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Autor Thema: Ratgeber - allgemeines Patientenrecht + Urteile zum Patientenrecht  (Gelesen 15326 mal)

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Offline RalleGA

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Re: Ratgeber - allgemeines Patientenrecht + Urteile zum Patientenrecht
« Antwort #30 am: 27. Oktober 2017, 10:43:37 »
Dokumentation lückenhaft:

Kein Beleg für Behandlungsfehler


Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen.
Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat.
Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung hilfreich, um den Fall zu klären.
Aber was gilt, wenn dies Lücken hat?

Eine lückenhafte Dokumentation bei einem ärztlichen Eingriff ist noch kein Beleg für einen Behandlungsfehler.
Vielmehr müssen die Lücken dann durch andere Beweismittel geschlossen werden -
etwa durch Zeugenaussagen und die Anhörung des Arztes.   


In dem verhandelten Fall stand ein Zahnarzt vor Gericht.
Er hatte einer Patientin den Zahn gezogen.
Dabei wurde ein Nerv verletzt. Die Wunde hatte sich entzündet.
Die Frau warf dem Arzt vor, er habe einen Fehler bei der Behandlung gemacht und sie unzureichend aufgeklärt.
Im Prozess stellten die Richter des OLG Koblenz fest, dass die Dokumentation der Behandlung lückenhaft war.     

Dies reiche aber nicht als Beleg für einen Behandlungsfehler.
Der Arzt hafte also nicht automatisch aufgrund einer lückenhaften Dokumentation.
Vielmehr müssten durch andere Beweismittel die Lücken geschlossen werden:
Der Arzt und seine Assistentin wurden vor Gericht befragt.   

Die Richter kamen zu dem Schluss, dass das Ziehen des Zahnes notwendig gewesen sei.
Auch das Abbrechen des Wurzelrestes, die eingetretene Verletzung sowie die Infektion der Wunde gehörten zu den möglichen Risiken eines solchen Eingriffes.
Nach Auffassung der Richter lag kein Behandlungsfehler vor.
Urteil des OLG Koblenz (AZ.: 5 U 565/16)                                 

Fundquelle: Auszug – „SVZ“ (Schweriner Volkszeitung“ – August 2017
« Letzte Änderung: 27. Oktober 2017, 10:45:10 von RalleGA »
Wenn ich morgens aufwache und habe keine Schmerzen mehr - dann bin ich tot.

Offline RalleGA

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Re: Ratgeber - allgemeines Patientenrecht + Urteile zum Patientenrecht
« Antwort #31 am: 30. Mai 2018, 07:26:15 »
Patienten sollten ihre Rechte kennen

Fehler bei der Behandlung


Auch Ärzten können bei der Ausübung ihres Berufs Fehler unterlaufen.

Wenn ein Behandlungsfehler vorliegt, können Patienten verschiedene Ansprüche geltend machen.
Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn ein Arzt gegen die aktuellen, allgemein anerkannten Facharztstandards der ärztlichen Heilkunst verstoßen hat.
Der Schaden muss zweifelsfrei durch die Behandlung verursacht worden sein.
Zudem müssen beim Patienten Gesundheitsschäden vorliegen, die einen materiellen oder nicht materiellen Schaden nach sich ziehen. 
Ein Behandlungsfehler kann nicht nur bei der Diagnose oder Therapie auftreten, sondern alle Bereiche ärztlicher Tätigkeit betreffen. Darüber hinaus schließt er das gesamte medizinische Personal in einer
Praxis oder Klinik mit ein. Die Beweislast liegt grundsätzlich beim Patienten.
Er muss nachweisen, dass z.B. der Arzt einen Fehler gemacht hat.     
 

Die Frage, ob der Arzt vom Facharztstandard abgewichen ist, ist eine medizinische.
Daher kann ein Behandlungsfehler in der Regel nur durch ein medizinisches Gutachten nachgewiesen werden.
Die Patientenakte bildet die Grundlage der Begutachtung.
Als Patient haben Sie das Recht, Ihre Akte einzusehen.

Sie haben Fragen zum Thema?   

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hilft neutral und kostenfrei unter der Nummer 0800 – 011 77 22.
Infos unter www.patientenberatung.de

Nicht immer ist eine gütliche Einigung ohne ein medizinisches Gutachten möglich.
Versicherte haben das Recht, ihre Krankenkasse um kostenfreie Hilfe und Informationen zu bitten.

Voraussetzung ist jedoch, dass der vermutliche Behandlungsfehler als Folge einer Leistung entstanden ist,
die von der Krankenversicherung (KV) gezahlt wurde.
Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) erstellt dann ein Gutachten, das zu dem Vorwurf des Behandlungsfehlers Stellung bezieht. Auch die Landesärztekammern bzw. Landeszahnärztekammern helfen weiter. Ihre Gutachterkommissionen und- Schlichtungsstellen haben die Aufgabe, Konflikte zwischen Patient und Arzt außergerichtlich zu klären.     
Diese Verfahren sind jedoch für alle Beteiligten freiwillig.
Über den rechtlich verbindlichen Anspruch von Schadenersatz und Schmerzensgeld sowie dessen Höhe kann jedoch ausschließlich ein gerichtliches Verfahren entscheiden.
Die Partei, die verliert, trägt sämtliche Verfahrenskosten für beide Seiten.
Geht es dem Patienten darum, den Arzt für seinen Fehler zu sanktionieren, so ist ein straf- oder berufsrechtliches Verfahren nötig.

Fundquelle: Auszug – „GENERAL-ANZEIGER“ Januar 2018

« Letzte Änderung: 30. Mai 2018, 07:31:37 von RalleGA »
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