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Autor Thema: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"  (Gelesen 24052 mal)

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Offline RalleGA

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Blinde haben Anspruch auf Blindenführhund gegenüber Krankenkasse

Das LSG Mainz hat den Anspruch einer blinden Klägerin auf einen Blindenhund gegenüber ihrer Krankenkasse bestätigt.
Die durch eine Krankheit erblindete Klägerin lebt allein in einer Eigentumswohnung
und hat keine Hilfs- und Betreuungspersonen mehr.
Von der beklagten Krankenkasse wurde die Klägerin mit einem Bildschirmlesegerät sowie einem Blindenlangstock samt Mobilitätstraining ausgestattet.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass ein Blindenführhund dem unmittelbaren Behinderungsausgleich bei Blindheit diene.
Er könne neben einem Blindenlangstock medizinisch erforderlich sein, wenn er wesentliche Gebrauchsvorteile gegenüber diesem biete.

Link zum Urteil: Aktenzeichen: L 5 KR 99/13                            
« Letzte Änderung: 02. Juni 2014, 09:13:11 von RalleGA »
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Re: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"
« Antwort #31 am: 29. September 2014, 10:47:50 »
Anfangs nur ein blinder Fleck

unbehandelt kann Glaukom zur Erblindung führen


Auf einmal fiel es auf:
Herr R. aus Konstanz wollte die Straße überqueren, doch das übliche "Schnell links gucken,
schnell rechts und rüber" klappte nicht.
Beim Blick nach rechts musste er den Kopf stark drehen und sich sehr konzentrieren.
"Bis heute fühle ich mich unsicher an einer Straße und habe Angst, dass ich etwas übersehe", sagt der 29-jährige.

Herr R. ist einer von knapp einer Million Menschen, die in Deutschland von einem Glaukom betroffen sind,
im Volksmund auch Grüner Star genannt.
Ein Frühstadium sei bei rund 1,3 Millionen zu erkennen.

Die Krankheit:
Bei einem Glaukom sind die Nervenfasern und Nervenzellen des Sehnervs sowie der Netzhaut geschädigt.
Dem Betroffenen kommt es vor, als sei ein Teil des Blickfeldes wie ausradiert.

Die Krux:
Er merkt solche Ausfälle anfangs kaum, denn sie treten schleichend und zunächst am äußeren Gesichtsfeld auf.
"Das Gehirn füllt die Lücken des Bildes auf". Mit der Zeit werden die Ausfälle aber immer größer.

Die Ursache:

Hauptgrund für den Grünen Star ist ein erhöhter Augeninnendruck.
Um Form und Sehfunktion des Auges zu erhalten, braucht es einen bestimmten Innendruck.
Erzeugt wird dieser Druck durch ein Gleichgewicht zwischen produziertem und abfließendem Kammerwasser.
Dieses System werde jedoch im Laufe des Lebens weniger durchlässig und der Sehnerv empfindlicher.
Die Produktion des Kammerwassers bleibe gleich, der Abfluss jedoch werde behindert.
Der Augeninnendruck steigt an. Das Risiko für ein Glaukom nimmt daher mit dem Alter zu.

Weitere Risikofaktoren:

Einst sah man allein den erhöhten Augeninnendruck ab 21 mmHg als Auslöser.
Dies gilt heute als überholt.
Denn auch Patienten, die einen Druck unterhalb dieser Grenze haben, erkranken an einem Glaukom.
Und ein Teil der Menschen, die einen höheren Wert haben, entwickeln kein Glaukom.

Wachsam sollte man auch sein, wenn:
Verwandte ersten oder zweiten Grades wie Eltern, Geschwister oder Großeltern unter einem Glaukom leiden.
Bei einem Patienten etwa hatten alle Großeltern einen Grünen Star.
Auch stark Kurzsichtige ab minus fünf Dioptrien sind gefährdet, ebenso Diabetiker.
Es gibt meist nicht nur eine einzige Ursache, die die Nervenfasern des Sehnervs schädigen.

Früherkennung und Diagnose:
Jeder Mensch sollte ab dem 40. Lebensjahr alle vier Jahre die Glaukom-Früherkennung beim Augenarzt wahrnehmen.
Wer familiär vorbelastet sei, sollte den Check-up 'ab dem 30. Lebensjahr einmal im Jahr machen lassen.
Bei der Vorsorge wird nicht nur der Augeninnendruck gemessen, sondern der Augenarzt sieht sich auch den Sehnervkopf genau an.
Hat er einen Glaukomverdacht, sind weitere Untersuchungen der Nervenfaserschichtdicke und der Hornhautdicke sinnvoll.
Letztere spielt bei der Messung des Augeninnendrucks eine wichtige Rolle:
Eine dickere Hornhaut täuscht einen zu hohen Druck vor und eine dünne Hornhaut einen zu niedrigen.

Diese schmerzfreien Vorsorgeuntersuchungen werden allerdings nicht von der Krankenkasse bezahlt.
Es ist im eigenen Interesse, ein Glaukom so früh wie möglich zu erkennen.

Die Perspektiven:
Wird ein Grüner Star nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, können die Schäden am Sehnerv fortschreiten
und bis zur Erblindung führen.
Sind bereits Schäden entstanden, können sie nicht geheilt werden - aber die Chancen sind gut,
der Erkrankung Einhalt zu gebieten.

Die Therapie:
Behandelt wird das Glaukom mit Augentropfen, mit denen der Augeninnendruck gesenkt wird.
Wirkstoffe sind Prostaglandine, Carboanhydrasehemmer oder Betablocker.
Je nach Patient werden Wirkstoffe auch kombiniert.

Die Nebenwirkungen:
Viele Patienten reagieren allergisch auf Wirkstoffe beziehungsweise Konservierungsstoffe in den Mitteln.
So war es auch bei Herrn R. Er probierte vier Augentropfen, bis er ein Mittel fand, das er vertrug.
Es kommt außerdem vor, dass trotz des probaten Mittels der Augeninnendruck dennoch nicht sinkt.

Manch einer tropft unwissend falsch.
Man sollte den Augenarzt bitten, es einem zu zeigen.
Nach dem Tropfen sollte man die Augen am besten schließen.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK - ZEITUNG“  Mai 2014

« Letzte Änderung: 29. September 2014, 10:50:54 von RalleGA »
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« Letzte Änderung: 13. Oktober 2014, 10:17:54 von RalleGA »
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Re: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"
« Antwort #33 am: 06. Dezember 2014, 09:20:18 »
Jobcoaching für Menschen mit Sehbehinderung im Rheinland

Um den beruflichen Erst- oder Wiedereinstieg für Menschen mit Sehbehinderung stärker zu unterstützen,
startet das LVR-Integrationsamt gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst Sehen und dem BFW Düren das dreijährige Modellvorhaben "Integrationscoaching für Menschen mit Sehschädigung im Rheinland" (IcoSiR).

Menschen mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf ein intensives Arbeitstraining - auch "Jobcoaching" genannt - wenn dadurch ihr Arbeitsplatz dauerhaft gesichert oder eine neue Tätigkeit erreicht werden kann.
Für Menschen mit Sinnesbehinderungen existierte diese Möglichkeit bisher nicht,
da es keine speziellen Arbeitstrainings für sie gab.
Nun wird mit IcoSiR eine Lücke im Unterstützungssystem für Menschen mit Sehbehinderung geschlossen.

Hier: mehr Infos beim LVR
« Letzte Änderung: 06. Dezember 2014, 09:22:26 von RalleGA »
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Re: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"
« Antwort #34 am: 14. Februar 2015, 10:54:31 »
Orientierungshilfen für blinde- bzw. sehschwache Menschen

Schon kleine bauliche Änderungen können den Besuch in fremder Umgebung einfacher und sicherer machen – Ob Kreuzungen, auf dem Bahnsteig oder im Aufzug:
An vielen Orten bringen Orientierungshilfen blinde und/oder sehbeeinträchtigten Menschen weiter.

Die Vielfalt der ausgeklügelten Wegweiser ist größer als manch Sehender vermuten mag.


Bodenindikatoren:
1967 wurde in Japan eine Fußbodengestaltung entwickelt, die für blinde und sehbehinderte Menschen eine Hilfe sein soll.
Die Platten mit gerippter oder genoppter Oberfläche, die sich mit dem weißen Stock ertasten lässt, sind Orientierungshilfen, können aber auch vor Gefahren warnen.
In Deutschland dürften laut DBSV inzwischen mehrere Tausend Kilometer dieser Bodenindikatoren verlegt sein.
Die Gestaltung ist durch eine DIN-Norm geregelt.
Das betrifft nicht nur die Oberflächenstruktur, sondern auch die Farbe:
Die Platten bilden einen Hell/Dunkel-Kontrast zum restlichen Bodenbelag.
Dadurch sind sie nicht nur für Blinde, sondern auch für sehbehinderte Menschen nützlich.
Einzeln und in Kombination können die Rippen-und Noppenplatten ganz unterschiedliche Bedeutungen haben.
Im Reha-Unterricht lernen Blinde, diese mit dem Stock zu "lesen".
Rippen in Gehrichtung dienen unter anderem als Leitstreifen und quer verlegt als Stopp-Zeichen - beide Bedeutungen vereinen z. B. Bodenindikatoren an Bahnsteigen.
Wer Gepäck darauf abstellt, zwingt blinde und sehbehinderte Menschen zu Umwegen,
die gefährlich sein können, das sollten Sehende bedenken.
Noppenplatten warnen beispielsweise vor Gefahrenstellen wie Treppen.

Signalampeln:
In Deutschland gibt es unterschiedliche Systeme für Blinde,
allein in Berlin sind es sechs Varianten.
Die Regel ist ein Lautsprecher am Ampelmast, aus dem ein klopfendes Auffinde-Signal tönt.
Tiefer am Mast findet sich ein kleiner Kasten mit Knopf an der Unterseite,
mit dem sich das "akustische Grün" anfordern lässt.
Das unterscheidet sich deutlich von dem Klopfen,
im Idealfall vibriert bei „Grün" der Anforderungsknopf.
Dieser ist oft noch mit einem Pfeil versehen, der die Gehrichtung anzeigt.
Weitere tastbare Markierungen informieren etwa darüber, ob die Straße komplett überquert werden kann oder ob es eine Mittelinsel mit einer weiteren Ampel gibt.

Ansagen:
Auf Bahnsteigen sind die Ansagen für blinde Menschen sehr wichtig -
der Blindenverband kritisiert, dass es sie nicht auf allen Bahnhöfen gibt.
In der Bahn werden blinde Menschen per Ansage über Anschlussmöglichkeiten informiert.
Besonders wichtig dort: der knappe Hinweis, auf welcher Seite in Fahrtrichtung sich der Ausstieg befindet.
In Fahrstühlen gibt es zwar häufig tastbare Infos auf den Knöpfen, aber um zu erfahren,
in welchem Stockwerk der Aufzug gerade hält, sind Ansagen für blinde Menschen die einzige Möglichkeit.

Türschließ-Signale:
In vielen Situationen verschafft das sogenannte Zwei-Sinne- Prinzip Blinden und Sehbehinderten Sicherheit - eine Information darf nie nur visuell übermittelt werden.
Etwa beim Bahnfahren: Schließen sich die Türen, muss das mit einem Ton signalisiert werden, damit das Ein- und Aussteigen gefahrlos möglich ist.
Der DBSV bedauert, dass es in Deutschland noch kein akustisches Signal gibt,
dass  blinden und sehbehinderten Menschen eindeutig die Position einer Tür anzeigt.
Entsprechende Systeme seien aber in der Erprobung.

Taktile Beschriftungen:

Wer in einigen größeren Bahnhöfen Treppen benutzt, findet an den Handläufen tastbare Markierungen.
Am Treppenanfang gibt es dort einen Hinweis auf die Gleis-Nummern, am Ende steht,
auf welcher Seite sich welches Gleis befindet.
Taktile Beschriftungen sind oft auch an den Türen öffentlicher Institutionen wie Behörden angebracht, in komplexen Gebäuden helfen Blinden häufig tastbare Übersichtspläne weiter.

Taktile Modelle:
Von einzelnen Gebäuden bis hin zu Stadtvierteln stehen vielerorts Sehenswürdigkeiten als Modelle zum Anfassen.
Beispielhaft nennt der DBSV den Mini-Reichstag im Maßstab 1:100 und dazugehörige Modelle,
wie der Gebäudequerschnitt, an dem sich mit den Händen das Innere erkunden lässt,
und ein Umgebungsrelief.
Auch die Berliner Museumsinsel gibt es im Kleinformat zum Ertasten.
Für Blinde können diese Miniaturen touristische Highlights erschließen.


Fundquelle: Auszug – „ALTMARK - ZEITUNG“  Oktober 2014
« Letzte Änderung: 14. Februar 2015, 11:07:00 von RalleGA »
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Die Vorteile eines Blindenführhundes -

Haben Sie sich jemals gefragt, was für einen Unterschied ein Blindenführhund im Leben eines blinden Menschen machen kann?        

Anschauungsunterricht: siehe Link unter Text

       
In einem 18-minütigen Video von Guide Dogs Australia wird sehr ausführlich und gut nachvollziehbar erklärt,
wo die Unterschiede in der Mobilität zwischen einem Blindenführhund und einem Langstock liegen.
Anhand von konkreten Beispielen zeigt Sarah Hirst, wie sie mit dem Langstock Herausforderungen meistert,
aber auch wie sie diese mit ihrem Blindenführhund bewältigt.
Sie erzählt, warum dies für sie viel einfacher ist.                 

Video von Guide Dogs Australia
« Letzte Änderung: 09. Mai 2015, 07:58:06 von RalleGA »
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INCOBS testet Vergrößerungs-Apps

Es gibt eine Reihe von Smartphone-Apps, die den klassischen elektronischen Lupen Konkurrenz machen. Sie nutzen die im Smartphone eingebaute Kamera, um Gedrucktes vergrößert darzustellen. Zum Teil gibt es auch die Möglichkeit, ein Standbild aufzunehmen und dieses weiter zu vergrößern und durch Verschieben zu lesen. Einige Apps bieten auch verschiedene Kontrastmodi, z.B. eine Farbumkehr. INCOBS ist ein Projekt, das über Technologien für blinde und sehbehinderte Menschen informiert.

Das Ergebnis von 9 getesteten Vergrößerungs-Apps finden Sie hier:
Vergrößerungs-Apps
« Letzte Änderung: 27. Juli 2015, 08:06:30 von RalleGA »
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Re: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"
« Antwort #37 am: 11. August 2015, 07:21:22 »
Neue Internetseite zu Unterschieden beim Blindengeld

Unter Blindengeld.dbsv.org wird mit einem Klick deutlich,
wie unterschiedlich die einzelnen Bundesländer ihre Blindengeldleistungen gestalten. So bedeutet z.B. ein Umzug von Hessen nach Thüringen eine Kürzung der monatlichen Unterstützung um mehr als 50%.
Die deutsche Blindengeldlandschaft ist ein Flickenteppich aus willkürlich zusammengestoppelten Regelungen.

Fundquelle + ausführlich unter:
Kobinet-nachrichten.org vom 29. Juli 2015   


Kommentar dazu 
« Letzte Änderung: 21. Juli 2016, 08:14:00 von RalleGA »
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Arbeit unerreichbar:

Sehbehinderter gilt als erwerbsunfähig


Menschen mit einer Sehbehinderung haben es unterwegs schwer. Nicht immer gibt es z.B. ein Knopfsignal an Ampeln. Inwieweit ist eine Erwerbsminderungsrente mit dem Arbeitsweg gekoppelt?  - Um erwerbsfähig zu sein, muss man seine Arbeitsstelle sicher erreichen können. Ist der Betroffene aufgrund einer starken Sehbehinderung dazu nicht in der Lage, steht ihm eine Erwerbsminderungsrente zu. LSG Baden-Württemberg (Az.: L 13 R 2903/14)
Das ist etwa dann der Fall, wenn man aufgrund der Sehbehinderung 500 Meter zu Fuß nicht in 20 Minuten zurücklegen kann.

Der Fall:

Ein Mann konnte aufgrund einer starken Sehstörung weder selbst Auto fahren, gefahrlos öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder mittlere Strecken zu Fuß zurücklegen. Er hatte als Heimerzieher gearbeitet, als sich der Sehnervenkopf an beiden Augen entzündete. Dies führte zu einer dauerhaften Sehstörung mit deutlich eingeschränktem Gesichtsfeld. Zuvor war er wegen einer Depression dauerhaft arbeitsunfähig. Wegen der Sehbehinderung beantragte er Erwerbsminderungsrente. Die DRV lehnte den Antrag ab.

Urteil:
Das LSG Baden-Württemberg sprach dem Versicherten die Rente wegen voller Erwerbsminderung zu. Zur Erwerbsfähigkeit gehöre auch die Fähigkeit, eine Arbeitsstelle aufzusuchen. Dies sei dem Mann nicht ohne besondere Gefahr möglich. Grundlage für die Entscheidung war ein Gutachten. Darin kam der Sachverständige zu dem Ergebnis, dass wegen der Augenerkrankung mit dem ausgeprägten Gesichtsfeldausfall eine deutlich erhöhte Gefährdung im Straßenverkehr sowie bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel eingetreten war. Ohne Begleitperson könne der Mann keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und wegen der starken Sehbehinderung eine Wegstrecke von 500 Metern nicht in der üblicherweise veranschlagten Zeit von 20 Minuten sicher zurücklegen.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Mai 2016

« Letzte Änderung: 21. Juli 2016, 08:15:19 von RalleGA »
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Re: Themen für Blinde/Sehbehinderte u.a. Neuartiges Vorlesegerät "Poet P"
« Antwort #39 am: 20. August 2016, 07:19:40 »
Streit um Blindengeld:

Keine Abgaben an die Kasse zahlen


Blinde benötigen Hilfsmittel, damit sie am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Zu diesem Zweck wird das Landesblindengeld ausgezahlt.
Eine Krankenkasse von einem Rentner aufgrund des Blindengelds höhere Versicherungsbeiträge.
Die Bundesländer zahlen in der Regel jedem Blinden das sogenannte Landesblindengeld.
Wer es erhält, muss dafür keine Abgaben an die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.
Demnach wird das Blindengeld gezahlt, um behinderungsbedingte Mehraufwendungen abzudecken.

Der Fall:

Ein 85-Jähriger bekam seit 2012 monatlich 234 € Blindenhilfe.
Der Rentner war freiwillig gesetzlich kranken- und pflegeversichert.
Als die Kasse von der Zahlung im Jahr 2013 erfuhr, erhöhte sie die laufenden Versicherungsbeiträge.
Der Mann sollte monatlich rund 30 € mehr zahlen und rückwirkend eine Nachforderung von rund 200 € begleichen. Dagegen klagte der Rentner. Die Richter des LSG gaben ihm Recht.
Das Landesblindengeld ist nach ihrer Auffassung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung nicht beitragspflichtig.
Die Zahlung sei nicht dafür gedacht, den gewöhnlichen Lebensbedarf zu finanzieren.
Mit dem Betrag sollen blinde Menschen die Möglichkeit haben, sich erforderliche Mittel wie einen blindengerechten Computer oder Lesehilfen zu kaufen, damit sie an der Gesellschaft teilhaben können. Urteil des LSG Baden-Württemberg (Az.: L 11 KR 888/15)


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Juni 2016   
« Letzte Änderung: 20. August 2016, 07:22:42 von RalleGA »
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Amblyopie

- funktionelle Sehschwäche -


Amblyopie bedeutet, dass das Gehirn nicht gut erkennen kann, was das Auge (oder selten auch beide Augen) anschaut. Und das, obwohl die Augen organisch gesund sind oder eventuell ein Brechungsfehler bereits mit einer Brille auskorrigiert wird.

Welche Ursachen hat eine Amblyopie?
Es gibt mehrere Gründe, warum sich die Sehschärfe nicht normal entwickeln kann.
Die häufigsten Gründe sind:
1. Beide Augen schauen nicht in dieselbe Richtung - das Kind schielt. Um nicht ständig Doppelbilder sehen zu müssen, "schaltet" das Gehirn ein Auge "ab", es entwickelt eine funktionelle Sehschwäche.

2. Das Auge hat nicht scharf sehen gelernt, weil es wegen eines Brechungsfehlers eine Brille gebraucht hätte.

3. Das Auge kann nicht gut sehen, weil einzelne Teile (Hornhaut, Linse oder Glaskörper) über längere Zeit trüb und nicht durchsichtig genug waren oder das Augenlid die Pupille verdeckt hatte (Ptosis).

In der Regel ist von den genannten Störungen nur ein Auge betroffen.
In diesen Fällen wird das Bild des "schlechteren" Auges vom Gehirn unterdrückt und kann so auch nicht für das räumliche Sehen genutzt werden.
Weniger häufig sind beide Augen von der Amblyopie betroffen.
Dann kann überhaupt kein scharfes Bild entstehen, was in seltenen Fällen bis zur Blindheit (Restsehvermögen weniger als 2%) führen kann.


mehr unter: Behandlung - Amblyopie 
« Letzte Änderung: 02. März 2017, 09:44:40 von RalleGA »
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Augenarzt muss nicht immer Blindengeld zahlen

nach Behandlungsfehlern kann Patienten Schadenersatz zustehen


Sozialleistungen wie Blindengeld muss ein Arzt aber nicht ohne weiteres übernehmen.
OLG  Hamm. (Az.: I-26 U 14/16, 26 U 14/16)

Patienten können bei Behandlungsfehlern ihres Arztes Anspruch auf Schadenersatz haben.
Weitere Zahlungen muss ein Arzt aber nicht ohne weiteres leisten.
Das Gerichtlehnte es ab, dem Augenarzt die Zahlung des Blindengeldes aufzuerlegen, obwohl er einen Behandlungsfehler begangen hatte.

In dem verhandelten Fall war ein Patient fast erblindet, weil er an Grünem Star litt.
Der erste Augenarzt hatte die Krankheit nicht erkannt.
Erst ein zweiter Arzt hatte die Diagnose gestellt.
Eine Operation konnte den Sehverlust aber nicht mehr verhindern.
Ein Gutachten ergab, dass der Arzt einen groben Behandlungsfehler begangen hatte.
Der Patient hatte Anspruch auf Schadenersatz.
Zusätzlich bewilligte der Sozialhilfeträger Blindengeld.
Diese Leistung wollte der Träger nun von der Haftpflichtversicherung des Arztes einklagen.
Ohne Erfolg: Die Zahlung des Sozialhilfeträgers und der Schadenersatz dienten nicht derselben Einbuße des Geschädigten.

Blindengeld werde pauschal gezahlt, ohne Einkommens- und Vermögensverhältnisse oder eine Erforderlichkeit zu berücksichtigen.
Es solle unter anderem Nachteile der Behinderung mildern, Teilhabe am Leben ermöglichen und Pflegebedürftigkeit vermeiden oder zumindest vermindern.
Es habe nicht die Funktion, jeglichen Mehraufwand abzudecken.
Schadenersatz stelle demgegenüber nur auf den wirklichen, durch die Erblindung entstandenen Mehrbedarf ab.


Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2017

« Letzte Änderung: 13. März 2017, 10:10:08 von RalleGA »
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angespartes Blindengeld nicht für Heimunterbringung nutzen

Darf angespartes Blindengeld als einzusetzendes Vermögen für einen Wohnheim-Platz angerechnet werden?
Mit dieser Frage beschäftigte sich das Sozialgericht Dortmund -
mit dem Ergebnis: nicht vollständig.


Bei einer Unterbringung in einem Heim darf das angesparte Blindengeld nicht als einzusetzendes Vermögen angerechnet werden. Der Sozialhilfeträger muss dieses Vermögen bei der Berechnung der Kostenbeteiligung außen vor lassen.


Der Fall:
Der Landschaftsverband übernimmt als Sozialhilfeleistung die Unterbringung des stark sehbehinderten und geistig behinderten Mannes in einem Wohnheim. Bei der Berechnung der Kostenbeteiligung berücksichtigte der Landschaftsverband das von dem Mann angesparte Blindengeld als einzusetzendes Vermögen. Hiergegen klagte der Betreuer des Mannes.

Das Urteil: Das SG Dortmund verurteilte den Landschaftsverband dazu, 40%  des Vermögens des Mannes anrechnungsfrei zu lassen (Az.: S 62 SO 133/16).
Dabei handele es sich um das angesparte Blindengeld. Die Heranziehung des Blindengelds als einzusetzendes Vermögen stelle eine besondere Härte dar und sei deshalb unzulässig.
Im Heim lebenden Sehbehinderten werde bereits das Blindengeld reduziert.
Daher dürfe das verbleibende Blindengeld nicht zusätzlich auf der Anrechnungsseite berücksichtigt werden.
Das Blindengeld soll dem Empfänger ermöglichen, sich persönliche Wünsche zu erfüllen.
     
                                 
Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2017
« Letzte Änderung: 01. April 2017, 09:34:57 von RalleGA »
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www.blickpunkt-auge.de

Rat und Hilfe bei Sehverlust
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BGH:

Laser-Operation kann Fall für Krankenversicherung (PKV) sein 


PKV garantieren nur ganz bestimmte Leistungen.
Für manche medizinische Eingriffe übernehmen sie jedoch nicht die Kosten.
Und in anderen Fällen müssen sie es nur unter bestimmten Umständen tun.

BGH-Entscheidung   (AZ.: IV ZR 533/15)
« Letzte Änderung: 29. Juni 2017, 07:09:14 von RalleGA »
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