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Autor Thema: Krankenkassen - Zuzahlungen, Zusatzbeiträge - Tipps; Fragen; Antworten  (Gelesen 7791 mal)

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Offline RalleGA

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Lohnt sich ein Wechsel, wenn die alte einen Zusatzbeitrag erhebt?

17 deutsche Krankenkassen kommen nicht mehr mit den Beiträgen ihrer Mitglieder aus und verlangen daher von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag von zumeist acht Euro - in dieser Höhe ist keine Einkommensprüfung nötig.
Zwei Kassen verlangen gar ein Prozent des Einkommens bis zu maximal 37,50 Euro im Monat zusätzlich.
Für Sozialhilfeempfänger, Bezieher einer Grundsicherung oder Heimbewohner, die ergänzende Sozialhilfe bekommen, übernimmt das Grundsicherungs- oder das Sozialamt die Zahlung.
Bezieher von Arbeitslosengeld II müssen, abgesehen von Einzelfällen, den Zusatzbeitrag selbst tragen.
Das Gros der Krankenkassen verzichtet - noch - auf diese zusätzliche Einnahmequelle.

Der Grund für die Begehrlichkeiten der Kassen liegt in dem immensen Defizit von 3,1 Milliarden Euro,
das die deutschen Krankenkassen trotz staatlicher Zuschüsse noch in diesem Jahr erwarten.

Unterwegs zur Neuen

Kein Wunder also, wenn so manche/r Versicherte über den Wechsel zu einer neuen Kasse nachdenkt.
Und prinzipiell steht dem auch nichts im Wege, da die Wahl der Kasse in Deutschland frei ist.
Es genügt die persönliche schriftliche Kündigung innerhalb der gültigen Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende.
Die Ausnahme:
Wer bei seiner Kasse einen Wahltarif abgeschlossen hat, muss für drei Jahre bleiben.
An die neue Kasse ist man dann für anderthalb Jahre gebunden, es sei denn, die neue Kasse erhebt erstmalig den Zusatzbeitrag oder erhöht ihn - dann hat die/der Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.
Soweit die rechtliche Lage.

Aber was bringt's?
Experten gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2011 sämtliche Kassen einen Zusatzbeitrag erheben müssen.
Man rechnet sogar damit, dass es noch im Laufe des Jahres 2010 „in großem Maße" Zusatzbeiträge geben wird.
Zwar lehnt jeder die Zusatzbeiträge vehement ab, weil sie "das Einfallstor für die Kopfpauschale“ sind.
Zugleich rät man aber von einem vorschnellen Wechsel ab, um kurzfristiges Geld - in den meisten Fällen handelt es sich um weniger als 100 Euro im Jahr - zu sparen.
Es gilt zu bedenken, dass auch die Leistungen der Kasse, ihre Erreichbarkeit und die Beratung im Krankheitsfall bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten.
Die Menschen müssen die für sie passende Krankenkasse frei wählen können.
Die Zusatzbeiträge schränken dieses Recht ein und müssen deshalb wieder abgeschafft werden.                                                                                      
« Letzte Änderung: 22. April 2011, 09:27:07 von RalleGA »
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Krankenkasse                                   Zusatzbeitrag im Monat
BKK advita                                        8 Euro, seit Februar 2010
BKK Axel Springer                             8 Euro, seit Februar 2010
BKK für Heilberufe                             1 Prozent bis max. 37,50 Euro, seit Januar 2010
BKK Gesundheit                                8 Euro, seit Februar 2010
BKK MERCK                                       8 Euro, seit April 2010
BKK PHOENIX                                   8 Euro, seit Januar 2010
BKK Publik                                        1 Prozent, max. 16 Euro seit Januar 2010
BKK Westfalen-Lippe                        12 Euro, seit Februar 2010
CITY BKK                                          8 Euro, seit April 2010
DAK                                                  8 Euro, seit April 2010
Deutsche BKK                                    8 Euro, seit Februar 2010
E.ON BKK                                         angekündigt
ESSO BKK                                        8 Euro, seit April 2010
Gemeinsame BKK (GBK)                   1 Prozent bis max. 37,50 Euro, seit Januar 2010
KKH-Allianz                                      8 Euro, seit März 2010
Novitas BKK und ktpBKK                  8 Euro, seit April 2010
STAND VON APRIL 2010

passend dazu: http://www.krankenkassen.de/ref/vorstandsgehaelter/

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46 Kassen ohne Zusatzbeiträge 2011

46 gesetzliche Krankenkassen - darunter der Marktführer BARMER - GEK - garantieren ihren Mitgliedern, das kommende Jahr komplett ohne Zusatzbeitrag auszukommen.

Außerdem zählen dazu sechs Ortskrankenkassen wie die AOK Rheinland/Hamburg, Innungs-, Betriebs- und weitere Ersatzkrankenkassen. Weitere 33 gesetzliche Kassen planen ohne Zusatzbeitrag, wollten demzufolge aber noch kein Versprechen abgeben.
Derzeit gibt es 160 gesetzliche Krankenkassen, von denen einige jetzt schon Zusatzbeiträge erheben.

siehe auch unter der Liste der Krankenkassen: www.dpaq.de/UED1Q   

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“ – Oktober 2010

« Letzte Änderung: 24. März 2011, 09:49:13 von RalleGA »
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Zusatzbeitrag ändert sich:

Sonderkündigungsrecht


Wenn eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag einführt, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.
Dieses Recht gelte auch dann, wenn ein bereits erhobener Zusatzbeitrag angehoben wird,
erklärt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Halle.

Jede Kasse müsse ihre Versicherten spätestens einen Monat, bevor sie den Zusatzbeitrag erhebt,
auf das Sonderkündigungsrecht aufmerksam machen, erklären die Experten.
Bis zum 31. Dezember 2010 war der Zusatzbeitrag auf acht Euro begrenzt.
Seit dem 1. Januar dürfen Krankenkassen Zusatzbeiträge in unbegrenzter Höhe erheben.

Mehr über Kassen mit Zusatzbeiträgen unter:

Krankenkassen  mit Zusatzbeiträgen
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2012, 16:30:33 von RalleGA »
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Zuzahlungen:

Nützliche Tipps;


Dass Versicherte zu vielen Leistungen Zuzahlungen aufbringen müssen,
fällt im Alltag der medizinischen Versorgung gar nicht mehr auf.
Selbstverständlich bezahlt man einmal im Quartal Praxisgebühr oder steuert seinen Anteil als Patient im Krankenhaus
oder der Apotheke bei.
Doch es gibt einige Möglichkeiten, die Zuzahlungen sparen helfen.

Recht bekannt ist, dass Kinder bis zur Vollendung ihres 18. Lebensjahres keine Zuzahlungen leisten müssen,
ausgenommen zu Fahrkosten und Kieferorthopädie.
Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge, bei Beschwerden in der Schwangerschaft oder der Entbindung
müssen keinerlei gesetzliche Zuzahlungen gezahlt werden.
Gleiches gilt bei Leistungen, die im Zusammenhang mit einem Arbeitsunfall, einer Berufskrankheit oder einem Heilbehandlungsanspruch nach dem Bundesversorgungsgesetz stehen.

Normalerweise müssen Krankenversicherte zwei Prozent ihrer jährlichen Familien-Bruttoeinnahmen
zum Lebensunterhalt für Zuzahlungen aufbringen.
Was darüber hinaus an gesetzlichen Zuzahlungen aufgewendet werden muss,
kann man sich von seiner Kasse erstatten lassen.


Menschen mit einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung brauchen nur ein Prozent ihrer Bruttoeinnahmen für Zuzahlungen aufzuwenden.
Wird die Zuzahlungsgrenze schon nach kurzer Zeit überschritten,
ist auch eine frühzeitige Befreiung im laufenden Kalenderjahr möglich.
Bei der Berechnung der persönlichen Belastungsgrenze werden für Ehepartner, Partner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz und berücksichtigungsfähige Kinder Freibeträge vom Bruttoeinkommen abgezogen.
In den Geschäftsstellen vor Ort kann jederzeit ausgerechnet werden, wie hoch die persönliche Belastungsgrenze ist.

Bei der BARMER-GEK gibt es auch den Antrag für eine Befreiung von Zuzahlungen oder online unter:
www.barmer-gek.de/101011                                                      
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Zuzahlungen:

Nützliche Tipps;
Noch ein Tipp in Sachen "Zuzahlung und Früherkennung":


Für die Krebs-Früherkennungsuntersuchungen, das Hautkrebs-Screening und den Check-up müssen Versicherte keine Praxisgebühr zahlen.
Geht man nur dafür zum Arzt, wird für die Erhebung der Krankengeschichte, die Untersuchung, die Mitteilung der Befunde und eine anschließende Beratung keine Praxisgebühr fällig.
Erst wenn ein krankhafter Befund eine weitere Diagnostik oder Behandlung erforderlich macht, wird diese zuzahlungspflichtig.

Fundquelle: BARMER-GEK / Gesundheit konkret 1/2011                                
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Noch ein Tipp in Sachen "Zuzahlung und Krebsfrüherkennung":


Frauen
haben ab dem 20. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.
Eine besondere Regelung gilt für Frauen, die nach dem 1. April 1987 geboren wurden.
Wer spätestens zwei Jahre nach dem 19. Geburtstag zu dieser Untersuchung geht oder sich zumindest über diese Möglichkeit beraten lässt, hat im Fall einer späteren Erkrankung an dieser Krebsform Anspruch auf eine verminderte Zuzahlungsgrenze.

Eine ähnliche Verpflichtung wird 2012 erstmals in Bezug auf die Darmkrebsfrüherkennung für Männer gelten,
die nach dem 1. April 1962 geboren wurden.

Fundquelle: BARMER-GEK / Gesundheit konkret 1/2011        
                     
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2012, 16:32:27 von RalleGA »
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Frage:

Ich war als Selbständiger in einer privaten Krankenkasse, bin aber vor zwei Jahren dort ausgeschlossen worden
und seither nicht mehr krankenversichert.
Nun gehe ich in Rente.
Wie sieht es dann mit meiner Krankenversicherung aus?

Antwort:
Seit 1. April 2007 können Sie als Nichtversicherter bei der Krankenkasse, bei der Sie zuletzt versichert waren,
einen Antrag zur Aufnahme in die Versicherung der Nichtversicherten stellen.
Hier werden Sie dann mindestens zum Basistarif versichert.

Fundquelle:  „VOLKSSTIMME“ – April 2011                                              
« Letzte Änderung: 01. Dezember 2012, 16:33:44 von RalleGA »
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Re: Krankenkassen - Zuzahlungen, Zusatzbeiträge - Tipps; Fragen; Antworten
« Antwort #8 am: 20. September 2018, 08:27:44 »
Krankenkasse muss nicht jede Therapie bezahlen

Bei manchen Krankheiten können unerprobte Therapien durchaus helfen.
Aber eine Krankenkasse muss die Kosten für solche Heilbehandlungen nicht unbedingt übernehmen.
Zumindest nicht, wenn es Alternativen gibt.

Krankenkassen müssen nicht für alle Heilbehandlungen aufkommen.

Ist die gewünschte Therapie noch Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen, kann die Kasse auf andere, erprobte Möglichkeiten verweisen. Das gilt auch, wenn die behandelnden Ärzte die Therapie empfohlen haben. Sozialgericht Detmold (Az.: S 3 KR 604/15).
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In dem verhandelten Fall litt eine Frau unter einer krankhaften Fettverteilungsstörung.
Trotz Empfehlung der behandelnden Ärzte lehnte die Krankenkasse die Kostenübernahme für eine chirurgische Therapie der Erkrankung mittels Fettabsaugung ab.
Statt dieser sogenannten Liposuktion verwies sie auf physikalische Maßnahmen in Form einer Lymphdrainage und dem regelmäßigen Tragen von Kompressionsstrümpfen. Dagegen klagte die Patientin. 

Ohne Erfolg:
Die Versicherte habe keinen Anspruch auf die Behandlung.
Der Grund: Zur Qualität und Wirksamkeit der Liposuktion könnten noch keine zuverlässigen, wissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen gemacht werden. Es fehlten zudem einwandfrei geführte Studien über die Zahl der behandelten Frauen und die Wirksamkeit der Methode. Die Krankheit stelle zudem keine lebensbedrohliche Erkrankung dar. Daher könne die Kasse auf eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung verweisen. 

Fundquelle: Auszug – „VOLKSSTIMME“  März 2018
« Letzte Änderung: 20. September 2018, 08:30:31 von RalleGA »
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