Wohnung betreut, können die Kosten der Verhinderungspflege mit den genannten 1.550 € plus dem halben Pflegegeld in der Regel abgedeckt werden.
Bei der Kurzzeitpflege hingegen entstehen zusätzliche Aufwendungen.
Denn die Pflegekasse finanziert auch hier ausschließlich die pflegebedingten Aufwendungen, die soziale Betreuung sowie die medizinische Behandlungspflege. Kosten für Verpflegung und Unterkunft im Heim müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden.
Da das halbe Pflegegeld frei verwendbar ist, kann zumindest ein Teil der Rechnung damit beglichen werden.

Fundquelle: Auszug - „Neues Deutschland“ – Juli 2013 
« Letzte Änderung: 08. Juli 2013, 09:11:19 von RalleGA »
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Bei Verhinderungspflege halbes Pflegegeld

Fragen & Antworten zur Pflege

Frage:

Was sollte ich beim Abschluss eines Vertrages mit einem ambulanten Pflegedienst alles beachten?

Antwort:
Die Wahl eines ambulanten Pflegedienstes ist nicht einfach. Schließlich muss der Pflegebedürftige die fremden Personen nicht nur akzeptieren.
Die Art der Hilfe muss auch auf die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen zugeschnitten werden können.
Die ambulanten Dienste haben durchaus unterschiedliche Spezialisierungen.
Manche bieten z.B. auch Betreuung bei Demenz an, haben Erfahrungen mit Behinderten oder können die Nachtwache gewährleisten.
Bevor man sich entscheidet, empfiehlt sich ein längeres Erstgespräch.

Um zu wissen, worauf zu achten ist, sollte man vor dem Treffen mit dem ambulanten Dienst sein Recht
auf eine kostenfreie und anbieterneutrale Pflegeberatung nutzen.
Die Experten finden gesetzlich Versicherte bei ihrer Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt.
Privat Versicherte wenden sich an die bundesweit agierende Compass-Pflegeberatung unter der kostenlosen Rufnummer (0800) 101 88 00.
Diese telefonische Beratung steht natürlich auch gesetzlich Versicherten offen.
Ein Kriterium für die Auswahl des ambulanten Dienstes ist z.B. die Anzahl der Mitarbeiter.
Schließlich muss gesichert sein, dass der Pflegebedürftige auch bei Krankheit oder Urlaub der Pflegekraft die vereinbarte Unterstützung erhält.
Damit kann auch das Risiko vermindert werden, dass der Dienst wegen Personalmangels den Vertrag kündigen muss.
Zudem sollte der Dienst einen möglichst hohen Anteil an Pflege-Fachkräften haben.
Wichtig sind außerdem die ständige Erreichbarkeit des Pflegedienstes und ein kurzer Draht zu den Angehörigen.

Beim Vertrag selbst sollte darauf geachtet werden, dass er keine Kündigungsfrist enthält.
Denn es ist grundsätzlich möglich, dem Pflegedienst fristlos zu kündigen.
Das hat in einer Entscheidung der Bundesgerichtshof entschieden (Az. III ZR 203/10).

Begründung:
Der Umgang mit pflegebedürftigen Menschen erfordert nicht nur Fachwissen,
sondern greift auch in den persönlichen Lebensbereich ein.
Für solche Dienste besteht ein fristloses Kündigungsrecht.
Der Pflegedienst darf dann auch für den Zeitraum nach der fristlosen Kündigung nichts mehr in Rechnung stellen.

Sollte es Ungereimtheiten geben, empfiehlt es sich ebenfalls, eine unabhängige Pflegeberatung zu Rate zu ziehen.
Auch wenn bisweilen Zeitnot herrscht, sollte man sich nicht drängen lassen, einen Vertrag zu unterschreiben.
Vielmehr ist es sinnvoll, eine vierwöchige Probezeit zu vereinbaren.
Stimmt trotz aller Bemühungen die Chemie nicht, bleibt nur der Wechsel zu einem anderen ambulanten Dienst. 

Fundquelle: Auszug - „Neues Deutschland“ – Juli 2013

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Wer bezahlt die Pflege im Ausland?

Fragen rund um die Pflege

Frage:

Ich beabsichtige, meinen Ruhestand im europäischen Ausland bei meiner Tochter und Familie zu verbringen.
Erhalte ich, der weiterhin in Deutschland pflegeversichert ist, im Pflegefall auch im Gastland Geld
von der deutschen Pflegekasse?

Antwort:

Grundsätzlich gilt: Pflege-Tagegeld wird innerhalb der EU gezahlt.
Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst bei gesetzlich beziehungsweise durch Medicproof bei privat Versicherten findet dann am Wohnort des Antragstellers statt.
Das gilt innerhalb der EU sowie in einigen anderen europäischen Ländern wie Liechtenstein,
Island, Norwegen und der Schweiz.
Wer sich außerhalb dieser Staaten pflegen lässt, bekommt keine Leistungen.

In die genannten Länder wird das Pflegegeld überwiesen:
Bei Stufe I sind das 235 € monatlich, 440 € bei Pflegestufe II sowie 700 € bei Stufe III.
Wer eine private Pflege-Tagegeldversicherung hat, bekommt die vereinbarten Summen ebenfalls ausgezahlt.
Das gleiche gilt für jene, die die staatlich geförderte Pflege-Zusatzversicherung, den sogenannten Pflege-Bahr, abgeschlossen haben.

Dabei sind allerdings Fristen zu beachten:
Während bei den klassischen Tagegeldpolicen in der Regel auf Wartezeiten verzichtet wird,
fließt das Geld aus dem »Pflege-Bahr« erst nach fünf Jahren.
Diese Wartezeit entfällt jedoch bei unfallbedingter Pflegebedürftigkeit.

Das Geld sowohl der Pflicht- als auch der Zusatzversicherung kann frei verwendet werden.
Diese Beträge sowie Rente und Ersparnisse sollten ausreichen, die Pflege im Ausland zu bezahlen.
Denn die deutsche Pflegepflichtversicherung bezahlt dort generell keine sogenannten Sachleistungen,
also Rechnungen ambulanter Dienste oder Pflegeheime - auch nicht innerhalb der EU.
Das liegt unter anderem daran, dass die Qualitätsprüfung der Einrichtungen im Ausland nicht möglich ist.
Mit der Rückkehr nach Deutschland hat man auch wieder Anspruch auf die Zuschüsse der Pflegekasse für einen ambulanten Dienst oder die Betreuung im Pflegeheim.

Fundquelle: Auszug - „Neues Deutschland“ Mai 2013

mehr zum Thema unter:

Pflegeversicherung zahlt im Ausland nur eingeschränkt

Anspruch auf Pflegegeld bei Pflege im EU-Ausland

Weiterhin nur eingeschränkte Pflege-Sachleistungen im EU-Ausland

Ratgeber Pflege im Ausland

« Letzte Änderung: 13. Juli 2013, 17:25:18 von RalleGA »
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Pflege:

Fragen rund um die Pflege

Frage:

Meine Oma hat die Pflegestufe III und ist im Pflegeheim.
Das Pflegegeld geht also direkt an die Einrichtung.
Doch ich habe ebenso Ausgaben.
Man erledigt Gänge, wäscht mal ihre Kleidung.
Kann ich meine Ausgaben steuerlich berücksichtigen lassen?                             

Antwort:

Maximal in Form von außergewöhnlichen Belastungen (924,- € pro Kalenderjahr) wäre eine steuerrechtliche Anrechnung möglich.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  April 2013 

Rechtsquelle: § 33 b EStG in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Oktober 2009 (BGBl. I S. 3366),
zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 22. Dezember 2009 (BGBl. I S. 3950)

Der Steuerpflichtige kann ohne Nachweis der tatsächlichen Kosten einen Pauschbetrag von 924 € im Kalenderjahr für die Pflege einer anderen Person geltend machen.

« Letzte Änderung: 18. Juli 2013, 17:50:44 von RalleGA »
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Pflege:

Fragen rund um die Pflege

Frage
:

Wie ist eigentlich die Rechtslage, wenn die Pflege-Begutachtung nicht fristgemäß erfolgt ist?

Antwort:
Spätestens fünf Wochen nach der Beantragung einer Pflegestufe
muss der Bescheid der Pflegekasse dem Antragsteller vorliegen.

Ist es gewünscht, wird gleichzeitig das entsprechende Gutachten mitgeschickt.
Hält die Kasse diese Frist nicht ein, muss sie 70 € je angefangener Woche an den Betreffenden zahlen.
Das Geld darf nicht mit den Pflegeleistungen verrechnet werden.
Diese Festlegung ist Bestandteil der aktuellen Pflegereform.

Allerdings gibt es Ausnahmen:
Die Regelung gilt nicht für Pflegebedürftige in stationären Einrichtungen oder wenn die Pflegekasse
 an der Verzögerung schuldlos war.

Was viele nicht wissen:

Vor der Begutachtung und dem Entscheid steht eine Pflegeberatung, auf die jeder ein Anrecht hat.
Auch dafür nennt das Sozialgesetzbuch XI nun eine Frist:
Innerhalb von zwei Wochen nach der Antragstellung hat die Beratung stattzufinden -
und zwar auf Wunsch auch zu Hause.
Gesetzlich Versicherte vereinbaren den Termin mit ihrer Pflegekasse.
Deren Kontaktdaten bekommt man telefonisch über die Internetseite der Krankenkasse.
Kann die Pflegekasse den Termin nicht wahrnehmen, muss sie Adressen alternativer Beratungsstellen -
das können ein Pflegestützpunkt oder eine soziale Einrichtung sein - übermitteln.

Für privat Versicherte ist bundeseinheitlich die Compass-Pflegeberatung zuständig.
Für sie gilt auch die Zwei-Wochen-Frist.
Beim Beratungsgespräch sollte auch das Procedere der bevorstehenden Begutachtung besprochen werden.
Wichtig ist vor allem, dass sich der Pflegebedürftige - möglichst mit Hilfe der ihn betreuenden Angehörigen -
darauf einstellt.
Das ist oft nicht ganz einfach.
Denn der Betroffene muss sich selbst seine alters- oder krankheitsbedingten Defizite eingestehen
und die Hilfe auch annehmen wollen.
Wenn es nötig ist, kann die Beratung zu Hause auch öfter in Anspruch genommen werden -
sie ist in jedem Fall kostenfrei und anbieterneutral.

Fundquelle: Auszug - „Neues Deutschland“ Mai 2013
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Kostenübernahme für den Hausnotruf

Senioren mit einer Pflegestufe können einen Hausnotruf als technisches Hilfsmittel bei der Pflegekasse beantragen.
Unter bestimmten Voraussetzungen übernehme die Kasse monatliche Mietkosten in der von der Pflegekasse festgelegten Höhe von 18,36 € und eine einmalige Installationsgebühr von 10,49 €.
Dazu zählten zum Beispiel Fälle, in denen Senioren alleine leben oder mit einem normalen Telefon keinen Hilferuf absetzen können.
Gutachter prüft Notwendigkeit Am einfachsten ist es, wenn der Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung im Rahmen der Pflegebegutachtung festhält, dass ein Hausnotruf notwendig ist.
Dann gebe es in der Regel keine Probleme mit der Kostenübernahme.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER - ALTMARK“  Mai 2013 

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