Orpha Selbsthilfe Forum

Autor Thema: Tipps,Fragen,Antworten für behinderte Menschen und Eltern behinderter Kinder  (Gelesen 10332 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Kita-Kind mit Allergie hat Anspruch auf Assistenz

Eine Allergie beeinträchtigt nicht nur das tägliche Leben.
In schweren Fällen kann sie lebensbedrohlich sein. Unter Umständen gilt sie daher als Behinderung.
Eltern kleiner Kinder können in solchen Fällen für den Kindergartenbesuch Hilfe beantragen.
Eine schwere Nahrungsmittelallergie kann als Behinderung gelten.
Daher muss ein Sozialhilfeträger unter Umständen die Kosten für eine persönliche Assistenz eines Kleinkindes mit hochgradiger Lebensmittelallergie während des Besuchs einer Kindertagesstätte vorläufig übernehmen.

In dem verhandelten Fall hatte ein Vierjähriger eine Erdnussallergie mit einem hohen Risiko einer systemischen allergischen Reaktion bis hin zum lebensbedrohlichen Schock.
In seinem Kindergarten konnte nicht sichergestellt werden, dass der Junge keine Erdnüsse oder erdnusshaltigen Lebensmittel zu sich nimmt.
Deshalb wurde er zu Hause betreut.
Die Eltern beantragten beim Sozialhilfeträger, die Kosten für eine persönliche Assistenz während des Kindergartenbesuchs zu übernehmen.
Allerdings ohne Erfolg.

Urteil:
Das LSG Niedersachsen-Bremen verpflichteten den Träger allerdings, die Kosten vorläufig zu übernehmen (Az.: L 8 SO 177/15 B ER).
Die Nahrungsmittelallergie könne hier als Behinderung angesehen werden.
Der Junge benötige im Kindergarten durchgängig die Begleitung, um zu verhindern, dass er mit Erdnüssen,
Erdnussprodukten oder auch nur Spuren von erdnusshaltigen Lebensmitteln in Kontakt komme.
Dies ermögliche nur eine persönliche Assistenz.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Oktober 2015
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Wünsche Kranker Kinder

Die Make-A-Wish-Organisation mit Sitz in Phoenix (US-Staat Arizona) hat seit 1980 mehr als 300.000 Wünsche lebensgefährlich erkrankter Kinder erfüllt.
Es begann damals mit dem Traum des siebenjährigen Leukämie-Patienten Christopher,
einmal Polizist zu sein.
Seine Mutter wandte sich an eine Wache, die den Jungen einen Tag lang Cop spielen ließ.
Die Idee, todkranken Kindern ein besonderes Erlebnis zu schenken, war geboren.

Die Gelder dafür kommen aus verschiedenen Quellen. Hotelketten, Fluggesellschaften und andere Unternehmen bieten ihren Service kostenlos an.
Die Anwärter sind zweieinhalb bis 17 Jahre alt.
Ihre Wünsche sind vielfältig: Feuerwehrmann spielen, Disneyland besuchen, einen Star treffen.
Schauspieler, Sportler, Musiker und TV-Stars sind oft aktiv dabei.

Schlagzeilen machte die "Batkid" -Aktion im November 2013.
Im kleinen Batman-Kostüm tobte sich der fünf jährige Leukämie-Patient Miles Scott in den Straßen
von San Francisco aus. Polizei, Feuerwehr und Zigtausende Schaulustige spielten mit.

mehr unter:
Make-A-Wish-Organisation/Germany

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  April  2015
« Letzte Änderung: 20. Oktober 2015, 13:10:38 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Persönliches Budget ist Jugendamt Dorn im Auge

Fundquelle: Kobinet-Nachrichten 29. Januar 2016
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Zu wenig Hilfsangebote

Eltern suchtkranker Kinder fehlen spezielle Beratungsstellen


Um Hilfe für die Kinder und sich selbst zu suchen, könnten sich Mütter und Väter an die Drogen-und Erziehungsberatungsstellen wenden.
Die Eltern selbst sind ja nicht krank.
Dort gebe es aber nur wenige Elterngruppen, in den ein Erfahrungsaustausch möglich ist.

http://www.ls-suchtfragen-lsa.de/start/

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Mai 2016

« Letzte Änderung: 17. August 2016, 08:36:57 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Rehabilitation für Kinder/Jugendliche 

Für eine Kinderrehabilitation müssen bestimmte med. Gründe (persönliche Voraussetzungen) vorliegen.
Außerdem müssen Sie als Elternteil die sogenannte versicherungsrechtliche Voraussetzung erfüllen.
Das bedeutet, Ihr Versicherungskonto muss bestimmte Vorgaben entsprechen.
Aus medizinischer Sicht ist eine Reha für ein Kind dann angebracht, wenn es erheblich erkrankt ist,
aber die Chance besteht, dass die Gesundheit wesentlich gebessert oder wiederhergestellt werden kann.

Eine Reha ist außerdem möglich, wenn die Gesundheit in hohem Maße gefährdet ist oder Folgeerscheinungen einer Erkrankung die spätere Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen können. 

Kostenlosen Servicetelefon: 0800 – 1000 4800

hier können Vordrucke oder Broschüren heruntergeladen werden:
www.deutschen-rentenversicherung.de

Kontakt: drv@drv-bund.de
« Letzte Änderung: 09. Dezember 2016, 09:47:41 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Übernahme der Kosten für einen Steuerberater

In Hannover hat ein Sozialhilfeträger in der ersten Instanz einen Rechtsstreit (Az.: S 53 SO 57/05) verloren.
Er wurde verurteilt, einem behinderten Arbeitgeber die Kosten für einen Steuerberater zu bezahlen, der die Lohnabrechnungen für die Assistenzpersonen macht. Der Leistungsträger ist jedoch nach wie vor der Ansicht, dass diese Kosten für die Abwicklung des Arbeitgebermodells nicht erforderlich sind. Deshalb hat er Rechtsmittel eingelegt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass es hier gar nicht um die Beträge geht. Vielmehr sollen auch hier hohe Hürden aufgebaut werden, um künftige Arbeitgeber abzuschrecken.

Ob er wohl davon ausgeht, dass alle behinderten Arbeitgeber zum Lohnbuchhalter geboren sind?
Dem ist sicherlich nicht so!

Steuerberaterkosten haben sehr wohl unmittelbar mit dem Betrieb (im eigenen Haushalt als Basis für das Arbeitgebermodell) zu tun. Wenn die Hilfen (Assistenz) statt im Arbeitgebermodell von einem professionellen Anbieter wie einem ambulanten Dienst oder einer teil- oder vollstationären Einrichtung bezogen würden, würden solche Kosten als so genannte Overhead- bzw. Verwaltungskosten im Pflegestundensatz enthalten sein, vom jeweiligen Kostenträger akzeptiert und anstandslos bezahlt werden.

Schließlich hat kein professioneller Anbieter seine Kunden "so lieb", dass er Kosten für den Lohnbuchhalter selbst tragen würde und könnte. Er wäre sonst auch schnell pleite.

Die Leistungsträger sollten vielmehr froh und dankbar über jeden behinderten Menschen sein, der es sich angesichts des höchstkomplizierten deutschen Steuerrechts und einer sich ständig ändernder Gesetzgebung zutraut, tatsächlich die Lohnabrechnungen für seine Assistenzpersonen selbst zu machen.

Übrigens, was würden wohl die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter  sagen, wenn sie ihre und/oder die Gehaltsabrechnungen ihrer Kollegen und Kolleginnen selbst machen müssten?

Fundquelle: www.forsea.de
« Letzte Änderung: 07. Februar 2017, 09:50:59 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Kasse muss Begleitung zahlen

Ein Streit über die Zuständigkeit von Behörden darf nicht zulasten des Betroffenen gehen:

Die Krankenkasse muss einem schwerbehinderten Schüler die Kosten für seine Begleitung auf dem Schulweg auch dann zahlen, wenn es sich eigentlich um eine Leistung der Sozialhilfe handelt.
Das hat das LSG Niedersachsen-Bremen in einem Eilverfahren entschieden. (Az.: L 4 KR 65/17 B ER)

Der Schüler hatte gegen die Kasse geklagt, nachdem der Kreis nicht zahlen wollte.
Der als Träger der Sozialhilfe eigentlich zuständige Landkreis Wittmund hatte einen Antrag mit der Begründung abgelehnt, er sei in diesem Fall nicht zuständig, weil die Begleitung aus medizinischen Gründen notwendig sei.
Die Krankenkasse lehnte den Antrag ebenfalls ab.
Sie sei nicht zuständig, weil es sich nicht um eine medizinische Hilfeleistung handele.
Das Gericht verpflichtete nun die Kasse zur Kostenübernahme, auch wenn eigentlich der Sozialhilfeträger zuständig sei. Zur Begründung wurde auf Details im SGB verwiesen.
In einem weiteren Verfahren könne noch geklärt werden, ob die Kasse später nicht doch das Geld vom Kreis bekommt.
Der Beschluss ist rechtskräftig.

Fundquelle: Auszug – „ALTMARK-Zeitung“  Mai 2017  
« Letzte Änderung: 15. Juli 2017, 10:06:48 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Ratgeber:

Behinderung und Teilhabe



Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen sehen sich bei der Suche nach Unterstützung einem schwer durchschaubaren Sozialsystem gegenüber.

Je nach Lebensphase und Einschränkung sind für Hilfen und finanzielle Leistungen ganz unterschiedliche Behörden zuständig.
Der neu überarbeitete Ratgeber der Verbraucherzentrale gibt Orientierung und Rechts-Tipps auf 192 Seiten und kostet 14,90 €.

Bestellmöglichkeiten:
www.ratgeber-verbraucherzentrale.de 

Telefon: 0211 – 3809 555    
« Letzte Änderung: 22. April 2018, 09:58:59 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

  • Global Moderator
  • *****
  • Beiträge: 4.998
  • Ich bin: : selbst betroffen
Kind mit Handicap -

Bescheinigung vom Arzt erforderlich

Der Gesetzgeber hat das Mutterschutzgesetz geändert.
Doch nicht jeder weiß davon.


Was passiert, wenn Eltern zu spät davon erfahren?
Wenn das Neugeborene mit einer Behinderung zur Welt kommt, ist das für Eltern ein großer Schock.
Eine im Juni 2017 eingeführte neue gesetzliche Regelung zur Verlängerung der Mutterschutzfrist soll sie in dieser außergewöhnlichen Situation unterstützen.

Doch was, wenn die Eltern zu spät davon erfahren?

So erging es einem Paar in der Altmark, das sich an den Leser-Obmann wandte.
Ihr Baby war schon gut acht Wochen alt, als der Papa in einem Facebook-Forum eher zufällig auf die Neuerung stieß.

Was Eltern in solchen Fällen beachten sollten:


Was genau wurde neu geregelt?
Ist ein Kind bei der Geburt behindert, kann die Mutterschutzfrist von 8 auf 12 Wochen verlängert werden.
Auch die Krankenkassen zahlen dann vier Wochen länger das Mutterschaftsgeld.

Worauf ist dabei besonders zu achten?
Wichtig ist, dass ein Arzt innerhalb der ersten acht Wochen nach der Geburt feststellt,
dass das Kind behindert ist und dafür eine ärztliche Bescheinigung ausstellt, die derzeit noch formlos ist.
Eine ähnliche Regelung gibt es bereits seit vielen Jahren bei Frühgeburten.
Auch hier stellen die Ärzte eine Bescheinigung aus, mit der die Mutterschutzfrist verlängert wird.

Woher erfahren die Eltern, dass sie von der Regelung profitieren können?

Hier ist der behandelnde Arzt gefragt. Er stellt bei der Geburt fest, ob und gegebenenfalls was für eine Behinderung vorliegt.
Der Gesetzgeber macht hier grobe Vorgaben.
Der Arzt informiert dann auch die Eltern, welche Möglichkeiten sie haben.

Aber erfahren die Krankenkassen nicht automatisch, dass ein Kind behindert ist,
z.B. wenn Leistungen abgerechnet werden, die darauf hindeuten?

Allein die Kenntnis von bestimmten Therapien beim kleinen Patienten berechtigt die Krankenkassen nicht dazu, das Kind als behindert einzustufen. Das kann nur ein Arzt. Wir können erst dann aktiv werden, wenn wir eine Bescheinigung des Arztes erhalten.

Was genau sollten die Eltern mit der Bescheinigung machen?
Zunächst mit dem Arbeitgeber (AG) Kontakt aufnehmen und mit ihm die Verlängerung der Schutzfrist klären.
Bei der Krankenkasse müssen die Eltern lediglich die ärztliche Bescheinigung einreichen.
Die Krankenkasse nimmt dann mit dem AG Kontakt auf und veranlasst, dass das Mutterschaftsgeld ausgezahlt wird.
Aber nach der Geburt haben Eltern andere Dinge im Kopf als Anträge auszufüllen. Das ist richtig.
Deswegen müssen Eltern auch keine Anträge ausfüllen oder Antragsfristen einhalten.
Einzig der Arzt hat auf die Acht-Wochen-Frist zu achten.
Die Verlängerung von Mutterschutzfrist und Mutterschaftsgeld kann auch danach noch geklärt werden.
Im Kontakt mit Krankenkassen und sicherlich auch den meisten AG genügt es, die ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

Sind im Land (LSA) Fälle bekannt, bei denen die neue gesetzliche Regelung für behinderte Kinder bereits Anwendung gefunden hat?
 Bislang ist uns ein Fall bekannt. Was raten Sie den Eltern? Eine Antragsfrist gibt es nicht.
Sie sollten zuerst mit dem Arzt über die oben genannte Bescheinigung sprechen.
Mit dieser sollten sie dann zum AG gehen und ihre Krankenkasse kurz informieren.

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  Januar 2018
« Letzte Änderung: 13. Mai 2018, 06:02:55 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.