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Autor Thema: "Hoffnung" in Sachen Familienplanung  (Gelesen 3092 mal)

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Offline Schneewittchen

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"Hoffnung" in Sachen Familienplanung
« am: 01. Juni 2008, 19:27:48 »
hallo ihr lieben,

da ich immer wieder lese, dass das oben genannte thema gerade die "jüngeren", wie auch mich,   sehr interessiert..
und da mir beim durchlesen aufgefallen ist, dass das schon alles nicht mehr aktuell ist..

ich hatte damals geschrieben, dass unser gendefekt mit einer künstlichen befruchtung "ausgetrickst" werden kann.
dies ist wohl auch grds. möglich, aber 1. gibt es dafür kein richtiges anerkanntes verfahren und 2. würde ein versuch (mit untersuchung der abkapselung--> siehe hierzu das thema "familienplanung) ca. 10.000 € kosten.  :shock
und de wahrscheinlichkeit schwanger zu werden beträgt 30%.
außerdem würde vorweg eine hormombehandlung der frau erfolgen, damit viele eier gleichzeitig heran reifen.
meine genetikerin sagte, dass es ein gefühl sei, wie 0 schwangerschaften auf einmal..
hmm.. ob man sich das antun muss...  ???

mir wurde aber außerdem von der genetikerin erzähöt, dass man auf natürlichem weg schwanger werden könnte, ab dem 3. mon. (ja, das geht leider erst ab dem 2.) eine fruchtwasseruntersuchung machen lassen kann, um den gendefekt zu untersuchung.
tja, und sollte der embryo den defekt haben, kann man es abtreiben.
da es auch gesundheitlichen gründen ist, glaube ich auch noch bis zum 5. mon.
bis zum 4. geht es aber auf jeden fall..

das ganze ist natürlich eine etische diskussion und muss wohl jeder für sich selber entscheiden.

ich kann für mich nur sagen, dass ich kein kind mit meinen genen in die welt setzen werde!
aber ich weiß auch nicht, ob ich ein kind abtreiben könnte, dass schon über 3 mon. in mir heran wächst..  ???
man fühlt sich zu diesem zeitpunkt bestimmt schon schwanger und hat auch eine entsprechende bindung aufgebaut.. ich weiß echt nicht, ob ich das alles so einfach könnte.
dann vielleicht doch lieber adoption..? oder eben keine...?  :(
wer weiß..

auf jeden fall bestseht theoretisch die möglichkeit einer NORMALEN schwangerschaft.
von der geschichte mit der künstlichen befruchtung rät meine genetikerin eher ab.

naja, ich bin auf jeden fall froh, dass es im falle eines falles diese möglichkeit gibt.
was ich machen werde wird sich dann zeigen und wie mein freund dazu steht.

viele liebe grüße an euch alle
Lebe jeden Tag so als wenn es dein letzter wäre.
Denn das Leben ist leider zu kurz um nur einen einzigen Tag zu verschwenden.

Offline Carola

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Re: "Hoffnung" in Sachen Familienplanung
« Antwort #1 am: 03. Juli 2009, 21:27:51 »
Hallo!

Ja, das ist wirklich ein heikles Thema... also ich bin jetzt 26 Jahre alt, habe letztes Jahr im Mai meinen Sohn zur Welt gebracht, dieses Jahr im Feb erfahren, daß ich Darmkrebs habe und kriege kommende Woche offiziell mitgeteilt, daß ich HNPCC habe.
Mein Sohn ist mein Ein und Alles... und genau das ist der Grund warum ich nicht noch ein Kind bekomme: es ist furchtbar zu wissen , daß ich ihm evtl diesen Gendefekt vererbt habe.  :'( Ich kann nicht verstehen,daß manche Frauen das nicht mal in Betracht ziehen. Viele haben nur Angst, daß sie keine Kinder kriegen können (z.B. wegen einer Chemo oder so). Immerhin entscheidet man sich dafür, seine schlimme Krankheit mit einer 50%igen Sicherheit an sein Baby weiterzugeben und dieser Mensch steht irgenwann vor den gleichen Problemen! Wenn ich es vorher gewußt hätte, wäre ich jetzt nicht Mutter! Das ist meine Meinung...
Zu dem so späten Abtreiben: ich glaube, es würde Dich zerreißen. Klar hast Du da schon eine Bindung zu dem Krümel! Du wünscht Dir ein Baby und mußt es wegmachen...und dann auch noch so spät. Ich bin nicht gegen Abtreibung,würde ich nochmal schwanger werden, würde ich es auch tun. Aber extra schwanger zu werden und zu wissen, daß ich es evtl nicht behalten werde...das könnte ich nicht.

Wenn Adoption für Dich in Frage kommt, ist das meiner Meinung nach die beste Lösung. Aber da hast Du dann bestimmt auch keinen einfachen Weg vor Dir. Da muß man ja so einige Kriterien erfüllen und es dauert glaube sehr lange.
Für mich käme auch das nicht in Frage aber das muss ja nun wirklich jeder für sich entscheiden.

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute und daß Du für Dich die richtige Entscheidung treffen kannst.

Liebe Grüße , Carry  ;)
Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.

Offline Carola

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Re: "Hoffnung" in Sachen Familienplanung
« Antwort #2 am: 17. Juli 2010, 00:37:50 »
...und inzwischen ist alles anders...

als ich mir eben diesen Text, den ich da verfasst habe nochmal durchgelesen habe, habe ich mich echt erschrocken...
Ich konnte zu diesem Zeitpunkt überhaupt gar nicht mit der Diagnose umgehen und habe eine tierische Angst vor der Krankheit gehabt, davor , daß ich vielleicht bald sterbe, daß ich mein Kind auf dem Gewissen habe, u.s.w. Ich war in einer absolut schlehten Verfassung.

Ich denke inzwischen ganz anders. Mit hilfe einer Psychotherapie habe ich es geschafft, wieder realistisch zu denken, gelernt  mit meinen Ängsten umzugehen und wieder (oder endlich) angefangen richtig zu leben.

Wenn man bedenkt, wieviele "Normale" Menschen schon an Krebs erkranken... und es wird zu spät bemerkt...da hat doch mein Kind später sogar irgendwie Vorteile bezüglich der Vorsorgemöglichkeiten.

Ich entschuldige mich für die harten Worte aus dem hervorgegangenen Text.Aber das war zu dem Zeitpunkt meine Realität.

Liebe Grüße, Carola.
Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.

Offline busymouse

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Re: "Hoffnung" in Sachen Familienplanung
« Antwort #3 am: 22. Juli 2010, 17:43:29 »
Ach Carola,

dafür brauchst du dich doch nicht entschuldigen...  Jede Zeit und jede Erfahrung ist im Leben mit einer ihr eigenen Wahrnehmung verknüpft, die zu dem Zeitpunkt goldrichtig und auch wichtig ist.

Ich würde mich auch nie dafür verurteilen, dass ich irgendwann den Vater meiner Kinder geliebt habe, nur weil es später nicht mehr so schön war. Zu seiner Zeit war es richtig und ohne diese Zeit gebe es meine Kinder nicht. Menschen und Sichtweisen verändern sich. Das ist ganz normal. Wenn es nicht so wäre, wäre das Leben auch ganz schön langweilig...   ;D

Ich freue mich, dass du das damals so berichtet hast. Ich denke, dass dein Bericht seitdem schon vielen Frauen geholfen haben wird, sich selbst eine Meinung zu dem Thema zu bilden. Und manch eine Frau hat sich mit ihren Gedanken vielleicht auch etwas weniger alleine gefühlt....  ;-)

 ;) Liebe Grüße Birgit
Nicht die Dinge selbst, sondern nur unsere Vorstellungen über die Dinge machen uns glücklich oder unglücklich.
(Epiktet, griech. Philosoph, 50-138)

Offline Lynch

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Re: "Hoffnung" in Sachen Familienplanung
« Antwort #4 am: 28. November 2017, 22:02:01 »
Hallo Schneewittchen,

dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, aber immer noch aktuell.

Bzgl. der pränatalen Diagnostik ist es rechtlich gesehen in Deutschland verboten den Fötus auf diesen speziellen Gendefekt zu untersuchen (siehe §15 Abs. 2 Gendiagnostikgesetz). Aber natürlich gibt es immer Ausnahmen und die Erkrankung fällt in einen ethischen "Graubereich".
Hat Dir deine Genetikerin damals gesagt, dass die Untersuchung (Fruchtwasseruntersuchung) und die Diagnostik in Deutschland durchgeführt werden kann? Ich weiß, dass diese Untersuchung in unseren Nachbarländern kein Problem darstellt.

Vielen Dank für deine Rückmeldung.

Viele Grüße
Simone